"Stalin"

Werke

Band 3

DIE AMERIKANISCHEN MILLIARDEN

Die Ergebnisse der Moskauer Beratung zeichnen sich immer deutlicher ab.

Die "Russkije Wjedomosti"[72] (Abendausgabe vom 17. August) melden:

"Gestern fand eine Sitzung des ZK der Partei der Volksfreiheit statt. Das Referat hielt Miljukow, der den Mitgliedern des ZK vorschlug, ihre Meinung über die Ergebnisse der Moskauer Beratung auszutauschen. Die Redner sprachen sich einmütig zugunsten des Koalitionsprinzips aus. Die Mehrheit der Sitzungsteilnehmer stimmte darin überein, dass die Moskauer Beratung das Maximum dessen gegeben habe, was man von ihr erwarten konnte."

Die Partei des Herrn Miljukow ist also zufrieden. Sie ist für die Koalition.

"Die Moskauer Beratung", schreiben die "Vaterlandsverteidiger", "war ein Sieg der Demokratie" (das heißt der "Vaterlandsverteidiger"?), "die es verstanden hat, in dieser tragischen Stunde als die wahre staatserhaltende Kraft aufzutreten, um die sich alles (!) zusammengeschlossen hat, was es in Rußland an lebendigen Kräften gibt" ("Iswestija" Nr. 146).

Augenscheinlich ist auch die Partei der "Vaterlandsverteidiger" zufrieden. Jedenfalls gibt sie sich den Anschein, als sei sie es, denn auch sie ist für die Koalition.

Nun, und die Regierung? Wie schätzt diese die Moskauer Beratung ein?

Laut den "Iswestija" (Nr. 146) ist "der allgemeine Eindruck der Mitglieder der Provisorischen Regierung" folgender:

"Die Beratung war im wahren Sinne des Wortes eine Staatsberatung. Im Allgemeinen wurde sowohl die innen- als auch die außenpolitische Linie der Regierung gutgeheißen. Gegen das Wirtschaftsprogramm der Regierung wurden keine Einwände erhoben. Im Grunde genommen hat es auch keine Angriffe auf die Politik der Regierung in der Bodenfrage gegeben."

Mit einem Wort, die Regierung ist ebenfalls mit der Beratung zufrieden, denn auch sie ist, wie sich herausstellt, für die Koalition.

Die Sache ist klar. Eine Koalition von drei Kräften - Regierung, Kadetten und "Vaterlandsverteidigern" - ist im Entstehen begriffen.

Die "ehrliche Koalition" unter der Firma Kerenski-Miljukow-Zereteli kann bis auf weiteres als gesichert gelten.

Das ist das erste Ergebnis der Moskauer Beratung.

Kein Unternehmen kann unter kapitalistischen Verhältnissen ohne Kapital auskommen. Die nunmehr zustande gekommene Koalition, an deren Spitze die Regierung steht, ist das größte Unternehmen in Rußland. Ohne entsprechende Kapitalien kann es keine Stunde, keine Minute lang existieren, besonders jetzt im Krieg, der unermessliche Mittel fordert. Es fragt sich nun:

Von was für Kapitalien gedenkt die neue (völlig neue!) Koalition zu leben?

Man höre die "Birshowka" (Abendausgabe vom 17. August):

"Das unmittelbare Ergebnis der Moskauer Beratung, und insbesondere der Sympathie, die die Amerikaner dieser Beratung entgegenbrachten, ist, wie uns mitgeteilt wird, die Möglichkeit, eine Fünf-Milliarden-Staatsanleihe auf dem Auslandsmarkt aufzunehmen. Die Anleihe wird auf dem amerikanischen Markt realisiert werden. Dank dieser Anleihe wird das kleine Finanzprogramm der Provisorischen Regierung durchgeführt werden können."

Die Antwort ist klar. Die Koalition wird von den amerikanischen Milliarden leben, für die dann die russischen Arbeiter und Bauern werden schuften müssen.

Die amerikanische imperialistische Bourgeoisie, als der Geldgeber einer Koalition der russischen imperialistischen Bourgeoisie (Miljukow!), der Militärs (Kerenski!) und der kleinbürgerlichen Oberschicht, die den "lebendigen Kräften" Rußlands Lakaiendienste leistet (Zereteli!) - da ist das Bild der gegenwärtigen Lage.

Die "Sympathien" des amerikanischen Kapitals für die Moskauer Beratung, bekräftigt durch eine Fünf-Milliarden-Anleihe - ist es nicht gerade das, was die Herrschaften erreichen wollten, die die Beratung einberufen haben?

Einstmals pflegte man in Rußland zu sagen, das Licht des Sozialismus komme vom Westen. Und das stimmte. Denn dort im Westen lernten wir die Revolution und den Sozialismus.

Mit der einsetzenden revolutionären Bewegung in Rußland hat sich die Lage etwas geändert.

Im Jahre 1906, als sich die Revolution in Rußland noch entwickelte, half der Westen der zaristischen Reaktion wieder auf die Beine, indem er ihr zwei Milliarden Rubel lieh. Und der Zarismus kräftigte sich damals tatsächlich um den Preis einer neuen finanziellen Knechtung Rußlands durch den Westen.

Aus diesem Anlass sagte man damals, dass der Westen nicht nur den Sozialismus nach Rußland importiere, sondern - in Gestalt von Milliarden - auch die Reaktion.

Gegenwärtig offenbart sich uns ein noch viel krasseres Bild. In einem Augenblick, wo die russische Revolution alle Kräfte anspannt, um ihre Errungenschaften zu behaupten, während der Imperialismus sie zur Strecke zu bringen sucht, versorgt das amerikanische Kapital die Koalition Kerenski-Miljukow-Zereteli mit Milliarden, um durch die Niederwerfung der russischen Revolution der im Westen anschwellenden revolutionären Bewegung das Wasser abzugraben.

So liegen die Dinge.

Es ist doch unbestreitbar: Der Westen bringt nicht so sehr Sozialismus und Befreiung nach Rußland als vielmehr Versklavung und Konterrevolution.

Doch eine Koalition ist ein Bündnis. Gegen wen richtet sich nun das Bündnis Kerenski-Miljukow-Zereteli?

Augenscheinlich gegen diejenigen, die nicht an der Moskauer Beratung teilnahmen, die diese Beratung boykottierten, die gegen die Beratung kämpften, das heißt gegen die revolutionären Arbeiter Rußlands.

Eine "ehrliche Koalition" Kerenski-Miljukow-Zereteli, finanziert von amerikanischen Kapitalisten, gerichtet gegen die revolutionären Arbeiter Rußlands - ist es so, ihr Herren "Vaterlandsverteidiger"?

Wir wollen es uns merken.

"Proletari" (Der Proletarier) Nr. 6,
19. August 1917.
Leitartikel.

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