"Stalin"

Werke

Band 3

WER HINTERTREIBT
DIE KONSTITUIERENDE VERSAMMLUNG?

Während die Maulhelden des Paktierertums sich in Reden über das Vorparlament ergehen und ihre Mitläufer sich als Kämpen gegen die Bolschewiki betätigen, die angeblich die Konstituierende Versammlung hintertreiben, erproben die Macher der Konterrevolution bereits ihre Kräfte für die tatsächliche Vereitelung der Konstituierenden Versammlung.

Erst eine Woche ist es her, dass die Führer der "Donkosakenschaft" mit dem Vorschlag kamen, die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung zu verschieben, weil "die Bevölkerung nicht auf sie vorbereitet" sei.

Zwei Tage danach hat der "Djen", eine eng mit der kadettischen "Rjetsch" zusammenarbeitende Zeitung, aus der Schule geplaudert, als sie schrieb: "Die Welle der Agrarunruhen... wird möglicherweise einen Aufschub der Wahlen zur Konstituierenden Versammlung nach sich ziehen."

Und gestern brachte der Telegraf die Kunde, dass die "Männer der Öffentlichkeit" in Moskau, jene selben Herren, die jetzt die Provisorische Regierung lenken, Wahlen zur Konstituierenden Versammlung gleichfalls "für unmöglich befinden".

"N. N. Lwow, Mitglied der Reichsduma, erklärte, dass es aus technischen und politischen Erwägungen gegenwärtig unmöglich sei, angesichts der Anarchie im Lande Wahlen abzuhalten. Und Kusmin-Karawajew fügte hinzu, dass die Regierung auf die Konstituierende Versammlung nicht vorbereitet sei, dass keinerlei Gesetzesvorlagen ausgearbeitet seien."

Offenbar hat die Bourgeoisie die Absicht, die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung zu vereiteln.

Offenbar hält sich die Bourgeoisie jetzt, wo sie sich durch die Schaffung eines "demokratischen" Schutzschirms in Gestalt des konterrevolutionären Vorparlaments in der Provisorischen Regierung gefestigt hat, für stark genug, um die Konstituierende Versammlung noch einmal "zu verschieben".

Was können die Herren Paktierer von den "Iswestija" und vom "Djelo Naroda" dieser Gefahr entgegenstellen?

Was können sie der Provisorischen Regierung entgegenstellen, wenn diese, "auf die Stimme des Landes hörend" und in den Fußstapfen der "Männer der Öffentlichkeit" wandelnd, die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung verschiebt?

Vielleicht das berüchtigte Vorparlament? Aber das Vorparlament, nach Kornilows Plan geschaffen und berufen, die Geschwüre der Kerenskiregierung zu verhüllen, wurde ja eben ins Leben gerufen, um die Konstituierende Versammlung, wenn sie verschoben wird, zu ersetzen. Was vermag diese Kornilowsche Fehlgeburt im Kampf um die Konstituierende Versammlung zu leisten?

Vielleicht das altersschwache ZEK? Aber welches Ansehen kann diese von den Massen losgerissene Institution genießen, die dauernd bald gegen die Eisenbahner, bald gegen die Sowjets ausschlägt?

Vielleicht die "große russische Revolution", über die sich das "Djelo Naroda" mit so widerlicher Heuchelei in Phrasen ergeht? Aber die Neunmalklugen vom "Djelo Naroda" sagen ja selbst, die Revolution sei unvereinbar mit der Konstituierenden Versammlung ("entweder Revolution oder Konstituierende Versammlung"!). Was für eine Kraft können leere Phrasen über die "Macht der Revolution" im Kampf für die Konstituierende Versammlung haben?

Wo also ist die Kraft, die man den konterrevolutionären Anschlägen der Bourgeoisie entgegenstellen kann?

Diese Kraft ist die wachsende russische Revolution. Die Paktierer glauben nicht an sie. Aber das hindert die russische Revolution nicht, zuwachsen, das Dorf zu erfassen und die Grundfesten der Gutsherrenmacht hinwegzufegen.

Die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, die gegen den Sowjetkongress[86] kämpfen und das Kornilowsche Vorparlament festigen, helfen dadurch der Bourgeoisie, die Konstituierende Versammlung zu vereiteln.

Aber mögen sie wissen, dass sie es auf diesem Weg mit der wachsenden Revolution zu tun bekommen werden.

"Rabotschi Putj" (Der Arbeiterweg) Nr. 28,
5. Oktober 1917.
Leitartikel.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis