"Stalin"

Werke

Band 3

WAS HABEN WIR VON DER KONFERENZ
ERWARTET?

Unsere Partei ist der Verband der Sozialdemokraten ganz Rußlands, von Petrograd bis zum Kaukasus, von Riga bis Sibirien.

Dieser Verband wurde geschaffen, um den Werktätigen zu helfen, einen erfolgreichen Kampf gegen die Reichen, die Fabrikanten und Gutsherren, für ein besseres Dasein, für den Sozialismus zu führen.

Der Kampf kann aber nur dann erfolgreich sein, wenn unsere Partei einig und geschlossen ist, wenn sie einer Seele und eines Willens ist, wenn sie überall, in allen Teilen Rußlands, in eine Kerbe haut.

Wie aber ist die Einheit und Geschlossenheit der Partei zu erreichen?

Dazu gibt es nur einen Weg, nämlich: gewählte Vertreter der klassenbewussten Arbeiter ganz Rußlands an einem Ort zu versammeln, die grundlegenden Fragen unserer Revolution gemeinsam zu erörtern und eine gemeinsame Meinung auszuarbeiten, um dann, nach Hause zurückgekehrt, unter das Volk zu gehen und es auf einem gemeinsamen Weg dem einen gemeinsamen Ziel entgegenzuführen.

Eine solche Versammlung nennt man eben Konferenz.

Das ist der Grund, weshalb wir alle mit Ungeduld auf die Einberufung der Allrussischen Konferenz der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands warteten.

Unsere Partei lebte vor der Revolution in der Illegalität, sie war eine verbotene Partei, ihre Mitglieder wurden verhaftet und zur Zwangsarbeit verschickt. Deshalb war ihre Organisation auch der Illegalität angepasst, sie war eine "geheime" Partei.

Jetzt haben sich die Verhältnisse geändert, die Revolution hat uns Freiheit gegeben, die Illegalität ist vorbei, und die Partei musste zu einer Partei werden, die offen ihre Tätigkeit ausübt, sie musste sich auf neue Art organisieren.

Wir stehen vor der Frage Krieg oder Frieden. Der Krieg rafft Millionen Opfer dahin und wird weitere Millionen dahinraffen. Der Krieg ruiniert Millionen von Familien. Er hat über die Städte Hungersnot und Erschöpfung gebracht. Er hat das Dorf der notwendigsten Waren beraubt. Von Vorteil ist der Krieg nur für die Reichen, die sich an den Staatslieferungen bereichern. Von Vorteil ist der Krieg nur für die Regierungen, die fremde Völker plündern. Eben um solcher Plünderung willen wird der Krieg ja geführt. Und so erhebt sich die Frage: Wie soll es mit dem Krieg werden, soll er eingestellt oder weiter fortgesetzt werden, soll man den Hals noch tiefer in die Schlinge stecken oder sie endgültig zerreißen?

Die Konferenz hatte diese Frage zu beantworten.

Ferner. Rußland, sein Hinterland wie auch die Front, steht vor der Hungersnot. Aber die Hungersnot wird dreimal so hart sein, wenn jetzt nicht sofort alle "freien" Ländereien unter den Pflug genommen werden. Indes lassen die Gutsbesitzer den Boden brachliegen, sabotieren die Aussaat, die Provisorische Regierung aber lässt es nicht zu, dass die Bauern die Gutsländereien nehmen und sie bestellen ... Wie soll es mit der Provisorischen Regierung werden, die die Gutsbesitzer in jeder Weise unterstützt? Wie soll es mit den Gutsbesitzern selbst werden, soll man ihnen den Boden belassen oder ihn dem Volke übereignen?

Auf alle diese Fragen hatte die Konferenz klare und deutliche Antworten zu geben.

Denn nur solche Antworten machen die Partei zu einer einheitlichen und fest gefügten Partei.

Nur eine fest gefügte Partei vermag das Volk zum Siege zu führen.

Hat die Konferenz unsere Hoffnungen gerechtfertigt?

Ob sie klare und deutliche Antworten gegeben hat, darüber mögen die Genossen selbst beim Studium der Konferenzbeschlüsse entscheiden, die in der Beilage zu Nr. 13[19] unserer Zeitung veröffentlicht sind.

"Soldatskaja Prawda"
(Soldaten-Prawda) Nr. 16,
6. Mai 1917.
Leitartikel.
Unterschrift: K. Stalin.

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