"Stalin"

Werke

Band 3

EIN SIEG DER KADETTEN

Das Kommen und Gehen immer neuer Minister scheint noch nicht zu Ende zu sein. Der Kuhhandel zwischen den Kadetten und Kerenski dauert immer noch fort. "Kombinationen" folgen auf "Kombinationen".

Die Kadetten werden natürlich in die Regierung eintreten, da alles nach ihrer Vorschrift geht. Möglicherweise wird Tschernow bleiben. Zereteli "will man" anscheinend nicht mehr. Zereteli "brauchte man" für die Entwaffnung der Arbeiter. Mit der Entwaffnung der Arbeiter ist seine Rolle ausgespielt. "Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen."[43] An seine Stelle wird Awxentjew treten.

Aber es geht hier natürlich nicht um Personen. Ob Tschernow, Zereteli oder irgendein Dritter ihres Schlages - ist das nicht einerlei? Wer wüsste nicht, dass diese Pseudo-Zimmerwalder der Sache des Imperialismus nicht schlechter als Henderson und Thomas[44] gedient haben?

Wie gesagt: Es geht hier nicht um Personen.

Es geht darum, dass bei diesem ganzen Trubel, bei dem Jagen nach Portefeuilles und dergleichen, dem der Kampf um die Macht zugrunde liegt, die Linie der Kadetten, die Linie der Konterrevolution in der Innenpolitik und die Linie des "Krieges bis zum Ende" in der Außenpolitik, die Oberhand gewonnen hat.

Die Frage war doch so gestellt:

Entweder Fortsetzung des Krieges und damit vollständige Abhängigkeit vom englischen und amerikanischen Geldmarkt, Herrschaft der Kadetten, Zügelung der Revolution, da weder die Kadetten noch das "alliierte" Kapital Sympathie für die russische Revolution haben können.

Oder Übergabe der Macht an die revolutionäre Klasse, Sprengung der Finanzketten, mit denen das alliierte Kapital Rußland an Händen und Füßen gefesselt hält, Bekanntgabe von Friedensbedingungen, Sanierung der zerrütteten Volkswirtschaft auf Kosten der Gewinne der Gutsbesitzer und Kapitalisten.

Ein Drittes gibt es nicht, und die Menschewiki mitsamt den Sozialrevolutionären, die nach einem dritten Weg suchten, mussten unvermeidlich Schiffbruch erleiden.

Die Kadetten haben sich in dieser Hinsicht als nüchterner erwiesen.

"Die Staatsmacht muss entschieden mit den verderblichen Tendenzen des Zimmerwaldismus und des ´utopischen´ Sozialismus brechen", schreibt die "Rjetsch".

Mit anderen Worten: Krieg ohne Vorbehalte, Krieg bis zum Ende.

"Man muss eine endgültige Schlussfolgerung ziehen", sagt Nekrassow auf der bewussten Beratung: Entweder übernehmen Sie selbst die Macht (zum Sowjet gewandt), oder geben Sie anderen die Möglichkeit, diese Macht zu übernehmen.

Mit anderen Worten: Entweder Revolution oder Konterrevolution.

Die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre haben sich vom revolutionären Weg losgesagt, folglich mussten sie unvermeidlich in die Gewalt der Kadetten, in die Gewalt der Konterrevolution geraten.

Denn Kadetten - das bedeutet eine gesicherte innere Anleihe.

Denn Kadetten - das bedeutet Freundschaft mit dem alliierten Kapital, das heisst eine gesicherte Auslandsanleihe.

Und man braucht das Geld doch so sehr angesichts der Zerrüttung im Hinterlande, besonders aber an der Front...

Das ist der ganze Kern der "Krise".

Das ist der ganze Sinn des Sieges der Kadetten.

Ob dieser Sieg von langer Dauer sein wird, das wird die nächste Zukunft zeigen.

"Rabotschi i Soldat" (Arbeiter und Soldat)
Nr. 2, 24. Juli 1917.
Leitartikel.

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