"Stalin"

Werke

Band 3

DIE VERSCHWÖRUNG GEHT WEITER[78]

Wer sind sie?

Gestern schrieben wir, dass die Kadetten die Inspiratoren der Konterrevolution sind. Wir stützten uns dabei nicht bloß auf "Gerüchte", sondern auch auf allgemein bekannte Tatsachen: auf den Austritt der Kadetten aus der Regierung während der kritischen Minuten im Juli bei der "Preisgabe" Tarnopols und im August bei der Verschwörung Kornilows. Denn es konnte kein Zufall sein, dass die Kadetten sowohl im Juli als auch im August mit den Verrätern an der Front und den schlimmsten Konterrevolutionären im Hinterland in einem Lager gegen das russische Volk standen.

Heute bestätigen die "Iswestija" und die "Vaterlandsverteidiger", diese geschworenen Paktierer mit den Kadetten, vorbehaltlos unsere gestrigen Erklärungen über die Kadetten.

"Lwow hat nicht verheimlicht", schreiben die "Vaterlandsverteidiger", "dass dies" (das heißt die Militärdiktatur) "nicht nur von General Kornilow gewünscht wird, sondern auch von einer bestimmten Gruppe von Männern der Öffentlichkeit, die sich zur Zeit im Hauptquartier aufhalten" ("Iswestija").

Also:

Tatsache ist, dass das Hauptquartier das Stabsquartier der Konterrevolution ist.

Tatsache ist, dass der Generalstab der Konterrevolution aus "bestimmten Männern der Öffentlichkeit" besteht.

Wer sind denn diese "Männer der Öffentlichkeit"?

Man höre weiter:

"Es ist mit Sicherheit festgestellt worden, dass an der Verschwörung eine ganze Reihe von Männern der Öffentlichkeit beteiligt ist, die in ideologischer wie in persönlicher Hinsicht den Vertretern der Kadettenpartei sehr nahe stehen" ("Iswestija").

Also:

Tatsache ist, dass die Herren "Vaterlandsverteidiger", die gestern noch den "lebendigen Kräften" des Landes - repräsentiert durch die "Vertreter der Kadettenpartei" - in den Armen lagen, heute gezwungen sind, diese Leute zu Verschwörern gegen die Revolution zu degradieren.

Tatsache ist, dass die Verschwörung von "Vertretern der Kadettenpartei" organisiert worden ist und von ihnen gelenkt wird.

Unsere Partei hatte Recht, als sie behauptete, dass die erste Voraussetzung für den Sieg der Revolution der Bruch mit den Kadetten ist.

Worauf spekulieren sie?

Gestern schrieben wir, dass die Partei Kornilows der schlimmste Feind der russischen Revolution ist, dass Kornilow nach der Preisgabe Rigas nicht davor zurückschrecken wird, auch Petrograd auszuliefern, um nur der Konterrevolution den Sieg zu sichern.

Heute finden wir in den "Iswestija" die vorbehaltlose Bestätigung dieser unserer Erklärung:

"General Lukomski, Chef des Generalstabs, die eigentliche Seele der Meuterei, erklärt, ,dass die innere Fehde an der Front, falls die Provisorische Regierung der von General Kornilow gestellten Forderung nicht entspricht, zum Durchbruch der Front und zum Erscheinen des Gegners an Orten, wo wir ihn am allerwenigsten erwarten, führen kann´."

Sieht dies nicht wie eine Drohung mit der Preisgabe, sagen wir, Petrograds aus?

Und hier eine noch deutlichere Erklärung:

"General Lukomski wird offenbar nicht vor direktem Landesverrat zurückschrecken, um der Verschwörung zum Erfolg zu verhelfen. Man kann in seiner Drohung, dass die Ablehnung der Forderung des Generals Kornilow den Bürgerkrieg an der Front, die Öffnung der Front und die Schande eines Separatfriedens zur Folge haben würde, nichts anderes sehen als die feste Entschlossenheit, eine Verständigung mit den Deutschen einzugehen, um den Erfolg der Verschwörung zu sichern."

Man höre: "Verständigung mit den Deutschen", "Öffnung der Front", "Separatfrieden"...

Die "an der Verschwörung beteiligten" Kadetten, die durch ihre Anwesenheit im Hauptquartier die Drohung mit der "Öffnung der Front" und der "Verständigung mit den Deutschen" decken - das sind die eigentlichen "Hoch- und Landesverräter"!

Monate hindurch haben diese Helden der "Öffnung der Front" unsere Partei mit Schmutz beworfen, uns des "Verrats" bezichtigt und von "deutschem Geld" gesprochen. Monatelang haben die gelben Soldschreiber der Banken im "Nowoje Wremja", in der "Birshowka", der "Rjetsch" und der "Russkaja Wolja" dieses niederträchtige Märchen breitgetreten. Und nun? Jetzt sind sogar die "Vaterlandsverteidiger" gezwungen, zuzugeben, dass der Verrat an der Front das Werk des Offizierkorps und seiner Inspiratoren ist.

Mögen sich die Arbeiter und Soldaten das merken!

Mögen sie wissen, dass mit dem provokatorischen Geschrei der bürgerlichen Presse vom "Verrat" der Soldaten und der Bolschewiki nur der wirkliche Verrat der Generale und der "Männer der Öffentlichkeit" aus der Kadettenpartei verhüllt werden sollte.

Mögen sie wissen, dass das Geheul der bürgerlichen Presse vom "Verrat" der Soldaten jedesmal ein sicheres Anzeichen dafür ist, dass die Inspiratoren dieser Presse den Verrat bereits vorbereitet haben und die Schuld daran den Soldaten in die Schuhe zu schieben suchen.

Mögen die Arbeiter und Soldaten das wissen und daraus die entsprechenden Schlüsse ziehen.

Ihr wollt wissen, worauf sie spekulieren?

Sie spekulieren auf die "Öffnung der Front" und auf die "Verständigung mit den Deutschen", sie glauben, dass es ihnen gelingen wird, mit der Idee des Separatfriedens die kriegsmüden Soldaten für sich zu gewinnen, um sie dann gegen die Revolution zu werfen.

Die Arbeiter und Soldaten werden begreifen, dass es für diese Verräter aus dem Hauptquartier kein Erbarmen geben darf.

Die Verschwörung geht weiter...

Die Ereignisse überstürzen sich. Mit ungeheurer Schnelligkeit lösen neue Tatsachen und Gerüchte einander ab. Es geht das noch nicht bestätigte Gerücht, Kornilow verhandle mit den Deutschen. Man spricht mit Bestimmtheit von Schießereien zwischen Kornilowschen Regimentern und revolutionären Soldaten vor Petrograd. Kornilow hat ein "Manifest" erlassen, worin er sich zum Diktator erklärt, zum Feind und Totengräber der Errungenschaften der russischen Revolution.

Anstatt nun dem Feind als Feind zu begegnen, zieht es die Provisorische Regierung vor, Beratungen mit General Alexejew zu pflegen, führt sie immer von neuem Verhandlungen mit Kornilow, versucht sie immer von neuem, den Verschwörern, die Rußland offen verraten, gut zuzureden.

Die so genannte "revolutionäre Demokratie" aber rüstet zu einer neuen "besonderen Beratung nach dem Muster der Moskauer Beratung, auf der alle lebendigen Kräfte des Landes vertreten sein sollen" (siehe "Iswestija").

Gleichzeitig fordern die Kadetten, die gestern noch über eine "Verschwörung der Bolschewiki" zeterten, heute aber nach der Aufdeckung der Verschwörung Kornilows kleinlaut geworden sind, zur "Vernunft" und zur "Verständigung" auf (siehe "Rjetsch").

Man will offenbar eine neue Verständigung mit denselben "lebendigen Kräften" "zustande bringen", die über eine Verschwörung der Bolschewiki zetern, selbst aber eine Verschwörung gegen die Revolution und das russische Volk organisieren.

Aber sie, diese Paktierer, machen die Rechnung ohne den Wirt. Denn die wirklichen Herren des Landes, die Arbeiter und Soldaten, wollen keine Beratungen mit den Feinden der Revolution. Die Berichte aus den Bezirken und den Regimentern besagen einstimmig, dass die Arbeiter ihre Kräfte mobilisieren und die Soldaten Gewehr bei Fuß stehen. Die Arbeiter ziehen es offensichtlich vor, mit den Feinden als mit Feinden zu reden.

Anders kann es auch gar nicht sein: Mit dem Feind wird gekämpft und nicht verhandelt.

Die Verschwörung geht weiter - rüstet zur Abwehr!

"Rabotschi" (Der Arbeiter) Nr. 5,
zweite Extraausgabe,
28. August 1917.
Leitartikel.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis