"Stalin"

Werke

Band 3

WER BRAUCHT DAS VORPARLAMENT?

Vor ein paar Monaten fasste Kornilow, als er die Auseinanderjagung der Sowjets plante und eine Militärdiktatur organisierte, den Entschluss, gleichzeitig auch ein "demokratisches" Vorparlament zu schaffen.

Zu welchem Zweck?

Um nach Ersetzung der Sowjets durch das Vorparlament mit diesem das konterrevolutionäre Wesen der Kornilowdiktatur zu verdecken und das Volk über die wahren Ziele der Kornilowschen "Reformen" zu betrügen.

Nach der "Liquidierung" des Kornilowaufstands beschlossen Kerenski und die Kadetten, Tschernow und die Moskauer Industriellen, die eine "neue" Koalitionsdiktatur der Bourgeoisie errichteten, gleichzeitig auch das Kornilowsche Vorparlament ins Leben zu rufen.

Zu welchem Zweck?

Vielleicht zum Kampf gegen die Sowjets? Vielleicht zur Verdeckung des Kerenskiregimes, das sich nur wenig von der Kornilowschen Konterrevolution unterscheidet? Awxentjew beteuert, das Vorparlament sei zur "Rettung des Vaterlandes" geschaffen worden. Tschernow "entwickelt" Awxentjews These weiter, indem er versichert, das Ziel des Vorparlaments sei "die Rettung des Landes und der Republik". Aber Kornilow wollte ja auch "das La nd und die Republik retten", als er die Militärdiktatur einführte und sie durch das Vorparlament tarnte. Wodurch unterscheidet sich die Awxentjew-Tschernowsche "Rettung" von der Kornilowschen?

Zu welchem Zweck also ist die gegenwärtige Kornilowsche Fehlgeburt, das so genannte Vorparlament, ins Leben gerufen worden?

Hören wir einen der ersten Baumeister des Vorparlaments, ein"Mitglied des Zentralkomitees der Kadettenpartei, früheres Mitglied des Provisorischen Komitees der Reichsduma, jetziges Mitglied des Vorparlaments, Herrn Adshemow. Hören wir ihn an, denn er ist offener als die anderen:

"Es muss in erster Linie die Aufgabe des Vorparlaments sein, der Regierung einen Rückhalt zu schaffen, ihr die Macht zu geben, die sie jetzt natürlich nicht hat."

Aber zu welchem Zweck braucht die Regierung diese "Macht"? Gegen wen soll sie eingesetzt werden?

Man höre weiter:

"Die Hauptfrage", sagte Adshemow, "besteht darin, ob es dem Vorparlament gelingen wird, die Probe zu bestehen, ob es imstande sein wird, den Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten die gebührende Abfuhr zu erteilen. Man kann nicht daran zweifeln, dass der Sowjet und das Vorparlament einander gegenübergestellt sind, genau so, wie in zwei Monaten der Konstituierenden Versammlung wiederum die gleichen Organisationen gegenübergestellt sein werden. Wenn das Vorparlament das Examen besteht, dann kann die Arbeit in Fluss kommen" (siehe "Djen" vom Sonntag).

Das lässt man sich gefallen! Das nennt man offen und, wenn man will, ehrlich gesprochen!

Das Vorparlament verschafft der Regierung die "Macht", um "den Sowjets eine Abfuhr zu erteilen", denn das Vorparlament, und nur das Vorparlament, kann den Sowjets "gegenübergestellt" werden.

Jetzt werden wir wissen, dass das Vorparlament nicht zur "Rettung des Landes" ins Leben gerufen worden ist, sondern zum Kampf gegen die Sowjets. Jetzt werden wir wissen, dass die Überläufer aus den Reihen der Demokratie, die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, sich nicht zur "Rettung der Revolution" im Vorparlament verkrochen haben, sondern um der Bourgeoisie im Kampf gegen die Sowjets zu helfen. Nicht umsonst führen sie einen verzweifelten Kampf gegen den Sowjetkongress.

"Wenn das Vorparlament das Examen besteht, dann kann die Arbeit in Fluss kommen", hofft Herr Adshemow.

Die Arbeiter und Soldaten werden alle Maßnahmen treffen, damit die Kornilowsche Fehlgeburt nicht "das Examen besteht", damit ihre schwarze Arbeit" nicht "in Fluss kommt".

"Rabotschi Putj" (Der Arbeiterweg) Nr. 32,
10. Oktober 1917
Artikel ohne Unterschrift.

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