"Stalin"

Werke

Band 2

WIR MUSSEN UNS RÜSTEN!

Der Vorstand der Gewerkschaft der Erdölarbeiter hat beschlossen, Maßnahmen zur schleunigsten Einberufung des Bevollmächtigtenrats zu ergreifen. [58]

Indem er so handelt, ist der Vorstand von den zahlreichen Eingaben der Arbeiter ausgegangen, die nicht länger warten wollen und die sofortige Einberufung des Bevollmächtigtenrats fordern.

In dem gleichen Geist zu handeln hat die Gewerkschaft der Maschinenarbeiter beschlossen.

Beide Gewerkschaften haben bereits in diesen Tagen dem Oberfabrikinspektor eine entsprechende Eingabe unterbreitet.

Man muss annehmen, dass die Frage bald in dieser oder jener Richtung entschieden wird.

Wie nun die Machthabenden und Kapitalgewaltigen auf die Eingabe der Gewerkschaften antworten werden, wissen wir natürlich noch nicht.

Möglich ist, dass sie den Arbeitern entgegenkommen und den Bevollmächtigtenrat unverzüglich einberufen werden, dann werden die Angelegenheiten der Beratung aller Wahrscheinlichkeit nach ihren "normalen Gang" nehmen.

Möglich ist auch, dass sie die Sache hinauszögern werden, indem sie vorläufig keine direkte Antwort geben.

Wir müssen im einen wie im anderen Fall auf alles gerüstet sein, um den Erdölindustriellen die Möglichkeit zu nehmen, die Arbeiter zu betrügen.

Wir müssen jede Minute bereit sein, in voller Rüstung vor die Erdölindustriellen hinzutreten.

Hierfür aber ist es notwendig, dass wir uns sofort mit der Ausarbeitung der Forderungen befassen.

Wir gehen zu einer Beratung mit Garantien. Womit aber werden wir vor die Erdölindustriellen hintreten, wenn nicht mit Forderungen, die von der ganzen Masse des Erdölproletariats gebilligt worden sind? Lasst uns also die Arbeiterforderungen hinsichtlich des Arbeitslohns, des Arbeitstages, der Siedlungen, der Volkshäuser, der Krankenhilfe usw. ausarbeiten.

Unsere Gewerkschaft ist bereits ans Werk gegangen. Sie hat im "Gudok" ihre Meinung über die Fragen der Siedlungen, der Krankenhilfe, der Volkshäuser, der Schulen geäußert. Diese Forderungen sind von der Gewerkschaft bereits als besondere Broschüre unter dem Titel "Materialien für die Beratung" herausgegeben worden.

Dies genügt jedoch noch nicht.

Es ist notwendig, alle diese Forderungen der Masse zu übergeben, damit sie sie erörtern und ihre Meinung, die für sie einzig bindend ist, äußern kann.

Außerdem sind die Fragen des Arbeitslohns und des Arbeitstages von der Gewerkschaft noch nicht ausgearbeitet worden - folglich ist es notwendig, auch in diesen Fragen sofort zur Ausarbeitung der Forderungen zu schreiten.

Zu diesem Zweck wählt unsere Gewerkschaft eine besondere Kommission zur Ausarbeitung der Forderungen.

Diese Kommission setzt sich mit den Beratungsbevollmächtigten und den Ölfeld- und Betriebskommissionen der vier Bezirke in Verbindung, um gemeinsam mit ihnen die brennenden Fragen unseres Lebens auszuarbeiten.

Weiter treten in den Betrieben, auf den Ölfeldern und in den Baracken Vollversammlungen zusammen, um die Forderungen endgültig zu bestätigen.

Das muss der Plan unserer Arbeit sein, die der Vorbereitung auf eine Beratung mit Garantien gewidmet ist.

Nur wenn wir die Forderungen ausarbeiten und sie zum Gemeingut der Massen machen, werden wir es fertig bringen, eben diese Massen um den Bevollmächtigtenrat zusammenzuschließen.

Wenn wir aber die Massen um ihren Rat zusammengeschlossen haben, so erhalten wir die Möglichkeit, sie gegen Überraschungen von Seiten der Erdölindustriellen zu sichern.

Kein schlappes Philosophieren über die "Konkretisierung" der Punkte der Garantien (siehe "Promyslowy Westnik"[59]) und kein leichtfertiges Geschrei über den "Anbruch des Frühlings" (man denke an die Sozialrevolutionäre), sondern beharrliche Bemühungen um die Ausarbeitung der Arbeiterforderungen - das ist es vor allem, womit wir uns angesichts der heranrückenden Ereignisse beschäftigen müssen.

Lasst uns also einmütig zu einer Beratung mit Garantien rüsten!

"Gudok" (Die Sirene) Nr. 23,
16. März 1908.
Artikel ohne Unterschrift.
Nach dem russischen Zeitungstext.

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