"Stalin"

Werke

Band 3

DIE VERSCHWÖRUNG
GEGEN DIE REVOLUTION

Burzew schrieb neulich in der Zeitung "Obschtscheje Djelo". "Eine Verschwörung Kornilows hat es überhaupt nicht gegeben", es "gab nur ein Abkommen" zwischen Kornilow und der Kerenskiregierung über die Ausrottung der Bolschewiki und der Sowjets mit dem Zweck, eine Militärdiktatur aufzurichten. Zur Erhärtung seiner Ansicht veröffentlicht Burzew in Nr. 6 des "Obschtscheje Djelo" ein "Memorandum" Kornilows, bestehend aus einer Anzahl von Dokumenten, die die Geschichte der Verschwörung schildern. Der nächste Zweck dieses ganzen Burzewschen Unternehmens ist, eine für Kornilow günstige Atmosphäre zu schaffen und ein Gerichtsverfahren gegen ihn unmöglich zu machen.

Wir sind weit davon entfernt, das Material Kornilows für erschöpfend zu halten. Abgesehen davon, dass sich Kornilow von der Beschuldigung, Verrat geübt zu haben, reinzuwaschen sucht, erwähnt er zum Beispiel nicht gewisse Personen und Organisationen, die in die Verschwörung verwickelt sind, und vor allem nicht gewisse Vertreter ausländischer Botschaften im Hauptquartier, die - nach Zeugenaussagen - eine durchaus nicht untergeordnete Rolle gespielt haben. Es muss auch erwähnt werden, dass das "Memorandum" Kornilows durch die Spitzelredaktion Burzews gegangen ist, der aus dem "Memorandum" einige vielleicht sehr wichtige Stellen gestrichen hat. Trotz alledem hat das "Memorandum" großen dokumentarischen Wert. Und solange diesem Dokument nicht ebenso schwerwiegende Zeugenaussagen gegenübergestellt werden, werden wir es eben als Dokument behandeln.

Es erscheint uns daher notwendig, uns mit dem Leser über dieses Dokument zu unterhalten.

Wer sind sie?

Wer sind sie, die Ratgeber und Inspiratoren Kornilows, wen hat er vor allem in seine verschwörerischen Absichten eingeweiht?

"Zur Teilnahme an der Erörterung der Frage des Zustands des Landes und der Maßnahmen, die zur Rettung des Landes und der Armee vor dem endgültigen Zerfall zu ergreifen wären", sagt Kornilow, "wollte ich M. Rodsjanko, den Fürsten G. Lwow und P. Miljukow heranziehen, die telegrafisch ersucht wurden, spätestens am 29. August im Hauptquartier einzutreffen."

Das sind nach Kornilows eigenem Geständnis seine Hauptratgeber.

Aber das ist noch nicht alles. Außer den Ratgebern und Inspiratoren gab es auch noch Hauptmitarbeiter, auf die Kornilow seine Hoffnungen setzte, auf die er rechnete und mit denen er seine Verschwörung zu realisieren gedachte.

Man höre:

"Es wurde der Plan eines ´Rates der Volksverteidigung´ entworfen mit dem Obersten Befehlshaber als Vorsitzendem, Kerenski als Minister und stellvertretendem Vorsitzendem, mit Sawinkow, General Alexejew, Admiral Koltschak und Filonenko. Dieser Rat der Verteidigung sollte eine kollektive Diktatur ausüben, da man die Errichtung der Diktatur einer einzelnen Person für unerwünscht hielt. Für die übrigen Ministerposten waren die Herren Tachtamyschew, Tretjakow, Pokrowski, Ignatjew, Aladjin, Plechanow, Lwow und Sawoiko vorgesehen."

So sieht die traute Gesellschaft der ehrenwerten Verschwörer aus, die Kornilow inspirierte und von ihm inspiriert wurde, die mit Kornilow hinter dem Rücken des Volkes konspirierte und ihm auf der Moskauer Beratung Beifall spendete. Miljukow als Führer der Partei der Volksfreiheit; Rodsjanko als Oberhaupt des Rates der Männer der Öffentlichkeit; Tretjakow als Oberhaupt der Industriellen; Kerenski als Führer der "Vaterlandsverteidiger" unter den Sozialrevolutionären; Plechanow als Altmeister der "Vaterlandsverteidiger" unter den Menschewiki; Aladjin als Agent einer unbekannten Firma in London - das sind sie, die Hoffnung und Zuversicht des Kornilowputsches, die Seele und der Nerv der Konterrevolution.

Hoffen wir, dass die Geschichte sie nicht vergisst und dass auch die Zeitgenossen sie nach Gebühr einschätzen werden.

Ihre Ziele

Ihre Ziele sind "einfach und klar": "Hebung der Kampffähigkeit der Armee" und "Gesundung des Hinterlandes" zur "Rettung Rußlands". Zur Hebung der Kampffähigkeit der Armee, sagt Kornilow,

"habe ich auf die Notwendigkeit der sofortigen Wiedereinführung des Gesetzes über die Todesstrafe auf dem Kriegsschauplatz hingewiesen".

Zur Gesundung des Hinterlandes aber, fährt Kornilow fort,

"habe ich auf die Notwendigkeit hingewiesen, das Gesetz über die Todesstrafe und die revolutionären Kriegsgerichte auch auf die inneren Gebiete auszudehnen, da ich von dem Gedanken ausging, dass keinerlei Maßnahmen zur Wiederherstellung der Kampffähigkeit der Armee den erwünschten Erfolg zeitigen werden, solange der Ersatz, den die Armee aus dem Hinterlande erhält, aus einer Bande demoralisierter, unausgebildeter, durch Propaganda verhetzter Soldaten besteht".

Das ist aber noch nicht alles. Kornilow ist der Auffassung, dass man

"zur Erreichung der Kriegsziele" ... drei Armeen haben müsse: "eine in den Schützengräben sowie eine Arbeiterarmee und eine Eisenbahnerarmee im Hinterlande". Mit anderen Worten, es sei "notwendig", die militärische "Disziplin" mit allen ihren Konsequenzen auch auf die für die Landesverteidigung arbeitenden Betriebe und auf die Eisenbahnen auszudehnen, das heißt, es sei "notwendig", sie zu militarisieren.

Also: Todesstrafe an der Front, Todesstrafe im Hinterlande, Militarisierung der Betriebe und der Eisenbahnen, Verwandlung des Landes in ein "Kriegs"lager und, als Krönung des Ganzen, die Militärdiktatur unter Kornilows Vorsitz - das sind die Ziele, die sich die Verschwörergesellschaft gesetzt hatte.

Diese Ziele waren in einem besonderen, bereits vor der Moskauer Beratung berühmt gewordenen "Bericht" dargelegt worden. Sie kehren als "Forderungen Kornilows" in den Telegrammen und im "Memorandum" Kornilows wieder.

Waren der Kerenskiregierung diese "Forderungen" bekannt? Zweifellos ja.

War die Kerenskiregierung mit Kornilow einverstanden? Offensichtlich ja.

"Ich unterschrieb", sagte Kornilow, "den bereits von den Herren Sawinkow und Filonenko unterzeichneten Gesamtbericht über die Maßnahmen zur Gesundung der Armee uni des Hinterlandes und unterbreitete ihn einer inoffiziellen Beratung der Provisorischen Regierung, bestehend aus den Herren Kerenski, Nekrassow und Tereschtschenko. Nachdem man den Bericht erörtert hatte, wurde mir erklärt, dass die Regierung mit allen von mir vorgeschlagenen Maßnahmen einverstanden sei, ihre Durchführung sei jedoch eine Frage des Tempos der Regierungsmaßnahmen."

Dasselbe sagt Sawinkow, der am 24. August Kornilow erklärt: "Ihre Forderungen werden von der Provisorischen Regierung in den nächsten Tagen erfüllt werden."

Waren Kornilows Ziele der Partei der Volksfreiheit bekannt? Zweifellos ja.

War sie mit Kornilow einverstanden?

Offensichtlich ja. Denn das Zentralorgan der Partei der Volksfreiheit, die Zeitung "Rjetsch", hat offen erklärt, dass sie "die Ideale des Generals Kornilow vollauf teilt".

Unsere Partei hatte Recht, als sie behauptete, dass die Partei der Volksfreiheit eine Partei der bürgerlichen Diktatur ist.

Unsere Partei hatte Recht, als sie behauptete, dass die Kerenskiregierung als Kulisse zur Verdeckung einer solchen Diktatur dient.

Jetzt, wo sich die Kornilowleute vom ersten Schlage erholt haben, beginnen die an der Macht stehenden Verschwörer erneut von der "Hebung der Kampffähigkeit der Armee" und der "Gesundung des Hinterlandes" zu reden.

Die Arbeiter und Soldaten dürfen nicht vergessen, dass die "Hebung der Kampffähigkeit der Armee" und die "Gesundung des Hinterlandes" die Todesstrafe im Hinterland und an der Front bedeuten.

Ihr Weg

Ihr Weg ist ebenso "einfach und klar" wie ihre Ziele. Er bedeutet: Ausrottung des Bolschewismus, Auseinanderjagung der Sowjets, Aussonderung Petrograds als besonderes Militärgouvernement, Entwaffnung Kronstadts. Kurzum - Zerschlagung der Revolution. Dazu brauchte man das dritte Kavalleriekorps. Dazu brauchte man die "wilde Division".

Nach einer mit Kornilow gepflogenen Beratung über die Festsetzung der Grenzen des Militärgouvernements Petrograd sagt Sawinkow folgendes zu Kornilow:

"Ihre Forderungen, Lawr Georgijewitsch, werden also von der Provisorischen Regierung in den nächsten Tagen erfüllt werden; dabei befürchtet jedoch die Regierung, dass in Petrograd ernste Komplikationen eintreten können. Es ist Ihnen gewiss bekannt, dass ungefähr für den 28. oder 29. August in Petrograd eine ernste Aktion der Bolschewiki erwartet wird. Die Veröffentlichung Ihrer Forderungen, die von der Provisorischen Regierung angenommen werden, wird natürlich der Anstoß für die Aktion der Bolschewiki sein. Wir verfügen zwar über genügend Truppen, können uns jedoch auf sie nicht unbedingt verlassen. Dies umso weniger, als es noch unklar ist, wie sich der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten zu dem neuen Gesetz stellen wird. Auch er kann sich gegen die Regierung wenden, und dann ist auf unsere Truppen kein Verlass. Ich bitte Sie daher, die Anordnung zu treffen, dass das dritte Kavalleriekorps Ende August an Petrograd herangezogen und der Provisorischen Regierung zur Verfügung gestellt wird. Sollten außer den Bolschewiki auch noch Mitglieder des Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten in Aktion treten, so werden wir auch gegen sie vorgehen müssen."

Sawinkow sagte dabei, man müsse auf das entschlossenste und schonungsloseste vorgehen. Darauf antwortete General Kornilow, dass er "sich ein anderes Vorgehen auch gar nicht vorstellen kann. Sobald eine Aktion der Bolschewiki und des Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten einsetzt, wird diese mit aller Energie niedergeworfen werden."

Zur direkten Ausführung dieser Maßnahmen wurden dem General Krymow, dem Kommandeur des dritten Kavalleriekorps und der einheimischen Division, von Kornilow "zwei Aufgaben" gestellt:

"1. Sobald von mir" (Kornilow) "oder unmittelbar am Standort die Nachricht einläuft, dass die Aktion der Bolschewiki begonnen hat, ist mit dem Korps unverzüglich gegen Petrograd vorzurücken, die Stadt zu besetzen, sind die Truppenteile der Petrograder Garnison, die sich der bolschewistischen Bewegung anschließen, zu entwaffnen, ist die Bevölkerung Petrograds zu entwaffnen und sind die Sowjets auseinanderzujagen.

2. Nach Durchführung dieser Aufgabe hat General Krymow eine durch Artillerie verstärkte Brigade nach Oranienbaum zu entsenden und nach Eintreffen daselbst von der Kronstädter Garnison die Entwaffnung der Festung und den Abzug aufs Festland zu fordern.

Die Einwilligung des Ministerpräsidenten zur Entwaffnung der Festung Kronstadt und zum Abzug ihrer Garnison erfolgte am 8. August, und der diesbezügliche Bericht des Generalstabs der Marine mit der Resolution des Ministerpräsidenten wurde dem Stabschef des Obersten Befehlshabers mit einem Brief des Admirals Maximow übermittelt."

Das ist der Weg der trauten Gesellschaft der Verschwörer gegen die Revolution und ihre Errungenschaften.

Die Kerenskiregierung kannte nicht nur diesen ganzen höllischen Plan, sondern hatte sich selber an seiner Ausarbeitung beteiligt und beabsichtigte, ihn gemeinsam mit Kornilow durchzuführen.

Sawinkow, der damals noch das Kriegsministerium leitete, erklärt das ganz offen, wobei diese seine jedermann bekannte Erklärung noch von niemandem dementiert worden ist.

Sie lautet:

"Im Interesse der Wiederherstellung der geschichtlichen Genauigkeit halte ich es für meine Pflicht, zu erklären, dass ich, im Auftrage des Ministerpräsidenten, Sie" (Kornilow) "um ein Kavalleriekorps gebeten habe, um die Verhängung des Kriegszustandes in Petrograd zu sichern und jedweden Versuch einer Auflehnung gegen die Provisorische Regierung, von welcher Seite er auch kommen mochte, zu unterdrücken..."

Das dürfte wohl klar sein.

Wusste die Partei der Kadetten von dem Plan Kornilows? Zweifellos ja.

Denn das Zentralorgan dieser Partei, die "Rjetsch", verbreitete am Vorabend des Kornilowaufstands eifrig provokatorische Gerüchte über einen "bolschewistischen Aufstand" und ebnete auf diese Weise den Weg für den Einfall Kornilows in Petrograd und Kronstadt.

Denn der Vertreter der Kadettenpartei, Herr Maklakow, nahm, wie dies aus Kornilows "Memorandum" ersichtlich ist, "höchst persönlich" an allen Verhandlungen zwischen Sawinkow und Kornilow über den Plan eines Einfalls in Petrograd teil. Soweit uns bekannt ist, bekleidete Maklakow damals keinen offiziellen Posten bei oder in der Provisorischen Regierung. In welch anderer Eigenschaft konnte er denn an diesen Verhandlungen teilnehmen, wenn nicht als Vertreter seiner Partei?

Das sind die Tatsachen.

Unsere Partei hatte Recht, als sie behauptete, dass die Kerenskiregierung eine Regierung der bürgerlichen Konterrevolution ist, die sich auf die Kornilowsche Konterrevolution stützt und sich von ihr nur durch eine gewisse "Unentschlossenheit" unterscheidet.

Unsere Partei hatte Recht, als sie behauptete, dass die ideologischen und politischen Fäden der Konterrevolution im Zentralkomitee der Kadettenpartei zusammenlaufen.

Wenn der konterrevolutionäre Plan der Petrograder und Mogilewer Verschwörer gescheitert ist, so sind daran nicht Kerenski und Kornilow oder Maklakow und Sawinkow schuld, sondern dieselben Sowjets, die von ihnen "auseinandergejagt" werden sollten, denen sie jedoch nicht standzuhalten vermochten.

Jetzt, da die Kornilowleute mit Hilfe der Paktierer die Macht erschlichen und sich erholt haben, wird der Kampf gegen die Sowjets erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Die Arbeiter und Soldaten dürfen nicht vergessen, dass sie Gefahr laufen, unter die eiserne Ferse der Militärdiktatur zu geraten, wenn sie die Sowjets in ihrem Kampf gegen die Regierung der

Die Diktatur der imperialistischen Bourgeoisie

Was bedeutet die "kollektive Diktatur", über deren Aufrichtung die Verschwörer gegen die Revolution - Kornilow und Miljukow, Aladjin und Filonenko, Kerenski und Fürst Lwow, Rodsjanko und Sawinkow sich geeinigt hatten? In welche politischen Formen wollten sie diese Diktatur kleiden?

Welche politischen Institutionen hielten sie für notwendig, um die "kollektive Diktatur" aufzurichten und zu organisieren?

Lassen wir Dokumente sprechen.

"General Kornilow fragte Filonenko, ob er nicht auch glaube, dass der einzige Ausweg aus der entstandenen schwierigen Lage nur die Proklamierung der Militärdiktatur sein könne.

Filonenko erwiderte, wenn er real an einen Diktator denke, so könne er sich einen solchen in der gegenwärtigen Situation nur in der Person des Generals Kornilow vorstellen. Gegen die Diktatur einer einzelnen Person hatte Filonenko folgendes einzuwenden: General Kornilow sei selber mit der politischen Situation nicht genügend vertraut, und seine Diktatur würde darum zur Herrschaft einer so genannten Kamarilla führen. Die demokratischen und republikanischen Kreise müssten sich dagegen und folglich auch gegen die Diktatur einer einzelnen Person wenden.

General Kornilows: Was ist aber zu tun, wenn die Regierung keinerlei Maßnahmen trifft?

Filonenko: Ein Ausweg kann in der Bildung eines Direktoriums gefunden werden. Man muss aus Mitgliedern der Regierung ein kleines Kriegskabinett bilden, dem nur Männer von außerordentlicher Willensstärke angehören dürfen und das man ´Rat der Volksverteidigung´ oder irgendwie anders nennen könnte - auf den Namen kommt es nicht an -, ein Kabinett, dem unbedingt Kerenski, General Kornilow und Sawinkow angehören müssen. Dieses kleine Kabinett muss sich die Landesverteidigung als allererste Aufgabe stellen. In dieser Form muss der Plan des Direktoriums von der Regierung angenommen werden.

Kornilow: Sie haben Recht. Ein Direktorium ist notwendig, und zwar so schnell wie möglich..." ("Nowoje Wremja").

Und weiter:

"Es wurde der Plan eines ´Rates der Volksverteidigung´ entworfen, mit dem Obersten Befehlshaber als Vorsitzendem, A. F. Kerenski als Minister und stellvertretendem Vorsitzendem, mit Herrn Sawinkow, General Alexejew, Admiral Koltschak und Herrn Filonenko.

Dieser Rat der Verteidigung sollte eine kollektive Diktatur ausüben, da man die Errichtung der Diktatur einer einzelnen Person für unerwünscht hielt" ("Obschtscheje Djelo").

Das Direktorium war also die politische Form, in die die "kollektive Diktatur" Kornilow-Kerenski gekleidet werden sollte.

Jetzt sieht ein jeder, dass Kerenski, als er nach der missglückten "Meuterei" Kornilows das Direktorium ins Leben rief, die gleiche Kornilowsche Diktatur mit anderen Mitteln einführte.

Jetzt sieht ein jeder, dass das greise ZEK, als es sich in der bekannten Nachtsitzung für das Kerenskidirektorium erklärte, damit für den konterrevolutionären Plan General Kornilows stimmte.

Jetzt sieht ein jeder, dass die Neunmalklugen vom "Djelo Naroda", als sie mit Schaum vorm Munde das Kerenskidirektorium verteidigten, zur Freude der offenen und verkappten Kornilowleute, ohne es selber zu merken, die Revolution verrieten.

Unsere Partei hatte Recht, als sie behauptete, dass das Direktorium eine verhüllte Form der Diktatur der Konterrevolution ist.

Aber mit dem Direktorium allein "kommt man nicht weit". Es konnte den Meistern der Konterrevolution nicht entgehen, dass es unmöglich ist, ein Land, das von der Frucht des Demokratismus genossen hat, nur mittels eines Direktoriums ohne irgendein "demokratisches" Mäntelchen "zu regieren". "Kollektive Diktatur" in Form eines Direktoriums - gewiss! Aber wozu sie entblößen? Wäre es da nicht besser, sie mit irgendeinem "Vorparlament" zu verdecken? Mag dieses "demokratische Vorparlament" ruhig leben und schwätzen - wenn sich nur der Staatsapparat in den Händen des Direktoriums befindet! Es ist bekannt, dass der Sachwalter Kornilows, Herr Sawoiko, ferner der Agent einer unbekannten Firma in London, Herr Aladjin, sowie Miljukows Freund Kornilow "höchstselbst" die ersten waren, die den Plan eines "Vorparlaments" aufstellten, das als Stütze und Kulisse für das Direktorium dienen und vor dem das Direktorium (man lache nicht!) "verantwortlich" sein sollte.

Lassen wir ein Dokument sprechen.

"Als General Kornilow und seine Umgebung auf der Schaffung eines Direktoriums bestanden, stellten sie sich darunter nichts anderes vor als eine Institution, die dem Lande gegenüber verantwortlich ist.

M. M. Filonenko ist einer der überzeugtesten Anhänger des von Aladjin aufgestellten Projekts eines Vertretungsorgans, dem gegenüber die Regierung bis zur Einberufung der Konstituierenden Versammlung unbedingt verantwortlich sein soll.

Diesem Vertretungsorgan sollten Aladjins Plan zufolge angehören: die Mitglieder der IV. Reichsduma (ohne den rechten Flügel und ohne alle ihre untätig gebliebenen Mitglieder), die linken Elemente der drei ersten Dumas, eine Delegation des Zentralexekutivkomitees der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten (ohne die Zahl der Vertreter der Parteien zu beschränken) und 10 bis 20 der angesehensten Revolutionäre, wie Breschko-Breschkowskaja, Kropotkin, Figner und andere, die von dem Vertretungsorgan selbst kooptiert werden sollten. Also ist A. F. Aladjin als erster auf die Idee des ´Vorparlaments´ gekommen" ("Nowoje Wremja").

Also ist das "Vorparlament" jenes "Vertretungsorgan", das die "demokratische" Stütze für die "kollektive Diktatur" Kornilow-Kerenski bilden sollte.

Das "Vorparlament" als ein Organ, dem gegenüber die Regierung "bis zur Einberufung" der Konstituierenden Versammlung "verantwortlich" ist; das "Vorparlament", das bis zur Einberufung der Konstituierenden Versammlung diese ersetzen wird, das "Vorparlament", das die Konstituierende Versammlung ersetzt, wenn ihre Einberufung aufgeschoben wird; das "Vorparlament", das die "rechtliche Grundlage" dafür bietet (Juristen, frohlocket!), die Einberufung der Konstituierenden Versammlung hinauszuschieben; das "Vorparlament" als ein I4ittel zur `Vereitelung der Konstituierenden Versammlung - das ist der ganze Sinn des konterrevolutionären "Demokratismus" der Verschwörer gegen die Revolution.

Jetzt sieht ein jeder, dass Kerenski, indem er das in zwei Tagen zusammentretende Kornilowsche "Vorparlament" "sanktioniert", mit anderen Mitteln denselben konterrevolutionären Plan der Verschwörer gegen die Revolution durchführt.

Jetzt sieht ein jeder, dass die Awxentjew und Dan, als sie das "Vorparlament" organisierten und zu diesem Zwecke eine Reihe von Fälschungen begingen, im Interesse der offenen und verkappten Kornilowleute, gegen die Revolution und ihre Errungenschaften arbeiteten.

Jetzt sieht ein jeder, dass die Neunmalklugen vom "Djelo Naroda", die nach der Konstituierenden Versammlung schreien, gleichzeitig aber das Kornilowsche "Vorparlament" festigen, auf die Vereitelung der Konstituierenden Versammlung hinarbeiten.

Kornilows Schüler zu sein, das ist alles, wozu es die "verantwortlichen" Schwätzer aus der "Demokratischen Beratung" - die Zereteli und Tschernow, die Awxentjew und Dan - gebracht haben.

Erste Schlussfolgerung

Aus den oben untersuchten Dokumenten ist ersichtlich, dass wir es "im Fall Kornilow" nicht mit einer "Meuterei" gegen die Provisorische Regierung, auch nicht einfach mit dem "Abenteuer" eines ehrgeizigen Generals zu tun haben, sondern mit einer regelrechten Verschwörung gegen die Revolution, mit einer organisierten und genau durchdachten Verschwörung.

Die Organisatoren und Inspiratoren der Verschwörung waren: der konterrevolutionäre Teil der Generalität, Vertreter der Kadettenpartei, Vertreter der Moskauer "Männer der Öffentlichkeit", die "besteingeweihten" Mitglieder der Provisorischen Regierung und - ihrer Bedeutung nach nicht an letzter Stelle! - gewisse Vertreter gewisser Botschaften (über die sich das "Memorandum" Kornilows ausschweigt).

Also alle diejenigen, die Kornilow auf der Moskauer Beratung als den "anerkannten Führer Rußlands" "bejubelten".

Die "Verschwörung Kornilows" ist eine Verschwörung der imperialistischen Bourgeoisie gegen die revolutionären Klassen Rußlands, gegen das Proletariat und die Bauernschaft.

Das Ziel der Verschwörung war die Zerschlagung der Revolution und die Errichtung der Diktatur der imperialistischen Bourgeoisie.

Zwischen den Verschwörern gab es Differenzen, jedoch nur unbedeutende Differenzen, lediglich quantitativer Natur. Sie fanden ihren Ausdruck im "Tempo der Regierungsmaßnahmen": Kerenski wollte vorsichtig und mit Umsicht vorgehen, während Kornilow "geradewegs drauflosging". In der Hauptsache aber waren sie sich alle einig: Errichtung der Diktatur der imperialistischen Bourgeoisie in Form der "kollektiven Diktatur" eines Direktoriums, die zur Irreführung von Einfaltspinseln durch ein "demokratisches" Vorparlament bemäntelt werden sollte.

Worin besteht das charakteristische Merkmal der Diktatur der imperialistischen Bourgeoisie?

In erster Linie darin, dass eine solche Diktatur die Herrschaft einer kriegslüsternen und ausbeutenden Minderheit über die werktätige und nach Frieden dürstende Mehrheit ist. Man lese das "Memorandum" Kornilows, man nehme Einblick in die "Verhandlungen" mit den Regierungsmitgliedern: Dort wird von Maßnahmen zur Unterdrückung der Revolution gesprochen, dort wird von Wegen zur Festigung des bürgerlichen Regimes und zur Verlängerung des imperialistischen Krieges gesprochen; doch findet man dort kein einziges Wort über die Bauern, die Land fordern, über die Arbeiter, die Brot fordern, über die Mehrheit der Staatsbürger, die nach Frieden dürsten. Ja, noch mehr, das ganze "Memorandum" geht von der Voraussetzung aus, dass es notwendig sei, die Massen mit eiserner Faust niederzuhalten, und dass die Zügel der Regierung sich in den Händen eines Häufleins von Diktatoren befinden müssten.

Zweitens darin, dass die Diktatur der imperialistischen Bourgeoisie eine geheime, verhüllte Diktatur ist, die sich hinter den Kulissen verbirgt und die Massen irreführen soll. Man sehe sich das "Memorandum" an, und man wird erkennen, wie eifrig die Herren Verschwörer bestrebt waren, ihre dunklen Pläne und ihre Machinationen hinter den Kulissen nicht nur vor den Massen, sondern auch vor ihren Kollegen und Parteifreunden" geheim zu halten. Um die Massen zu betrügen, wurde der Plan eines "demokratischen" Vorparlaments zusammengebraut, denn wie kann von Demokratismus die Rede sein, wenn die Todesstrafe im Hinterland und an der Front eingeführt ist? Um die Massen zu betrügen, wurde das Aushängeschild "Republik Rußland" beibehalten, denn wie kann von einer Republik die Rede sein, wenn sich die uneingeschränkte Macht in den Händen eines Grüppchens von fünf Diktatoren befindet!

Schließlich darin, dass die Diktatur der imperialistischen Bourgeoisie eine Diktatur ist, die sich auf die Gewaltanwendung gegen die Massen stützt. Eine andere "sichere" Stütze als die systematische Anwendung von Gewalt gegen die Massen hat eine solche Diktatur nicht und kann sie nicht haben. Todesstrafe im Hinterland und an der Front, Militarisierung der Industriebetriebe und Eisenbahnen, Erschießungen - das ist das Arsenal dieser Diktatur. "Demokratischer" Betrug, dem durch Gewalt nachgeholfen wird; Gewalt, die mit "demokratischem Betrug verhüllt wird - das ist das A und O der Diktatur der imperialistischen Bourgeoisie.

Gerade eine solche Diktatur wollten die Verschwörer in Rußland errichten.

Zweite Schlussfolgerung

Wir sind weit davon entfernt, die Ursache der Verschwörung in dem bösen Willen einzelner Helden zu suchen. Wir sind ebenso weit davon entfernt, die Verschwörung mit der Machtgier ihrer Initiatoren zu erklären. Die Ursachen der konterrevolutionären Verschwörung liegen tiefer. Man muss sie in den Bedingungen des imperialistischen Krieges suchen. Man muss sie in den Erfordernissen dieses Krieges suchen. Die Politik der Offensive an der Front, die sich die Provisorische Regierung im Juni zu Eigen gemacht hat - da ist der Boden zu suchen, auf dem die Verschwörung der Konterrevolutionäre erwuchs. Überall, in allen kriegführenden Staaten, hat die Politik der Offensive in der Atmosphäre des imperialistischen Krieges die Notwendigkeit gezeitigt, die Freiheiten aufzuheben, den Kriegszustand zu verhängen, eine "eiserne Disziplin" einzuführen, denn dort, wo ein Höchstmaß an Freiheit besteht, ist es undenkbar, die Massen ungestraft in das Gemetzel zu treiben, das die internationalen Räuber angezettelt haben. Rußland konnte in dieser Beziehung keine Ausnahme sein.

Unter dem Druck der imperialistischen Cliquen, der einheimischen wie der alliierten, wird im Juni die Offensive an der Front verkündet. Die Soldaten wollen nicht stillschweigend zum Angriff vorgehen. Man beginnt mit der Auflösung von Regimentern. Diese Maßnahme erweist sich als unwirksam. Die Armee wird infolgedessen für "kampfunfähig" erklärt. Im Interesse der "Hebung der Kampffähigkeit" der Armee fordert Kornilow (und nicht nur Kornilow!) die Einführung des Gesetzes über die Todesstrafe an der Front, nachdem er zuvor Kundgebungen und Versammlungen der Soldaten verboten hat. Im Hinterlande protestieren die Soldaten und die Arbeiter dagegen und fördern so die Empörung der Frontsoldaten. Als Antwort darauf fordern die Frontgenerale, unterstützt von der Bourgeoisie, die Anwendung der Todesstrafe auch im Hinterland sowie die Militarisierung der Industriebetriebe und der Eisenbahnen. Der Plan der Diktatur und die Verschwörung sind nur die logische Weiterentwicklung dieser Maßnahmen. Das ist die kurze Geschichte der "Wiederherstellung der eisernen Disziplin" und der Entwicklung der Konterrevolution, die in dem "Memorandum" Kornilows drastisch dargestellt ist. Die Konterrevolution nahm ihren Anfang an der Front, wo sie den Erfordernissen einer Offensive unter den Bedingungen des imperialistischen Krieges entsprang. Die Verschwörung hatte den Zweck, die bereits vorhandene Konterrevolution auf ganz Rußland auszudehnen, sie zu organisieren und ihr Form zu verleihen.

Die Erzreaktionäre der zaristischen Duma des 3. Juni wussten, was sie taten, als sie schon Anfang Juni eine "sofortige" Offensive im engsten Kontakt mit den Alliierten forderten. Sie, diese bewährten Obermacher der Konterrevolution, wussten, dass die Politik der Offensive unvermeidlich die Konterrevolution im Gefolge haben wird.

Unsere Partei hatte Recht, als sie damals in ihrer Erklärung auf dem Sowjetkongress warnend darauf hinwies, dass die Offensive an der Front eine tödliche Gefahr für die Revolution bedeutet.

Die Führer der "Vaterlandsverteidiger", die die Erklärung unserer Partei zurückwiesen, bestätigten damit wieder einmal ihre politische Unreife und ihre ideologische Abhängigkeit von der imperialistischen Bourgeoisie.

Was folgt nun daraus?

Es gibt nur eine Schlussfolgerung. Die hier behandelte Verschwörung ist die Fortsetzung der Konterrevolution, die aus den Erfordernissen des imperialistischen Krieges und der Politik der Offensive erwuchs. Solange dieser Krieg und diese Politik weitergeführt werden, wird auch die Gefahr konterrevolutionärer Verschwörungen bestehen. Um die Revolution vor dieser Gefahr zu schützen, muss dem imperialistischen Krieg ein Ende gemacht, muss jede Möglichkeit einer Politik der Offensive beseitigt, muss der demokratische Frieden errungen werden.

Dritte Schlussfolgerung

Kornilow und seine "Komplicen" sind verhaftet. Die von der Regierung eingesetzte Untersuchungskommission erledigt die Angelegenheit "im Schnellverfahren". Die Provisorische Regierung spielt den obersten Gerichtsherrn. Kornilow und seinen "Komplicen" hat man die Rolle von "Meuterern" zugewiesen, den Herrschaften von der "Rjetsch" und vom "Nowoje Wremja" die Rolle von Verteidigern Kornilows. "Es wird einen spannenden Prozess geben", sagen die Liebhaber von Sensationen. "Der Prozess wird viele wichtige Enthüllungen bringen", bemerkt tiefsinnig das "Djelo Naroda".

Gegen wen richtete sich die Meuterei? Natürlich gegen die Revolution! Wo steckt sie denn, diese Revolution? Natürlich in der Provisorischen Regierung, denn der Putsch war gegen die Provisorische Regierung gerichtet. Aus was für Leuten besteht sie denn, diese Revolution? Aus dem "unvermeidlichen" Kerenski, aus Vertretern der Kadettenpartei, aus Vertretern der Moskauer "Männer der Öffentlichkeit" und aus einem Sir, der hinter dem Rücken dieser Gentlemen steht. Erste Stimme: "Aber dort fehlt doch Kornilow?" Zweite Stimme: "Wieso denn Kornilow? Man hat ihn angewiesen, auf der Anklagebank zu sitzen"...

Doch lassen wir den Vorhang fallen. Kornilow hat tatsächlich eine Verschwörung gegen die Revolution organisiert. Aber er stand nicht allein. Er hatte Inspiratoren in Person von Miljukow und Rodsjanko, von Lwow und Maklakow, von Filonenko und Nabokow. Er hatte Helfer in Person von Kerenski und Sawinkow, von Alexejew und Kaledin. Stimmt es etwa nicht, dass diese und ihnen ähnliche Gentlemen jetzt ruhig frei umherspazieren und nicht nur frei umherspazieren, sondern noch dazu das Land nach der Verfassung "keines Geringeren" als Kornilows "regieren"? Schließlich genoss Kornilow die Unterstützung der russischen und der englisch-französischen imperialistischen Bourgeoisie, in deren Interesse alle diese Kornilowschen Helfershelfer jetzt das Land "regieren". Ist es denn nicht klar, dass ein Prozess gegen Kornilow allein eine erbärmliche und lächerliche Komödie ist? Wie kann man aber anderseits die imperialistische Bourgeoisie, die die Hauptschuld an der Verschwörung gegen die Revolution trägt, gerichtlich belangen? Löst einmal dieses Problem, ihr neunmalklugen Zunftmeister aus dem Justizministerium!

Es geht hier offensichtlich nicht um die Gerichtskomödie. Es geht darum, dass nach der Kornilowaktion, nach den mit viel Lärm vorgenommenen Verhaftungen und der "strengen" Untersuchung die Macht wieder restlos in die Hände der Kornilowleute "geraten ist". Was Kornilow mit Waffengewalt erreichen wollte, wird jetzt, wenngleich mit anderen Mitteln, allmählich, aber unentwegt von den an der Macht stehenden Kornilowleuten durchgeführt. Selbst das Kornilowsche "Vorparlament" ist zustande gebracht worden.

Es geht darum, dass wir nach der glücklichen "Liquidierung" der Verschwörung gegen die Revolution wieder in die Macht des Verschwörerstabs "geraten sind", desselben Kerenski und Tereschtschenko, derselben Vertreter der Kadettenpartei und der "Männer der Öffentlichkeit", derselben Sirs und der ihnen gleichenden Generale. Nur Kornilow fehlt, aber ist etwa Sir Alexejew, ohne den kein wichtiges Staatsgeschäft erledigt wird und der, wie man erfährt, sich anschickt, auf der Ententekonferenz Rußland oder England - man weiß nicht recht wen - zu vertreten, schlechter als Kornilow?

Es geht darum, dass diese Verschwörer,,regierung" nicht länger geduldet werden darf.

Es geht darum, dass man dieser Verschwörer,,regierung" nicht trauen darf, ohne die Revolution der tödlichen Gefahr neuer Verschwörungen auszusetzen.

Jawohl, den Verschwörern gegen die Revolution muss der Prozess gemacht werden. Aber es darf keine Gerichtskomödie, kein Scheingericht sein, es muss ein wirkliches Gericht, ein Volksgericht sein. Dieses Gericht muss darin bestehen, dass der imperialistischen Bourgeoisie, in deren Interesse die gegenwärtige Verschwörer,,regierung" wirkt, die Macht entzogen wird. Dieses Gericht muss darin bestehen, dass alle Machtorgane - von unten bis oben - radikal von Kornilowschen Elementen gesäubert werden.

Wir haben oben gesagt, dass es unmöglich ist, die Revolution vor Verschwörungen der Konterrevolution zu schützen, ohne den imperialistischen Krieg zu beenden und einen demokratischen Frieden zu erringen. Solange jedoch die gegenwärtige "Regierung" am Ruder bleibt, ist an einen demokratischen Frieden überhaupt nicht zu denken. Um einen solchen Frieden zu erringen, muss diese Regierung "abgesetzt" und eine neue "eingesetzt" werden.

Zu diesem Zweck muss die Macht in die Hände der neuen, revolutionären Klassen, in die Hände des Proletariats und der revolutionären Bauernschaft, übergeben werden. Zu diesem Zweck muss die Macht in den revolutionären Massenorganisationen, den Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten, konzentriert werden.

Diese Klassen und diese Organisationen, und nur sie allein, haben die Revolution vor der Verschwörung Kornilows gerettet. Sie allein werden der Revolution auch den Sieg sichern.

Gerade darin wird das Gericht über die imperialistische Bourgeoisie und ihre Agenten, die Verschwörer, bestehen.

Zwei Fragen

Erste Frage. Als vor einigen Wochen die skandalösen Enthüllungen über die Verschwörung der Regierung (nicht Kornilows, sondern der Regierung!) gegen die Revolution zum ersten Mal in der Presse erschienen, brachte die bolschewistische Fraktion im ZEK eine Anfrage ein, die an die ehemaligen Mitglieder der Provisorischen Regierung aus der Periode der "Kornilowepopöe", an Awxentjew und Skobelew, gerichtet war. In der Anfrage interessierte sie sich für die Aussagen, die Awxentjew und Skobelew zu den die Provisorische Regierung belastenden Enthüllungen machen müssten, wenn sie ihre Ehre wahren und ihren Verpflichtungen vor der Demokratie nachkommen wollten. Der Anfrage unserer Fraktion schloss sich am selben Tage das Büro des ZEK an, und sie wurde auf diese Weise zur Interpellation der "gesamten revolutionären Demokratie". Seitdem ist ein Monat vergangen, eine Enthüllung jagt die andere, jede noch skandalöser als die vorhergehende, Awxentjew und Skobelew aber schweigen weiter, als hätten sie die Sprache verloren, als ginge sie das gar nichts an. Finden unsere Leser nicht, dass es für diese "verantwortlichen" Staatsbürger an der Zeit wäre, sich auf die elementaren Anstandsregeln zu besinnen und die von der "gesamten revolutionären Demokratie" an sie gerichtete Anfrage endlich zu beantworten?

Zweite Frage. Als die neuen Enthüllungen über die Kerenskiregierung in vollem Gange waren, forderte das "Djelo Naroda" seine Leser auf, diese Regierung irgendwie "zu ertragen" und die Konstituierende Versammlung "abzuwarten". Es ist gewiss amüsant, aus dem Munde der Leute, die zur "Rettung des Landes" mit eigenen Händen diese Regierung geschaffen haben, jetzt solche Reden von "Ertragen" zu hören. Haben sie wirklich diese Regierung lediglich zu dem Zwecke geschaffen, sie schweren Herzens "eine kurze Zeit" "zu ertragen"? ... Was heißt aber die Kerenskiregierung "ertragen"? Das heißt das Schicksal unseres Millionenvolkes in die Hände von Verschwörern gegen die Revolution legen. Das heißt die Entscheidung über Krieg und Frieden in die Hände von Agenten der imperialistischen Bourgeoisie legen. Das heißt das Schicksal der Konstituierenden Versammlung in die Hände der immer auf der Lauer liegenden Konterrevolutionäre legen. Wie soll man eine "sozialistische" Partei nennen, die ihr politisches Schicksal an das einer "Regierung" von Verschwörern gegen die Revolution gebunden hat? Man spricht von der "Naivität" der Führer der Partei der Sozial-revolutionäre. Man spricht von der "Kurzsichtigkeit" des "Djelo Naroda´´. Es unterliegt keinem Zweifel, dass den "verantwortlichen" Fahrern der Sozialrevolutionäre diese "Tugenden" keineswegs abgehen. Allein ... finden die Leser nicht, dass Naivität in der Politik ein Verbrechen ist, das an Verrat grenzt?

"Rabotschi Putj" (Der Arbeiterweg) Nr. 27, 28 u. 30,
4., 5. und 7. Oktober 1917.
Unterschrift: K. Stalin.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis