"Stalin"

Werke

Band 3

DER BUND DER GELBEN

Die russische Revolution ist nichts Isoliertes. Sie ist mit der revolutionären Bewegung im Westen aufs engste verbunden. Mehr noch, sie ist ein Teil der grandiosen Bewegung der Proletarier aller Länder, die berufen ist, die Grundfesten des Weltkapitalismus zu zertrümmern. Es ist daher durchaus begreiflich, dass jeder Schritt unserer Revolution Widerhall findet und unvermeidlich eine Welle im Westen auslöst, dass jeder ihrer Siege zur Belebung und Weiterentwicklung der revolutionären Bewegung in der ganzen Welt führt und die Arbeiter aller Länder zum Kampf gegen das Kapital drängt.

Das kann den Haien des westeuropäischen Imperialismus nicht unbekannt sein. Sie haben deshalb beschlossen, der russischen Revolution einen Kampf auf Leben und Tod anzusagen.

Schon zu Beginn unserer Revolution haben die englischen und französischen Kapitalisten einen Feldzug gegen sie eröffnet. Ihre Presseorgane, die "Timer"[74] und der "Matin"[75], haben schon damals die revolutionären Sowjets und Komitees in den Schmutz gezogen und gefordert, dass man sie auseinanderjagt.

Zwei Monate später haben die Imperialisten in einer Geheimkonferenz in der Schweiz noch einmal die Frage der Maßnahmen zum Kampf gegen die "anwachsende Revolution" erörtert, wobei sie ihre Schläge vor allem gegen die russische Revolution richteten.

Jetzt gehen sie zum offenen Angriff über. Zum Anlass nehmen sie die Niederlage bei Riga. Sie schieben alle Schuld den Soldaten zu und fordern dabei zur weiteren Verstärkung der Konterrevolution in Rußland auf.

Man sehe sich die Telegramme der "Birshewyje Wjedomosti" an.

Ein Telegramm aus Paris:

"Der Rückzug oder richtiger die kampflose Flucht der Zweiten Armee und der Fall Rigas rufen hier einen Ausbruch des Schmerzes, der Empörung und des Abscheus hervor.

Der ´Matin´ behauptet, die russischen Pazifisten, als die Schuldigen an dieser Katastrophe, hätten sich genau so unfähig wie die schlechten Ratgeber des ehemaligen Zaren erwiesen, nur brächten sie noch mehr Schaden als diese.

Die Zeitung erklärt, sie begreife die Halsstarrigkeit des Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten nicht, der trotz so tragischer und anschaulicher Lehren nach wie vor für solch absurde Einrichtungen wie die Armeekomitees eintritt."

So schreibt das Organ der französischen Kapitalsten.

Und noch ein Telegramm aus London:

Der "Daily Chronicle" schreibt: "Vor allen Dingen muss die Disziplin in der Armee wiederhergestellt werden. Die Deutschen verdanken ihren schellen und so bedeutsamen Sieg denselben Ursachen, die ihnen gestattet haben, Galizien und die Bukowina zu besetzen, nämlich der Gehorsamsverweigerung und dem Verrat, die unter den russischen Truppen zu beobachten sind."

So sprechen die englischen Imperialisten.

"...Kampflose Flucht" ... "Absurd Armeekomitees" . "Wiederherstellung der Disziplin" (die Todesstrafe genügt ihnen nicht!) . "Verrat unter den russischen Truppen"...

Mit derartigen Komplimenten bedenken diese Geldsäcke die verblutenden russischen Soldaten!

Und sie tun es, obgleich von Augenzeugen einen einmütig bestätigt wird, dass "die Armee sich auf dem Rückzuge die ganze Zeit ehrlich mit den Feinden schlägt", dass "die Truppen im Durchbruchsraum widerspruchslos und ehrlich die ihnen gestellten Aufgaben erfüllen"!!!

Allein es handelt sich hier natürlich nicht nur um die Hetze-, um infame Verleumdung der Soldaten.

Es handelt sich darum, dass die englischen und französischen Kapitalisten durch Verleumdung der Soldaten den Misserfolge an der Front endgültigen Liquidierung der revolutionären Organisationen Rußlands ausnutzen wollen, um den endgültigen Triumph der Diktatur des Imperialismus herbeizuführen.

Das ist der springende Punkt.

Wenn Purischkewitsch und Miljukow über den Fall Rigas Krokodilstränen vergießen, die Soldaten verleumden und gleichzeitig die Sowjets und die Komitees schmähen, so bedeutet dies, dass sie froh sind, einen Anlass für die Forderung nach weiteren Gewaltmaßnahmen zu haben, um den endgültigen Triumph der Gutsbesitzer und Kapitalisten herbeizuführen.

Wenn die Imperialisten des Westens von ihrem "Ausbruch des Schmerzes" über den Fall Rigas so viel Worte machen, dabei alles den Soldaten in die Schuhe schieben und zu gleicher Zeit die "absurden Armeekomitees" schmähen, so bedeutet dies, dass sie froh sind, einen Anlass zu haben, um den letzten Resten der revolutionären Organisationen in Rußland den Todesstoß zu versetzen.

Darin und nur darin liegt der politische Sinn des vereinigten Lügen- und Verleumdungsfeldzugs gegen die an der Nordfront sterbenden russischen Soldaten.

Ein Bund der russischen und der europäischen Imperialisten mit dem Ziel, durch Verleumdung der Soldaten die militärischen Misserfolge bei Riga gegen die verblutende russische Revolution auszunutzen - das ist die heutige Lage.

Mögen sich die Arbeiter und Soldaten das merken!

Mögen sie wissen, dass man nur im Bunde mit den Arbeitern des Westens, nur wenn man die Grundfesten des Kapitalismus im Westen erschüttert hat, auf den Triumph der Revolution in Rußland rechnen kann!

Mögen sie das wissen und mögen sie alle Kräfte anspannen, um dem gelben Bund der Imperialisten das rote Bündnis der revolutionären Arbeiter und Soldaten aller Länder entgegenzustellen.

"Rabotschi" (Der Arbeiter) Nr. 1,
25. August 1917.
Leitartikel.

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