"Stalin"

Werke

Band 2

EIN NEUER ABSCHNITT

Gleich nach den ökonomischen Aktionen der Arbeiter - ihre politischen Aktionen.

Gleich nach den Lohnstreiks - Proteste, Meetings, politische Streiks aus Anlass des Blutbades an der Lena.

In Petersburg und Moskau, in Riga und Kiew, in Saratow und Jekaterinoslaw, in Odessa und Charkow, in Baku und Nikolajew - überall, an allen Ecken und Enden Rußlands erheben die Arbeiter das Haupt als Antwort auf das Hinmorden ihrer Kameraden an der Lena.

"Wir leben, unser rotes Blut kocht vom Feuer unverbrauchter Kraft "...

Die Arbeiterbewegung hat in ihrer aufsteigenden Belebung die dritte Stufe erreicht. Und das nach den konterrevolutionären Bacchanalien.

Vor zwei Jahren versuchten die Arbeiter noch, sich gegen die immer stärker werdenden Überfälle der unersättlichen Unternehmer zur Wehr zu setzen. Abwehrstreiks, stellenweise aber auch Offensivstreiks - darin kam die Belebung der Bewegung zum Ausdruck. Das war die erste Stufe. Das Moskauer Gebiet war der Vorkämpfer.

Vor anderthalb Jahren gingen die Arbeiter zu Offensivstreiks über. Neue ökonomische Forderungen wurden aufgestellt, man kämpfte für die Bedingungen der Jahre 1905 und 1906, die den Arbeitern während des Wütens der Konterrevolution entrissen worden waren. Das war die zweite Stufe. Die Vorkämpfer waren die westlichen Randgebiete.

Jetzt ist die dritte Stufe an der Reihe, die Periode der politischen Bewegung.

Von Stufe zu Stufe!

Das war auch zu erwarten. Der Aufschwung in den wichtigsten Industriezweigen und das Steigen der kapitalistischen Profite neben dem Rückgang des Reallohns, das Wachstum der beruflichen und politischen Organisationen der Bourgeoisie neben der Zerstörung der Arbeiterorganisationen; die Erhöhung der Preise für lebenswichtige Produkte und das Steigen der Einkünfte der Gutsbesitzer neben dem Hunger von 30 Millionen Bauern, wo die von Not gehetzten Väter und Mütter gezwungen sind, ihre Töchter und Söhne zu verkaufen - alles das musste unweigerlich die politische Belebung in die Reihen der Arbeiterklasse hineintragen.

Die Schüsse an der Lena waren nur ein Signal.

Offensichtlich ist es "auf dem Schipkapass nicht ganz ruhig". Das fühlen auch die Vertreter der Staatsmacht, die sich schleunigst zur "Befriedung" des Landes rüsten. Das wirkt sich offenbar sogar auf die Angelegenheiten unserer Außenpolitik aus...

Nachrichten von politischen Proteststreiks aber laufen immerfort noch ein.

Kein Zweifel, dass die unterirdischen Kräfte der Befreiungsbewegung zu arbeiten begonnen haben...

Wir grüßen euch, ihr ersten Schwalben!

Petersburger "Swesda" (Der Stern) Nr. 30,
15. April 1912.
Unterschrift: K.S.
Nach dem russischen Zeitungstext.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis