"Stalin"

Werke

Band 3

SCHLIESST DIE REIHEN!

Die Ereignisse vom 3. und 4. Juli wurden durch die allgemeine Krise Im Lande hervorgerufen. Der sich in die Länge ziehende Krieg und die allgemeine Erschöpfung, die unerhörte Teuerung und Unterernährung, die wachsende Konterrevolution und die wirtschaftliche Zerrüttung, die Auflösung von Regimentern an der Front und die Verschleppung der Bodenfrage, die allgemeine Zerrüttung im Lande und die Unfähigkeit der Provisorischen Regierung, das Land aus der Krise herauszuführen - das war es, was die Massen am 3. und 4. Juli auf die Straße trieb.

Wer diese Aktion mit der böswilligen Agitation dieser oder jener Partei erklärt, der steht auf dem Standpunkt der Leute von der Ochrana (Zaristische Geheimpolizei. Die deutsche Red), die jede Massenbewegung mit den Einflüsterungen von "Anstiftern" und "Aufwieglern" zu erklären suchen.

Keine einzige Partei - die Bolschewiki nicht ausgenommen - hatte zu der Aktion vom 3. Juli aufgerufen. Mehr noch. Die Partei der Bolschewiki, die den größten Einfluss in Petrograd besitzt, forderte noch am 3. Juli die Arbeiter und Soldaten auf, von der Demonstration Abstand zu nehmen. Als aber die Bewegung dennoch ausbrach, tat unsere Partei, die sich nicht für berechtigt hielt, ihre Hände in Unschuld zu waschen, alles nur Mögliche, um der Bewegung einen friedlichen und organisierten Charakter zu verleihen.

Aber die Konterrevolution schlief nicht. Sie organisierte provokatorische Schießereien, sie verdüsterte die Demonstrationstage durch Blutvergießen und ging, gestützt auf einige Fronttruppenteile, zur Offensive gegen die Revolution über. Der Kern der Konterrevolution, die Partei der Kadetten, war, dies alles gleichsam voraussehend, schon vorher aus der Regierung ausgetreten und hatte sich freie Hand verschafft. Die Menschewiki und Sozialrevolutionäre im Exekutivkomitee aber, die ihre erschütterten Positionen zu halten wünschten, erklärten verräterischerweise, die Demonstration für die uneingeschränkte Macht der Sowjets sei ein Aufstand gegen die Sowjets, und hetzten damit rückständige Schichten der von der Front herbeigerufenen Truppenteile auf das revolutionäre Petrograd. Von ihrem Fraktionsfanatismus verblendet, merkten sie nicht, dass sie durch ihre Schläge gegen die revolutionären Arbeiter und Soldaten gleichzeitig auch die ganze Front der Revolution schwächen und den Hoffnungen der Konterrevolution Auftrieb geben.

Das Ergebnis ist ein zügelloses Wüten der Konterrevolution und die Militärdiktatur.

Demolierung der "Prawda" und der "Soldatskaja Prawda"[34], Demolierung der Druckerei "Trud"[35] und unserer Bezirksorganisationen, Misshandlungen und Mordtaten, Verhaftungen ohne Gerichtsverfahren und eine ganze Reihe "eigenmächtiger" Gewalttaten, gemeine Verleumdungen verabscheuungswürdiger Spitzel gegen die Führer unserer Partei und hemmungslose Ausfälle von Piraten der Feder in den käuflichen Zeitungen, Entwaffnung revolutionärer Arbeiter und Auflösung von Regimentern, Wiedereinführung der Todesstrafe - das ist sie, die "Arbeit" der Militärdiktatur.

All das geschieht unter der Flagge der "Rettung der Revolution", "auf Befehl" des "Kabinetts" Kerenski-Zereteli, das vom Allrussischen Exekutivkomitee unterstützt wird. Dabei liefern die regierenden Parteien der Sozialrevolutionäre und Menschewiki, erschreckt durch die Militärdiktatur, leichten Herzens die Führer der proletarischen Partei an die Feinde der Revolution aus, sie decken die Demolierungen und die Ausschreitungen und setzen den "eigenmächtigen" Gewalttätigkeiten keinen Widerstand entgegen.

Ein stillschweigender Pakt der Provisorischen Regierung mit dem al, der Konterrevolution, mit der Partei der Kadetten gegen die revolutionären Arbeiter und Soldaten Petrograds, bei unverkennbarer Vorschubleistung des Exekutivkomitees - das ist das Bild der heutigen Lage.

Je nachgiebiger nun die regierenden Parteien sind, desto frecher werden die Konterrevolutionäre. Vom Angriff auf die Bolschewiki gehen sie bereits zum Angriff auf alle Parteien der Sowjets und auf die Sowjets selbst über. Auf der Petrograder Seite und an der Ochta werden menschewistische Bezirksorganisationen überfallen. Überfallen wird die Abteilung des Metallarbeiterverbandes hinter der Newskaja Sastawa. Man dringt in den Sitzungssaal des Petrograder Sowjets ein und verhaftet Mitglieder des Sowjets (den Deputierten Sacharow). Man organisiert auf dem Newski-Prospekt Sondergruppen zur Jagd auf Mitglieder des Exekutivkomitees. Man spricht eindeutig von einer Auseinanderjagung des Exekutivkomitees. Wir reden schon gar nicht von der "Verschwörung" Argen einige Mitglieder der Provisorischen Regierung und Führer des Exekutivkomitees.

Die Handlungsweise der Konterrevolutionäre wird von Stunde zu Stunde frecher und herausfordernder. Die Provisorische Regierung aber fuhrt fort, die revolutionären Arbeiter und Soldaten im Interesse der "Rettung der Revolution" zu entwaffnen...

All das verschärft im Zusammenhang mit der im Lande um sich greifenden Krise, im Zusammenhang mit der Hungersnot und der Zerrüttung, mit dem Krieg und den mit ihm verbundenen Überraschungen die Lage noch mehr und macht neue politische Krisen unvermeidlich.

Für die kommenden Schlachten gerüstet zu sein, ihnen würdig und organisiert zu begegnen - das ist heute die Aufgabe.

Daraus folgt:

Das erste Gebot - fallt nicht auf Provokationen der Konterrevolutionäre herein, wappnet euch mit Ausdauer und Selbstbeherrschung, schont eure Kräfte für den kommenden Kampf, lasst keinerlei verfrühte Aktionen zu.

Das zweite Gebot - schart euch noch enger um unsere Partei, schließt die Reihen gegen die wider uns zu Felde ziehenden zahllosen Feinde, haltet das Banner hoch, ermuntert die Schwachen, sammelt die Zurück bleibenden, klärt die Unwissenden auf.

Keinerlei Kompromisse mit der Konterrevolution!

Keinerlei Einheit mit den "sozialistischen" Kerkermeistern.

Für das Bündnis der revolutionären Elemente gegen die Konterrevolution und ihre Helfer - das ist unsere Parole.

"Proletarskoje Djelo" (Die proletarische Sache)
(Kronstadt) Nr. 2,
15. Juli 1917.
Unterschrift: K. Stalin,
Mitglied des Zentralkomitees der SDAPR.

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