"Stalin"

Werke

Band 4

ZUR LAGE IM KAUKASUS

Vom Volkskommissariat für die Angelegenheiten der Nationalitäten

Die Sonntagszeitungen brachten eine Meldung, wonach Baku und die Apscheronhalbinsel durch die Engländer besetzt seien. Sie lautet:

"Einer Meldung Odessaer Zeitungen zufolge berichten aus Baku eingetroffene Reisende, dass englische Truppen, die aus Mesopotamien über Persien nach dem Kaukasus vorgestoßen sind, vor drei Wochen auf Lastkraftwagen in die Stadt eingerückt seien. Es handle sich um eine zahlenmäßig starke Abteilung, die offensichtlich die Vorhut bildet. Nach einer Version sollen die Engländer Verbindung zu den Kornilowabteilungen aufnehmen. Eine andere Zeitung teilt mit, die Engländer hätten die Apscheronhalbinsel und Baku besetzt, von wo aus sie in Richtung Tiflis, Alexandropol, Sarikamysch, Kars, Erserum vorrückten. 24. Mai."

Das Volkskommissariat für die Angelegenheiten der Nationalitäten sieht sich in diesem Zusammenhang zu der Erklärung veranlasst, dass diese provokatorische Meldung, die noch dazu aus äußerst rätselhaften Quellen herrührt, mit der Wirklichkeit nichts gemein hat. In Baku sind keine englischen Truppenteile aufgetaucht, noch konnten sie dort auftauchen, und zwar schon deswegen nicht, weil das ganze Gouvernement Baku, ja, der ganze Osten Transkaukasiens von Sowjettruppen geschützt wird, die auf den ersten Ruf bereit sind, sich mit einer äußeren Macht zu schlagen, ganz gleich in welcher Uniform diese auch auftreten möge. Nach Mitteilung des außerordentlichen Kommissars Schaumian vom 25. Mai "droht Stadt und Gebiet Baku vorläufig von keiner Seite Gefahr, wenn man von den tatarischen Gutsbesitzern absieht, die dieser Tage einen Überfall auf Adshikabul ausführten und von den Sowjettruppen weit nach Westen zurückgeworfen wurden".

Was die Lage im südlichen Transkaukasien betrifft, so besteht dort wirklich eine Gefahr, aber nicht von Seiten der Engländer, sondern von Seiten der Türken, die an der Eisenbahnlinie Alexandropol-Dshulfa in Richtung auf Täbris vorstoßen, "um den Engländern in Nordpersien Widerstand zu leisten".

Aus diesem Anlass teilt das Mitglied des Transkaukasischen Sejms Kartschikian am 20. Mai folgendes mit:

"Am 13. Mai erhob die Türkei in Batum die Forderung, türkische Truppen auf der Eisenbahnlinie Alexandropol-Dshulfa nach Persien passieren zu lassen, und motivierte dies damit, dass die Engländer von Mossul her andrängten und dass die Türken unbedingt in kürzester Frist Nordpersien besetzen müssten. Die Türkei verlieh ihrer Forderung mit Gewalt Nachdruck und begann am Morgen des 15. mit dem Bombardement Alexandropols. Unsere Truppen wurden überrumpelt, konnten den Angriff nicht zum Stehen bringen und räumten am 16. Alexandropol. Am 17. verlangten die Türken, dass ihren Truppen der freie Durchmarsch nach Dshulfa garantiert werde, und versprachen, die Bevölkerung unbehelligt zu lassen. Andernfalls drohten sie, sich mit Gewalt den Weg zu bahnen. In Anbetracht dessen, dass der Rückzug bei Alexandropol die Truppen vollständig zerrüttet hatte und dass im Falle eines Widerstands die ganze Bevölkerung des Surmaliner und Etschmiadsiner Kreises schrecklichen Leiden ausgesetzt gewesen wäre, sahen wir uns gezwungen, in die Forderung der Türken einzuwilligen. Die ganze Bevölkerung des Alexandropoler Kreises verließ ihre Heimatorte und drängte sich im Gebiet von Bambak-Lori zusammen. Ebenso die Bevölkerung des Surmaliner Kreises. Heute habe ich erfahren, dass sich die Bevölkerung des Achalkalaker Kreises auf den Weg gemacht hat und nach Zalka zieht. Die Delegation in Batum hat wegen des Ultimatums Protest erhoben, aber hieraus keinen Casus belli gemacht und beschlossen, die Verhandlungen fortzusetzen."

Das Volkskommissariat für die Angelegenheiten der Nationalitäten kann all das nicht wiedergeben, ohne dazu festzustellen, dass mit den Lügenmeldungen aus Odessa offensichtlich der Zweck verfolgt wird, die völlig widerrechtliche türkische Invasion, vermittels der man sich der persischen Eisenbahnlinie bemächtigen will, zu bemänteln.

"Prawda" Nr. 104,
28..Nai 1918.

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