"Stalin"

Werke

Band 3

WIR FORDERN

Die Ereignisse überstürzen sich. Auf die Moskauer Beratung folgen die Preisgabe Rigas und die Forderungen nach Gewaltmaßnahmen, auf die misslungene Hetze gegen die Soldaten an der Front die provokatorischen Gerüchte von einer "Verschwörung der Bolschewiki" und neue Forderungen nach Gewaltmaßnahmen. Auf die Entlarvung der provokatorischen Gerüchte folgt die offene Aktion Kornilows, der die Absetzung der Provisorischen Regierung und die Proklamierung der Militärdiktatur fordert. Die Miljukowpartei, die Partei der Volksfreiheit, tritt dabei, genau wie in den Julitagen, aus der Regierung aus und unterstützt dadurch offen die konterrevolutionäre Verschwörung Kornilows.

Das Ergebnis davon ist der Marsch der Kornilowschen Regimenter auf Petrograd mit dem Ziel, die Militärdiktatur zu errichten, ist die Absetzung Kornilows durch die Provisorische Regierung, die Verkündung der Krise durch Kerenski, der Austritt Kischkins aus der in die Verschwörung verwickelten Kadettenpartei, die Bildung eines so genannten Revolutionsdirektoriums.

Also:

Tatsache ist, dass die Konterrevolution eine "bolschewistische Verschwörung" brauchte, um Kornilow, der angeblich zur "Niederwerfung der Bolschewiki" auf Petrograd marschierte, den Weg frei zu machen.

Tatsache ist, dass die gesamte bürgerliche Presse, von der "Russkaja Wolja" und der "Birshowka" bis zum "Nowoje Wremja" und zur "Rjetsch", Kornilow geholfen hat, indem sie in diesen Tagen eifrig Gerüchte über eine "Verschwörung der Bolschewiki" verbreitete.

Tatsache ist, dass die gegenwärtige Aktion Kornilows nur eine Fortsetzung der bekannten Machenschaften der konterrevolutionären Generalität ist, die im Juli Tarnopol und im August Riga preisgegeben hat, um durch die Ausnützung der "Misserfolge" an der Front der Konterrevolution zum "endgültigen" Triumph zu verhelfen.

Tatsache ist, dass die Kadettenpartei jetzt, genau wie im Juli, mit den Verrätern an der Front und den schlimmsten Konterrevolutionären im Hinterland in einem Lager steht.

Unsere Partei hatte Recht, als sie die Kadetten als die Inspiratoren der bürgerlichen Konterrevolution anprangerte.

Unsere Partei hatte Recht, als sie einen entschlossenen Kampf gegen die Konterrevolution forderte und schon in den ersten Junitagen die Verhaftung der "beteiligten" Personen (Kaledins und anderer) verlangte.

Die Konterrevolution hat nicht erst gestern und nicht erst im Zusammenhang mit der Verschwörung Kornilows ihren Anfang genommen. Sie begann spätestens im Juni, als die Regierung mit dem Übergang zur Offensive an der Front eine Politik der Gewaltmaßnahmen zu treiben begann; als die konterrevolutionären Generale Tarnopol preisgaben und nach Abwälzung aller Schuld auf die Soldaten die Wiedereinführung der Todesstrafe an der Front durchsetzten; als die Kadetten, die die Regierung bereits im Juli sabotierten, gestützt auf die Hilfe des alliierten Kapitals ihre Hegemonie innerhalb der Provisorischen Regierung durchsetzten; schließlich, als die Führer des ZEK, die Menschewiki und Sozial-revolutionäre, anstatt mit den Kadetten zu brechen und sich mit den Julidemonstranten zu vereinigen, ihre Waffen gegen die Arbeiter und die Soldaten richteten.

Das ist eine Tatsache, und es wäre lächerlich, sie zu leugnen.

In dem gegenwärtigen Kampf zwischen der Koalitionsregierung und der Kornilowpartei stehen sich nicht Revolution und Konterrevolution, sondern zwei verschiedene Methoden der konterrevolutionären Politik gegenüber, wobei die Kornilowpartei, der schlimmste Feind der Revolution, nach der Preisgabe Rigas nicht davor zurückschreckt, einen Feldzug gegen Petrograd zu eröffnen, um Voraussetzungen für eine Wiederaufrichtung des alten Regimes zu schaffen.

Die Arbeiter und Soldaten werden alle Maßnahmen treffen, um den konterrevolutionären Banden Kornilows eine entschiedene Abfuhr zu erteilen, wenn sie sich im revolutionären Petrograd zeigen sollten.

Die Arbeiter und Soldaten werden es nicht zulassen, dass die Feinde der Revolution die Hauptstadt Rußlands mit ihren schmutzigen Händen besudeln.

Sie werden das Kampfbanner der Revolution unter Einsatz ihres Lebens verteidigen.

Aber nicht dazu werden sie das Banner der Revolution verteidigen, damit an die Stelle einer ihnen wesensfremden Diktatur eine andere, ihnen nicht minder fremde trete, sondern dazu, um dem endgültigen Triumph der russischen Revolution den Weg zu bahnen.

Jetzt, da das Land in den Fängen der Zerrüttung und des Krieges zu ersticken droht und die konterrevolutionären Aasgeier ihm den sicheren Untergang bereiten, muss die Revolution die notwendigen Kräfte und Mittel aufbringen, um es vor Verfall und Zersetzung zu retten.

Nicht die Ablösung der einen "regierenden" Gruppen durch andere, nicht diktatorisches Getue tut jetzt Not, sondern die vollständige Liquidierung der bürgerlichen Konterrevolution und entschlossene Maßnahmen im Interesse der Mehrheit der Völker Rußlands.

Zu diesem Zweck fordert die Partei der Bolschewiki:

  1. Sofortige Entfernung der konterrevolutionären Generale im Hinterland und an der Front, ihre Ersetzung durch gewählte Vertreter der Soldaten und Offiziere sowie überhaupt eine volle Demokratisierung der Armee von unten bis oben.
  2. Wiederherstellung der revolutionären Soldatenorganisationen, die allein fähig sind, eine demokratische Disziplin in der Armee einzuführen.
  3. Abschaffung aller und jeglicher Gewaltmaßnahmen, in erster Linie Aufhebung der Todesstrafe.
  4. Sofortige Übergabe aller Ländereien der Gutsbesitzer in die Verfügungsgewalt der Bauernkomitees und Versorgung der armen Bauern mit Inventar.
  5. Gesetzliche Einführung des Achtstundentags und Organisierung einer demokratischen Kontrolle über die Fabriken, Werke und Banken, die vorwiegend von Vertretern der Arbeiterschaft ausgeübt wird.
  6. Volle Demokratisierung der Finanzwirtschaft, in erster Linie schonungslose Besteuerung von Kapitalien und kapitalistischen Vermögen sowie Konfiskation der skandalösen Kriegsgewinne.
  7. Organisierung eines normalen Austauschs zwischen Stadt und Land, damit die Stadt mit den notwendigen Lebensmitteln und das Dorf mit den erforderlichen Industriewaren versorgt werden.
  8. Sofortige Proklamierung des Selbstbestimmungsrechts der Völker Rußlands.
  9. Wiederherstellung der Freiheiten, Dekretierung der demokratischen Republik und unverzügliche Einberufung der Konstituierenden Versammlung.
  10. Aufhebung der Geheimverträge mit den Alliierten und Angebot allgemeiner demokratischer Friedensbedingungen.

Die Partei erklärt, dass die Rettung der Revolution, die seit einem halben Jahre in den Fängen des Krieges und der allgemeinen Zerrüttung zu ersticken droht, ohne Durchsetzung dieser Forderungen unmöglich ist.

Die Partei erklärt, dass der einzige Weg zur Verwirklichung dieser Forderungen der Bruch mit den Kapitalisten, die vollständige Liquidierung der bürgerlichen Konterrevolution und der Übergang der Macht im ganzen Lande an die revolutionären Arbeiter, Bauern und Soldaten ist.

Das ist der einzige Ausweg, die einzige Möglichkeit, das Land und die Revolution vor dem Untergang zu retten.

"Rabotschi" (Der Arbeiter) Nr. 4,
28. August 1917.
Leitartikel.

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