"Stalin"

Werke

Band 3

DEN BODEN DEN BAUERN

Die Bauern des Gouvernements Rjasan haben sich an den Minister Schingarjow mit der Erklärung gewandt, dass sie den Boden, den die Gutsbesitzer brachliegen lassen, bestellen werden, selbst wenn die Gutsbesitzer ihre Zustimmung dazu verweigern. Die Bauern erklären, die Sabotage der Aussaat durch die Gutsbesitzer sei verhängnisvoll, und die sofortige Bestellung der vernachlässigten Ländereien sei das einzige Mittel, um nicht nur für die Bevölkerung im Hinterland, sondern auch für die Armee an der Front Brot zu sichern.

Als Antwort darauf verbietet Minister Schingarjow (siehe sein Telegramm[12]) den Bauern ganz entschieden die Bestellung des Bodens auf eigene Faust, bezeichnet diese als "Eigenmächtigkeit" und empfiehlt den Bauern, die Einberufung der Konstituierenden Versammlung abzuwarten: diese werde schon alles entscheiden.

Da jedoch unbekannt ist, wann die Konstituierende Versammlung einberufen wird, weil die Einberufung der Konstituierenden Versammlung von der Provisorischen Regierung, deren Mitglied Herr Schingarjow ist, hinausgezögert wird, so ergibt sich, dass in Wirklichkeit der Boden unbebaut bleiben soll, die Gutsbesitzer auf ihrem Boden, die Bauern ohne Boden und Rußland, die Arbeiter, Bauern und Soldaten ohne genügend Brot bleiben werden.

Dies alles, damit den Gutsbesitzern kein Leid widerfährt, selbst wenn Rußland in die Krallen des Hungers gerät.

Das ist die Antwort der Provisorischen Regierung, deren Mitglied Minister Schingarjow ist.

Uns wundert eine derartige Antwort nicht. Anders kann die Regierung der Fabrikanten und Gutsbesitzer die Bauern ja gar nicht behandeln: Was kümmern sie die Bauern, wenn es nur den Gutsbesitzern gut geht!

Wir fordern darum die Bauern, die gesamte Dorfarmut in ganz Rußland auf, ihre Sache selbst in die Hand zu nehmen und sie vorwärts zutreiben.

Wir rufen sie auf, sich zu revolutionären Bauernkomitees zu organisieren (Amtsbezirks-, Kreiskomitees usw.), durch sie von den Ländereien der Gutsherren Besitz zu ergreifen und sie eigenmächtig in organisierter Weise zu bearbeiten.

Wir rufen sie auf, dies unverzüglich zu tun, ohne die Konstituierende Versammlung abzuwarten, ohne sich um die reaktionären Verbote der Minister zu kümmern, mit denen man den Gang der Revolution aufhalten will.

Man sagt uns, die sofortige Besitzergreifung der Ländereien der Gutsbesitzer untergrabe die "Einheit" der Revolution, da sie die "fortschrittlichen Schichten" der Gesellschaft von ihr abspalte.

Es wäre jedoch naiv zu glauben, man könne die Revolution vorwärts treiben, ohne sich mit den Fabrikanten und Gutsbesitzern zu überwerfen.

Haben die Arbeiter mit der Einführung des Achtstundentags etwa nicht die Fabrikanten samt ihrem Anhang von der Revolution "abgespalten"? Wer wird zu behaupten wagen, es sei ein Verlust für die Revolution, dass sie die Lage der Arbeiter erleichtert und den Arbeitstag verkürzt hat?

Die eigenmächtige Bestellung der Gutsländereien und ihre Besitzergreifung durch die Bauern wird - das ist nicht zu bezweifeln - die Gutsbesitzer mit ihrem Anhang von der Revolution "abspalten". Allein wer wird zu behaupten wagen, wir schwächten die Kräfte der Revolution, wenn wir die Millionenmassen der armen Bauern um sie scharen?

Wer den Gang der Revolution beeinflussen will, muss sich ein für allemal darüber klar werden,

1. dass die Hauptkräfte unserer Revolution die Arbeiter und armen Bauern sind, die der Krieg in den Soldatenrock gesteckt hat;

2. dass sich in dem Maße, wie sich die Revolution vertieft und erweitert, die so genannten "fortschrittlichen Elemente" - fortschrittlich in Wurten, reaktionär in der Tat - unvermeidlich von der Revolution "abspalten" werden.

Es wäre eine reaktionäre Utopie, diesen wohltuenden Prozess, durch den die Revolution von den unnötigen "Elementen" gesäubert wird, aufhalten zu wollen.

Die Politik des Abwartens und des Hinausschiebens bis zur Konstituierenden Versammlung, die Politik des "zeitweiligen" Verzichts auf die Konfiskation, wie sie von den Volkstümlern, den Trudowiki und den Menschewiki empfohlen wird, die Politik des Lavierens zwischen den Klassen (um ja niemandem Unrecht zu tun!) und des schmachvollen Auf-der-Stelle-Tretens - das ist nicht die Politik des revolutionären Proletariats.

Der Siegeszug der russischen Revolution wird diese Politik als über-flüssigen Plunder hinwegfegen, der nur den Feinden der Revolution genehm und von Vorteil ist.

"Prawda" Nr. 32,
14. April 1917.
Leitartikel.
Unterschrift: K. Stalin.

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