"Stalin"

Werke

Band 3

AUF EIGENEM WEGE

Die Schwäche der Revolution von 1848 in Deutschland wurde von Marx unter anderem damit erklärt, dass es dort keine starke Konterrevolution gab, die die Revolution vorangetrieben und im Feuer des Kampfes gestärkt hätte.

Wir Russen brauchen uns in dieser Hinsicht nicht über unser Schicksal zu beklagen, denn wir haben eine Konterrevolution, und zwar eine ziemlich gründliche. Und die letzten Aktionen der Konterrevolution der Generale und der Bourgeoisie sowie die Gegenwelle der revolutionären Bewegung haben mit besonderer Deutlichkeit gezeigt, dass die Revolution gerade in den Schlachten mit der Konterrevolution wächst und erstarkt.

Im Feuer dieser Schlachten sind die Sowjets und die Komitees, die schon tot schienen, die im Juli und August durch die Machenschaften der Bourgeoisie zerschlagen waren, zu neuem Leben erwacht und zu neuer Entfaltung gelangt.

Auf den Schultern dieser Organisationen hat sich die Revolution zum Triumph über die Konterrevolution emporgeschwungen.

Heute, da sich die Kornilowsche Konterrevolution auf einem ungeordneten Rückzug befindet und Kerenski sich skrupellos fremde Lorbeeren aneignet, heute wird es besonders klar, dass ohne diese Organisationen, ohne die "eigenmächtigen" Komitees der Eisenbahner, Soldaten, Matrosen, Bauern, Arbeiter, Post- und Telegrafenangestellten und anderer, ohne ihre revolutionäre Initiative und ihre kämpferische Aktivität die Revolution hinweggefegt worden wäre.

Umso größere Achtung müssten wir diesen Organisationen entgegen bringen. Umso energischer müssen wir an der Festigung und dem Ausbau dieser Organisationen arbeiten. Mögen die "eigenmächtigen" Komitees leben und gedeihen, mögen sie erstarken und siegen - das muss die Losung der Freunde der Revolution sein.

Nur Feinde, nur geschworene Feinde des russischen Volkes könnten einen Anschlag auf diese Organisationen verüben.

Indessen hat die Kerenskiregierung schon seit den ersten Tagen des Vorstoßes der Konterrevolution die "eigenmächtigen" Komitees als verdächtig angesehen. Unfähig und nicht willens, gegen Kornilow zu kämpfen, hat die Kerenskiregierung, die die Massen und die Massenbewegung mehr fürchtet als die Konterrevolution, dem Petrograder Komitee zum Kampf des Volkes gegen die Konterrevolution vom ersten Tage der Kornilowschen Aktionen an Hindernisse in den Weg gelegt. Und diese Sabotage des Kampfes gegen Kornilow hat sie die ganze Zeit fortgesetzt.

Aber nicht genug damit: Am 4. September hat die Kerenskiregierung einen Sonderbefehl erlassen, worin sie den revolutionären Komitees einen offenen Krieg ansagt und sie als außerhalb des Gesetzes stehend erklärt. Sie verunglimpft die Tätigkeit dieser Komitees als "eigenmächtige Aktionen" und erklärt:

"In Zukunft dürfen eigenmächtige Aktionen nicht mehr zugelassen werden, und die Provisorische Regierung wird sie als unbefugte und für die Republik schädliche Aktionen bekämpfen."

Kerenski hat offenbar vergessen, dass das "Direktorium" noch nicht durch ein "Konsulat" ersetzt und dass er nicht der erste Konsul der Republik Rußland ist.

Kerenski weiß offenbar nicht, dass zwischen dem "Direktorium" und dem "Konsulat" ein Staatsstreich lag und dass man erst einen solchen hätte durchführen müssen, ehe man derartige Befehle erlassen kann.

Kerenski weiß nicht, dass er sich im Kampf gegen die "eigenmächtigen" Komitees im Hinterland und an der Front nur auf die Kaledin und Kornilow, und nur auf sie, stützen könnte, wobei er auf jeden Fall gut täte, an das Schicksal dieser letzteren zu denken ..

Wir sind überzeugt, dass die revolutionären Komitees diesen von Kerenski aus dem Hinterhalt geführten Schlag in gebührender Weise abwehren werden.

Wir geben der festen Überzeugung Ausdruck, dass die revolutionären

Komitees nicht von ihrem `Wege abgehen werden.

Und wenn sich die Wege des "Direktoriums" und der revolutionären Komitees endgültig getrennt haben, umso schlimmer für das "Direktorium".

Die konterrevolutionäre Gefahr ist noch nicht vorüber - es leben die revolutionären Komitees!

"Rabotschi Putj" (Der Arbeiterweg) Nr. 3,
6. September 1917.
Leitartikel.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis