"Stalin"

Werke

Band 3

DIE NEUE REGIERUNG

Das ständige Kommen und Gehen von Ministern ist zu Ende. Man hat eine neue Regierung gebildet. Kadetten, Halbkadetten, Sozialrevolutionäre, Menschewiki - das ist die Zusammensetzung der Regierung.

Die Kadettenpartei ist befriedigt. Die Hauptforderungen der Kadetten sind angenommen. Diese Forderungen liegen nun der Tätigkeit der neuen Regierung zugrunde.

Die Kadetten strebten eine Verstärkung der Regierung auf Kosten der Sowjets, die Unabhängigkeit der Regierung von den Sowjets an. Von den "schlechten Hirten" aus den Reihen der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki geführt, sind die Sowjets auf dieses Zugeständnis eingegangen und haben damit ihr eigenes Todesurteil unterschrieben.

Die Provisorische Regierung als die einzige Staatsgewalt - das ist es, was die Kadetten erreicht haben.

Die Kadetten forderten die "Sanierung der Armee", das heißt eine "eiserne Disziplin" in der Armee, die Unterstellung der Armee ausschließlich unter die unmittelbaren Befehlshaber, die ihrerseits ausschließlich der Regierung unterstellt sein sollen. Die von den Sozialrevolutionären und Menschewiki geführten Sowjets haben sich auch auf dieses Zugeständnis eingelassen und sich damit selbst entwaffnet.

Sowjets, die ohne Armee geblieben sind, eine Armee, die ausschließlich einer Regierung kadettenhöriger Elemente unterstellt ist - das ist es, was die Kadetten erreicht haben.

Die Kadetten verlangten bedingungslose Einheit mit den Alliierten. Die Sowjets beschritten "entschlossen" diesen Weg im Interesse der ... "Landesverteidigung" und haben ihre "internationalistischen" Deklarationen vergessen. Dabei blieb das so genannte Programm vom 8. Juli in der Luft hängen.

"Schonungsloser" Krieg, "Krieg bis zum Ende" - das ist es, was die Kadetten erreicht haben.

Man höre die Kadetten selbst:

"Die Forderungen der Kadetten sind zweifellos der Tätigkeit der ganzen Regierung zugrunde gelegt worden ... Eben deshalb hielt die Partei, da die grundlegenden Forderungen der Kadetten angenommen worden waren, es nicht mehr für möglich, den Streit wegen spezifischer Parteidifferenzen fortzusetzen." Denn die Kadetten wissen, dass unter den gegenwärtigen Bedingungen "für die demokratischen Elemente des berüchtigten Programms vom 8. Juli sehr wenig Zeit und Möglichkeiten verbleiben" (siehe "Rjetsch").

Das ist wohl klar.

Es gab eine Zeit, da die Sowjets am Aufbau eines neuen Lebens arbeiteten, indem sie revolutionäre Umgestaltungen vornahmen und die Provisorische Regierung zwangen, diese Umgestaltungen in Dekreten und Erlassen zu verankern.

Das war im März und April.

Damals befand sich die Provisorische Regierung im Schlepptau der Sowjets, wobei sie die revolutionären Maßnahmen der Sowjets mit ihrer nichtrevolutionären Flagge deckte.

Jetzt ist eine Zeit gekommen, da die Provisorische Regierung zurückgeschwenkt ist und konterrevolutionäre "Umgestaltungen" vornimmt, wobei sich die Sowjets "gezwungen" sehen, diese in ihren wässrigen Resolutionen stillschweigend zu bestätigen.

Jetzt befindet sich das ZEK, dieser Vertreter aller Sowjets, im Schlepptau der Provisorischen Regierung und verdeckt deren konterrevolutionäres Gesicht durch eine revolutionäre Phraseologie.

Die Rollen sind offenbar vertauscht, vertauscht aber sind sie nicht zugunsten der Sowjets.

Jawohl, die Kadetten haben Grund, "befriedigt" zu sein. Ob für lange, das wird uns die nächste Zukunft zeigen.

"Rabotschi i Soldat"
(Arbeiter und Soldat) Nr. 3,
26. Juli 1917.
Leitartikel.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis