"Stalin"

Werke

Band 2

DAS FORTGESCHRITTENE PROLETARIAT
UND DER FÜNFTE PARTEITAG

Die Vorbereitung zum Parteitag geht zu Ende.[26] Allmählich zeichnet sich das Kräfteverhältnis der Fraktionen ab. Es ergibt sich, dass die Industriegebiete zum größten Teil die Bolschewiki unterstützen. Petersburg, Moskau, das Zentrale Industriegebiet, Polen, das Ostseegebiet, der Ural - hier genießt die Taktik der Bolschewiki Vertrauen. Der Kaukasus, das Transkaspische Gebiet, der Süden Rußlands, einige Städte in den Einflussgebieten des „Bund“[27], die Bauernorganisationen der „Spilka“[28] - hier schöpfen die Genossen Menschewiki ihre Kräfte. Der Süden Rußlands ist das einzige Industriegebiet, wo die Menschewiki Vertrauen genießen. Die übrigen Stützpunkte des Menschewismus sind zum größten Teil Zentren der Kleinproduktion.

Es ergibt sich, dass die Taktik der Menschewiki hauptsächlich die Taktik der rückständigen Städte ist, wo man die Entfaltung der Revolution und das Wachstum des Klassenbewusstseins scheel ansieht.

Es ergibt sich, dass die Taktik der Bolschewiki hauptsächlich die Taktik der fortgeschrittenen Städte, der Industriezentren ist, wo man auf die Vertiefung der Revolution und auf die Entwicklung des Klassenbewusstseins die Hauptaufmerksamkeit richtet...

Es gab eine Zeit, wo die Sozialdemokratie Rußlands nur eine Handvoll Mitglieder hatte. Damals trug sie intelligenzlerischen Charakter und war nicht imstande, dem Kampf des Proletariats ihren Stempel aufzudrücken. Damals betrieben nicht mehr als ein paar Personen die Parteipolitik, die Stimme der proletarischen Parteimassen war kaum vernehmbar… Ganz anders heute. Heute steht vor uns eine großartige Partei – die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Rußlands -, die an die 200000 Mitglieder in ihren Reihen zählt, dem Kampf des Proletariats ihren Stempel aufdrückt, die revolutionäre Demokratie ganz Rußlands um sich sammelt und den „Mächtigen dieser Welt“ Angst einjagt. Und diese großartige Partei ist umso großartiger und hervorragender, als das Steuer Ihrer Leitung von der Parteimasse und nicht von ein paar „aufgeklärten Personen“ geführt wird. Das ist am besten während der Dumawahlen zutage getreten, als die Parteimasse den Vorschlag des „autoritativen“ Plechanow beiseite warf und nicht willens war, eine „gemeinsame Plattform“ mit den Kadetten zu haben. Allerdings nennen die Genossen Menschewiki unsere Partei trotzdem eine Intellektuellenpartei, aber das geschieht wahrscheinlich deshalb, weil die Partei in ihrer Mehrheit nicht menschewistisch ist. Wenn jedoch die deutsche sozialdemokratische Partei, die bei 18 Millionen Proletariern nur 400000 Mitglieder zählt, wenn diese Partei das Recht hat, sich eine proletarische Partei zu nennen - so ist die sozialdemokratische Partei Rußlands, die bei 9 Millionen Proletariern in Rußland 200000 Mitglieder hat, gleichfalls berechtigt, als eine proletarische Partei betrachtet zu werden...

Somit ist die sozialdemokratische Partei Rußlands auch noch dadurch groß, dass sie eine wahrhaft proletarische Partei ist, die ihren Weg in die Zukunft beschreitet und sich den Einflüsterungen ihrer alten „Führer“ gegenüber kritisch verhält.

In dieser Hinsicht sind die letzten Konferenzen in Petersburg und Moskau kennzeichnend.

Auf beiden Konferenzen gaben die Arbeiter den Ton an, neun Zehntel der Gesamtzahl der Delegierten waren dort wie hier Arbeiter. Beide Konferenzen lehnten die veralteten und unangebrachten „Direktiven“ der „alten Führer“ vom Schlage Plechanows ab. Beide Konferenzen erkannten mit lauter Stimme die Notwendigkeit des Bolschewismus an. Damit haben Moskau und Petersburg der menschewistischen Taktik ihr Misstrauen ausgesprochen, haben sie die Hegemonie des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution als notwendig anerkannt.

Durch den Mund Petersburgs und Moskaus spricht das gesamte klassenbewusste Proletariat. Moskau und Petersburg sind führend für die übrigen Städte. Von Moskau und Petersburg gingen während der Aktionen vom Januar und Oktober die Direktiven aus, sie führten die Bewegung in den ruhmreichen Dezembertagen. Kein Zweifel, dass sie auch das Signal zu dem bevorstehenden revolutionären Ansturm geben werden. Petersburg und Moskau aber halten sich an die Taktik des Bolschewismus. Die Taktik des Bolschewismus ist die einzig proletarische Taktik - das sagen die Arbeiter dieser Städte dem Proletariat Rußlands…

„Dro“ (Die Zeit) Nr. 25,
8. April 1907.
Artikel ohne „Unterschrift.
Nach der autorisierten russischen Übersetzung
aus dem Georgischen.

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