"Stalin"

Werke

Band 3

EIN SIEG DER KONTERREVOLUTION[42]

Die Konterrevolution hat sich organisiert. Sie wächst und greift auf der ganzen Linie an. Die Führer der Konterrevolution, die Herren Kadetten, die gestern noch die Regierung boykottierten, sind heute bereit, ans Ruder zurückzukehren, um im Lande schalten und walten zu können.

Die "regierenden" Parteien, die Sozialrevolutionäre und die Menschewiki, ziehen sich mitsamt ihrer Regierung der "Rettung der Revolution" in voller Unordnung zurück. Sie sind zu allen Zugeständnissen bereit, sie sind zu allem bereit - man befehle nur.

Die Bolschewiki und ihre Anhänger ausliefern?

- Bitte schön, meine Herren Kadetten, nehmt die Bolschewiki. -

Die baltische Delegation und die Kronstädter Bolschewiki ausliefern? -

- Zu Ihren Diensten, meine Herren von der "Spionageabwehr", nehmt die Delegation. -

Die den Kadetten nicht genehmen bolschewistischen Zeitungen, die Arbeiter- und Soldatenzeitungen verbieten?

- Zu Befehl, meine Herren Kadetten, wir werden sie verbieten. -

Die Revolution entwaffnen, die Arbeiter und Soldaten entwaffnen?

- Aber mit Vergnügen, meine Herren Gutsbesitzer und Kapitalisten. Wir werden nicht nur die Petrograder, sondern auch die Sestrorezker Arbeiter entwaffnen, obgleich diese an den Ereignissen des 3. und 4. Juli gar nicht beteiligt waren. -

Die Rede- und Versammlungsfreiheit, die Unantastbarkeit der Person und der Wohnung beschränken, die Zensur und die Ochrana einführen?

- Wird alles geschehen, meine Herren Konterrevolutionäre, restlos alles.-

Die Todesstrafe an der Front wiedereinführen?

- Aber mit Vergnügen, meine Herren Nimmersatte ... -

Den finnischen Landtag, der auf dem Boden der vom Sowjet angenommenen Plattform steht, auflösen?

- Wird gemacht, meine Herren Gutsbesitzer und Kapitalisten. -

Das Regierungsprogramm ändern?

- Zu Befehl, meine Herren Kadetten. -

Und die Menschewiki mitsamt den Sozialrevolutionären sind bereit, auch weiterhin nachzugeben, um nur zu einem Einvernehmen mit den Kadetten zu kommen, um nur irgendwie mit ihnen handelseinig zu werden...

Die Konterrevolution aber wird immer unverfrorener, sie verlangt neue Opfer, sie treibt die Provisorische Regierung und das Exekutivkomitee zur schmählichen Abdankung. Den Kadetten zuliebe wird vorgeschlagen, in Moskau eine "außerordentliche Versammlung" von Mitgliedern der abgeschafften Reichsduma und anderen Privilegierten einzuberufen, in deren Gesamtchor das ZEK in der kläglichsten Minderheit bleiben würde. Die kopflos gewordenen Minister legen Kerenski ihre Portefeuilles zu Füßen. Nach dem Diktat der Kadetten wird die Liste der Regierungsmitglieder zusammengestellt.

Mit Hilfe der zaristischen Duma und der kadettischen Verräter soll die mit Blut erkämpfte Freiheit begraben werden - eine solche Schmach bringen die Männer über uns, die heute das Ruder unseres politischen Lebens in den Händen halten...

Der Krieg aber geht immer weiter, er vertieft noch das Unglück an der Front, und zu verbessern gedenkt man die Lage mit der Wiedereinführung der Todesstrafe an der Front. Die Blinden! Sie sehen nicht, dass eine Offensive nur dann bei den Massen auf Sympathie rechnen kann, wenn der Armee die Kriegsziele klar und vertraut sind, wenn sich die Armee bewusst ist, dass sie ihr Blut für ihre eigene, ureigene Sache vergießt - sie sehen nicht, dass im demokratischen Rußland, wo Kundgebungen und freie Versammlungen der Soldaten stattfinden, eine Massenoffensive ohne ein solches Bewusstsein unmöglich ist.

Die Zerrüttung aber geht immer weiter, sie droht mit Hungersnot, Arbeitslosigkeit und allgemeinem Ruin, und beizulegen gedenkt man die Wirtschaftskrise mit Polizeimaßnahmen gegen die Revolution. So will es die Konterrevolution. Die Blinden! Sie sehen nicht, dass es unmöglich ist, ohne revolutionäre Maßnahmen gegen die Bourgeoisie das Land vor dem Zerfall zu bewahren.

Verfolgte Arbeiter, zerstörte Organisationen, betrogene Bauern, verhaftete Soldaten und Matrosen, verleumdete und verlästerte Führer der proletarischen Partei und daneben die triumphierenden, verleumdenden, dreist gewordenen Konterrevolutionäre - alles das unter der Flagge der "Rettung" der Revolution -, so weit haben uns die Parteien der Sozial-revolutionäre und der Menschewiki gebracht.

Und da gibt es noch Menschen auf der Welt (siehe "Nowaja Shisn"), die uns nach alledem die Einheit mit diesen Herren vorschlagen, mit Leuten, die die Revolution "retten", indem sie sie erdrosseln!

Für wen halten sie uns eigentlich?!

Nein, ihr Herren, mit Verrätern der Revolution können wir nicht zusammengehen!

Die Arbeiter werden niemals vergessen, dass die Partei der Bolschewiki in den schweren Augenblicken der Julitage, als die Konterrevolution in ihrem Wüten auf die Revolution schoss, die einzige war, die die Arbeiterviertel nicht verließ.

Die Arbeiter werden niemals vergessen, dass die "regierenden" Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki in diesen schweren Augenblicken im Lager derjenigen waren, die über die Arbeiter, Soldaten und Matrosen herfielen und sie entwaffneten.

Die Arbeiter werden sich all das merken und die entsprechenden Schlussfolgerungen daraus ziehen.

"Rabotschi i Soldat"
(Arbeiter und Soldat) Nr. 1,
23. Juli 1917.
Unterschrift: K. St.

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