"Stalin"

Werke

Band 2

UNSERE ZIELE

Wer die "Swesda" liest und ihre Mitarbeiter kennt, die auch die Mitarbeiter der "Prawda"[112] sind, der begreift unschwer, in welcher Richtung die "Prawda" arbeiten wird. Den Weg der russischen Arbeiterbewegung mit dem Lichte der internationalen Sozialdemokratie erleuchten, unter den Arbeitern die Wahrheit über Freunde und Feinde der Arbeiterklasse verbreiten und die Interessen der Arbeitersache treu hüten - diese Ziele wird die "Prawda" verfolgen.

Indem wir uns solche Ziele setzen, beabsichtigen wir durchaus nicht, die Meinungsverschiedenheiten zu vertuschen, die es unter den sozialdemokratischen Arbeitern gibt. Noch mehr: Wir glauben, dass eine mächtige und lebensvolle Bewegung ohne Meinungsverschiedenheiten undenkbar ist, - nur auf dem Friedhof ist die "völlige Identität der Ansichten" zu verwirklichen! Aber dies bedeutet noch nicht, dass es mehr Differenzpunkte als Punkte der Übereinstimmung gibt. Bei weitem nicht! Wie sehr die fortgeschrittenen Arbeiter auch auseinander gehen mögen, sie können nicht vergessen, dass sie alle, ohne Unterschied der Fraktionen, in gleicher Weise ausgebeutet werden, dass sie alle, ohne Unterschied der Fraktionen, in gleicher Weise rechtlos sind. Deshalb wird die "Prawda" vor allem und hauptsächlich zur Einheit des Klassenkampfs des Proletariats, zur Einheit unter allen Umständen, aufrufen. In dem Maße, wie wir gegen die Feinde unversöhnlich sein müssen, müssen wir untereinander nachgiebig sein. Krieg gegen die Feinde der Arbeiterbewegung, Frieden und einmütige Arbeit innerhalb der Bewegung - davon wird sich die "Prawda" in ihrer tagtäglichen Arbeit leiten lassen.

Das zu betonen ist jetzt besonders notwendig, wo die Lena-Ereignisse und die bevorstehenden Wahlen zur IV. Duma vor den Arbeitern mit außerordentlicher Nachdrücklichkeit die Frage der Notwendigkeit aufwerfen, sich zu einer einheitlichen Klassenorganisation zusammenzuschließen...

Indem wir an die Arbeit gehen, sind wir uns bewusst, dass unser Weg voller Dornen ist. Es genügt, sich an die "Swesda" zu erinnern, die unzählige Male konfisziert und "belangt" worden ist. Doch vor Dornen haben wir keine Angst, wenn die Sympathie der Arbeiter, die jetzt die "Prawda" umgibt, auch künftig anhält. Aus dieser Sympathie wird sie die Energie für den Kampf schöpfen! Wir möchten, dass diese Sympathie wächst. Wir möchten außerdem, dass sich die Arbeiter nicht auf die Sympathie beschränken, sondern an der Leitung unserer Zeitung aktiv mitarbeiten. Mögen die Arbeiter nicht sagen, Schriftstellerei sei für sie eine "ungewohnte" Arbeit: Die Arbeiterliteraten fallen nicht fertig vom Himmel, sie werden nur nach und nach, im Laufe der literarischen Arbeit herangebildet. Man muss nur mutig ans Werk gehen: ein paar Mal wird man stolpern, und dann lernt man schreiben...

Also einmütig ans Werk!

"Prawda" Nr. 1
22. April 1912.
Artikel ohne Unterschrift.
Nach dem russischen Zeitungstext.

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