"Stalin"

Werke

Band 2

DIE ERDÖLINDUSTRIELLEN ÜBER DEN
ÖKONOMISCHEN TERROR

Die Frage des ökonomischen Terrors fährt fort, das "Publikum" zu beschäftigen.

Wir haben uns bereits über diese Frage ausgesprochen und den ökonomischen Terror als eine für die Arbeiterklasse schädliche und deshalb untaugliche Kampfmethode verurteilt.

Annähernd in dem gleichen Geiste haben sich auch die Arbeiter auf den Erdölfeldern und in den Betrieben ausgesprochen.

Natürlich sprechen sich auch die Erdölindustriellen aus. Dabei stellt sich heraus, dass sich ihre "Ansichten" in grundlegender Weise von den Ansichten der Arbeiter unterscheiden, denn, indem sie den "von den Arbeitern ausgehenden" ökonomischen Terror brandmarken, sagen sie nichts gegen den gleichen Terror seitens der Erdölindustriellen. Wir denken an den bekannten Leitartikel über den ökonomischen Terror in dem bekannten Organ der Erdölindustriellen (siehe "Neftjanoje Delo" Nr. 6, Artikel von Herrn K-sa[60])

Wir wollen von diesem Leitartikel sprechen. Er ist nicht nur als Begründung der "Ansichten" der Erdölindustriellen interessant, sondern auch als Ausdruck ihrer Stimmung im gegebenen Augenblick des Kampfes gegen die Arbeiter. Der Bequemlichkeit halber muss man ihn in drei Teile zerlegen, den ersten, in dem Herr K-sa einige Einzelfälle gegen die Arbeiter und ihre Organisationen vorbringt; den zweiten, der von den Ursachen des ökonomischen Terrors handelt, und den dritten, der den Maßnahmen des Kampfes gegen ihn gewidmet ist.

Wir wollen mit den Einzelfällen beginnen. Zunächst von den Mirsojew-Arbeitern. Jedermann weiß, dass unmittelbar nach der Erschlagung des Verwalters in Surachany und dem Brand im Kesselhaus die vereinigte Kinnmission der Mirsojew-Arbeiter im Namen von 1500 Arbeitern einmütig gegen eine solche Kampfmethode protestiert und einen Zusammenhang der Brandstiftung und des Totschlags mit dem Streik bestritten hat. Man sollte meinen, es gäbe keinen Grund, an der Aufrichtigkeit dieses Protestes zu zweifeln. K-sa aber denkt anders. Als händelsüchtiger "Kritiker" hält er es trotzdem für notwendig, die Aufrichtigkeit der Arbeiter in Zweifel zu ziehen, indem er sagt, dass "sich die Kommission irrt", dass die Brandstiftung und der Totschlag in einem direkten Zusammenhang mit dem Streik stehen. Und das nach dem einmütigen Protest der Vertreter der 1500 Arbeiter! Was ist dies anders als der Wunsch, die Tatsachen zu verdrehen, die Arbeiter anzuschwärzen und sie "anzuprangern", und sei es mit Hilfe von Verleumdungen? Und kann man hiernach an die Aufrichtigkeit des Herrn K-sa glauben, der in seinem Artikel so viel von der "Veredlung des verbrecherischen Willens der Menschen" spricht?

Von den Mirsojew-Arbeitern geht Herr K-sa zu unserer Gewerkschaft über. Jedermann weiß, dass unsere Gewerkschaft rasch wächst. Man kann ihren riesigen Einfluss unter den Arbeitern schon danach beurteilen, dass die ganze, Beratungskampagne unter ihrer direkten Führung vonstatten geht. Und der "Gudok" hat nur eine allgemein bekannte Tatsache festgehalten, als er erklärte: "Der Einfluss und die Bedeutung der Gewerkschaft wächst mit jedem Tage; selbst in den Augen der rückständigsten, unkultiviertesten Schichten der Arbeitermassen fällt ihr allmählich die Rolle des natürlichen Leiters ihres ökonomischen Kampfes zu." Jawohl, alles dies ist eine allgemein bekannte Tatsache. Unser unerbittlicher "Kritiker" aber trägt den Tatsachen keine Rechnung, er muss alles und jegliches "in Zweifel ziehen", er ist sogar bereit, Tatsachen zu leugnen, nur um das Prestige und die Würde der Arbeitergewerkschaft bei den Lesern zu untergraben! Und Herr K-sa ist kühn genug, nach alledem von sich als von einem Anhänger unserer Gewerkschaft und einem Verteidiger der "Veredlung des ökonomischen Kampfes" zu sprechen!

Wer A sagt, der muss auch B sagen, wer unsere Gewerkschaft beschimpft, der muss auch unsere Zeitung ausschimpfen - und so geht Herr K-sa zum "Gudok" über. Hierbei stellt sich heraus, dass der "Gudok" "nicht alles von ihm Abhängende tut, um die Atmosphäre des ökonomischen Kampfes von unnötiger Erbitterung, gefährlicher Gereiztheit, überflüssiger Nervosität und unkultivierter Gehässigkeit zu säubern", dass der "Gudok" gar nichts anderes tut, als dass er immer wieder "Ausfälle gegen andere Organisationen, Parteien, Klassen , Zeitungen und Einzelpersonen und sogar gegen seinen eigenen Gesinnungsgenossen, den ,Promyslowy Westnik" unternimmt.

So flötet Herr K-sa. Wir könnten dieses ganze Geschwätz des berühmten "Kritikers" an unseren Ohren vorbeigehen lassen - was kümmert es uns, was ein Lakai des Kapitals in der Hoffnung, seinen Herren gefällig sein zu können, daherschwatzt! Aber sei es drum, wir wollen dem großen Kritiker aus Baku diesmal einige Worte widmen. Also der "Gudok" "säubert die Atmosphäre des Kampfes nicht von unnötiger Erbitterung, gefährlicher Gereiztheit" ... Nehmen wir an, alles dies sei wahr. Aber sagt doch um des heiligen Kapitals willen: Was kann mehr Erbitterung und Gereiztheit hineintragen, das gedruckte Wort des "Gudok" oder die lebendige Tat der Erdölindustriellen, die die Arbeiter systematisch aufs Pflaster werfen, eine Zehn-Kopken-Krankenabgabe einführen, den Arbeitern die Volkshäuser nehmen., die Dienste von "Kotschis"[61] in Anspruch nehmen, die Arbeiter -verprügeln lassen usw.? Weshalb hält es Herr K-sa, dieser "selbstlose" Verteidiger einer "Veredlung des ökonomischen Kampfes", nicht für notwendig, auch nur ein einziges Wort über die aufreizenden und erbitternden Handlungen der Erdölindustriellen fallen zu lassen? Denn die "dunklen" Elemente, die sich auf den ökonomischen Terror einlassen können, lesen ja unsere Zeitungen nicht, sie können ja am ehesten durch die Maßregelungen und Schikanen der Erdölindustriellen aufgereizt und erbittert werden - weshalb also schweigt sich Herr K-sa, der soviel gegen den "Gudok" spricht, vollständig über die "dunklen Taten" der Herren Erdölindustriellen aus? Und ist es hiernach nicht klar, dass die Frechheit des Herrn K-sa keine Grenzen kennt?

Zweitens, woher hat es Herr K-sa genommen, dass der "Gudok" sich nicht bemüht hat, "die Atmosphäre des ökonomischen Kampfes von unnötiger Erbitterung und gefährlicher Gereiztheit zu säubern"? Und die Agitation des "Gudok" gegen den ökonomischen Terror und den italienischen Streik, gegen anarchisch-aufrührerische Streiks zugunsten organisierter, gegen Teilaktionen zugunsten der Verfechtung der eigenen Interessen durch die gesamte Klasse - was ist dies anders als eine "Säuberung der Atmosphäre des Kampfes von unnötiger Erbitterung und gefährlicher Gereiztheit"? Weiß denn Herr K-sa wirklich von alledem nichts? Oder hält er es vielleicht für notwendig, sich unwissend zu stellen, indem er die Rolle eines Schönredners des Kapitals spielt? Wozu dann aber alle diese schönen Reden von "Moral" und "menschlichem Gewissen"?

Der "Gudok" unternehme "Ausfälle gegen andere Organisationen, Parteien, Klassen, Zeitungen und Einzelpersonen, sogar gegen den "Promyslowy Westnik", fährt Herr K-sa mit seiner Anklage fort. Ganz richtig, Herr K-sa, Sie haben aus Versehen die Wahrheit gesprochen, der "Gudok" kämpft in der Tat gegen die anderen Klassen und ihre Organe! Aber kann man denn wirklich von einer Zeitung der Arbeiter, die von allen anderen Klassen und Gruppen ausgebeutet werden, etwas anderes verlangen? Hören Sie auf, den "Unschuldsengel" zu spielen, und sagen Sie frei weg ohne Grimassen: Wissen Sie denn wirklich nicht, dass das Organ der Erdölindustriellen, der "Neftjanoje Delo", und sein Herr, der Kongressrat, eben für "Ausfälle" gegen die Klasse der Arbeiter, gegen die Partei der Arbeiter, gegen die Zeitungen der Arbeiter geschaffen worden sind? Erinnern Sie sich denn wirklich nicht der letzten Verfügungen des Kongressrates über die Zehn-Kopeken-Abgabe, über die Erhöhung der Preise für die Portionen, über die Reduzierung der Schulen und Baracken, darüber, dass den Arbeitern die Volkshäuser entzogen werden usw.? Und sucht das Organ der Erdölindustriellen "Neftjanoje Delo" etwa diese asiatischen Anordnungen nicht zu rechtfertigen? Oder sind das vielleicht keine "Ausfälle" gegen die Arbeiter, sondern eine "Veredlung des verbrecherischen Willens", eine Regulierung des ökonomischen Kampfes usw.? Wie aber soll dann Ihrer Meinung nach eine Arbeiterzeitung gegenüber den Erdölindustriellen handeln, die die Arbeiter ausbeuten, gegenüber ihrer Organisation, die die Arbeiter prellt, gegenüber ihrem Organ, das die Arbeiter korrumpiert, beispielsweise gegenüber K-sa, der lächerliche Anstrengungen macht, die asiatisch-barbarischen Schritte der Erdölindustriellen "philosophisch" zu begründen? Begreift denn Herr K-sa die Notwendigkeit des Klassenkampfes zwischen Arbeitern und Unternehmern wirklich nicht? O natürlich! Herr K-sa begreift das alles ausgezeichnet: er führt ja selbst den Kampf gegen das Proletariat und seine Organisation! Aber erstens spricht er gegen den Kampf von Seiten der Arbeiter, und nicht gegen den Kampf überhaupt; zweitens kämpfen ja die Erdölindustriellen nicht, sondern "veredeln den Kampf" nur; drittens ist ja K-sa nicht gegen die Arbeiter - er ist voll und ganz für die Arbeiter zugunsten der ...Erdölindustriellen; viertens "erhält" K-sa ja das Seinige - auch dem muss, wisst ihr, Rechnung getragen werden ...

Augenscheinlich kann die Kühnheit des Herrn K-sa in ihrer Fähigkeit, sich nach Maßgabe der Notwendigkeit auszudehnen, mit seinem "Gewissen" erfolgreich konkurrieren.

So steht die Sache im Leitartikel des Herrn K-sa mit den gegen das Proletariat und seine Organisation vorgebrachten Einzelfällen.

*

Gehen wir jetzt zum zweiten Teil seines Artikels über.

In diesem Teil seines Artikels spricht der Verfasser von den Ursachen des ökonomischen Terrors. Hierbei "wird klargestellt", dass die Ursache die "Finsternis der Köpfe" und der "verbrecherische Wille" der rückständigen Schichten der Arbeiterklasse ist. Die "Finsternis" und das "verbrecherische Wesen" erklären sich aber daraus, dass die Arbeitergewerkschaften und Arbeiterzeitungen nicht mit der genügenden Energie an der Aufklärung und Veredlung der Arbeiter arbeiten. Natürlich, so fügt Herr K-sa hinzu, "billigen die Programme (der Gewerkschaften?) den ökonomischen Terror nicht", aber eine bloße "programmatische Missbilligung ist ungenügend, sobald wir sehen, dass das Leben einen falschen Weg eingeschlagen hat. Hier bedarf es eines aktiven Kampfes... aller Parteien und Verbände" "gegen das ausgebrochene Übel". Herr K-sa erläutert seinen Gedanken weiter: "Nur dann, wenn ... alle Freunde der Arbeiter ohne Unterschied ihrer Parteigruppierung einen energischen Kampf gegen... den ökonomischen Terror einleiten werden, nur dann wird der Totschlag aufhören" usw.

Also, die Arbeiter sind unwissend, und deshalb entschließen sie sich häufig zum Totschlag; unwissend aber sind sie deshalb, weil sich ihre Gewerkschaften und Zeitungen nicht bemühen, sie "aufzuklären und zu veredeln", folglich sind die Arbeiterverbände und Arbeiterzeitungen an allem schuld.

So flötet Herr K-sa.

Wir wollen uns bei dem im Kopfe des Herrn K-sa herrschenden Wirrwarr über den ökonomischen Terror nicht aufhalten - wir haben seine ignorante Erklärung im Auge, der ökonomische Terror sei eine Frage des Programms. Wir wollen nur eines bemerken: 1. Wenn Herr K-sa da, wo er den "programmatischen Terror" erwähnt, von den Gewerkschaften spricht, so sollte er doch wissen, dass die Gewerkschaften in Rußland überhaupt kein Programm haben - das weiß ja jeder Arbeiter! 2. wenn er dagegen die Parteien im Auge hat, so sollte er doch wissen, was jeder Gymnasiast weiß, dass der ökonomische Terror eine taktische, nicht aber eine programmatische Frage ist! Wozu also alle diese Wortergüsse über das Programm? Wir wundern uns, wieso es die Herren Erdölindustriellen nicht verstanden haben, einen besseren, zumindest einen weniger ignoranten "Ideologen" in ihren Dienst zu stellen.

Auch bei der zweiten, schon ganz sinnlosen (und nicht nur ignoranten) Erklärung des Herrn K-sa wollen wir uns nicht aufhalten, seiner Erklärung, wonach hinsichtlich des ökonomischen Terrors "das Leben einen falschen Weg eingeschlagen hat" und wonach "wir" gegen das Leben kämpfen müssen. Wir bemerken nur, dass es um unsere Sache schlecht bestellt wäre, wenn wirklich das Leben einen falschen Weg eingeschlagen hätte, und nicht einzelne hinter dem Leben zurückgebliebene Personen. Die Kraft unserer Agitation besteht ja gerade darin, dass das Leben selbst, das allmächtige, sich entwickelnde Leben, den Kampf gegen den ökonomischen Terror fordert. Wenn Herr K-sa dies nicht begreift, so raten wir ihm, irgendwohin auf einen anderen Planeten überzusiedeln, vielleicht wird es ihm dort gelingen, seine sinnlose Theorie vom Kampf gegen das sich entwickelnde Leben anzuwenden...

Gehen wir lieber zur "Analyse" des Herrn K-sa über.

Vor allem möchten wir fragen: Glaubt denn Herr K-sa in der Tat, dass eben die Verbände und Zeitungen der Arbeiter die Ursache des ökonomischen Terrors sind?

Was heißt das, die Arbeiter "aufklären"? Das heißt doch, die Arbeiter zum bewussten, planmäßigen Kampf erziehen! (Hiermit ist Herr K-sa einverstanden!) Aber wer anders könnte sich mit dieser Sache befassen, wenn nicht die Verbände und Zeitungen der Arbeiter mit ihrer gesprochenen und gedruckten Agitation für den organisierten Kampf?

Was heißt das, den ökonomischen Kampf "veredeln"? Das heißt doch, ihn gegen die Zustände, auf keinen Fall aber gegen Personen lenken! (Hiermit ist auch K-sa einverstanden!) Wer aber beschäftigt sich mit dieser Sache, außer den Arbeiterverbänden und Arbeiterzeitungen?

Und lassen denn die Erdölindustriellen den Kampf gegen die Klasse der Arbeiter nicht auf den Kampf gegen einzelne Arbeiter hinauslaufen, indem sie die klassenbewusstesten Arbeiter herausgreifen und aufs Pflaster werfen?

Und wenn Herr K-sa wirklich von der Richtigkeit seiner Anklage gegen die Arbeiterverbände und Arbeiterzeitungen überzeugt ist, weshalb wendet er sich mit seinem Rat ausgerechnet an diese Verbände und Zeitungen? Weiß er denn wirklich nicht, dass die Organisationen, "die Ausfälle gegen andere Klassen, Zeitungen, Personen unternehmen" usw., nicht nach dem Rat des Herrn K-sa handeln werden? Weshalb also bemüht er sich, Wasser mit einem Sieb zu schöpfen!

Augenscheinlich glaubt er selbst nicht an seine Anklage.

Und wenn Herr K-sa ungeachtet dessen dennoch gegen die Gewerkschaften spricht, so geschieht das, um die Aufmerksamkeit des Lesers von der wahren Ursache abzulenken und die wahren "Schuldigen" vor ihm zu verbergen.

Aber nein, Herr K-sa! Es wird Ihnen nicht gelingen, dem Leser die wirklichen Ursachen des ökonomischen Terrors zu verhehlen!

Nicht die Arbeiter und nicht ihre Organisationen, sondern die aufreizenden und erbitternden Handlungen der Herren Erdölindustriellen sind die wahre Ursache des "ökonomischen Totschlags".

Sie verweisen auf die "Finsternis" und die "Unwissenheit" bestimmter Schichten des Proletariats. Aber wo soll gegen die "Finsternis" und die "Unwissenheit" gekämpft werden, wenn nicht in Schulen und bei Vorträgen? Weshalb also schränken die Herren Erdölindustriellen die Anzahl der Schulen und Vorträge ein? Und weshalb erheben Sie, Sie "aufrichtiger" Anhänger des Kampfes gegen die "Finsternis", nicht die Stimme gegen die Erdölindustriellen, die den Arbeitern die Schulen und Vorträge wegnehmen?

Sie sprechen von der "Veredlung" der Sitten. Weshalb aber haben Sie, verehrter Herr, geschwiegen, als die Herren Erdölindustriellen den Arbeitern die Volkshäuser, diese Zentren der Volksunterhaltungen, wegnahmen?

Sie flöten von einer "Veredlung des ökonomischen Kampfes". Weshalb aber haben Sie geschwiegen, als Söldlinge des Kapitals den Arbeiter Chanlar[62] (Naphthalangesellschaft) ermordeten, als "Born", die Kaspi-Gesellschaft, Schibajew, Mirsojew, Molot, Motowilicha, Biering, Muchtarow, Malnikow und andere Firmen die fortgeschrittensten Arbeiter entließen, als Schibajew, Muchtarow, Molot, "Runo", Kokorew in Bibi-Eibat u. a. die Arbeiter misshandeln ließen?

Sie sprechen von einem "verbrecherischen Willen" der Arbeiter, von einer "unnötigen Erbitterung" usw. Wo aber haben Sie sich versteckt gehalten, als die Herren Erdölindustriellen die Arbeiter erbitterten, indem sie den Empfindlichsten, den am leichtesten zu Entflammenden unter ihnen - den nicht zu bestimmten Firmen Gehörenden und den Arbeitslosen - zusetzten? Wissen Sie aber, verehrter Herr, dass gerade dieser Teil der Arbeiter durch die bekannte Zehn-Kopeken-Krankenabgabe und die Erhöhung der Preise für die Portionen in den Speisehallen des Kongressrates zum Hunger verurteilt wurde?

Sie sprechen von den Schrecken "des Bluts und der Tränen", die der ökonomische Terror hervorruft. Wissen Sie aber, wie viel Blut und Tränen wegen der Masse verstümmelter Arbeiter vergossen werden, die in den Krankenhäusern des Kongressrates keinen Platz finden? Weshalb schränken die Herren Erdölindustriellen die Anzahl der Baracken ein? Und weshalb erheben Sie aus diesem Anlass kein ebensolches Geschrei, wie Sie es gegen die Arbeiterverbände und Arbeiterzeitungen erheben?

Sie flöten vorn "Gewissen" usw. Weshalb schweigt Ihr gläsernes Gewissen über alle diese Repressalien der Herren Erdölindustriellen?

Sie sprechen... aber genug! Es ist wohl klar, dass die Hauptursache des "ökonomischen Totschlags" nicht die Arbeiter und nicht ihre Organisationen sind, sondern die aufreizenden und erbitternden Handlungen der Herren Erdölindustriellen.

Nicht weniger klar ist es auch, dass Herr K-sa ein kläglicher Söldling der Herren Erdölindustriellen ist, der alles auf die Arbeiterorganisationen abwälzt und sich auf diese Weise bemüht, die Taten seiner Herren in den Augen des "Publikums" zu rechtfertigen.

*

Gehen wir jetzt zum dritten Teil des Artikels des Herrn K-sa über.

Im dritten Teil seines Artikels spricht Herr K-sa von den Kampfmaßnahmen gegen den ökonomischen Terror, wobei seine "Maßnahmen" vollauf seiner "Philosophie" "über die Ursachen" des ökonomischen Terrors entsprechen.

Hören wir den großen Philosophen aus Baku.

"Notwendig ist der aktive Kampf gegen das ausgebrochene Übel - die Losung dieses Kampfes muss ausgegeben werden. Eine solche Losung muss für alle Parteien und Organisationen, Gewerkschaften und Zirkel im gegenwärtigen Augenblick sein: ´Nieder mit dem ökonomischen Terror!´ Nur dann, wenn eine reine weiße Fahne mit dieser Losung kühn gehisst wird, nur dann ... wird der Totschlag aufhören."

So philosophiert Herr K-sa.

Wie man sieht, bleibt Herr K-sa seinem Gott - dem Kapital - bis zu Ende treu.

Erstens hat er die Erdölindustriellen der ganzen "Schuld" für den "ökonomischen Totschlag" enthoben (philosophisch enthoben!) und sie auf die Arbeiter, ihre Verbände und Zeitungen abgewälzt. Hiermit hat er die asiatisch-offensive Taktik der Herren Erdölindustriellen in den Augen der so genannten "vornehmen Welt" voll und ganz "gerechtfertigt".

Zweitens, und das ist für die Erdölindustriellen die Hauptsache, hat er das billigste Mittel gegen den "Totschlag" erfunden, das von den Erölindustriellen keinerlei Aufwand erfordert - verstärkte Agitation der Gewerkschaften und Zeitungen gegen den ökonomischen Terror. Damit hat er noch einmal unterstrichen, dass die Erdölindustriellen den Arbeitern keine Zugeständnisse machen sollen, dass sie sich keine "Unkosten machen" sollen.

Ebenso billig wie nett! können die Herren Erdölindustriellen ausrufen, wenn sie Herrn K-sa hören.

Natürlich könnten die Herren Erdölindustriellen auf die Meinung der so genannten "vornehmen Welt" "ganz bequem pfeifen". Aber was können sie dagegen haben, wenn irgendein K-sa im Interesse des "menschlichen Gewissens" darangeht, sie in den Augen der "vornehmen Welt" zu rechtfertigen?

Und umgekehrt, wie sollten sie sich nicht freuen, wenn der gleiche K-sa nach einer solchen Rechtfertigung das "sicherste" und billigste Mittel gegen den ökonomischen Terror in Vorschlag bringt? Sollen doch die Gewerkschaften und Zeitungen ganz frei und ungehindert agitieren, wenn sich nur die Taschen der Erdölindustriellen füllen. Nein, wenn das nicht liberal ist! ... Und wie sollten sie hiernach ihren "Flötenbläser", Herrn K-sa, nicht auf die literarische Bühne lassen!

Indessen braucht man nur ein wenig nachzudenken, braucht man sich nur auf den Standpunkt der klassenbewussten Arbeiter zu stellen, um sofort die ganze Lächerlichkeit der von Herrn K-sa vorgeschlagenen Maßnahme zu begreifen.

Es handelt sich hier durchaus nicht nur um die Gewerkschaften und Zeitungen - die Gewerkschaften und Zeitungen agitieren schon lange gegen den ökonomischen Terror, und dessen ungeachtet hört der "Totschlag" dennoch nicht auf. Es handelt sich in bedeutend höherem Maße um jene aufreizenden und erbitternden Handlungen der Herren Erdölindustriellen, um jene ökonomischen Repressalien, um jene Schikanen, um jene asiatisch-offensive Taktik der Herren Erdölindustriellen, die den uns beschäftigenden "ökonomischen Totschlag" nähren und nähren werden.

Man sage doch gefälligst: Was kann die bloße Agitation der Gewerkschaften und Zeitungen, und seien sie auch sehr einflussreich, angesichts der erbitternden Handlungen der Herren Erdölindustriellen tun, die den Arbeitern eine Errungenschaft nach der anderen wegnehmen und dadurch die am wenigsten klassenbewussten unter ihnen zum "ökonomischen Totschlag" drängen! Es ist klar, dass eine antiterroristische Agitation allein, auch wenn sie mit "reiner weißer Fahne" geführt wird, nicht imstande ist, sie aus der Welt zu schaffen.

Offenkundig sind, wenn der "ökonomische Totschlag" "verschwinden" soll, tiefer greifende Maßnahmen als eine einfache Agitation notwendig, vor allem der Verzicht der Erdölindustriellen auf Schikanen und Maßregelungen, die Befriedigung der berechtigten Forderungen der Arbeiter... Nur dann, wenn die Erdölindustriellen auf ihre asiatisch-offensive Taktik der Herabsetzung des Arbeitslohns, der Wegnahme der Volkshäuser, der Reduzierung der Schulen und Baracken, der Zehn-Kopeken-Krankenabgabe, der Erhöhung der Preise für die Portionen, der systematischen Entlassung fortgeschrittener Arbeiter, ihrer Verprügelung usw. verzichten, nur dann, wenn die Erdölindustriellen mit aller Bestimmtheit den Weg kultivierter europäischer Beziehungen zu den Arbeitermassen und ihren Verbänden beschreiten werden, indem sie sie als eine "gleichberechtigte" Kraft anerkennen, nur dann wird der Boden dafür geschaffen werden, dass der "Totschlag" "verschwindet".

Alles das ist so klar, dass es nicht bewiesen zu werden braucht.

Herr K-sa aber begreift das nicht, ja, er kann es auch nicht, er will eigentlich nicht begreifen, denn das ist für die Herren Erdölindustriellen nicht "vorteilhaft", denn das würde bestimmte Aufwände von ihnen erheischen, denn das würde die ganze Wahrheit über die am "ökonomischen Totschlag" "Schuldigen" aufdecken ...

Es gibt nur eine Schlussfolgerung: K-sa ist ein Lakai des Kapitals.

Was aber folgt nun daraus, aus der Lakaienrolle K-sas?

Hieraus folgt: Was Herr K-sa sagt, gehört nicht ihm selbst, sondern allen Erdölindustriellen, die ihn "inspirieren". Folglich ist der Artikel K-sas nicht seine Philosophie, sondern die Philosophie der Herren Erdölindustriellen. Offenbar sprechen durch den Mund K-sas die Erdölindustriellen selber, K-sa gibt nur ihre "Gedanken, Wünsche und Stimmungen" wieder.

Hierin und nur hierin muss man das Interesse des hier untersuchten Artikels des Herrn K-sa sehen.

K-sa als Kosa [Ziegel], K-sa als "Persönlichkeit" ist für uns ein Nichts, eine unwägbare Materie, der keinerlei Wert zukommt. Und mit Unrecht beklagt sich Herr K-sa über den "Gudok", der angeblich "Ausfälle" gegen seine "Persönlichkeit" unternimmt: Wir wagen Herrn K-sa zu versichern, dass sich der "Gudok" für seine so genannte "Persönlichkeit" niemals interessiert hat.

Aber K-sa als ein unpersönliches Etwas, K-sa als das Fehlen einer "Persönlichkeit", K-sa als einfacher Ausdruck der Meinungen und Stimmungen der Herren Erdölindustriellen stellt für uns unbedingt einen gewissen Wert dar. Eben von diesem Standpunkt aus untersuchen wir sowohl K-sa selbst als auch seinen Artikel.

Offenbar flötet Herr K-sa nicht umsonst. Fällt er im ersten Teil seines Artikels wütend über die Gewerkschaften her, um sie zu diskreditieren, beschuldigt er im zweiten Teil des Artikels die Gewerkschaften der Kultivierung des ökonomischen Terrors, ohne mit einem einzigen Wort die asiatischen Verfügungen der Erdölindustriellen zu erwähnen, verweist er im dritten Teil des Artikels auf die antiterroristische Agitation als einzige Maßnahme gegen den "Totschlag" und lässt dabei die offensive Taktik seiner Herren beiseite, so bedeutet das, dass die Erdölindustriellen nicht gesonnen sind, den Weg von Zugeständnissen an die Arbeitermassen zu beschreiten.

Die Erdölindustriellen werden angreifen, die Erdölindustriellen müssen angreifen, ihr aber, Arbeiter und Gewerkschaften, zieht euch freundlich zurück - das sagt uns der Artikel des Herrn K-sa, das sagen uns die Erdölindustriellen durch den Mund ihres "Flötenbläsers".

Das ist die Moral des Artikels des Herrn K-sa.

Uns Arbeitern, unseren Organisationen und Zeitungen bleibt die Aufgabe, die Herrn Erdölindustriellen wachsam zu beobachten, auf ihre herausfordernden Handlungen nicht hereinzufallen und fest und ruhig, ebenso wie früher, den Weg der Umwandlung unseres spontanen Kampfes in einen streng klassenmäßigen, planmäßigen, zu einem bestimmten Ziel führenden Kampf zu verfolgen.

Was dagegen das heuchlerische Gejammer der verschiedenen Söldlinge des Kapitals anbelangt, so können wir es unbeachtet lassen,

"Gudok" (Die Sirene) Nr. 28, 30 und 32,
21. April, 4. und 18 Mai 1908.
Unterschrift: K. Kato.
Nach dem russischem Zeitungstext.

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