"Stalin"

Werke

Band 3

DAS FAZIT DER MOSKAUER BERATUNG

Die Moskauer Beratung ist beendet.

Nach dem "heftigen Zusammenprall der beiden entgegengesetzten Lager", nach der "blutigen Schlacht" zwischen den Miljukow und Zereteli, nachdem der "Kampf" zu Ende ist und die Verwundeten geborgen sind - dürfte wohl die Frage erlaubt sein: Wie ist die Moskauer "Schlacht" ausgegangen, wer hat gewonnen und wer hat verloren?

Die Kadetten sind zufrieden und reiben sich die Hände. "Die Partei der Volksfreiheit kann stolz darauf sein", sagen sie, "dass ihre Losungen als ... Losungen des ganzen Volkes ... anerkannt worden sind" ("Rjetsch").

Auch die "Vaterlandsverteidiger" sind zufrieden, denn sie reden von einem "Triumph der Demokratie" (lies: der "Vaterlandsverteidiger"!) und versichern, dass "die Demokratie aus der Moskauer Beratung gefestigt hervorgeht" ("Iswestija").

"Der Bolschewismus muss vernichtet werden", sagt Miljukow auf der Beratung unter dem Beifallssturm der Vertreter der "lebendigen Kräfte".

Wir sind schon dabei, erwidert Zereteli, denn gegen den Bolschewismus "ist schon ein Ausnahmegesetz durchgebracht worden". Zudem ist "die Revolution" (lies: die Konterrevolution!) "im Kampfe gegen die linke Gefahr noch unerfahren" - lasst uns erst Erfahrungen sammeln.

Und die Kadetten pflichten dem bei, dass es besser ist, den Bolschewismus allmählich zu vernichten als mit einem Male, und zwar nicht direkt, nicht mit eigenen, sondern mit fremden Händen, den Händen derselben "Sozialisten", der "Vaterlandsverteidiger".

Man muss "die Komitees und die Sowjets abschaffen", sagt General Kaledin unter dem Beifall der Vertreter der "lebendigen Kräfte".

Sehr richtig, erwidert ihm Zereteli, aber es ist noch verfrüht, denn "man darf dieses Gerüst nicht entfernen, wenn der Bau der freien Revolution" (lies: Konterrevolution!) "noch nicht vollendet ist". Lasst uns erst den Bau "vollenden", dann werden auch die Sowjets samt den Komitees verschwinden!

Und die Kadetten pflichten dem bei, dass es besser ist, die Komitees und die Sowjets zu einfachen Anhängseln des imperialistischen Mechanismus zu degradieren, als sie mit einem Male zu vernichten.

Das Ergebnis ist "allgemeiner Jubel" und "Genugtuung".

Nicht umsonst schreiben die Zeitungen, dass "zwischen den sozialistischen Ministern und den Ministern der Kadettenpartei jetzt weit größere Eintracht als vor der Beratung herrscht" ("Nowaja Shisn").

Ihr fragt, wer gewonnen hat?

Gewonnen haben die Kapitalisten, denn die Regierung hat sich auf der Beratung verpflichtet, "keine Einmischung der Arbeiter in die Leitung der Betriebe (Kontrolle!) zuzulassen".

Gewonnen haben die Gutsbesitzer, denn die Regierung hat sich auf der Beratung verpflichtet, "keinerlei radikale Reformen auf dem Gebiet der Bodenfrage vorzunehmen".

Gewonnen haben die konterrevolutionären Generale, denn die Todesstrafe ist auf der Moskauer Beratung gebilligt worden.

Ihr fragt, wer gewonnen hat?

Gewonnen hat die Konterrevolution, denn sie hat sich im gesamt-russischen Maßstabe organisiert, indem sie alle "lebendigen Kräfte" des Landes vom Schlage der Rjabuschinski und Miljukow, der Zereteli und Dan, der Alexejew und Kaledin um sich geschart hat.

Gewonnen hat die Konterrevolution, denn sie hat jetzt die so genannte "revolutionäre Demokratie", die ihr als bequeme Deckung gegen den Ausbruch des Volkszorns dient, in ihre Verfügungsgewalt bekommen.

Jetzt sind die Konterrevolutionäre nicht mehr allein. Jetzt arbeitet die gesamte "revolutionäre Demokratie" für sie. Jetzt steht ihnen die "öffentliche Meinung" des "russischen Landes" zur Verfügung, die die Herren "Vaterlandsverteidiger" "unentwegt" bearbeiten werden.

Krönung der Konterrevolution - das ist das Resultat der Moskauer Beratung.

Die "Vaterlandsverteidiger", die jetzt vom "Triumph der Demokratie" faseln, ahnen gar nicht, dass man sie einfach zu Lakaien der triumphierenden Konterrevolutionäre gemacht hat.

Das und nur das ist der politische Sinn der "ehrlichen Koalition", von der Herr Zereteli "flehentlich" sprach und gegen die die Herren Miljukow nichts einzuwenden haben.

Eine "Koalition" der "Vaterlandsverteidiger" mit den "lebendigen Kräften" der imperialistischen Bourgeoisie gegen das revolutionäre Proletariat und die arme Bauernschaft - das ist das Fazit der Moskauer Beratung.

Ob sich die "Vaterlandsverteidiger" lange dieser konterrevolutionären "Koalition" werden erfreuen können, das wird die nächste Zukunft zeigen.

"Proletari" (Der Proletarier) Nr. 4,
17. August 1917.
Leitartikel.

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