"Stalin"

Werke

Band 2

ANMERKUNGEN

  1. K. Kautskys Broschüre [deutsch: "Die Neue Zeit", 25. Jg., 1. Bd., S. 284 bis 290 und 324-333] erschien in georgischer Übersetzung in Tiflis im März 1907. In Nr. 7 der bolschewistischen Zeitung "Dro" vom 18. März 1907 wurde eine Mitteilung über das Erscheinen der Broschüre K. Kautskys in georgischer Sprache mit einem Vorwort von Koba (J.W. Stalin) veröffentlicht.

  2. Kadetten (K.D.) - Konstitutionell-Demokratische Partei - Hauptpartei der liberal-monarchistischen Bourgeoisie, gegründet im Oktober 1905 (siehe J.W. Stalin, "Werke", Bd. 1, S. 406, russ. [deutsche Ausgabe, S. 355], Anmerkung 52).

  3. "Perwy sbornik" (Erster Sammelband) - menschewistischer Sammelband, der 1906 in Petersburg erschien.

  4. "Nasche Delo" (Unsere Sache) - menschewistische Wochenzeitschrift; erschien in Moskau vom 24. September bis zum 25. November 1906.

  5. "Towarischtsch" (Der Genosse) - Tageszeitung, die von März 1906 bis Dezember 1907 in Petersburg erschien; formal war sie kein Organ irgendeiner Partei, faktisch aber ein Organ der linken Kadetten. Auch Menschewiki arbeiteten an der Zeitung mit.

  6. "Otkliki" (Antwortstimmen) - menschewistische Sammelbände, die in den Jahren 1906 und 1907 in Petersburg erschienen. Es erschienen drei Sammelbände.

  7. "Mir Boshi" (Die Welt Gottes) - Monatsschrift liberaler Richtung, die ab 1892 in Petersburg erschien. In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden in dieser Zeitschrift Artikel der "legalen Marxisten" veröffentlicht. Während der Revolution von 1905 arbeiteten die Menschewiki an der Zeitschrift mit. Von 1906 bis 1918 erschien sie unter dem Titel "Sowremenny Mir" (Die Welt der Gegenwart).

  8. "Golos Truda" (Die Stimme der Arbeit) - menschewistische Zeitung, die vom 21. Juni bis zum 7. Juli 1906 in Petersburg erschien.

  9. "Trudowiki" oder "Trudowaja Gruppa" - Gruppe kleinbürgerlicher Demokraten, die sich im April 1906 aus Bauerndeputierten der I. Reichsduma bildete (siehe J.W. Stalin, "Werke", Bd. 1, S. 410, russ. [deutsche Ausgabe, S. 359], Anmerkung 77). Volkssozialisten (Narodnyje Sozialisty, nach den Anfangsbuchstaben auch NS-Leute genannt) - kleinbürgerliche Organisation, die sich 1906 aus Elementen des rechten Flügels der Sozialrevolutionäre bildete. Die von den Volkssozialisten aufgestellten politischen Forderungen gingen über den Rahmen der konstitutionellen Monarchie nicht hinaus. Lenin nannte sie "Sozialkadetten" und "sozialrevolutionäre Menschewiki".

  10. Gemeint ist die am 6. Januar 1907 abgehaltene Petersburger sozialdemokratische Konferenz über die Frage der Wahltaktik bei den Wahlen zur II. Reichsduma. Auf der Konferenz waren 40 Bolschewiki und 31 Menschewiki anwesend. Das ZK der SDAPR, das in seiner Mehrheit aus Menschewiki bestand, schlug den Delegierten vor, sich in eine städtische Konferenz und in eine Gouvernementskonferenz zu teilen. Die Menschewiki gedachten auf diese Weise, eine größere Anzahl Stimmen zu erhalten. Die Konferenz lehnte es ab, diesem Verlangen nachzukommen, da es dem Statut der Partei widerspricht. Zum Zeichen des Protestes verließen die menschewistischen Delegierten die Sitzung. Die zurückgebliebenen Delegierten fassten den Beschluss, die Konferenz fortzusetzen. Nach Entgegennahme des Referats W.I. Lenin s sprach sich die Konferenz gegen den Abschluss von Wahlabkommen mit den Kadetten aus, indem sie solche Abkommen nicht nur als prinzipiell unzulässig, sondern auch als politisch absolut schädlich verurteilte. Die Konferenz beschloss, "sofort die für Petersburg höchst wichtige Frage von Abkommen mit der revolutionären Demokratie auf die Tagesordnung zu setzen". Die auf der Konferenz anwesenden menschewistischen Vertreter des ZK erklärten, die Konferenzbeschlüsse seien für die Petersburger sozialdemokratische Organisation nicht bindend, und die Menschewiki, die die Konferenz verlassen hatten, traten in der Presse mit dem Vorschlag auf, einen Block mit den Kadetten zu bilden.

  11. "Retsch" (Die Rede) - Tageszeitung, das Zentralorgan der Kadettenpartei, die von Februar 1906 bis zum 26. Oktober 1917 in Petersburg erschien.

  12. "Tschweni Zchowreba" (Unser Leben) - bolschewistische Tageszeitung, die in Tiflis ab 18. Februar 1907 legal erschien. Die Zeitung wurde von J.W. Stalin geleitet. Es erschienen 13 Nummern. Am 6. März 1907 wurde die Zeitung "wegen extremer Richtung" verboten.

  13. "Na Otscheredi" (An der Tagesordnung) - menschewistisches Wochenblatt, das von Dezember 1906 bis März 1907 in Petersburg erschien. Es kamen vier Nummern heraus.

  14. "Dro" (Die Zeit) - bolschewistische Tageszeitung, die nach dem Verbot der Zeitung "Tschweni Zchowreba" vom 11. März bis zum 15. April 1907 in Tiflis erschien. Der Leiter der Zeitung war J.W. Stalin. Zur Redaktion der Zeitung gehörten auch M. Zchakaja und M. Dawitaschwili. Es erschienen 31 Nummern.

  15. Siehe Marx/Engels, Gesamtausgabe, Erste Abteilung, Bd. 7, S. 495 [deutsch in: Karl Marx/Friedrich Engels, "Die Revolution von 1848, Auswahl aus der ´Neuen Rheinischen Zeitung´ Berlin 1949, S. 185]. Die "Neue Rheinische Zeitung" erschien in Köln vom 1. Juni 1848 bis zum 19. Mai 1849. Die Leiter der Zeitung waren Karl Marx und Friedrich Engels.

  16. Gurko war Gehilfe des Innenministers; Lidwal war ein großer Spekulant und Abenteurer, dem Gurko im Jahre 1906 einen Kommissionsauftrag über Getreidelieferung an die hungernden Gouvernements zuschanzte. Die Beteiligung des zaristischen Würdenträgers an der Spekulationsaffäre Lidwals führte zu einem Aufsehen erregenden Gerichtsverfahren, das als "Lidwaliade" bekannt geworden ist. Für Gurko hatte die Sache keine anderen Folgen, als dass er seines Amtes enthoben wurde.

  17. Oktobristen oder "Verband vom 17. Oktober" - konterrevolutionäre Partei der großen Handels- und Industriebourgeoisie und der Großgrundbesitzer, gegründet im November 1905. Die Oktobristen unterstützten restlos das Stolypinregime, die Innen- und Außenpolitik des Zarismus.

  18. "Parus" (Das Segel) - Tageszeitung, Organ der Kadetten, das im Jahre 1907 in Moskau erschien.

  19. "Sewodnja" (Heute) - bürgerliche Abendzeitung vom Boulevardtypus, die in den Jahren 1906 bis 1908 in Petersburg erschien.

  20. "Slowo" (Das Wort) - Tageszeitung, die im Dezember 1904 in Petersburg zu erscheinen begann. Von Oktober 1905 bis Juli 1906 war sie ein Organ der Partei der Oktobristen.

  21. G. P. Telija wurde 1880 geboren und starb in Suchum am 19. März 1907. Am 25. März fand in der Ortschaft Tschagani, Kreis Kutais, das Begräbnis G. Telijas statt.

  22. Gemeint ist die Maidemonstration der Tifliser Arbeiter, die am 22. April 1901 unter der unmittelbaren Führung J.W. Stalins stattfand. Die Demonstration erfolgte auf dem Soldatenmarkt, im Zentrum von Tiflis; es beteiligten sich etwa 2000 Personen. Während der Demonstration kam es zu einem Zusammenstoß mit Polizei und Militär, wobei 14 Arbeiter verwundet und mehr als 50 verhaftet wurden. Über die Tifliser Demonstration wurde in der Lenin schen "Iskra" berichtet: "Das Tifliser Ereignis vom Sonntag, dem 22. April (a. St.), ist für den ganzen Kaukasus historisch denkwürdig: mit diesem Tage beginnt im Kaukasus die offene revolutionäre Bewegung" ("Iskra" Nr. 6, Juli 1901).

  23. Am 23. Februar 1903 fand auf Beschluss des Tifliser Komitees der SDAPR eine Demonstration der Tifliser Arbeiter statt, an der etwa 6000 Personen teilnahmen. Die Demonstration endete in einem Zusammenstoß mit dem Militär. Es wurden 150 Personen verhaftet.

  24. "Proletariatis Brdsola" (Der Kampf des Proletariats) - georgische illegale Zeitung, Organ des Kaukasischen Bundes der SDAPR (siehe J.W. Stalin, "Werke", Bd. 1, S. 399, russ. [deutsche Ausgabe, S. 348/349], Anmerkung 21).

  25. "Achali Zchowreba" (Neues Leben) - bolschewistische Tageszeitung, die in Tiflis vom 20. Juni bis zum 14. Juli 1906 erschien. Es erschienen 20 Nummern. Der Leiter der Zeitung war J.W. Stalin, ständige Mitarbeiter waren M. Dawitaschwili, G. Telija, G. Kikodse u. a.

  26. Der V. Parteitag der SDAPR wurde in London vom 30. April bis zum 19. Mai 1907 abgehalten. In allen grundlegenden Fragen nahm der Parteitag bolschewistische Resolutionen an. J.W. Stalin war auf dem Parteitag als Delegierter der Tifliser Organisation anwesend. Die Arbeitsergebnisse des Parteitags beleuchtete J.W. Stalin in seinem Artikel "Der Londoner Parteitag der SDAPR (Aufzeichnungen eines Delegierten)" (siehe den vorliegenden Band).

  27. "Bund" - "Allgemeiner jüdischer Arbeiterverband in Polen, Litauen und Rußland"; gegründet im Oktober 1897 (siehe J.W. Stalin, "Werke", Bd. 1, S. 395, russ. [deutsche Ausgabe, S. 345], Anmerkung 7).

  28. "Spilka" (Verband) - ukrainischer sozialdemokratischer Verband, der den Menschewiki nahe stand. Die "Spilka" entstand Ende 1904 durch Abspaltung von der kleinbürgerlichen, nationalistischen "Revolutionär-Ukrainischen Partei" (RUP). In den Jahren der Stolypinreaktion hörte sie auf zu bestehen.

  29. "Lachwari" (Die Lanze) - menschewistische georgische Tageszeitung, die von April bis Juni 1907 in Tiflis erschien.

  30. "S´chiwi" (Der Strahl) - Tageszeitung der georgischen Menschewiki, die von Dezember 1905 bis Januar 1906 in Tiflis erschien.

  31. Die II. Reichsduma wurde von der Zarenregierung am 3. Juni 1907 auseinandergejagt. Die sozialdemokratische Dumafraktion, die 65 Deputierte zählte, wurde in provokatorischer Weise einer militärischen Verschwörung angeklagt. Der größte Teil der sozialdemokratischen Deputierten wurde zu Zwangsarbeit und Verbannung mit Zwangsansiedlung verurteilt.

  32. Der Artikel "Der Londoner Parteitag der SDAPR (Aufzeichnungen eines Delegierten)" wurde nicht beendet; die Beendigung wurde durch die im zweiten Halbjahr 1907 verstärkt einsetzende polizeiliche Bespitzelung und die darauf folgende Verhaftung J.W. Stalins verhindert.

  33. Wergeshski, A. - literarisches Pseudonym A. W. Tyrkowas, einer Mitarbeiterin der Kadettenzeitung "Retsch".

  34. Kuskowa, J. D. - Mitverfasserin des "Kredo", des Programms der "Ökonomisten"; in den Jahren 1906 und 1907 arbeitete sie an halb kadettischen, halb menschewistischen Zeitschriften und Zeitungen mit.

  35. Alexinski, G. A. - Deputierter der II. Reichsduma; gehörte zum bolschewistischen Teil der sozialdemokratischen Fraktion. Nach dem Londoner Parteitag der SDAPR trat er für die Taktik des Boykotts der III. Reichsduma ein. In der Folgezeit rückte er von der Partei der Bolschewiki ab. Nach der sozialistischen Oktoberrevolution wurde er weißgardistischer Emigrant.

  36. Die Frage über den Internationalen Sozialistenkongress in Stuttgart (7. Kongress der II. Internationale) wurde anfänglich in die Tagesordnung des Londoner Parteitags der SDAPR aufgenommen, dann aber durch den Partei tag von der Erörterung abgesetzt. Der Kongress fand vom 5. bis zum 11. (18.-24.) August 1907 statt. Von den Bolschewiki waren auf dem Kongress W.I. Lenin , A. W. Lunatscharski, M. M. Litwinow u. a. anwesend.

  37. Rjadowoi - Pseudonym A. A. Malinowskis, bekannter unter dem Namen Bogdanow (er führte auch das Pseudonym "Maximow"). Im Jahre 1903 schloss er sich den Bolschewiki an. Nach dem Londoner Parteitag der SDAPR rückte er von der bolschewistischen Partei ab (siehe Anmerkung 80 zum vorliegenden Band). Er starb im Jahre 1928.

  38. Über die Spaltung der Petersburger Organisation siehe J.W. Stalins Artikel "Der Wahlkampf in Petersburg und die Menschewiki" (vorliegender Band)

  39. Der Entwurf eines Aufrufs zur Bodenfrage "Von der Reichsduma" wurde von den Kadetten ausgearbeitet und am 5. Juli 1906 als Antwort auf die Regierungserklärung vom 20. Juni 1906 über den bäuerlichen Bodenbesitz veröffentlicht. Die Kadetten versuchten die Bauern zu überreden, die Fertigstellung des Bodengesetzes durch die Duma abzuwarten. Das von den Menschewiki geführte ZK der SDAPR schlug der sozialdemokratischen Dumafraktion vor, für den Entwurf der Kadetten zu stimmen. Die Fraktion stimmte gegen den Entwurf.

  40. Volksparteiler (Nationaldemokraten) - konterrevolutionäre nationalistische Partei der polnischen Bourgeoisie, gegründet im Jahre 1897. Während der Revolution von 1905-1907 wurden die Volksparteiler zur Hauptpartei der polnischen Konterrevolution, zur Partei der polnischen Schwarzhunderter.

  41. Gemeint sind die Reden der Menschewiki A. L. Dshaparidse und I. G. Zereteli, menschewistischer Deputierter der II. Reichsduma auf dem V. (dem "Londoner") Parteitag der SDAPR (siehe das Protokoll des V. Parteitags der SDAPR, Moskau 1935, S. 250 und 354/355, russ.).

  42. Die Guesdisten - Anhänger J. Guesdes - linke, marxistische Strömung unter den französischen Sozialisten. Im Jahre 1901 gründeten die Guesdisten die "Sozialistische Partei Frankreichs". Die Guesdisten kämpften gegen die Opportunisten in der französischen Arbeiterbewegung, traten gegen die Politik des Paktierens mit der Bourgeoisie und gegen den Eintritt der Sozialisten in eine bürgerliche Regierung auf. Nach Ausbruch des imperialistischen Weltkrieges stellte sich Guesde auf den Standpunkt der Vaterlandsverteidigung und trat in die bürgerliche Regierung ein. Der dem revolutionären Marxismus treu gebliebene Teil der Guesdisten trat später In die Kommunistische Partei Frankreichs ein.

  43. Gemeint ist ein Artikel Juri Perejaslawskis (G. Chrustaljows). "Bakinski Den" (Der Bakuer Tag) - liberale Tageszeitung, die von Juni 1907 bis Januar 1908 erschien.

  44. J. Larin, L. A. Rin (M. A. Lurje) - Liquidator-Menschewik, der 1907 die Idee der Einberufung eines "breiten Arbeiterkongresses" propagierte. Im Jahre 1917 trat J. Larin in die Partei der Bolschewiki ein. El (I.I.. Lusin) - Liquidator-Menschewik.

  45. Gemeint ist die Broschüre "Der allrussische Arbeiterkongress und die ´Bolschewiki´" in georgischer Sprache 1907 in Tiflis erschienen. "Brodjaga" - der Menschewik Georgi Eradse; "Schura" - seine Frau, die Menschewikin Pyschkina.

  46. Tscherewanins Artikel über den Arbeiterkongress wurde in dem menschewistischen Sammelband "Die politische Lage und die taktischen Probleme", Moskau 1906, veröffentlicht.

  47. Lindow - Pseudonym G. D. Leiteisens.

  48. Im Herbst 1907 führte das Bakuer Komitee unter der Leitung des Genossen Stalin die Wahlkampagne anlässlich der Wahlen zur III. Reichsduma durch. Auf der am 22. September abgehaltenen Versammlung der Bevollmächtigten der Bakuer Arbeiter wurden Bolschewiki als Wahlmänner zur III. Reichsduma gewählt. Der von J.W. Stalin geschriebene "Wählerauftrag" wurde von der Versammlung angenommen und als besonderes Flugblatt in der Druckerei des SDAPR-Bezirkskomitees Balachany gedruckt.

  49. Der Artikel wurde im Zusammenhang mit der beabsichtigten Einberufung einer Beratung der Erdölindustriellen mit Vertretern der Bakuer Arbeiter geschrieben. Die Taktik des Boykotts der Beratung, die die Bolschewiki damals durchführten, fand in den Arbeitermassen weitgehende Unterstützung. Vom 10. Oktober bis zum 1. November 1907 fanden auf den Ölfeldern und in den Betrieben Bakus Arbeiterversammlungen statt, die die Frage der Beratung erörterten. Zwei Drittel der in diesen Versammlungen anwesenden Arbeiter sprachen sich gegen die Beteiligung an der Beratung aus. Die Menschewiki, die für eine Beratung um jeden Preis waren, erlitten eine Niederlage.

  50. Arbeiter der Erdölfelder sind Arbeiter, die bei der Anlage von Bohrlöchern und in der Erdölförderung beschäftigt werden. Werkarbeiter sind Arbeiter der mechanischen Werkstätten, der Kraftwerke und anderer Hilfsbetriebe, die für die Erdölindustrie arbeiten.

  51. "Bakschisch" (wörtlich: Geschenk) - System kleiner Almosen in Form von Prämien, das von den Bakuer Erdölindustriellen in breitem Ausmaß angewandt wurde, um die Arbeiter vom politischen Kampf abzulenken und die Arbeiterbewegung zu spalten. Die Prämien waren verschieden hoch und hingen vom Gutdünken der Unternehmer ab. Die Bolschewiki traten entschieden gegen die Forderung von Prämien während der Streiks auf und kämpften für die Erhöhung des Arbeitslohns.

  52. Kotschegar - Pseudonym I. Schitikows (Samarzews), des offiziellen Redakteurs und Herausgebers der Zeitung "Gudok".

  53. "Neftjanoje Delo" (Das Erdölwesen) - Organ der Erdölindustriellen, herausgegeben vom Rat des Kongresses der Erdölindustriellen in Baku in den Jahren 1899 bis 1920. Rat des Kongresses - Organisation der erdölindustriellen Bourgeoisie - wurde auf den Kongressen der Erdölindustriellen aus Vertretern der größten Firmen gewählt. Aufgabe des Rats des Kongresses war der organisierte Kampf gegen die Arbeiterklasse, die Vertretung der Interessen der Erdöl-industriellen bei der Regierung, die Sicherung hoher Profite für die Erdöl-industriellen u. dgl. m.

  54. Daschnakzakaner, Daschnaken - Mitglieder der armenischen bürgerlich-nationalistischen Partei "Daschnakzutjun". Die Daschnaken vertraten die Interessen der armenischen Bourgeoisie und schürten die nationale Feindschaft zwischen den Werktätigen Transkaukasiens.

  55. Im November 1907 stellten die Bakuer Bolschewiki mit J.W. Stalin an der Spitze die Losung auf: "Eine Beratung mit Garantien, oder keinerlei Beratung!" Die Bedingungen, unter denen die Arbeiter bereit waren, sich an der Beratung zu beteiligen, waren folgende: aktive Teilnahme der Gewerkschaften an der Beratungskampagne, Erörterung der Forderungen durch breite Schichten der Arbeiterschaft, freier Zusammentritt des künftigen Bevollmächtigtenrats und Wahl des Zeitpunkts der Eröffnung der Beratung durch die Arbeiter selbst. Auf den Ölfeldern und in den Betrieben Bakus begann eine breite Kampagne anlässlich der Wahlen zum Bevollmächtigtenrat, der die Bedingungen für die Beteiligung der Arbeiter an der Beratung endgültig beschließen und seine Vertreter für die Organisationskommission zur Einberufung der Beratung wählen sollte. Die Versammlungen der Arbeiter anlässlich der Bevollmächtigtenwahlen fanden offen statt. Die meisten Arbeiter sprachen sich für die Linie der Bolschewiki aus. Die Daschnaken und die Sozialrevolutionäre, die für den Boykott der Beratungen eintraten, sowie die Menschewiki, die für eine Beratung ohne alle Garantien waren, fanden keine Unterstützung bei den Massen.

  56. "Gudok" (Die Sirene) - legale bolschewistische Zeitung, Wochenorgan des Verbandes der Arbeiter der Erdölindustrie Bakus. Nr. 1 des "Gudok" erschien am 12. August 1907. Im "Gudok" wurde eine Anzahl richtungweisender Artikel J.W. Stalins veröffentlicht, die im vorliegenden Band aufgenommen sind. Am "Gudok" arbeiteten S. Schaumian, A. Dshaparidse, S. Spandarian u. a. aktiv mit. Die letzte von der bolschewistischen Redaktion herausgegebene Nummer der Zeitung, Nr. 34, erschien am 1. Juli 1908. Mit Nr. 35 ging der "Gudok" in die Hände der Menschewiki über. Die Bolschewiki begannen in Baku eine neue legale Gewerkschaftszeitung, den "Bakinski Rabotschi" (Der Bakuer Arbeiter), herauszugeben, dessen erste Nummer am 6. September 1908 erschien.

  57. An dem Streik auf den Erdölfeldern Mirsojews in Baku beteiligten sich an die 1500 Arbeiter. Der Streik begann am 14. Februar 1908 und dauerte 73 Tage.

  58. Die Wahl der Arbeiterbevollmächtigten wurde Anfang Februar 1908 zu Ende geführt. Auf Verfügung Woronzow-Daschkows, des Statthalters im Kaukasus, wurde die Einberufung des Bevollmächtigtenrats jedoch verschoben. Der Bevollmächtigtenrat hielt seine erste Sitzung am 30. März 1908, die folgenden am 6., 10., 26. und 29. April ab. G. K. Ordshonikidse schrieb später von der Tätigkeit des Bevollmächtigtenrats folgendes: "Während in ganz Rußland die schwarze Reaktion herrschte, tagte in Baku ein richtiges Arbeiterparlament. In diesem Parlament wurden alle Forderungen der Bakuer Arbeiter offen ausgearbeitet, und unsere Redner entwickelten dort unser gesamtes Minimalprogramm." Im Bevollmächtigtenrat stimmten für den Vorschlag der Bolschewiki - Beratung mit Garantien - 199 Bevollmächtigte, für den Boykott der Beratung wurden 124 Stimmen abgegeben. Die Anhänger des Boykotts - Sozialrevolutionäre und Daschnaken - verließen die Sitzung des Rates. Der Vorschlag, den Wählerauftrag für ultimativ zu erklären, wurde mit einer Mehrheit von 113 gegen 54 Stimmen angenommen.

  59. "Promyslowy Westpik" (Der Ölfeldbote) - legale menschewistische Zeitung, Organ des Verbandes der Maschinenarbeiter, das im November und Dezember 1907 sowie von März bis Juli 1908 zwei- oder dreimal wöchentlich in Baku erschien.

  60. K-sa (Kara-Mursa, P.) - Mitglied der Kadettenpartei, Redakteur des "Neftjanoje Delo", des Organs der Bakuer Erdölindustriellen.

  61. "Kotschi" - Räuber, gedungener Mörder.

  62. Chanlar Safaralijew - bolschewistischer Arbeiter und talentierter Organisator der Aserbaidshaner Arbeiter. Nach dem erfolgreich durchgeführten Streik auf den Naphthalanölfeldern wurde Chanlar in der Nacht vom 19. zum 20. September 1907 von einem durch die Erdölindustriellen gedungenen Mörder tödlich verwundet. Einige Tage später starb Chanlar. Auf den Aufruf des SDAPR-Bezirkskomitees von Bibi-Eibat hin fand ein zweitägiger allgemeiner Streik statt; die Arbeiter verlangten von der Naphthalangesellschaft, dass sie den Mörder Chanlars, nämlich den Bohrmeister Dshafar, sowie den Verwalter Abusarbek von den Ölfeldern entferne. Chanlars Begräbnis wurde zu einer machtvollen Protestdemonstration, an der sich 20000 Arbeiter beteiligten. J.W. Stalin hielt am Grabe Chanlars eine Rede.

  63. Der Artikel "Die Presse" wurde von J.W. Stalin im Sommer 1908 im Bakuer Gefängnis geschrieben, wo er sich vom 25. März bis zum 9. November 1908, bis zur Verbannung nach Solwytschegodsk, befand.

  64. "Naperzkali" (Der Funke) - Tageszeitung der georgischen Menschewiki, die von Mai bis Juli 1908 in Tiflis erschien.

  65. "Asri" (Der Gedanke) - menschewistische georgische Zeitung, die vom 29. Januar bis zum 2. März 1908 in Tiflis erschien.

  66. Die Brüder Schendrikow (Leo, Ilja, Gleb) gründeten in Baku im Jahre 1904 eine Subatowsche Organisation unter dem Namen "Organisation der Arbeiter von Balachany und Bibi-Eibat" (später wurde sie in "Bund der Bakuer Arbeiter" umbenannt). Die Schendrikowleute betrieben eine Verleumdungskampagne gegen die Bolschewiki. Durch die Aufstellung eng zünftlerischer ökonomischer Losungen desorganisierten die Schendrikowleute den Streikkampf, versuchten sie die Vorbereitung zum bewaffneten Aufstand zu vereiteln, agitierten sie für die Schaffung von "Schlichtungskammern", Artels u. dgl. m. Die Schendrikows erhielten Subsidien von den Erdölindustriellen und den zaristischen Behörden. Die Menschewiki erkannten die Subatowsche Organisation der Schendrikowleute offiziell als Parteiorganisation an. Die Schendrikowleute wurden von den Bakuer Bolschewiki als Söldlinge der zaristischen Ochrana entlarvt und aus dem Felde geschlagen. Die Zeitschrift "Prawoje Delo" (Die gerechte Sache) wurde von den Schendrikows in Petersburg herausgegeben. Nr. 1 der Zeitschrift erschien im November 1907, Nr.2 und 3 im Mai 1908. Die weiter unten erwähnten Groschew und Kalinin waren Menschewiki, Anhänger der Schendrikows.

  67. Gukassow, A. - einer der größten Erdölindustriellen Bakus, Leiter des Rats des Kongresses der Erdölindustriellen.

  68. Die Sitzung der Organisationskommission in der Frage der Einberufung einer Beratung mit den Erdölindustriellen fand am 13. Mai 1908 in Anwesenheit von 14 Erdölindustriellen und 15 Arbeitern statt. Am gleichen Tage wurde in den Zeitungen bekannt gegeben, Vertreter der Gewerkschaften würden nicht zu der Kommission zugelassen. Die zur Sitzung erschienene Arbeiterdelegation lehnte es ab, ohne die Beteiligung von Gewerkschaftsvertretern mit der Arbeit zu beginnen. Unter Berufung auf diese Weigerung erklärte der Kommissionsvorsitzende Dshunkowski (ein Mitglied des Rats beim zaristischen Statthalter im Kaukasus) die Sitzung der Organisationskommission für geschlossen.

  69. "Land und Freiheit", "Im Kampf wirst du dein Recht erringen" - Losungen der Partei der Sozialrevolutionäre.

  70. Der Generalstreik begann in Baku am 1. Juli 1903, in Tiflis am 14. Juli, in Batum am 17. Juli. Der Streik erfasste ganz Transkaukasien und griff auch auf Südrußland über (Odessa, Kiew, Jekaterinoslaw u. a. Städte).

  71. Der Bakuer Generalstreik begann am 13. Dezember 1904 mit einem Streik auf den Erdölfeldern Rothschilds, Nobels, Mirsojews in den Ölbezirken Balachany und Bibi-Eibat. Vom 14. bis zum 18. Dezember griff der Streik auf die meisten Bakuer Betriebe über. Der Streik wurde unter der Führung J.W. Stalins durchgeführt. In den vom Bakuer Komitee in den ersten Streiktagen erlassenen Proklamationen wurden politische Losungen aufgestellt und wirtschaftliche Forderungen formuliert - Achtstundentag, Erhöhung des Arbeitslohns, Abschaffung der Geldstrafen usw. Während des Streiks fanden zahlreiche Kundgebungen und Versammlungen der Arbeiter statt. Der Streik endete mit dem Sieg der Arbeiter, mit dem Abschluss eines Kollektivvertrags zwischen den Arbeitern und Erdölindustriellen, des ersten Kollektivvertrags in der Geschichte der Arbeiterbewegung Rußlands. "Dieser Streik war gleichsam ein gewitterkündender Blitz am Vorabend des großen revolutionären Sturmes" ("Geschichte der KPdSU (B), Kurzer Lehrgang", Moskau 1945, S. 54, russ. [deutsche Ausgabe, Berlin 1950, S. 72]). Ausführlich beleuchtet wird die Bedeutung des Bakuer Dezemberstreiks im vorliegenden Band.

  72. "Baku" - bürgerliche Zeitung, die mit kurzen Unterbrechungen in den Jahren 1902 bis 1918 erschien. Die Zeitung vertrat die Interessen vorwiegend der armenischen Erdöl- und Handelsbourgeoisie.

  73. Gemeint ist der Artikel "Die Arbeiterkommission in Baku" in Nr. 4 der georgischen menschewistischen Zeitung "Homli" vom 17. Juli 1908.

  74. L. A. Rins (J. Larins) Broschüre "Über die Beratung mit den Erdölindustriellen" wurde 1907 vom Verband der Maschinenarbeiter herausgegeben.

  75. "Proletari" (Der Proletarier) - von den Bolschewiki nach dem IV. Parteitag (dem "Vereinigungsparteitag") gegründete illegale Zeitung, die vom 21. August (3. September) 1906 bis zum 28. November (11. Dezember) 1909 erschien. Es erschienen 50 Nummern des "Proletari"; die ersten 20 Nummern wurden in Finnland, die übrigen in Genf und Paris herausgegeben. Der "Proletari" war faktisch das Zentralorgan der Bolschewiki und wurde von W.I. Lenin redigiert. In den Jahren der Stolypinschen Reaktion spielte der "Proletari" eine hervorragende Rolle bei der Erhaltung und Festigung der bolschewistischen Organisationen.

  76. "Golos Sozial-Demokrata" (Die Stimme des Sozialdemokraten) -Auslandsorgan der Liquidatoren-Menschewiki, das von Februar 1908 bis Dezember 1911 erschien. Zur Redaktion des "Golos Sozial-Demokrata" gehörten G. W. Plechanow, P. B. Axelrod, J. O. Martow, F. 1. Dan, A. S. Martynow. Im Zusammenhang mit der ausgesprochen liquidatorischen Richtung des "Golos" stellte Plechanow im Dezember 1908 seine Mitarbeit an ihm ein, um dann auch offiziell aus der Redaktion auszutreten. Trotz des Beschlusses der Plenartagung des ZK der SDAPR im Januar 1910, die Herausgabe des "Golos Sozial-Demokrata" einzustellen, fuhren die Menschewiki fort, ihn auch weiter herauszugeben, und predigten in der Zeitung offen die Ideen des Liquidatorentums.

  77. "Sozialdemokrat" - Zentralorgan der SDAPR, erschien von Februar 1908 bis Januar 1917. Die erste Nummer der Zeitung kam in Rußland heraus, dann wurde ihre Herausgabe ins Ausland verlegt, zunächst nach Paris und darauf nach Genf. Die Redaktion des Zentralorgans bestand laut Beschluss des ZK der SDAPR aus Vertretern der Bolschewiki, der Menschewiki und der polnischen Sozialdemokraten. Im "Sozialdemokrat" wurden richtungweisende Artikel W.I. Lenin s gedruckt. Innerhalb der Redaktion des "Sozialdemokrat" kämpfte W.I. Lenin für die konsequente bolschewistische Linie. Ein Teil der Redaktion (Kamenew und Sinowjew) nahm gegenüber den Liquidatoren eine versöhnlerische Haltung ein und versuchte, die Durchführung der Lenin schen Linie zu vereiteln. Die Menschewiki Martow und Dan, die die Redaktionsarbeit im Zentralorgan sabotierten, verteidigten gleichzeitig im "Golos Sozial-Demokrata" offen das Liquidatorentum. Lenin s unversöhnlicher Kampf gegen die Liquidatoren führte im Juni 1911 zum Ausscheiden Martows und Dans aus der Redaktion des "Sozialdemokrat". Ab Dezember 1911 wurde der "Sozialdemokrat" von W.I. Lenin redigiert. Die Zeitung veröffentlichte eine Anzahl von Artikeln J.W. Stalins, die im vorliegenden Band enthalten sind. Im "Sozialdemokrat" wurden über die Tätigkeit der örtlichen Parteiorganisationen systematisch Materialien veröffentlicht, darunter auch über die Tätigkeit der Parteiorganisationen in Transkaukasien.

  78. Vom 21. bis zum 23. Juli 1907 fand die dritte (die "Zweite allrussische") Konferenz der SDAPR und vom 5. bis zum 12. November 1907 die vierte (die "Dritte allrussische") Konferenz der SDAPR statt.

  79. "Aus der Partei" war die Überschrift eines Teils in der Zeitung "Bakinski Proletari".

  80. Die erweiterte Redaktion des "Proletari" war faktisch ein bolschewistisches Zentrum, gewählt in der Sitzung des bolschewistischen Teils des V. (des "Londoner") Parteitags der SDAPR im Jahre 1907. Die Beratung der erweiterten Redaktion des "Proletari" fand vom B. bis zum 17. (21.-30.) Juni 1909 unter Leitung W.I. Lenin s in Paris statt. Die Beratung verurteilte den Otsowismus und den Ultimatismus als "umgestülptes Liquidatorentum". Die von den Otsowisten ins Leben gerufene "Partei"schule auf Kapri wurde von der Beratung als "Zentrum der Fraktion, die sich von den Bolschewiki abspaltet", bezeichnet. A. Bogdanow (von W. Schanzer unterstützt) lehnte es ab, sich dem Beschluss der erweiterten Redaktion des "Proletari" zu fügen, und wurde aus der bolschewistischen Organisation ausgeschlossen.

  81. Die Resolution des Bakuer Komitees wurde am 3. (16.) Oktober 1909 in der Nummer 49 des "Proletari" mit folgendem Zusatz der Redaktion veröffentlicht: "über die Otsowisten, Ultimatisten und Gottbildner haben wir auch nichts anderes gesagt als das, was die Bakuer Genossen über sie gesagt haben. Die Bakuer Genossen selbst protestieren gegen die Haltung des Genossen Maximow, der erklärt hat, sich den Beschlüssen der Redaktion nicht fügen zu wollen. Wenn sich aber Genosse Maximow den Beschlüssen des Organs der Bolschewiki untergeordnet und keine desorganisatorische Kampagne gegen die bolschewistische Fraktion eingeleitet hätte, so hätte es auch keinerlei ´Abspaltung´ gegeben. ´Nichtunterordnung´ aber ist natürlich nichts anderes als ´Abspaltung´. Über das Thema unserer angeblich ´spalterischen´ Politik haben wir uns in der vorliegenden Nummer eingehend in dem Artikel ´Unterhaltung mit Petersburger Bolschewiki´ anlässlich ihrer analogen Resolution ausgesprochen, die früher als die Bakuer in der Redaktion eingegangen ist." Der von der Redaktion erwähnte Artikel "Unterhaltung mit Petersburger Bolschewiki" stammt aus der Feder W.I. Lenin s (siehe "Sämtliche Werke", Bd. XIV, S. 169-178, russ.).

  82. "Amscharas" (wörtlich "Landsleute") nannte man die ungelernten iranischen Arbeiter, die erwerbshalber nach Baku kamen.

  83. Die "Briefe aus dem Kaukasus" wurden im November und Dezember 1909 geschrieben und waren dazu bestimmt, im "Proletari" oder im "Sozialdemokrat" veröffentlicht zu werden. Da der "Proletari" damals sein Erscheinen einstellte, wurden die Briefe an die Redaktion des Zentralorgans der SDAPR, den "Sozialdemokrat", gesandt. Den "Brief aus dem Kaukasus", der eine scharfe Kritik am Liquidatorentum enthielt, wollte der menschewistische Teil der Redaktion des "Sozialdemokrat" nicht ins Zentralorgan aufnehmen. Der Brief wurde im "Diskussionsblatt" (Beilage zum "Sozialdemokrat") veröffentlicht.

  84. Die Bestimmungen vom 12. Juni 1890 über die Semstwoinstitutionen wurden von der Zarenregierung an Stelle der Bestimmungen von 1864 eingeführt. Die neuen Bestimmungen, die an Stelle des früheren Vermögenszensus einen ständischen Zensus einführten, gaben den Adligen die absolute Mehrheit im größten Teil der Kreisversammlungen des Semstwos und verstärkten die Abhängigkeit des Semstwos von der zentralen Staatsmacht.

  85. "Bakinski Proletari" (Der Bakuer Proletarier) - illegale bolschewistische Zeitung, die vom 20. Juni 1907 bis zum 27. August 1909 in Baku erschien. Es erschienen sieben Nummern. Die erste Nummer des "Bakinski Proletari" erschien als Organ des Bezirks Balachany der Bakuer Organisation der SDAPR, die zweite Nummer als Organ der Bezirke Balachany und Tschernogorod der Bakuer Organisation der SDAPR; mit der dritten Nummer wurde die Zeitung zum Organ des Bakuer Komitees der SDAPR. Der "Bakinski Proletari" erschien unter der Redaktion J.W. Stalins. In der Zeitung wurde eine Anzahl seiner richtungweisenden Artikel veröffentlicht, die im vorliegenden Band aufgenommen sind. Am "Bakinski Proletari" arbeiteten auch S. Schaumian, A. Dshaparidse, S. Spandarian u. a. mit. Nach der fünften Nummer wurde das Erscheinen des "Bakinski Proletari" unterbrochen. Er erschien wieder am 1. August 1909, als J.W. Stalin nach seiner Flucht aus der Solwytschegodsker Verbannung nach Baku zurückgekehrt war. Die letzte Nummer der Zeitung, Nr. 7, erschien am 27. August 1909. Die Redaktion des "Bakinski Proletari" war mit dem "Proletari" und dem "Sozialdemokrat" eng verbunden.

  86. "Trud" (Die Arbeit) - allgemeine Konsumgenossenschaft der Arbeiter der Stadt Baku und der Erdölbezirke, gegründet Anfang 1908. Die Konsumgenossenschaft "Trud" hatte etwa 1200 Mitglieder und eröffnete Filialen in den Bezirken Balachany, Bibi-Eibat, Sawoksalny und Tschernogorod. Im Jahre 1909 gab die Genossenschaft die Wochenzeitschrift "Trudowoi Golos" (Die Stimme der Arbeit) heraus. Die Bolschewiki arbeiteten in der Genossenschaft aktiv mit.

  87. Die Klubs "Snanije - Sila" (Wissen ist Macht) und "Nauka" (Wissenschaft) steckten es sich zum Ziel, die Selbstbildung der Erdölarbeiter zu fördern. Sie veranstalteten allgemeinbildende und technische Kurse, Zirkel und Vorträge. Die Mittel der Klubs setzten sich aus den Mitgliedsbeiträgen und den durch die Vorträge und Aufführungen erzielten Einnahmen zusammen. Der Klub "Snanije - Sila", der die Erdölbezirke betreute, wurde von Bolschewiki, der Klub "Nauka" von Menschewiki geleitet.

  88. Der Kongress zur Bekämpfung der Trunksucht wurde in Petersburg am 28. Dezember 1909 eröffnet und dauerte mehrere Tage. Auf dem Kongress waren 510 Delegierte anwesend. Die Arbeitergruppe des Kongresses zählte 43 Personen, darunter zwei Delegierte der Bakuer Arbeiter. Ein Teil der Arbeiterdelegierten wurde gleich nach dem Kongress von der Polizei verhaftet.

  89. "Dassazkissi"" (Der Anfang) - georgische legale Zeitung der Menschewiki, die vom 4. bis zum 30. März 1908 in Tiflis erschien.

  90. An, N., Kostrow - Pseudonyme Noah Jordanijas, eines Führers der Liquidatoren-Menschewiki Georgiens.

  91. Worte G.W. Plechanows aus seiner Rede, gehalten auf dem Internationalen Sozialistenkongress in Paris im Jahre 1889.

  92. Gemeint ist das Bodengesetz (Ukas), erlassen von dem zaristischen Minister Stolypin am 9. November 1906, über das Ausscheiden der Bauern aus der Dorfgemeinschaft und die Bildung von Einzelgehöften.

  93. In dem Brief ist von der Plenartagung des ZK der SDAPR die Rede, die vom 2. bis zum 23. Januar (15. Januar-5. Februar) 1910 in Paris stattfand. Die Plenartagung beschloss, es sei notwendig, "mit allen mehr oder weniger organisierten Fraktionen aufzuräumen und sie zu Strömungen zu machen, die die Aktionseinheit der Partei nicht beeinträchtigen". Auf Verlangen W.I. Lenin s verurteilte die Plenartagung das Liquidatorentum und den Otsowismus (in der Resolution jedoch werden "Liquidatorentum" und "Otsowismus" nicht direkt bei ihrem wirklichen Namen genannt). Das Vorherrschen versöhnlerischer Elemente auf der Plenartagung ermöglichte es ihnen, eine Anzahl anti Lenin scher Beschlüsse durchzubringen. Trotz des Protestes W.I. Lenin s gelangten einige Liquidatoren-Menschewiki in die zentralen Parteiinstitutionen. Nach der Plenartagung verstärkten die Liquidatoren den Kampf gegen die Partei.

  94. Gemeint ist der Beschluss über die Reorganisation (die "Reform") der zentralen Parteiinstitutionen - des Zentralkomitees, der Redaktion des Zentralorgans, des Auslandsbüros des ZK und des russischen Kollegiums des ZK, gefasst von der Plenartagung des ZK der SDAPR im Januar 1910 (siehe "Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und der Plenartagungen des ZK, Teil I, 6. Auflage, Moskau 1940, S. 157, 158, russ.).

  95. In dem Brief ist von den sechs Monaten die Rede, die noch bis zum Ablauf der Solwytschegodsker Verbannungsfrist J.W. Stalins, d. h. bis Ende Juni 1911 verblieben.

  96. "Mysl" (Der Gedanke) - bolschewistische legale Monatsschrift für philosophische und sozialökonomische Fragen, die von Dezember 1910 bis April 1911 in Moskau erschien. Es kamen fünf Nummern heraus. Gegründet wurde die Zeitschrift von W.I. Lenin , der auch der faktische Leiter der Zeitschrift war. In Nr. 1-4 der "Mysl" wurden Artikel W. 1. Lenin s veröffentlicht. Engste Mitarbeiter der Zeitschrift waren W. W. Worowski, M. S. Olminski, I.I. Skworzow-Stepanow. Außer den Bolschewiki arbeiteten an der Zeitschrift Plechanow und andere parteitreue Menschewiki mit.

  97. "Rabotschaja Gaseta" (Arbeiterzeitung) - populäre bolschewistische Zeitung, die vom 30.Oktober (12. November) 1910 bis zum 30. Juli (12. August) 1912 in Paris erschien. Der Gründer und Leiter der Zeitung war W.I. Lenin . Die Prager Parteikonferenz (Januar 1912) vermerkte die Verdienste, die sich die "Rabotschaja Gaseta" durch ihr Eintreten für die Partei und das Parteiprinzip erwarb, und erkannte sie als offizielles Organ des Zentralkomitees der Partei an.

  98. "Swesda" (Der Stern) - bolschewistische legale Zeitung, die vom 16. Dezember 1910 bis zum 22. April 1912 (anfangs wöchentlich, später zwei- oder dreimal in der Woche) in Petersburg erschien. Die Tätigkeit der "Swesda" wurde von W.I. Lenin gelenkt, der regelmäßig aus dem Ausland seine Artikel für die Zeitung einsandte. Engste Mitarbeiter der "Swesda" waren W. M. Molotow, M. S. Olminski, N. G. Poletajew, N.N. Baturin, K. S. Jeremejew u. a. Auch A. M. Gorki arbeitete an der Zeitung mit. Im Frühjahr 1912, während seines Aufenthalts in Petersburg, hatte J.W. Stalin die unmittelbare Leitung der Zeitung in der Hand und veröffentlichte in ihr eine Anzahl von Artikeln, die im vorliegenden Band abgedruckt sind. Die Auflage der einzelnen Nummern der Zeitung erreichte 50000 bis 60000 Exemplare. Die "Swesda" bereitete das Erscheinen der bolschewistischen Tageszeitung "Prawda" (Die Wahrheit) vor. Am 22. April (5. Mai) 1912 verbot die Zarenregierung die "Swesda". Die Fortsetzung der "Swesda" war die "Newskaja Swesda" (Der Newastern), die bis Oktober 1912 erschien.

  99. Das Flugblatt "Für die Partei!" wurde von J.W. Stalin Anfang März 1912 geschrieben und zusammen mit dem von W.I. Lenin geschriebenen Flugblatt "Die Wahlplattform der SDAPR" im ganzen Lande weithin verbreitet. In Nr. 26 des "Sozialdemokrat" teilte das Büro des ZK folgendes mit: "Das ZK hat in Rußland die Flugblätter: 1. Für die Partei (6000); 2. Wahlplattform (10000) herausgegeben. Diese Flugblätter sind nach 18 Orten geliefert worden, darunter auch nach einer Anzahl der größten Zentren... Die Flugblätter des ZK sind überall mit Freuden aufgenommen worden, man bedauerte nur, dass es so wenige waren." Am 29. März 1912 schrieb G. K. Ordshonikidse aus Kiew, beide Flugblätter hätten "einen sehr guten Eindruck gemacht, das Publikum ist begeistert". Etwas später schrieb N. K. Krupskaja im Auftrage W.I. Lenin s: "Wir haben Eure beiden Briefe (über die örtlichen Angelegenheiten und die vorgesehenen Pläne) und die beiden Flugblätter ´Für die Partei und ´Plattform´ erhalten. Wir begrüßen sie sehr."

  100. In dem Flugblatt wird von der sechsten Allrussischen Parteikonferenz gesprochen, die vom 5. bis zum 17. (18.-30.) Januar 1912 in Prag stattfand. Die Konferenz vereinigte die bolschewistischen Organisationen und formierte die bolschewistische Partei als selbständig existierende Partei. Durch den Beschluss der Konferenz wurden die Menschewiki aus der Partei verjagt, wurde mit der formalen Vereinigung der Bolschewiki mit den Menschewiki in einer Partei für immer Schluss gemacht. Die Prager Konferenz legte den Grundstein zu einer Partei neuen Typus (siehe "Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang", Moskau 1945, S. 134-139, russ. [deutsche Ausgabe, Berlin 1950, S. 174-182]).

  101. Die Proklamation "Es lebe der 1. Mai!" wurde von J.W. Stalin Anfang April 1912 in Moskau geschrieben. Gedruckt wurde sie heimlich in einer legalen Druckerei in Tiflis. Die Auflage der Proklamation wurde dann nach Petersburg befördert.

  102. Artikel 87 der Staatsgrundgesetze gab dem Ministerrat das Recht, während der Unterbrechungen der Arbeit der Reichsduma dem Zaren unmittelbar Gesetzesvorlagen zur Bestätigung zu unterbreiten. Auf diese Weise brachte Stolypin eine Anzahl wichtiger Gesetze unter Umgehung der Duma durch, insbesondere in der Agrarfrage.

  103. "Saprossy Shisni" (Anforderungen des Lebens) - Zeitschrift, die in den Jahren 1909 bis 1912 in Petersburg erschien. Im Sommer 1912 schrieb W.I. Lenin über diese Zeitschrift an A. M. Gorki: "Nebenbei bemerkt, eine seltsame Zeitschrift - liquidatorisch-trudowikisch-wechistisch" (siehe Lenin -Sammelband I, S. 125, russ.)

  104. Friedliche Erneuerer ("Partei der friedlichen Erneuerung") - Partei der großen Handels- und Industriebourgeoisie und der Großgrundbesitzer, gegründet im Jahre 1906. Lenin nannte die friedlichen Erneuerer die "Partei der friedlichen Ausplünderung".

  105. "Delo Shisni" (Die Sache des Lebens) - legale Zeitschrift der Liquidatoren-Menschewiki, die vom 22. Januar bis zum 31. Oktober 1911 in Petersburg erschien.

  106. "Nascha Sarja" (Unsere Morgenröte) - legale Monatsschrift, Organ der Liquidatoren-Menschewiki, das von 1910 bis 1914 in Petersburg erschien.

  107. Progressisten - liberal-monarchistische Gruppe der russischen Bourgeoisie, die eine Zwischenstellung zwischen Oktobristen und Kadetten einnahm. Führer der Progressisten waren die Moskauer Fabrikanten Rjabuschinski, Konowalow u. a.

  108. Die Wahlen zur IV. Reichsduma fanden im Herbst 1912 statt. Aber schon seit dem Frühjahr 1912 arbeiteten die Bolschewiki, geführt von W.I. Lenin und J.W. Stalin, an der Vorbereitung der Wahlkampagne. Die bolschewistische Partei trat bei den Wahlen zur IV. Duma selbständig auf, und zwar unter den Losungen der demokratischen Republik, des Achtstundentages, der Konfiskation der Gutsbesitzerländereien. Im März 1912 verfasste W.I. Lenin "Die Wahlplattform der SDAPR", die als Flugblatt herausgegeben und in einer Anzahl der größten Städte Rußlands verbreitet wurde. Die Arbeit der Bolschewiki in der Wahlkampagne wurde unmittelbar von J.W. Stalin geleitet. Seine Verhaftung am 22. April 1912 unterbrach vorübergehend seine Arbeit an der Vorbereitung der Wahlen zur Reichsduma. J.W. Stalin kehrte, nachdem er aus der Narymer Verbannung geflohen war, im September 1912, als die Wahlkampagne in vollem Gange war, nach Petersburg zurück.

  109. "Semschtschina" (Das Landvolk) - Schwarzhunderterzeitung, die von 1909 bis 1917 in Petersburg erschien; sie war das Organ der extrem rechten Deputierten der Reichsduma.

  110. "Nowoje Wremja" (Neue Zeit) - Zeitung, die von 1868 bis Oktober 1917 in Petersburg erschien; sie war das Organ der reaktionären Kreise des Adels und der bürokratischen Beamtenschaft. Von 1905 an wurde das Blatt zu einem der Organe der Schwarzhunderter.

  111. "Golos Moskwy" (Die Stimme Moskaus) - Tageszeitung, Organ der Oktobristenpartei, das von Dezember 1906 bis 1915 in Moskau erschien. Redakteur und Herausgeber der Zeitung war A. I. Gutschkow.

  112. "Prawda" (Die Wahrheit) - bolschewistische Arbeitertageszeitung, die vom 22. April 1912 bis zum B. Juli 1914 in Petersburg erschien. Die "Prawda" wurde auf Weisung W.I. Lenin s und auf Initiative J.W. Stalins gegründet. Als Mitglied des Zentralkomitees der Partei leitete J.W. Stalin die Ausarbeitung der Plattform der "Prawda" und arbeitete an der Zusammenstellung der ersten Nummer der Zeitung mit. Am 22. April, am Tage des Erscheinens der ersten Nummer der "Prawda " , wurde J.W. Stalin verhaftet. Erst im Herbst 1912 konnte er seine Arbeit in der "Prawda " wieder aufnehmen, nachdem er aus der Narymer Verbannung geflohen war. Von Oktober 1912 bis Februar 1913 erschienen in der "Prawda " eine Anzahl richtungweisender Artikel J.W. Stalins, die im vorliegenden Band Aufnahme gefunden haben. Redaktionsmitglieder und engste Mitarbeiter der "Prawda" waren W.M. Molotow, M. S. Olminski, N. N. Baturin, J. M. Swerdlow, A. M. Gorki, K. N. Samoilowa u. a. Im Laufe von zweieinhalb Jahren verbot die Zarenregierung die "Prawda " achtmal, aber dank der Unterstützung der Arbeiter begann sie unter neuen Namen wieder zu erscheinen ("Rabotschaja Prawda" [Arbeiter-Prawda], "Sewernaja Prawda " [Nord-Prawda], "Prawda Truda" [Prawda der Arbeit], "Sa Prawdu " [Für die Prawda] u. a.) (Über die Bedeutung und die Rolle der "Prawda " siehe die "Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang " , Moskau 1945, S. 143 bis 148, russ. [deutsche Ausgabe, Berlin 1950, S. 187-194].)

  113. Der "Wählerauftrag der Petersburger Arbeiter an ihren Arbeiterdeputierten" wurde Anfang Oktober 1912 geschrieben. Er fand in den Versammlungen der Arbeiter der Petersburger Großbetriebe und auf dem Kongress der Arbeiterbevollmächtigten vom 17. Oktober 1912 einmütige Annahme. J.W. Stalin leitete die Erörterung des "Wählerauftrags " in fliegenden Betriebsversammlungen. W.I. Lenin maß dem "Wählerauftrag" besonders große Bedeutung bei. Als Lenin ihn zur Drucklegung im "Sozialdemokrat" in die Druckerei schickte, schrieb er auf den Rand: "Unbedingt zurückgeben!! Nicht schmutzig machen. Aufbewahrung dieses Dokuments äußerst wichtig." Der "Wählerauftrag" wurde in Nr. 28/29 des "Sozialdemokrat " vom 5. (18.) November 1912 veröffentlicht. In einem Brief an die Redaktion der "Prawda " verlangte Lenin nachdrücklich: "Bringen Sie diesen Wählerauftrag an den Petersburger Deputierten unbedingt an auffallender Stelle in großer Schrift " (siehe "Sämtliche Werke", Bd. XXIX, S. 78, russ.).

  114. Der Ausdruck "Erläuterung " kam in Umlauf im Zusammenhang mit der vom "dirigierenden " Senat praktizierten Erläuterung der Wahlgesetze in dem für die Regierung wünschenswerten Sinn. Bei der "Erläuterung " der Gesetze erklärten die Behörden willkürlich die vorgenommenen Wahlen für ungültig.

  115. Die Wahl der Wahlmänner in der Arbeiterkurie des Gouvernements Petersburg fand das erste Mal auf dem Gouvernementskongress der Bevollmächtigten am 5. Oktober 1912 statt. Obgleich 21 der größten Betriebe Petersburgs des Wahlrechts beraubt waren, waren von den 6 vom Kongress gewählten Wahlmännern 4 Bolschewiki. Unter dem Druck der Massen erhielten die Arbeiter der "erläuterten" Betriebe ihr Wahlrecht zurück, Am 14. Oktober 1912 fanden in diesen Betrieben Neuwahlen der Bevollmächtigten statt, und am 17. Oktober trat der zweite Kongress der Bevollmächtigten der Arbeiterkurie des Gouvernements Petersburg zusammen. Auf diesem Kongress erfolgten auch die abermaligen Wahlen der Wahlmänner, wobei fünf Kandidaten - zwei Bolschewiki und drei Menschewiki - die absolute Mehrheit erhielten. Am anderen Tage fand eine zusätzliche Abstimmung statt, bei der als sechster Wahlmann ein Bolschewik gewählt wurde. Der Verlauf des Wahlkampfes wird ausführlich in der Korrespondenz J.W. Stalins "Die Wahlen in Petersburg" geschildert, die im "Sozialdemokrat" veröffentlicht wurde (siehe den vorliegenden Band).

  116. "Lutsch" (Der Strahl) - legale Tageszeitung der Liquidatoren-Menschewiki, die von September 1912 bis Juli 1913 in Petersburg erschien. Im "Lutsch" traten die Liquidatoren offen gegen die illegale Partei auf. Die Zeitung existierte hauptsächlich aus Mitteln der Bourgeoisie.

  117. Gemeint ist das Obuchow-Werk.

  118. Die Proklamation "An alle Arbeiter und Arbeiterinnen Rußlands!", die dem achten Jahrestag des 9. Januar 1905 gewidmet war, wurde von J.W. Stalin im Dezember 1912 geschrieben. Über die Notwendigkeit, ein solches Flugblatt herauszugeben, schrieb W.I. Lenin aus Krakau am 23. November (6. Dezember) 1912 an J.W. Stalin in Petersburg folgendes: "Lieber Freund, wegen des 9. Januar ist es äußerst wichtig, die Sache im voraus zu bedenken und vorzubereiten. Beizeiten fertig sein muss das Flugblatt mit einem Aufruf zu Meetings, eintägigem Streik und Demonstrationen (solches muss an Ort und Stelle beschlossen werden, an Ort und Stelle kann man besser entscheiden)... Die Losungen des Flugblatts müssen die drei revolutionären Losungen sein (Republik, Achtstundentag und Konfiskation der Gutsbesitzerländereien), wobei die dreihundertjährige ´Schmach´ der Romanowdynastie besonders zu betonen ist. Besteht keine völlige und restlose Gewissheit, dass es möglich ist, in Petersburg über das Flugblatt zu verfügen, so muss es im voraus hier rechtzeitig hergestellt und hinbefördert werden" (siehe "Sämtliche Werke", Bd. XXIX, S.82, russ.)

  119. Von August bis Oktober 1912 kamen unter den politischen Gefangenen der Zuchthäuser Kutomar und Algatschi (Nertschinsker Zwangsarbeitsstelle im Transbaikalgebiet) zum Zeichen des Protestes gegen die Gewalttaten der Gefängnisverwaltung massenhafte Hungerstreiks und Selbstmorde vor. Ein Widerhall dieser Ereignisse waren die Proteststreiks der Arbeiter und die Versammlungen der Studentenschaft in Petersburg, Moskau und Warschau.

  120. Im Oktober 1912 fällte das Sewastopoler Marinegericht sein Urteil in einem Prozess gegen 142 Matrosen, die angeklagt waren, einen Aufstand in der Schwarzmeerflotte vorbereitet zu haben. 17 Angeklagte wurden zum Tode, 106 zu Zwangsarbeit verurteilt, 19 wurden freigesprochen. Als Antwort auf das Gerichtsurteil fanden in Moskau, Petersburg, Charkow, Nikolajew, Riga und anderen Städten Rußlands Massenstreiks und Protestdemonstrationen statt.

  121. Ende 1911 erschienen in der Presse neue Dokumente, die eine Provokation der Regierung entlarvten: Die Anklagematerialien gegen die sozialdemokratischen Deputierten erwiesen sich restlos als das Werk der Hände der Petersburger Ochrana. Mitte November 1911 brachte die sozialdemokratische Fraktion der III. Duma in der Duma eine Anfrage wegen Revision des Prozesses der sozialdemokratischen Deputierten der II. Reichsduma ein. Die Anfrage wurde von der Duma abgelehnt. Im Zusammenhang hiermit fanden in Petersburg, Riga, Warschau und anderen Städten Rußlands vieltausendköpfige Meetings statt; es wurden Resolutionen angenommen, in denen die Freilassung der verurteilten Deputierten gefordert wurde.

  122. Vertreter des ZK der Partei bei der Durchführung der Wahlkampagne in Petersburg war J.W. Stalin. Der Vollzugsausschuss des Petersburger Komitees war der engere Teil des Petersburger Komitees, dem die Führung der laufenden Arbeit anvertraut war.

  123. Die Liquidatoren hatten aus ihrer im September 1912 erschienenen Wahlplattform die politischen Hauptlosungen des Minimalprogramms der SDAPR ausgeschieden. Die Losung der demokratischen Republik ersetzten sie durch die Forderung des allgemeinen Wahlrechts "bei den Wahlen zur Reichsduma und zu den Organen der örtlichen Selbstverwaltung", die Losung der Konfiskation der Gutsbesitzerländereien durch die Forderung einer "Revision der Agrargesetzgebung der III. Duma".

  124. Gemeint ist die so genannte "Augustkonferenz" der Liquidatoren, die im August 1912 in Wien stattfand. Diese Konferenz wurde als Gegengewicht gegen die Prager Konferenz der Bolschewiki einberufen.

  125. Der Bolschewik "X" war M. G. Poletajew; der Liquidator "Y" wahrscheinlich J. Majewski (W. A. Gutowski). Die weiter unter erwähnten Petersburger Liquidatoren "Ab... und L..." waren W. M. Abrossimow und W. Lewizki (W. O. Zederbaum).

  126. Newski Golos" (Die Newastimme) - legale Wochenzeitung der Liquidatoren-Menschewiki, die von Mai bis August 1912 in Petersburg erschien.

  127. Siehe "Briefe aus dem Kaukasus", S. 171-174 des vorliegenden Bandes.

  128. In Nr. 9 des "Dnewnik Sozial-Demokrata" (Das Tagebuch des Sozialdemokraten) kritisierte G. W. Plechanow das Auftreten des liquidatorischen georgischen Menschewiks S. Dshibladse im "Golos Sozial-Demokrata".

  129. Panislamismus - reaktionäre religiös-politische Ideologie, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Türkei des Sultans unter den türkischen Gutsbesitzern, der Bourgeoisie und der Geistlichkeit entstand und sich dann unter den besitzenden Klassen der anderen mohammedanischen Völker verbreitete. Der Panislamismus predigte die Vereinigung aller sich zum Islam (der mohammedanischen Religion) bekennenden Völker zu einem einzigen Ganzen. Mit Hilfe des Panislamismus versuchten die herrschenden Klassen der mohammedanischen Völker ihre Position zu festigen und die revolutionäre Bewegung der Werktätigen der orientalischen Völker zu erdrosseln.

  130. Der Artikel "Marxismus und nationale Frage" wurde Ende 1912 bis Anfang 1913 in Wien geschrieben; zum ersten Mal veröffentlicht wurde er mit der Unterschrift K. Stalin in Nummer 3-5 der Zeitschrift "Prosweschtschenije" (Die Aufklärung), Jahrgang 1913, unter dem Titel "Nationale Frage und Sozialdemokratie". Im Jahre 1914 wurde der Artikel J.W. Stalins als besondere Broschüre unter dem Titel "Nationale Frage und Marxismus" im Verlage "Priboi" (Die Brandung) in Petersburg herausgegeben. Die Broschüre wurde auf Verfügung des Innenministers aus allen öffentlichen Bibliotheken und öffentlichen Lesehallen entfernt. Im Jahre 1920 gab das Volkskommissariat für die Angelegenheiten der Nationalitäten die Schrift in der "Sammlung von Aufsätzen" J.W. Stalins über die nationale Frage neu heraus (Staatsverlag in Tula). Im Jahre 1934 wurde der Artikel in das Buch: J. Stalin, "Der Marxismus und die nationale und koloniale Frage, eine Sammlung ausgewählter Aufsätze und Reden" aufgenommen. In dem Artikel "Über das nationale Programm der SDAPR" wies Lenin auf die Ursachen hin, die der nationalen Frage damals einen wichtigen Platz anwiesen, und schrieb: "In der theoretischen marxistischen Literatur wurde diese Sachlage und wurden die Grundlagen des nationalen Programms der Sozialdemokratie in der letzten Zeit bereits beleuchtet (in erster Linie ragt hier der Artikel Stalins hervor)." Im Februar (n. St.) 1913 schrieb Wladimir Iljitsch an A. M. Gorki: "Hier hat sich ein prächtiger Georgier an die Arbeit gemacht und schreibt für das ´Prosweschtschenije´ einen großen Artikel, für den er sämtliche österreichische und andere Materialien zusammengetragen hat." Als er erfuhr, dass die Absicht bestand, den Aufsatz als Diskussionsartikel anzusehen, widersetzte sich Lenin dem energisch: "Natürlich sind wir absolut dagegen. Der Artikel ist sehr gut. Es handelt sich um eine Kampffrage, und wir werden von unserer prinzipiellen Position gegenüber dem Gesindel vom ´Bund´ um kein Tüttelchen abweichen" (Archiv des Marx-Engels- Lenin -Instituts). Bald nach der Verhaftung J.W. Stalins, im März 1913, schrieb W.I. Lenin an die Redaktion des "Sozialdemokrat": "...Bei uns sind schwere Verhaftungen erfolgt. Koba ist festgenommen... Koba hat Zeit gefunden, einen großen Artikel (für drei Nummern des ´Prosweschtschenije´) über die nationale Frage zu schreiben. Gut! Man muss für die Wahrheit und gegen die Separatisten und Opportunisten des ´Bund´ sowie der Liquidatoren kämpfen" (Archiv des Marx-Engels- Lenin -Instituts).

  131. Zionismus - reaktionär-nationalistische Strömung, die ihre Anhänger unter der jüdischen Bourgeoisie, der Intelligenz und den rückständigsten Schichten der jüdischen Arbeiter hatte. Die Zionisten waren bestrebt, die jüdischen Arbeitermassen vom gemeinsamen Kampf des Proletariats zu isolieren.

  132. Der Brünner Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie tagte vom 24. bis zum 29. September 1899. Der vom Parteitag in der nationalen Frage beschlossene Resolutionswortlaut wird von J.W. Stalin im folgenden Kapitel der vorliegenden Arbeit angeführt.

  133. "Bei uns gibt es Gott sei Dank kein Parlament" - Worte des zaristischen Finanzministers (späteren Ministerpräsidenten) W. Kokowzew, gesprochen in der Reichsduma am 24. April 1908.

  134. Siehe Kapitel II des "Manifests der Kommunistischen Partei" von Karl Marx und Friedrich Engels [Berlin 1950, S. 29].

  135. Der Wiener (oder Wimberger - so benannt nach dem Wiener Hotel, in dem er tagte) Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Österreichs fand vom 6. bis zum 12. Juni 1897 statt.

  136. Gemeint ist der 1844 in den "Deutsch-Französischen Jahrbüchern" veröffentlichte Aufsatz von Karl Marx "Zur Judenfrage" (siehe Marx/Engels, Gesamtausgabe, Erste Abteilung, Bd. 1, Erster Halbband [S. 576 ff.]).

  137. Die VIII. Konferenz des "Bund" tagte im September 1910 in Lwow.

  138. G. W. Plechanow verurteilte in seinem in der Zeitung "Sa Partiju" (Für die Partei) am 2. (15.) Oktober 1912 veröffentlichten Artikel "Noch eine Spalterkonferenz" die "Augustkonferenz" der Liquidatoren und charakterisierte die Position der Bundisten und der kaukasischen Sozialdemokraten als eine Anpassung des Sozialismus an den Nationalismus. In einem Schreiben an die Redaktion der Liquidatorenzeitschrift "Nasche Sarja" trat Kossowski, ein Führer der Bundisten, mit einer Kritik an Plechanow auf.

  139. Der VII. Kongress des "Bund" fand Ende August bis Anfang September (n. St.) 1906 in Lwow statt.

  140. "Iskra" (Der Funke) - erste gesamtrussische illegale marxistische Zeitung, gegründet im Jahre 1900 von W.I. Lenin (siehe J.W. Stalin, "Werke", Bd. 1, russ. [deutsche Ausgabe S. 35013511, Anmerkung 26)

  141. Karl Vanek - tschechischer Sozialdemokrat, der auf offen chauvinistischer, separatistischer Position stand.

  142. "Tschweni Zchowreba" (Unser Leben) - Tageszeitung der georgischen Menschewiki, die vom 1. bis zum 22. Juli 1912 in Kutais erschien.

  143. Der erste Balkankrieg, der im Oktober 1912 zwischen Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro auf der einen, der Türkei auf der anderen Seite ausbrach.

  144. Siehe die Beschlüsse der vierten (der "Dritten allrussischen") Konferenz der SDAPR, die vom 5. bis zum 12. November 1907 tagte, und der V. Konferenz der SDAPR (der "Allrussischen Konferenz von 1908") vom 21. bis zum 27. Dezember 1908 (3.-9. Januar 1909) (siehe "Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und der Plenartagungen des Zentralkomitees", Teil I, 6. Auflage, Moskau 1940, Seite 118, 131, russ.).

  145. Jagiello, E. J. - Mitglied der Sozialistischen Partei Polens (PPS); er wurde von dem Block des "Bund" und der PPS mit den bürgerlichen Nationalisten gegen die polnischen Sozialdemokraten als Abgeordneter von Warschau in die IV. Reichsduma gewählt. Die sozialdemokratische Dumafraktion beschloss dank der Stimmenmehrheit der Liquidatoren-Menschewiki (der menschewistischen Sieben) gegen die sechs bolschewistischen Deputierten eine Resolution über die Aufnahme Jagiellos in die sozialdemokratische Fraktion.

  146. "Prosweschtschenije" (Die Aufklärung) - bolschewistische legale Monatsschrift, die ab Dezember 1911 in Petersburg erschien. Die Zeitschrift wurde von W.I. Lenin geleitet, der in einem regelmäßigen Briefwechsel mit den in Rußland befindlichen Mitgliedern des Redaktionskollegiums (M. A. Saweljew, M. S. Olminski, A.I. Jelisarowa) stand. Während seines Aufenthalts in Petersburg gehörte J.W. Stalin zu den nächsten Mitarbeitern der Zeitschrift. Die Zeitschrift war mit der "Prawda" eng verbunden. Im Juni 1914, am Vorabend des ersten Weltkrieges, verbot die Regierung die Zeitschrift. Im Herbst 1917 wurde noch eine Doppelnummer herausgegeben.

  147. Im Dezember 1912 gaben die Arbeiterdeputierten der IV. Duma ihre Zustimmung dazu, dass ihre Namen in die Liste der Mitarbeiter des "Lutsch" aufgenommen wurden. Gleichzeitig setzten sie ihre Mitarbeit in der "Prawda" fort. Faktisch arbeiteten die Arbeiterdeputierten nicht am "Lutsch" mit. Nach einem entsprechenden Hinweis des ZK erklärten sie, dass ihre Namen in der Liste der Mitarbeiter des "Lutsch" zu streichen seien. Im Zusammenhang mit dieser Erklärung entbrannte zwischen den beiden Gruppen der sozialdemokratischen Fraktion (den bolschewistischen Sechs und den menschewistischen Sieben) ein erbitterter Kampf.

  148. Gemeint ist die sozialdemokratische Fraktion in der III. Reichsduma.

  149. "Shiwoje Delo" (Lebendige Tat) - legale Wochenzeitung der Liquidatoren-Menschewiki, die von Januar bis April 1912 in Petersburg erschien.

  150. Die Proklamation "Der Jahrestag des Lena-Gemetzels" wurde von J.W. Stalin im Januar oder Februar 1913 in Krakau geschrieben. Von N. K. Krupskaja mit der Hand abgeschrieben, wurde sie auf einem Hektographen vervielfältigt, nach Rußland gesandt und in Petersburg, Kiew, Mohilew, Tiflis und anderen Städten verbreitet.

  151. Die IV. Reichsduma eröffnete ihre Sitzungen am 15.November 1912.

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