"Stalin"

Werke

Band 3

KOMMENTARE

DIE PARTEI DER "VERSCHWOMMENEN"
UND DIE RUSSISCHEN SOLDATEN

In der Epoche des Zarismus schrie die Partei der Sozialrevolutionäre an allen Ecken und Enden, die Gutsländereien müssten den Bauern übergeben werden. Die Bauern glaubten damals den Sozialrevolutionären und scharten sich um sie, denn sie hielten sie für ihre Bauernpartei.

Nach dem Sturz des Zarismus und dem Siege der Revolution aber kam die Zeit, wo es galt, von Worten zur Tat überzugehen und endlich die "goldenen Worte" der Sozialrevolutionäre über den Grund und Boden zu verwirklichen. Aber... (das berühmte "aber"!) die Sozialrevolutionäre schwankten und schlugen den Bauern stammelnd vor, mit dem Grund und Boden bis zur Konstituierenden Versammlung zu warten, deren Einberufung überdies verschoben wurde.

Es stellte sich heraus, dass es leichter ist, über den Grund und Boden und über die Bauern zu schreien, als in der Tat den Boden den Bauern zu übergeben. Wie sich herausstellte, haben die Sozialrevolutionäre nur davon geredet, dass ihnen das Los der Bauern "zu Herzen geht"; als dann aber die Zeit kam, wo es galt, von Worten zur Tat überzugehen, da zogen sie es vor, sich in die Büsche zu schlagen, und versteckten sich hinter der Konstituierenden Versammlung...

Die Bauern antworteten hierauf mit einer machtvollen Agrarbewegung, mit der eigenmächtigen "Besitzergreifung" der Gutsländereien, mit der "Aneignung" "fremden" Inventars, und brachten damit ihr Misstrauen gegen die von den Sozialrevolutionären betriebene Politik des Abwartens zum Ausdruck.

Die sozialrevolutionären Minister blieben den Bauern nichts schuldig und verhafteten dafür Dutzende und Hunderte von Bauern, die den Bodenkomitees angehörten. Sozialrevolutionäre Minister, die sozialrevolutionäre Bauern verhaften ließen, weil diese die sozialrevolutionären Versprechungen in die Tat umsetzten - das ist das Bild, das sich uns bot.

Das Ergebnis ist der vollständige Zerfall der Partei der Sozialrevolutionäre, der besonders klar zum Ausdruck kam bei der Abstimmung im Vorparlament, wo die linken Sozialrevolutionäre sich für, die rechten Sozialrevolutionäre aber gegen die sofortige Übergabe des Bodens an die Bauern aussprachen, während sich Tschernow, dieser Hamlet der Partei der Sozialrevolutionäre, mit dem Zentrum tiefsinnig der Stimme enthielt.

Die Antwort hierauf war eine Massenabwanderung von Soldaten aus der Partei der Sozialrevolutionäre.

Ein anderer Teil der Soldaten aber, der die Partei der Sozialrevolutionäre bis jetzt noch nicht verlassen hat, wendet sich mit dem nachdrücklichen "Ersuchen an das ZK der Partei", endlich durch Beseitigung der "Verschwommenheit" die Einheit der Partei herzustellen.

Man höre:

"Die vereinigte Beratung von Vertretern der Militärorganisationen der Regimenter und der Spezialtruppen aus Petrograd, Zarskoje Selo, Peterhof usw. ist der Auffassung, dass im gegenwärtigen, für die Partei schwierigen Augenblick ein Zusammenschluss der Parteimehrheit... auf der Grundlage eines Programms notwendig ist, das nach Beseitigung der verschwommenen Physiognomie der Partei alle lebensfähigen Elemente der Partei zusammenschart..., und spricht sich deshalb für ... die unverzügliche Übergabe aller landwirtschaftlich nutzbaren Ländereien in die Verwaltung der Bodenkomitees aus..." ("Djelo Naroda").

Also abermals die Frage der "unverzüglichen Übergabe der Ländereien"!

Auf dem Boden der Anerkennung dieser Forderung hoffen die Soldaten, bei den Sozialrevolutionären alle "lebensfähigen Elemente der Partei" zusammenschließen zu können!

Naive Leute! Den Revolutionär Kamkow, den Kadetten Awxentjew und den "verschwommenen" Tschernow wollen sie nach einer Reihe von Misserfolgen noch einmal vor einen Karren spannen!

Es ist an der Zeit, Genossen Soldaten, zu begreifen, dass die Partei der Sozialrevolutionäre nicht mehr existiert - es gibt nur noch eine "verschwommene" Masse, von der sich ein Teil in das Sawinkowsche Abenteurertum verstrickt hat, ein anderer in den Reihen der Revolutionäre verblieben ist, ein dritter hilflos auf der Stelle tritt und hiermit in der Praxis die Sawinkowleute deckt.

Es ist an der Zeit, das zu begreifen und damit aufzuhören, etwas vereinigen zu wollen, was sich nicht vereinigen lässt...

VERSCHWÖRER AN DER MACHT

In seiner Zeitung "Obschtscheje Djelo"[85] schreibt heute Burzew:

"Nunmehr kann man mit aller Bestimmtheit sagen: Eine Verschwörung Kornilows hat es überhaupt nicht gegeben! In Wirklichkeit gab es etwas ganz anderes: Es gab ein Abkommen der Regierung mit General Kornilow über den Kampf gegen die Bolschewiki! Das, worüber sich Vertreter der Regierung mit General Kornilow verständigten - der Kampf gegen die Bolschewiki -, war der sehnlichste Traum der Vertreter verschiedener Parteien: sowohl demokratischer als auch sozialistischer. Bis zu dem unglückseligen 26. August noch blickten sie alle auf General Kornilow als auf ihren Retter vor der herannahenden bolschewistischen Gefahr."

Keine "Verschwörung", sondern ein "Abkommen" - schreibt Burzew in Kursivschrift.

Er hat Recht. Er hat in diesem Falle unbedingt Recht. Es wurde ein Abkommen geschlossen über die Organisierung einer Verschwörung gegen die Bolschewiki, das heißt gegen die Arbeiterklasse, gegen die revolutionäre Armee und die Bauernschaft - es gab ein Abkommen über eine Verschwörung gegen die Revolution!

Darauf weisen wir schon seit den ersten Tagen des Kornilowputsches hin, davon zeugen Dutzende und Hunderte von Tatsachen, darüber lassen von niemandem widerlegte Enthüllungen keinerlei Zweifel.

Und dennoch stehen die Verschwörer an der Macht oder nahe an der Macht. Und dennoch geht das Spiel weiter, es wird eine Untersuchung vorgespiegelt, es wird "in Revolution" gemacht...

Eine Koalition mit den Verschwörern, eine Regierung der Verschwörung - das also haben die Herren "Vaterlandsverteidiger" den Arbeitern und Soldaten beschert!

"Rabotschi Putj" (Der Arbeiterweg) Nr. 23,
29. September 1917.
Artikel ohne Unterschrift.

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