"Stalin"

Werke

Band 3

DER FELDZUG GEGEN DIE ARBEITER

Schon vor einer Woche eröffnete die bürgerliche Presse eine Hetze gegen die Arbeiter des Donezbeckens. "Anarchie", "Demolierung der Betriebe", "Verhaftungen und Misshandlungen" des Dienstpersonals - es gibt keine Schauergeschichten, die nicht von den feilen bürgerlichen Zeitungen über sie verbreitet worden wären. Schon damals war vorauszusehen, dass ein Feldzug gegen die Donezarbeiter vorbereitet wird, dass der Regierung für einen solchen Feldzug der Weg gebahnt wird. Und wirklich, die Regierung "blieb nicht taub" für das Geschrei der bürgerlichen Soldschreiber. Dafür ist sie eben eine Regierung der bürgerlichen Diktatur. Zeitungsmeldungen zufolge hat das ökonomische Hauptkomitee bei der Provisorischen Regierung, natürlich bei "zustimmender Haltung" Kerenskis, "es für zweckmäßig befunden, nach Charkow und ins Donezbecken... eine mit diktatorischen Vollmachten ausgestattete Persönlichkeit zu entsenden. Diese Persönlichkeit soll beauftragt werden, die Industriellen zur Fortsetzung der Betriebstätigkeit zu veranlassen und beruhigend auf die Arbeitermasse einzuwirken. Der zu entsendenden Persönlichkeit werden alle Mittel des Zwangs zur Verfügung gestellt, über die die Regierungsgewalt verfügt" ("Torgowo-Prornyschlennaja Gaseta" [84] vom 26. September).

Man beachte: Ein "Diktator" mit "Mitteln des Zwangs" ... Gegen wen entsendet man diesen vorläufig noch ungenannten "Diktator"? Vielleicht gegen die Donezunternehmer, die nun schon seit drei Monaten vorsätzlich die Produktion drosseln, damit in verbrecherischer Weise die Arbeitslosigkeit verschlimmern und jetzt vor aller Augen Aussperrungen organisieren sowie mit der Desorganisierung des Wirtschaftslebens des Landes drohen?

Natürlich nicht!

Das ökonomische Hauptkomitee erklärt direkt, die ganze Schuld liege bei den "böswilligen Agitatoren" und nicht bei den Unternehmern, denn: "Nach den vorliegenden Meldungen wurden die Exzesse, die stattgefunden haben, durch einzelne Gruppen böswilliger Agitatoren hervorgerufen" (ebenda).

Gerade gegen sie entsendet man vor allem den mit "Mitteln des Zwangs" ausgestatteten "Diktator".

Das ist aber noch nicht alles. Einer Meldung der "Birshowka" zufolge hat die Charkower Industriellenkonferenz die folgenden Beschlüsse gefasst:

1. "Die Entlassung und Einstellung von Angestellten und Arbeitern ist zum ausschließlichen Recht der Betriebe zu erklären."

2. "Eine Einmischung des Sowjets der Arbeiterdeputierten in die Verwaltung und in die Aufsicht über die Produktion ist unzulässig."

3. "Die Betriebe können nicht die Kosten tragen für den Unterhalt und für die Bezahlung von Mitgliedern des Sowjets der Arbeiterdeputierten, der Exekutivkomitees und der Gewerkschaften."

4. "Keinerlei Lohnzulagen für die Arbeiter werden ihre Lage erleichtern" ("Birshewyje Wjedomosti" vom 27. September).

Kurzum: Die Industriellen erklären den Arbeitern und ihren Organisationen den Krieg.

Es erübrigt sich zu sagen, dass die Regierung des Aussperrers Konowalow nicht verfehlen wird, sich an die Spitze dieses Krieges gegen die Arbeiter zu stellen.

Da aber die Arbeiter nicht kampflos kapitulieren werden, so braucht man dazu eben einen "Diktator" und "Mittel des Zwangs".

Die Sache erklärt sich ganz einfach.

Sawinkow wurde ein Konterrevolutionär genannt, weil er das Projekt der Militarisierung der für die Landesverteidigung arbeitenden Betriebe ausgearbeitet hatte.

Kornilow wurde des Verrats beschuldigt, weil er die praktische Verwirklichung dieses Projekts verlangte.

Wie soll man eine Regierung nennen, die "ohne viel Federlesens" einen unumschränkten "Diktator" nach dem Donezbecken entsendet, der "mit allen Mitteln des Zwangs" für einen Krieg gegen die Arbeitermassen, für eine Zertrümmerung ihrer Organisationen ausgestattet ist?

Was können dazu die Herren "sozialistischen" Minister sagen?

"Rabotschi Putj" (Der Arbeiterweg) Nr. 22,
28. September 1917.
Artikel ohne Unterschrift.

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