"Stalin"

Werke

Band 2

DIE BERATUNG UND DIE ARBEITER

Die Beratungskampagne ist eingestellt. Die Verhandlungen zwischen den Partnern sind unterbrochen[68]. Die alte, aber ewig neue Beratung ist noch einmal vereitelt worden. Der Bevollmächtigtenrat, die Organisationskommission, die Ausarbeitung der Forderungen, die Referate in den Massen, der umfassende Zusammenschluss der Arbeiter um ihre Kommissionen, der Kommissionen um die Gewerkschaften, der Gewerkschaften um die Sozialdemokratie - alles das ist unterbrochen und in die Rumpelkammer der Vergangenheit geworfen. Vergessen sind auch die alten pharisäischen Reden von der "Regulierung der Produktion" durch die Beratung, von der "Veredlung der Beziehungen" zwischen Arbeitern und Unternehmern. Der alte Clown aus Tiflis, Herr Dshunkowski, erklärt die "Vorstellung" für geschlossen. Herr Kara-Mursa, dieser schäbige Lakai des Kapitals, klatscht ihm Beifall. Der Vorhang fällt, und vor uns zeigt sich das längst bekannte Bild: Die Erdölindustriellen und die Arbeiter verbleiben in Erwartung neuer Stürme, neuer Zusammenstöße in ihren alten Positionen.

Ein wenig "unverständlich" ist nur dies: Noch gestern beschworen ja die Erdölindustriellen die Arbeiter, zur Beratung zu gehen, mit der "Anarchie der Teilstreiks" Schluss zu machen, mit ihnen "zu einer Vereinbarung zu gelangen", und die Behörden, in Person des berüchtigten Dshunkowski, luden einflussreiche Arbeiter zu sich, hielten mit ihnen offizielle Besprechungen ab, suchten sie von der Vorteilhaftigkeit eines Kollektivvertrags zu überzeugen - und plötzlich ein so jäher Umschwung: Die Beratung wird für überflüssig, der Kollektivvertrag für schädlich und die "Anarchie der Teilstreiks" für wünschenswert erklärt!

Was bedeutet dies, wodurch ist diese "Seltsamkeit" zu erklären, wer ist denn nun schließlich der "Schuldige" an der Vereitelung der Beratung? Schuld sind natürlich die Arbeiter, antwortet Herr Dshunkowski: Wir hatten die Verhandlungen noch nicht begonnen, sie aber kommen uns mit der ultimativen Forderung bezüglich der Gewerkschaften; mögen die Arbeiter auf die Gewerkschaften verzichten, dann werden wir eine Beratung haben, im entgegengesetzten Fall brauchen wir keine Beratung!

Einverstanden, wiederholen im Chor die Erdölindustriellen, eben die Arbeiter sind schuld, mögen sie auf die Gewerkschaften verzichten, wir brauchen keine Gewerkschaften!

Und sie haben ja recht, in der Tat sind ja die Arbeiter schuld, wiederholt nach den Feinden der Arbeiter die Gewerkschaft ohne Arbeiter, die "Gewerkschaft der Maschinenarbeiter": Warum sollten in der Tat die Arbeiter nicht auf die Gewerkschaften verzichten, wäre es nicht besser gewesen, zunächst einmal zu schachern, auf seine Forderungen zu verzichten, und dann die Rede auf die Forderungen zu bringen?

Recht so, recht so! stimmt der Gewerkschaft ohne Arbeiter die Zeitung ohne Leser, der "Promyslowy Westnik", zu: Die ordentlichen Arbeiter schachern zunächst einmal und sprechen dann von Ultimaten, zunächst einmal räumen sie die Positionen und erobern sie dann zurück, den Bakuer Arbeitern aber hat diese Ordentlichkeit gefehlt, sie haben sich als zu unordentlich erwiesen, fast als Boykottisten.

Aber wir haben das ja gewusst, wir haben das ja alles längst vorhergesehen, bemerken tiefsinnig die Daschnaken und Sozialrevolutionäre: Hätten die Arbeiter den Boykott ausgerufen, völlig mit den Gewerkschaften gebrochen und ohne jede Vorbereitung und Vereinigung irgendwelcher breiter Massen einen Streik vom Stapel gelassen, so hätten sie begriffen, dass es ohne "Land und Freiheit" nie eine Beratung geben wird und dass man "sein Recht im Kampf erringt"[69].

So reden die "Freunde" und Feinde des Bakuer Proletariats.

Muss man beweisen, dass diese gegen das Bakuer Proletariat gerichteten Beschuldigungen unbegründet sind? Man braucht nur die Daschnaken und die Sozialrevolutionäre, die die Arbeiter bezichtigen, die Beratung zu lieben, den Maschinenarbeitern und Erdölindustriellen gegenüberzustellen, die die gleichen Arbeiter bezichtigen, die Beratung zu boykottieren - man braucht nur, sage ich, diese einander ausschließenden Ansichten einander gegenüberzustellen, um sofort die ganze Unsinnigkeit und Verlogenheit der erwähnten Bezichtigungen zu begreifen...

Wer aber ist denn in einem solchen Fall der wahre "Schuldige" an der Vereitelung der Beratung?

Werfen wir einen flüchtigen Blick auf die Geschichte der Beratung. Die Erdölindustriellen laden die Arbeiter nicht zum ersten Mal zur Beratung ein - wir erleben jetzt schon die vierte Beratung (1905, 1906, 1907, 1908). Immer forderten die Erdölindustriellen als erste zur Beratung auf, und immer halfen ihnen die Behörden, mit den Arbeitern "zu einer Vereinbarung zu gelangen", einen Kollektivvertrag abzuschließen. Die Erdölindustriellen verfolgten ihr eigenes Ziel: Sie wollten sich durch kleine Zugeständnisse Garantien gegen Streiks verschaffen, sich eine ununterbrochene Erdölförderung sichern. Die Behörden waren noch mehr an "Stille und Ruhe" im Erdölreich interessiert, schon gar nicht davon zu reden, dass sehr viele Mitglieder der Regierung Aktionäre der größten Erdölfirmen sind, dass die der Erdölindustrie auferlegten Steuern einen der wichtigsten Einnahmeposten des Staatshaushalts ausmachen, dass das Bakuer Masut die "vaterländische Industrie" nährt, weshalb sich die kleinste Stockung in der Erdölindustrie notwendig auf den Zustand der Industrie Rußlands auswirkt.

Aber das ist noch nicht alles. Ganz zu schweigen von allem oben Gesagten, ist der Friede in Baku für die Regierung auch noch in der Beziehung wichtig, dass die Massenaktionen des Bakuer Proletariats, sowohl des Proletariats der Erdölindustrie als auch des mit diesem verbundenen Proletariats der Seeschifffahrt, ansteckend auf das Proletariat anderer Städte wirken. Man erinnere sich der Tatsachen. Der erste Generalstreik in Baku, im Frühjahr 1903, leitete die berühmten Julistreiks und -demonstrationen der südlichen Städte Rußlands ein[70]. Der zweite Generalstreik im November und Dezember 1904[71] diente als Signal für die ruhmwollen Januar-Februar-Aktionen in ganz Rußland. Im Jahre 1905 stürzt sich das Bakuer Proletariat, das sich von dem armenisch-tatarischen Massaker schnell erholt hat, erneut in den Kampf und steckt den "ganzen Kaukasus" mit seinem Enthusiasmus an. Schließlich "beruhigt sich" Baku, angefangen vom Jahre 1906, also schon nach dem Rückzug der Revolution in Rußland, noch immer nicht; bis auf den heutigen Tag genießt es in der Tat gewisse Freiheiten, feiert alljährlich besser als sonst irgendwo in Rußland die proletarische Maifeier und ruft in den anderen Städten ein Gefühl edlen Neides hervor ... Nach alledem ist es nicht schwer zu begreifen, weshalb sich die Behörden bemüht haben, die Bakuer Arbeiter nicht zu reizen, indem sie die Erdölindustriellen jedes Mal bei ihren Versuchen unterstützt haben, sich mit den Arbeitern zu beraten, mit ihnen "zu einer Vereinbarung zu gelangen", einen Kollektivvertrag abzuschließen.

Aber wir Bolschewiki antworteten jedes Mal mit dem Boykott. Warum?

Weil sich die Erdölindustriellen nicht mit den Massen, nicht vor den Augen der Massen, sondern mit einem Häuflein von Personen, hinter dem Rücken der Massen, beraten und mit ihnen einen Vertrag schließen wollten: sie wissen sehr wohl, dass man nur auf diese Weise die vieltausendköpfige Masse der Erdölarbeiter betrügen kann.

Worin liegt das Wesen unserer Beratung? Unsere Beratung, das sind Verhandlungen zwischen dem Erdölproletariat und der Erdölbourgeoisie über Forderungen. Führen die Verhandlungen zu einer Verständigung, so endet die Beratung mit einem für eine bestimmte Zeit geltenden, für beide Seiten obligatorischen Kollektivvertrag. Allgemein gesprochen haben wir nichts gegen eine Beratung, denn unter bestimmten Voraussetzungen, auf dem Boden der allgemeinen Forderungen, kann sie die Arbeiter zu einem einheitlichen Ganzen vereinigen. Aber die Beratung kann die Arbeiter nur vereinigen: 1. wenn sich die Massen aufs aktivste daran beteiligen, ihre Forderungen frei erörtern, ihre Delegierten kontrollieren werden usw.; 2. wenn die Massen die Möglichkeit haben werden, ihre Forderungen im Falle der Notwendigkeit durch einen allgemeinen Streik zu unterstützen. Können die Arbeiter aktiv beraten, Forderungen erörtern usw., ohne dass eine bestimmte Freiheit der Versammlungen auf den Ölfeldern und in den Betrieben gegeben ist, ohne dass der Bevollmächtigtenrat frei zusammentreten kann, ohne dass die Führung in den Händen der Gewerkschaften liegt? Natürlich nicht! Kann man seine Forderungen im Winter unterstützen, wo die Schifffahrt stilliegt und die Erdölausfuhr eingestellt wird, wo sich die Unternehmer länger als irgendwann sonst einem allgemeinen Streik widersetzen können? Wiederum nicht! Indessen wurden alle bis jetzt einberufenen Beratungen gerade in den Winter verlegt und eben ohne die Freiheit der Erörterung der Forderungen, ohne einen freien Bevollmächtigtenrat, ohne das Eingreifen der Gewerkschaften vorgeschlagen, wurden die Arbeitermassen und ihre Organisationen sorgfältig vom Schauplatz ferngehalten, wurde die ganze Sache einem Häuflein "Individuen" aus der Schule der Schendrikows übergeben. Wählt nur, ihr Herren Arbeiter, so meinte man, eure Delegierten, und dann könnt ihr nach Hause gehen! Eine Beratung ohne Arbeiter, eine Beratung zum Betrug der Arbeiter - das wurde uns drei Jahre lang vorgeschlagen. Solche Beratungen sind nur den Boykott wert, und wir Bolschewiki haben ihnen den Boykott erklärt...

Die Arbeiter haben alles dies nicht sofort begriffen und sind deshalb im Jahre 1905 zur ersten Beratung gegangen. Sie waren jedoch gezwungen, die Beratung zu verlassen, sie zu sprengen.

Die Arbeiter irrten auch im Jahre 1906, als sie zur zweiten Beratung gingen. Aber sie waren abermals gezwungen, die Beratung aufzugeben, sie noch einmal zu sprengen.

Alles das besagte, dass. das Leben selbst die Fehler der Arbeiter verurteilte und korrigierte, indem es sie auf den Weg des Boykotts der hinter den Kulissen durchgeführten, auf Betrug abzielenden, auf Schendrikowart veranstalteten Beratungen drängte.

Die Menschewiki, die die Arbeiter zu solchen Beratungen einluden, leisteten den Erdölindustriellen beim Betrug der Arbeiter unbewusst Vorschub...

Im Jahre 1907 jedoch nahm die Sache eine andere Wendung. Die Erfahrung der beiden Beratungen einerseits, die verstärkte Agitation der Bolschewiki anderseits taten das Ihrige: Auf den Vorschlag der Behörden und der Erdölindustriellen, zur Beratung zu gehen (schon zur dritten Beratung!), antworteten die Arbeiter mit einer entschlossenen Ablehnung.

Mit diesem Augenblick beginnt ein neuer Zeitabschnitt in der Bakuer Arbeiterbewegung...

Heißt dies jedoch, dass die Arbeiter die Beratung fürchteten? Natürlich nicht! Sollten etwa sie, die grandiose Streiks erlebt haben, Verhandlungen mit den Erdölindustriellen fürchten?

Heißt dies, dass die Arbeiter vor einem Kollektivvertrag wegliefen? Natürlich nicht! Sollten etwa sie, die den "Dezembervertrag" erlebt haben, einen Kollektivvertrag fürchten?

Indem die Arbeiter die Beratung im November 1907 boykottierten, bewiesen sie, dass sie genügend reif sind, um es den Feinden der Arbeiter nicht mehr zu erlauben, sie mit ihrer hinter den Kulissen geführten Schendrikowberatung zu foppen.

Als die Behörden und die Erdölindustriellen, die das Gespenst des Boykotts sahen, uns nun fragten, unter welchen Bedingungen wir denn schließlich zu einer Beratung gehen könnten, da antworteten wir, dass dies nur unter der Bedingung der breitesten Beteiligung der Arbeitermassen und ihrer Gewerkschaften an dem ganzen Verlauf der Beratung der Fall sein könnte. Nur wenn den Arbeitern die Möglichkeit gegeben wird, 1. ihre Forderungen frei zu erörtern, 2. den künftigen Bevollmächtigtenrat frei zusammentreten zu lassen, 3. die Hilfe ihrer Gewerkschaften frei in Anspruch zu nehmen, 4. den Zeitpunkt für die Eröffnung der Beratung frei zu wählen - nur dann werden die Arbeiter zur Beratung gehen. Hierbei wurde der Punkt über die Anerkennung der Gewerkschaften als Haupt- und Angelpunkt betrachtet. Die Punkte selbst aber wurden Garantien genannt. Hier wurde zum ersten Mal die berühmte Formel in Umlauf gesetzt: Eine Beratung mit Garantien, oder keinerlei Beratung!

Verrieten wir damit die Taktik des Boykotts der alten Schendrikowberatungen ohne die Arbeiter? Nicht im Geringsten. Der Boykott der alten Beratungen ist völlig unangetastet geblieben - wir haben nur eine neue Beratung, eine Beratung mit Garantien und nur eine solche Beratung verkündet!

Braucht man die Richtigkeit dieser Taktik zu beweisen, braucht man zu beweisen, dass wir es nur bei dieser Taktik fertig bringen werden, die Beratung aus einer Waffe des Betrugs der Arbeiter in eine Waffe ihres Zusammenschlusses um die Gewerkschaften zu einer einheitlichen, vieltausendköpfigen Armee zu verwandeln, die imstande ist, für ihre Forderungen einzustehen?

Selbst die Menschewiki, die Gewerkschaft der Maschinenarbeiter, der "Promyslowy Westnik", selbst sie konnten diesem Standpunkt nicht widerstehen, sondern proklamierten in unserem Gefolge den ultimativen Charakter des Punktes über die Gewerkschaften. In unseren Händen befinden sich Dokumente, die besagen, dass sich die Menschewiki nicht nur mit der Beratung, sondern auch mit den Bevollmächtigtenwahlen ohne vorherige Befriedigung des Punktes über die Gewerkschaften, ohne die Ausstellung von Erlaubnisscheinen für die Gewerkschaften nicht einverstanden erklärt haben. Alles das geschah vor den Verhandlungen in der Organisationskommission, vor dem Bevollmächtigtenrat, vor der Wahl der Bevollmächtigten. Natürlich können sie jetzt erklären, dass "der ultimative Charakter nur am Ende der Verhandlungen zutage treten soll", dass sie "von allem Anfang an den ultimativen Charakter der Forderungen bekämpft haben" (siehe "Promyslowy Westnik" Nr. 21), aber das sind ja die gewöhnlichen, längst bekannten "Purzelbäume" charakterloser Opportunisten aus dem Lager der Menschewiki, die den konsequenten Charakter unserer Taktik ein übriges Mal beweisen!

Selbst die Sozialrevolutionäre und die Daschnaken, die "alles und jegliches mit der Beratung Zusammenhängende" mit dem Bannfluch belegt haben, selbst sie "neigten das Haupt" vor unserer Taktik, indem sie beschlossen, sich an der die Beratung vorbereitenden Arbeit zu beteiligen!

Die Arbeiter haben die Richtigkeit unseres Standpunktes begriffen und in ihrer erdrückenden Mehrheit dafür gestimmt. Von 35000 befragten Arbeitern stimmten für die Sozialrevolutionäre und Daschnaken (bedingungsloser Boykott) nur 8000, für die Menschewiki (bedingungslose Beratung) 8000, dagegen für unsere Taktik, für die Taktik einer Beratung mit Garantien, 19000.

Somit haben die Arbeiter die Taktik der Menschewiki, die Taktik der Beratung ohne die Arbeiter, ohne Garantien, nicht angenommen. Die Arbeiter haben auch die Taktik der Daschnaken und Sozialrevolutionäre, dir Taktik des über den Wolken schwebenden Boykotts und des unorganisierten allgemeinen Streiks nicht angenommen. Die Arbeiter haben sich für eine Beratung mit Garantien, für die planmäßige Ausnutzung des ganzen Verlaufs der Beratung zwecks Organisierung eines allgemeinen Streiks ausgesprochen.

Hier steckt das Geheimnis des Scheiterns der Beratung!

Die Erdölindustriellen haben sich wie aus einem Munde für eine Beratung ohne Garantien ausgesprochen. Hiermit haben sie die Taktik der Menschewiki gebilligt. Wir erklären, dass dies der beste Beweis für die Fehlerhaftigkeit des Standpunkts der Menschewiki ist.

Da jedoch die Arbeiter eine Beratung ohne Garantien verworfen haben, haben die Erdölindustriellen ihre Taktik herumgedreht und... die Beratung vereitelt, sie durch Boykott vereitelt. Damit haben sie ihre Solidarität mit der Taktik der Daschnaken und Sozialrevolutionäre zum Ausdruck gebracht. Wir erklären, dass dies der beste Beweis für die Untauglichkeit des Standpunkts der Daschnaken und Sozialrevolutionäre ist.

Die Taktik des Bakuer Proletariats hat sich als die einzig richtige erwiesen.

Eben deshalb fallen alle Kräfte der Erdölbourgeoisie über sie her. Während die Erdölbourgeoisie die menschewistische Beratung ohne Garantien durchaus billigt und schlimmstenfalls selber zur Boykottaktik der Daschnaken und Sozialrevolutionäre greift, will sie sich um keinen Preis mit dem Bakuer Proletariat abfinden, das eine Beratung mit Garantien proklamiert!

Das ist auch begreiflich. Man stelle sich nur dieses Bild vor: Bestimmte Garantiepunkte werden erfüllt; es wird die breiteste Erörterung der Arbeiterforderungen eingeleitet; der Bevollmächtigtenrat wird in den Massen immer stärker; im Verlaufe der Ausarbeitung der Forderungen schließen sich die Massen um ihren Rat und durch ihn um die Gewerkschaften zusammen; die fünfzigtausendköpfige Masse, zu einer einheitlichen Armee organisiert, stellt den Erdölindustriellen ihre Forderungen; die Erdölindustriellen sind gezwungen, kampflos nachzugeben oder mit einem ernstlich organisierten allgemeinen Streik zu rechnen, der in dem für sie unbequemsten Augenblick ausbricht - ist das etwa für die Erdölbourgeoisie vorteilhaft? Wie sollten hiernach die bürgerlichen Tierchen aus dem "Neftjanoje Delo" und dem "Baku"[72] nicht bellen und miauen? Also nieder mit ihr, mit dieser Beratung, da sie nun einmal ohne die verfluchten Garantien nicht zu verwirklichen ist - so sagen die Erdöl-industriellen, indem sie die Beratung vereiteln.

Hier liegt die Ursache für die Vereitelung der Beratung durch die Behörden und die Erdölindustriellen.

Dies besagt die Geschichte der Beratung.

Der "Promyslowy Westnik" aber, der alles dies vergessen hat, flötet auch weiter über die "Taktlosigkeit der Führer", indem er die Leitartikel des "Baku" und des "Neftjanoje Delo" töricht wiederholt und wiederkäut! Sogar die georgische Zeitung der Tifliser Menschewiki hat es für notwendig befunden, "ihre Stimme zu erheben", und sekundiert den Bakuer Kadetten[73]! Klägliche Nachbeter!

Was muss demgegenüber unsere Taktik angesichts der neuen Sachlage sein?

Die Erdölindustriellen haben die Beratung vereitelt. Sie fordern zum allgemeinen Streik heraus. Heißt dies, dass wir mit dem sofortigen allgemeinen Streik antworten müssen? Natürlich nicht! Schon gar nicht davon zu sprechen, dass die Erdölindustriellen bereits riesige Erdölvorräte angesammelt haben, dass sie sich seit langem zur Abwehr eines allgemeinen Streiks rüsten, dürfen wir nicht vergessen, dass wir zu einem solchen ernsten Kampf selbst noch nicht gerüstet sind. Wir müssen vorläufig auf den allgemeinen ökonomischen Streik entschieden verzichten.

Als die dem Augenblick angemessene zweckmäßige Form des Rückzugs darf nur der Streik bei den einzelnen Firmen anerkannt werden.

Die Menschewiki, die beinahe aus "Prinzip" die Zweckmäßigkeit solcher Streiks leugnen (siehe die Broschüre von L. A. Rin[74]), sind in tiefem Irrtum befangen. Die Erfahrungen der Frühjahrsstreiks zeigen, dass ein Streik bei den einzelnen Firmen unter aktivem Eingreifen der Gewerkschaften und unserer Organisation zu einem der sichersten Mittel für den Zusammenschluss des Proletariats werden kann. Desto entschiedener müssen wir dieses Mittel ergreifen: wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Organisation nur nach Maßgabe des aktiven Eingreifens in alle Angelegenheiten des proletarischen Kampfes wachsen wird.

Das ist unsere nächste taktische Aufgabe.

Die Behörden wollen nach der Vereitelung der Beratung die so genannte "Bakuer Freiheit" vollends aufheben. Heißt dies, dass wir uns völlig in die Illegalität zurückziehen und das Tätigkeitsfeld finsteren Kräften überlassen sollen? Natürlich nicht! Wie sehr auch die Reaktion wüten, wie sehr sie auch unsere Gewerkschaften und Organisationen zerstören möge, sie kann die Ölfeld- und Betriebskommissionen nicht vernichten, ohne in den Betrieben und auf den Ölfeldern "Anarchie und Zusammenstöße" hervorzurufen. Es ist unsere Pflicht, diese Kommissionen zu festigen, indem wir den Geist des Sozialismus in sie hineintragen und sie nach Firmen zusammenschließen. Zu diesem Zweck aber ist es wiederum notwendig, dass sich unsere Betriebs- und Ölfeldzellen systematisch an die Spitze dieser Kommissionen stellen und sich ihrerseits durch ihre Vertreter ebenfalls nach Firmen, und zwar überbezirklich, zusammenschließen.

Das sind unsere nächsten organisatorischen Aufgaben.

Indem wir nun diese nächsten Aufgaben erfüllen und dadurch die Gewerkschaften und unsere Organisation festigen, werden wir imstande sein, die vieltausendköpfige Masse der Erdölarbeiter für die kommenden Schlachten gegen das Erdölkapital zu einer Einheit zusammenzuschweißen.

Erschienen als Beilage zum
"Bakinski Proletari" (Der Bakuer Proletarier) Nr. 5,
20. Juli 1908.
Unterschrift : Koba.
Nach dem russischen Text der Zeitungsbeilage.

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