"Stalin"

Werke

Band 3

WAS BRAUCHEN WIR?

Im Februar haben die Soldaten und die Arbeiter den Zaren gestürzt. Allein nach dem Sieg über den Zaren wollten sie nicht die Macht in ihre Hände nehmen. Geführt von schlechten Hirten, den Sozialrevolutionären und den Menschewiki, lieferten die Arbeiter und Soldaten die Macht freiwillig den Vertretern der Gutsbesitzer und Kapitalisten aus: den Miljukow und Lwow, den Gutschkow und Konowalow.

Das war ein verhängnisvoller Fehler der Sieger. Für diesen Fehler müssen jetzt die Soldaten an der Front, die Arbeiter und Bauern im Hinterlande büßen.

Als die Arbeiter den Zaren stürzten, glaubten sie, Brot und Arbeit zu bekommen. Stattdessen "bekamen" sie aber Teuerung und Hungersnot, Aussperrung und Arbeitslosigkeit.

Weshalb?

Weil in der Regierung die Vertreter der Kapitalisten und Spekulanten sitzen, die die Arbeiter durch Aushungerung mürbe machen wollen.

Als die Bauern den Zaren stürzten, glaubten sie, Land zu bekommen. Stattdessen "bekamen" sie aber Verhaftungen ihrer Deputierten und Strafexpeditionen.

Weshalb?

Weil in der Regierung die Vertreter der Gutsherren sitzen, die auf keinen Fall den Bauern das Land abtreten werden.

Als die Soldaten den Zaren stürzten, glaubten sie, Frieden zu bekommen. Stattdessen "bekamen" sie aber einen langwierigen Krieg, den man überdies noch bis zum nächsten Herbst hinziehen will.

Weshalb?

Weil in der Regierung die Handlanger der englisch-französischen Bankiers sitzen, für die eine "schnelle" Beendigung des Krieges unvorteilhaft ist, weil sie aus dem Krieg räuberische Profite ziehen.

Als das Volk den Zaren stürzte, glaubte es, in zwei oder drei Monaten werde die Konstituierende Versammlung einberufen werden. Indessen ist die Einberufung der Konstituierenden Versammlung schon einmal verschoben worden, und die Feinde sind jetzt ganz offen am Werk, sie endgültig zu vereiteln.

Weshalb?

Weil in der Regierung Feinde des Volkes sitzen, für die die rechtzeitige Einberufung der Konstituierenden Versammlung unvorteilhaft ist.

Nach dem Sieg der Februarrevolution blieb die Macht in den Händen der Gutsbesitzer und Kapitalisten, der Bankiers und Spekulanten, der Wucherer und Marodeure. Hierin liegt der verhängnisvolle Fehler der Arbeiter und Soldaten, hier ist die Ursache allen heutigen Übels im Hinterland und an der Front.

Dieser Fehler muss unverzüglich korrigiert werden. Der Augenblick ist gekommen, wo weiteres Zögern die ganze Revolution mit dem Untergang bedroht.

Die gegenwärtige Regierung der Gutsbesitzer und Kapitalisten muss durch eine neue, eine Arbeiter- und Bauernregierung ersetzt werden.

Die gegenwärtige usurpatorische Regierung, die nicht vom Volk gewählt wurde und die dem Volk nicht verantwortlich ist, muss durch eine vom Volk anerkannte, von Vertretern der Arbeiter, Soldaten und Bauern gewählte und diesen Vertretern verantwortliche Regierung ersetzt werden.

Die Regierung Kischkin-Konowalow muss durch eine Regierung der Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten ersetzt werden.

Was im Februar nicht getan wurde, muss jetzt geschehen.

So und nur so können Frieden und Brot, Land und Freiheit errungen werden.

Arbeiter, Soldaten, Bauern, Kosalten, alle Werktätigen!

Wollt ihr, dass an Stelle der gegenwärtigen Regierung der Gutsbesitzer und Kapitalisten eine neue Regierung, eine Arbeiter- und Bauernregierung an die Macht kommt?

Wollt ihr, dass die neue Regierung Rußlands den Forderungen der Bauern entsprechend das Recht der Gutsherren auf den Boden aufhebt und die gesamten Ländereien der Gutsbesitzer ohne Entschädigung den Bauernkomitees übergibt?

Wollt ihr, dass die neue Regierung Rußlands die Geheimverträge des Zaren veröffentlicht, sie für null und nichtig erklärt und allen kriegführenden Völkern einen gerechten Frieden anbietet?

Wollt ihr, dass die neue Regierung Rußlands den Aussperrern und Spekulanten, die Hungersnot und Arbeitslosigkeit, Zerrüttung und Teuerung absichtlich verschärfen, ein für allemal das Handwerk legt?

Wenn ihr das wollt, dann sammelt alle eure Kräfte, erhebt euch wie ein Mann, beruft Versammlungen ein, wählt Delegationen und übermittelt durch sie eure Forderungen dem Sowjetkongress, der morgen im Smolny eröffnet wird.

Wenn ihr alle einmütig und entschlossen vorgeht, wird es niemand wagen, sich dem Willen des Volkes zu widersetzen. Je stärker, organisierter und machtvoller ihr auftretet, umso friedlicher wird die alte Regierung einer neuen Platz machen. Dann wird das ganze Land kühn und entschlossen darangehen, den Völkern Frieden, den Bauern Land, den Hungernden Brot und Arbeit zu erkämpfen.

Die Macht muss an die Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten übergehen.

Es muss eine neue Regierung an die Macht kommen, die von den Sowjets gewählt wird, von den Sowjets abgesetzt werden kann und den Sowjets verantwortlich ist.

Nur eine solche Regierung kann die rechtzeitige Einberufung der Konstituierenden Versammlung sichern.

"Rabotschi Putj" (Der Arbeiterweg)
Nr. 44, 24. Oktober 1917.
Leitartikel

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