"Stalin"

Werke

Band 2

IN GANG GEKOMMEN!...

In Ketten geschlagen lag das Land seinen Unterdrückern zu Füßen. Es brauchte eine Volksverfassung - und es erhielt barbarische Willkür, Maßnahmen der "Verbote" und des "Gutdünkens".

Es benötigte ein Volksparlament - und man gab ihm eine Herrenduma, die Duma Purischkewitschs und Gutschkows.

Es brauchte die Freiheit des Wortes, der Presse, der Versammlungen, der Streiks, der Koalitionen - aber es sieht rings um sich nur zerstörte Arbeiterorganisationen, verbotene Zeitungen, verhaftete Redakteure, auseinander gejagte Versammlungen, verbannte Streikteilnehmer.

Es forderte Boden für die Bauern - und man tischte ihm Agrargesetze auf, die die Bauernmassen einem Häuflein von Dorfreichen zuliebe in eine noch größere Bodennot stürzten.

Man versprach ihm den Schutz der "Persönlichkeit" und des "Eigentums" - aber die Gefängnisse und Verbannungsorte sind von "Unzuverlässigen" überfüllt, und die Chefs der Kriminalpolizeibehörden (man denke an Kiew, an Tiflis!) schließen ein Bündnis mit Banditen und Dieben, um die Persönlichkeit zu knechten und das Eigentum zu plündern.

Man versprach ihm "Wohlleben" und "Gedeihen", aber die Bauernwirtschaft verkümmert immer mehr, Dutzende Millionen Bauern hungern, Skorbut und Typhus raffen Tausende dahin...

Das Land aber duldete und duldete...

Diejenigen aber, die nicht mehr dulden konnten, nahmen sich das Leben.

Doch alles hat einmal ein Ende - auch die Geduld des Landes ist zu Ende.

Die Schüsse an der Lena haben das Eis des Schweigens gebrochen, und - der Strom der Volksbewegung ist in Gang gekommen.

In Gang gekommen!...

Alles, was .es Böses und Unheilvolles im gegenwärtigen Regime gab, alles, woran das vielgeprüfte Rußland dahinkrankte - alles das hat sich in der einen Tatsache, in den Ereignissen an der Lena, zusammengeballt.

Das ist der Grund, warum gerade die Schüsse an der Lena zum Signal für Streiks und Demonstrationen wurden.

Hierin - und nur hierin - muss man die Erklärungen für die letzten Ereignisse suchen.

Die Obermacher der Duma aber - Oktobristen, Kadetten, Progressisten[107] - warten auf "Erläuterungen" von oben, aus dem Munde der Vertreter der Staatsmacht!

Die Oktobristen "fragen an", die Progressisten "fragen" einfach, die Kadetten "finden es zeitgemäß", von irgendwelchen Treschtschenkos, kläglichen Marionetten in den Händen der Ereignisse, zu reden!

Und das zu einer Zeit, wo Makarow ihnen bereits sein prahlerisches "So war es und so wird´s bleiben" hingeschleudert hat!

In der Hauptstadt Rußlands streiken Zehntausende von Arbeitern, die Truppen sind in Alarmzustand versetzt worden, wegen innerer "Komplikationen" gehen die Angelegenheiten "unserer" Außenpolitik in der Frage der Dardanellen in die Brüche - sie aber warten auf Antwort von oben aus den "Sphären"!

Die Blinden! Sie sehen nicht, dass in diesen Tagen das Wort dem Proletariat und nicht den Vertretern der Staatsgewalt gehört...

Petersburger "Swesda" (Der Stern) Nr. 32, 19. April 1912.
Unterschrift: K. S.
Nach dem russischen Zeitungstext.

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