"Stalin"

Werke

Band 3

GEGEN ZERSPLITTERTE DEMONSTRATIONEN

Die Provisorische Regierung hat vor einigen Tagen den Beschluss gefasst, die Villa Durnowo von den Anarchisten zu säubern. Dieser von Grund aus falsche Beschluss hat bei den Arbeitern einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Zweifellos haben die Arbeiter in diesem Beschluss einen Anschlag auf das Existenzrecht gewisser Organisationen erblickt. Wir sind grundsätzlich gegen die Anarchisten, aber soweit auch nur ein kleiner Teil der Arbeiter hinter den Anarchisten steht, haben sie das gleiche Existenzrecht wie, sagen wir, die Menschewiki und Sozialrevolutionäre. In diesem Sinne hatten die Arbeiter recht, als sie gegen die Anschläge der Provisorischen Regierung Protest erhoben. Dies um so mehr, als die besagte Villa außer von den Anarchisten auch von einigen Betrieben und Gewerkschaften benutzt wird.

Die Leser wissen, dass es den Arbeitern dank ihrem Protest gelungen Ist, die Provisorische Regierung zum Nachgeben zu zwingen und die Villa zu behalten.

Jetzt stellt sich heraus, dass in der Villa Durnowo eine neue Aktion der Arbeiter "organisiert" wird. Man berichtet uns, dass in der Villa Durnowo Vertreter von Betriebskomitees, mit den Anarchisten an der Spitze, Versammlungen abhalten, und zwar zu dem Zweck, heute eine Demonstration zu veranstalten. Wenn dies zutrifft, so erklären wir, dass wir jegliche zersplitterten, anarchischen Aktionen aufs entschiedenste verurteilen. Demonstrationen einzelner Bezirke und einzelner Regimenter, mit Anarchisten an der Spitze, die sich über die momentanen Bedingungen nicht klar sind, Demonstrationen, die gegen den Willen der Mehrheit der Bezirke und Regimenter, gegen den Willen des Büros der Gewerkschaften, des Zentralrats der Betriebskomitees und schließlich gegen den Willen der sozialistischen Partei des Proletariats veranstaltet werden - solche anarchische Demonstrationen betrachten wir als verderblich für die Sache der Arbeiterrevolution.

Das Existenzrecht der Organisationen, darunter auch der Organisationen der Anarchisten, kann und muss verteidigt werden, wenn jemand diese Organisationen obdachlos machen will. Allein es ist für klassenbewusste Arbeiter unzulässig und verbrecherisch, sich mit Anarchisten zu verschmelzen und zusammen mit ihnen sinnlose Aktionen zu unternehmen, die von vornherein zum Misserfolg verurteilt sind.

Die Genossen Arbeiter und Soldaten sollten es sich recht gut überlegen: Was sind sie- Sozialisten oder Anarchisten, und wenn sie Sozialisten sind, so müssen sie entscheiden, ob sie sich, gegen den Beschluss unserer Partei, Hand in Hand mit den Anarchisten auf offensichtlich unbedachte Aktionen einlassen dürfen.

Genossen! Durch unseren Demonstrationsversuch vom 10. Juni haben wir erreicht, dass das Exekutivkomitee und der Sowjetkongress[30] die Notwendigkeit einer Demonstration anerkannt haben. Es dürfte euch nicht unbekannt sein, dass der Sowjetkongress für den 18. Juni eine allgemeine Demonstration angesetzt und von vornherein die Freiheit der Losungen verkündet hat.

Unsere Aufgabe ist es jetzt, zu erreichen, dass die Demonstration am 18. Juni in Petrograd unter unseren revolutionären Losungen verläuft.

Und eben darum müssen wir jede anarchische Aktion radikal unterbinden und desto energischer zur Demonstration am 18. Juni rüsten.

Gegen zersplitterte Aktionen, für die allgemeine Demonstration am 18. Juni - dazu rufen wir euch auf.

Genossen! Die Zeit ist kostbar, verliert daher keine Minute! Jeder Betrieb, jeder Bezirk, jedes Regiment und jede Kompanie schreibe die Losungen des revolutionären Proletariats auf die Fahnen. Alle an die der Arbeit, Genossen, alle auf zur Vorbereitung der Demonstration am 18. Juni.

Gegen anarchische Aktionen, für die gemeinsame Demonstration unter dem Banner der Partei des Proletariats - so lautet unser Ruf.

"Prawda" Nr. 81
14. Juni 1917.
Unterschrift: K. Stalin.

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