"Stalin"

Werke

Band 4

TELEGRAMM AN DAS VOLKSSEKRETARIAT DER
UKRAINISCHEN SOWJETREPUBLIK[8]

Vor fünf Tagen erklärte uns General Hoffmann, die Frist des Waffenstillstandsvertrags[9] sei abgelaufen, und einen Tag später leitete er die Kampfhandlungen ein. Auf das vom Rat der Volkskommissare erklärte Einverständnis mit der Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen wurde noch keine Antwort erteilt. Offensichtlich hat es die deutsche Regierung mit der Antwort nicht eilig, weil sie das Land restlos ausplündern und erst dann die Friedensverhandlungen beginnen will. Die Deutschen haben Dwinsk, Rowno, Minsk, Wolmar, Hapsal eingenommen und stoßen auf Petrograd und Kiew vor. Offensichtlich bezweckt der Feldzug nicht nur Eroberungen, sondern hauptsächlich die Erdrosselung der Revolution und ihrer Errungenschaften.

Der Rat der Volkskommissare hat beschlossen, von Petrograd aus die Gegenwehr zu organisieren und die gesamte Arbeiterbevölkerung, aber auch die Bourgeoisie zu mobilisieren, wobei letztere, falls sie sich weigern sollte, Schützengräben auszuheben, mit Gewalt herangeholt und unter Kontrolle der Arbeiter zum Ausheben von Schützengräben gezwungen wird.

Die allgemeine Meinung der Genossen geht dahin, dass Sie, die Kiewer, verpflichtet sind, ohne eine Minute zu verlieren, westlich Kiew eine ebensolche Gegenwehr zu organisieren, alles Lebensfähige zu mobilisieren, Artillerie in Stellung zu bringen, Schützengräben auszuheben, die Bourgeoisie unter Kontrolle der Arbeiter zu Schützengrabenarbeiten zu treiben, den Belagerungszustand zu verhängen und mit aller Strenge zu verfahren. Die allgemeine Aufgabe ist, Petrograd und Kiew zu halten und die deutschen Banden um jeden Preis zum Stehen zu bringen.

Die Lage ist ernster, als sie Ihnen scheinen könnte - wir zweifeln nicht, dass die deutschen Banden einen Spaziergang bis Petrograd und Kiew machen und erst dort, und nur dort, in diesen Hauptstädten, von Friedensverhandlungen zu reden beginnen wollen. Ich denke, dass Sie den Vertrag der alten Rada mit den Deutschen[10] noch nicht annulliert haben. Wenn dem so ist, dann scheint uns, dass Sie sich damit nicht beeilen sollten.

Noch einmal: Gehen Sie, ohne eine Minute zu verlieren und ohne lange zu reden, ans Werk und zeigen Sie allen, dass die Sowjetmacht fähig ist, sich zu verteidigen.

Unsere ganze Hoffnung ruht auf den Arbeitern, denn die in Demobilisierung befindliche so genannte Armee hat sich nur zur Panik und flucht fähig erwiesen.

Erwarte unverzüglich Antwort.

Im Auftrag des Rates der Volkskommissare J. Stalin

Petrograd,

21. Februar 1918.

Zuerst veröffentlicht in dem Buch:
Dokumente über die Zerschlagung
der deutschen Okkupanten in der Ukraine im Jahre 1918.
Staatsverlag für politische Literatur, 1942.

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