"Stalin"

Werke

Band 4

ÜBER DAS DONGEBIET UND DEN NORDKAUKASUS

(Tatsachen und Machenschaften)

Die ukrainische Delegation in Kiew hat auf der ersten Sitzung der Friedenskonferenz[20] erklärt, im Besitz von Erklärungen der "Regierungen" des Dongebiets, des Nordkaukasus und anderer Gebiete zu sein, die ihre Lostrennung von Rußland proklamiert und freundschaftliche Beziehungen zur ukrainisch-deutschen Regierung aufgenommen hätten. "Wir sind nicht gegen Verhandlungen mit den Vertretern der Sowjetmacht", erklärte der Vorsitzende der ukrainischen Delegation, Herr Scheluchin, "aber wir möchten gern wissen, auf welche Gebiete sich die Macht der Russischen Föderation eigentlich erstreckt, denn mir liegen Erklärungen einer ganzen Reihe von Regierungen vor (des Dongebiets, des Nordkaukasus usw.), die nicht länger zu Rußland zu gehören wünschen."

Die Türken und die Deutschen erheben gegen dieses Auftreten der Ukrainer nicht nur keine Einwände, sondern, im Gegenteil, in einer ganzen Reihe von offiziellen Erklärungen steifen sie den erwähnten halblegalen "Regierungen" bei deren Ansprüchen noch den Rücken und klammern sich an sie als an eine formale Handhabe zur "Selbstbestimmung" (d. h. zum Raub) neuer Gebiete ..

Was sind das nun für mysteriöse "Regierungen", woher kommen sie?

Vor allem ist es seltsam, dass als Gönner dieser "Regierungen" und als offizieller Einpeitscher dieser ganzen Kampagne die ukrainische Hetmanregierung auftritt, die selber erst gestern durch die Gnade ... nun, jedenfalls nicht durch die Gnade des Volkes, das Licht der Welt erblickt hat. Mit welchem Recht erlaubt sich eigentlich die ukrainische Delegation einen solchen Ton gegenüber der von den Dutzenden Millionen Einwohnern der Russischen Föderation frei gewählten Sowjetmacht, um die sich, nebenbei gesagt, die breite Schichten erfassenden Gebietssowjets des Don-, Kuban-, Schwarzmeer- und Terekgebiets zusammengeschlossen haben, die von den Millionen Einwohnermassen dieser Gebiete gewählt worden sind? Wie kann im Hinblick auf dies alles die jetzige ukrainische Regierung auch nur irgendwie ins Gewicht fallen, ist sie doch nicht nur nicht vom Volk gewählt, sondern hat sie doch nicht einmal einen durch den Zensus zurechtgestutzten Sejm - und sei es auch nur so etwas wie ein Landtag der oberen Schichten - hinter sich? Außerdem kann man es als erwiesen betrachten, dass, wenn die Friedenskonferenz nicht in Kiew, sondern irgendwo auf neutralem Boden stattfände, die vor kurzem gestürzte Ukrainische Rada es sich nicht nehmen ließe, mit einer Erklärung auf den Plan zu treten, dass ein Vertrag mit der Hetmanregierung für das ukrainische Volk, das dieser Regierung die Anerkennung versagt, nicht bindend sein könne. Dabei würden zwei Fragen auftauchen: 1. Wessen Vollmachten könnte man in diesem Fall als rechtsgültiger anerkennen, die der Hetmanregierung oder die der Ukrainischen Rada? 2. Was könnte dann die jetzige ukrainische Delegation, die alle möglichen "Erklärungen" so sehr schätzt, zu ihrer Rechtfertigung vorbringen?...

Zweitens ist es nicht weniger seltsam, dass Deutschland, das die Erklärung der ukrainischen Delegation unterstützt und im Interesse der "Selbstbestimmung" eifrig mit den Abenteurer"regierungen" des Dons und des Nordkaukasus kokettiert, nicht ein einziges Wort über die Selbstbestimmung des polnischen Posens, des dänischen Schleswig-Holsteins, des französischen Elsass-Lothringens verlauten lässt. Muss erst noch bewiesen werden, dass im Vergleich zu den Massenprotesten der Dänen, Polen und Franzosen besagter Gebiete die abenteuerlichen Erklärungen der in aller Hast zusammengezimmerten und von niemandem anerkannten "Regierungen" des Südens Rußlands jede Bedeutung, jeden Wert, jeden Schein von Anstand verlieren?...

Aber all das sind "Kleinigkeiten". Gehen wir zur Hauptsache über.

Also wie sind die mysteriösen "Regieringen" im Süden Rußlands entstanden?

"Am 21. Oktober 1917", heißt es in einer "Note" der Don,,regierung", "wurde in Wladikawkas ein Vertrag über die Bildung eines neuen föderativen Staates, des Südostbundes, unterzeichnet, dem die Bevölkerung in den Gebieten der Kosakenheere des Dons, des Kubans und Astrachans, die Bergvölker des Nordkaukasus und der Schwarzmeerküste sowie die freien Völker des Südostens Rußlands beigetreten sind."

Fast dasselbe besagt auch ein Funkspruch der Vertreter der nordkaukasischen "Regierung" Tschermojew und Bammatow, der uns am 16. Mai zugestellt wurde.

"Die Völker des Kaukasus haben eine rechtmäßige Nationalversammlung gewählt, die im Mai und September 1917 zusammentrat und die Bildung eines Bundes der Bergvölker des Kaukasus proklamierte", worauf "der Bund der Bergvölker des Kaukasus beschließt, sich von Rußland loszutrennen und einen unabhängigen Staat zu bilden; die Grenzen des neuen Staatsgebiets werden im Norden die bisherigen geographischen Grenzen der Gebiete und Provinzen Daghestans, des Tereks, Stawropols, des Kubans und des Schwarzen Meeres im ehemaligen Russischen Reich sein, im Westen - das Schwarze Meer, im Osten - das Kaspische."

Es stellt sich also heraus, dass sich am Vorabend des Sieges der Oktoberrevolution, durch die die Kerenskiregierung gestürzt wurde, einige mit dieser Regierung verbundene Häuflein von Abenteurern in Wladikawkas versammelten, sich zu "bevollmächtigten" Regierungen erklärten und die Lostrennung des Südens von Rußland verkündeten, wobei sie sich nicht einmal die Mühe machten, die Bevölkerung um ihre Zustimmung zu befragen. Natürlich ist es in einem freien Land wie Rußland niemandem verwehrt, sich separatistischen Träumereien hinzugeben, wobei leicht zu begreifen ist, dass die Sowjetmacht sich auf die abenteuerlichen Erklärungen von Träumern, mit denen die Völker des Südens Rußlands auch nicht das geringste zu tun haben, nicht einlassen konnte und durfte. An einem zweifeln wir nicht: Wenn Deutschland seinen Bürgern dieselbe Freiheit gewährte, die man heutzutage in Rußland genießt, dann würden sich Posen, Elsass-Lothringen, Polen, Kurland, Estland und andere mit einem Netz nationaler Regierungen bedecken, die weit mehr Grund hätten, sich als Regierungen zu bezeichnen, als die von ihren eigenen Völkern vertriebenen und jetzt in der Emigration befindlichen Bogajewski und Krasnow, Bammatow und Tschermojew...

So sind die mysteriösen "Regierungen" im Süden Rußlands entstanden.

In der "Note" der Don"regierung" und dem Funkspruch Tschermojews ist die Rede von der Vergangenheit, vom September und Oktober des Jahres 1917 und von Wladikawkas als Zufluchtsort der abgedankten Generale. Aber seitdem ist ungefähr ein Jahr vergangen. In dieser Zeit haben sich die regionalen Volkssowjets des Don-, des Kuban- Schwarzmeer- und des Terekgebiets gebildet, die Millionen Einwohner, Kosaken und Zugewanderte, Abchasen und Russen, Tschetschenen und Inguschen, Osseten und Kabardiner, Georgier und Armenier um sich vereinigen. Die Bevölkerung dieser Gebiete hat schon seit langem die Sowjetmacht anerkannt und so von dem ihr gewährten Selbstbestimmungsrecht weitgehend Gebrauch gemacht. Und Wladikawkas, die ehemalige Residenz der Karaulow und Bogajewski, der Tschermojew und Bammatow, hat sich schon längst zum Sitz des Tereker Volkssowjets erklärt. Es fragt sich, welche Bedeutung die aus der Mottenkiste hervorgeholten Generale und ihre abenteuerlichen Erklärungen vom Sommer 1917 angesichts dieser allbekannten Tatsachen haben können? Im September und Oktober existierte in Rußland noch die Regierung Kerenskis, die damals gegen die in die Illegalität getriebene bolschewistische Partei, die heute an der Macht ist, Blitz und Donner schleuderte. Wenn die Monate September und Oktober 1917 für die ukrainische Delegation und die deutsche Regierung solch eine sakramentale Bedeutung haben, warum sollten sie dann nicht auch die Überreste der Kerenskiregierung, die zu jener Zeit noch wohlauf war, zur Friedenskonferenz laden, wie sie das mit den Überresten der "Regierung" der Tschermojew und Karaulow tun, die ebenfalls im September und Oktober 1917 noch wohlauf waren?

Oder weiter: Warum ist eigentlich der September 1917 dem April 1918 vorzuziehen, als die Ukrainische Rada, eben dabei, eine Delegation zu Verhandlungen mit der Sowjetmacht zu entsenden, "auf Grund" der deutschen "Auslegung" des Prinzips der Selbstbestimmung der Völker mit einem Stoß in das politische Nichts geschleudert wurde?...

Oder schließlich: Warum wertet man die Erklärung des von den Kosaken vertriebenen Kosakengenerals Krasnow, der Ende 1917 bei Gatschina in die Gefangenschaft der Sowjettruppen geriet und dann von der Sowjetmacht auf Ehrenwort freigelassen wurde - warum wertet man diese Erklärung als "politischen Akt von großer Bedeutung", während man der Erklärung, sagen wir einmal, des Rates der Volkskommissare der Krim, der Hunderttausende russischer und tatarischer Einwohner um sich vereinigt und dreimal auf dem Funkwege die unlösbare Verbundenheit der Krim mit der Russischen Föderation erhärtet hat, keine politische Bedeutung zugesteht?

Warum genießt der von den Kosaken vertriebene General Krasnow den besonderen Schutz der ukrainisch-deutschen Machthaber, während der von der Bevölkerung frei gewählte Rat der Volkskommissare der Krim auf Banditenart erschossen wurde?...

Offensichtlich handelt es sich hier nicht um die Echtheit der "Erklärungen" und nicht um die Massen, die diese "Erklärungen" unterstützen. Noch viel weniger handelt es sich um den Begriff "Selbstbestimmung", der von den offiziellen Räubern barbarisch durch alle Gossen geschleift und verdreht worden ist. Es handelt sich einfach darum, dass die "Erklärungen" für die ukrainisch-deutschen Liebhaber imperialistischer Machenschaften sehr vorteilhaft sind, denn sie verschleiern nach Wunsch Ihr Streben nach Eroberung und Unterjochung neuer Territorien.

Charakteristisch ist, dass von einer ganzen Reihe Delegationen der so genannten Donregierung, die ebenso "gesetzlich" wie die Delegation des Generals Krasnow sind, die Wahl der Ukrainer und Deutschen gerade auf die letzte Delegation gefallen ist, da alle übrigen Delegationen nicht die deutsche "Orientierung" vertraten. Dass die "Regierung" Krasnow-Bogajewski eigens ausgetüftelt und künstlich auf die Beine gebracht worden ist, ist dabei so offenkundig, dass eine ganze Reihe der von Krasnow ernannten Minister (Paramonow, Minister für Volksbildung, und Semjonow, Minister für Landwirtschaft) diese Ernennungen offiziell abgelehnt haben und ihren Verzicht damit begründeten, dass "sie in ihrer Abwesenheit von General Krasnow zu Ministern ernannt wurden". Aber die in Selbstbestimmung machenden Ukrainer und Deutschen stört das offenbar nicht im Geringsten, denn Krasnow kommt ihnen als Deckmantel gerade recht.

Nicht weniger charakteristisch ist, dass der, schon im Januar selig entschlafene, so genannte Südostbund im Mai irgendwo in der Ukraine oder sogar in Konstantinopel plötzlich auferstanden ist, wobei nicht einmal alle Völker des Nordkaukasus wissen, dass die von ihnen längst begrabenen "Regierungen" illegal weiter "existieren", man weiß nicht genau, ob in Konstantinopel oder in Kiew, von wo aus sie sich anschicken, für diese Völker Gesetze zu schreiben. Aber die in Selbstbestimmung machenden Ukrainer und Deutschen stört offenbar auch diese plumpe Machenschaft nicht, denn sie gibt ihnen die Möglichkeit, ihr Schäfchen ins trockene zu bringen.

So ist es um die "Taten" der machtgierigen Abenteurer im Süden Rußlands einerseits und der Urheber der politischen Machenschaften anderseits bestellt.

Welche Stellung beziehen nun die Völker des Südens Rußlands selber zur Frage der Unabhängigkeit, auf die (die Völker) sich die Herren Selbstbestimmer berufen?

Beginnen wir mit dem Don. Schon seit Februar besteht die autonome Sowjetrepublik des Dons, die die gewaltige Mehrheit der Bevölkerung des Gebiets um sich vereinigt. Es ist für niemanden ein Geheimnis, dass auf dem Gebietskongress im April, auf dem über 700 Delegierte versammelt waren, laut und vernehmlich die unlösbare Verbundenheit mit Rußland, von dem die Donrepublik einen autonomen Teil bildet, bekräftigt wurde.

Folgendes sagt das Zentralexekutivkomitee der Donrepublik in seiner Resolution vom 28. Mai zu den Ansprüchen der neugebackenen "Regierung" Krasnow-Bogajewski:

"Das Zentralexekutivkomitee der Sowjetrepublik des Dons setzt den Rat der Volkskommissare und die Friedenskonferenz in Kiew davon in Kenntnis, das es am Don außer dem Zentralexekutivkomitee und seinem Präsidium keine Macht gibt. Jede andere Regierung, die sich als solche erklärt hat oder erklären wird, ist eine Regierung von Staatsverbrechern, die man wegen Hochverrats vors Volksgericht stellen wird. Uns wurde neuerdings mitgeteilt, dass auf der Friedenskonferenz eine Delegation von der Donregierung antritt. Wir als Staatsmacht erklären dem Rat der Volkskommissare und der Friedenskonferenz in Kiew, dass ohne Dokumente der Sowjetmacht der Donrepublik keine Delegierten zur Führung von Friedensverhandlungen zugelassen werden dürfen, und falls es solche gibt, erklären wir, dass es Hochstapler und Usurpatoren sind, die man als Staatsverbrecher vor Gericht stellen wird. Das Zentralexekutivkomitee fordert von der Friedenskonferenz die Entfernung der selbsternannten Delegation der ´Donregierung´, denn sie entbehrt jeder gesetzlichen Grundlage und kann nicht zur Führung von Friedensverhandlungen zugelassen werden.

Vorsitzender des Zentralexekutivkomitees
W. Kowaljow
Sekretär W. Pushilew
(Angenommen am 28. Mai) Zarizyn."

Wenden wir uns dem Kuban zu. Alle kennen die Autonome Sowjetrepublik des Kuban-Schwarzmeergebiets, um die 90 Prozent der Bevölkerung ausnahmslos aller Kreise und Bezirke des Gebiets geeint sind.

Allen ist der mit zahlreichen Delegierten beschickte Kongress des Kuban-Schwarzmeergebiets unter Teilnahme der Tschetschenen und Inguschen bekannt, der im April dieses Jahres unter Vorsitz des Kosaken J. Polujan feierlich die unlösbare Verbundenheit des Gebiets mit Rußland bestätigt und ebenso feierlich die Liebhaber von Abenteuern, vom Schlage der Filimonow und Krasnow, für geächtet erklärt hat. Übrigens zeugen zehntausende unter den Waffen stehende Kubanbewohner, die von Suchum bis Bataisk unter Einsatz ihres Lebens Sowjetrußland verteidigen, beredt genug von den Gefühlen und Sympathien des Kuban und Schwarzmeergebiets. Wir reden schon gar nicht von der Flotte, deren Untergang die Gönner der Krasnow und Filimonow gar nicht erwarten können...

Und schließlich das Terekgebiet. Es ist für niemanden ein Geheimnis, dass am Terek der Tereker regionale Volkssowjet existiert, der alle oder fast alle (95 Prozent) Aule und Stanizas, Dörfer und Ortschaften, von den Städten schon ganz zu schweigen, um sich vereinigt. Schon auf dem ersten Gebietskongress im Januar dieses Jahres sprachen sich ausnahmslos alle Delegierten für die Sowjetmacht und für die unlösbare Verbundenheit mit Rußland aus. Der zweite Kongress im April, der auf breiterer Grundlage organisiert war und mehr Delegierte zählte als der erste, hat die Verbundenheit mit Rußland feierlich bekräftigt und das Gebiet zu einer autonomen Sowjetrepublik der Russischen Föderation erklärt. Der jetzt stattfindende dritte Gebietskongress macht einen Schritt vorwärts, indem er vom Wort zur Tat übergeht und die Bürger zu den Waffen ruft, um den Terek, und nicht nur den Terek, gegen die Anschläge ungebetener Gäste zu verteidigen. Die so genannte Note der so genannten Donregierung redet sehr viel von den "freien Völkern des Südostens", die angeblich nach Lostrennung von Rußland streben. Da wir der Ansicht sind, dass Tatsachen die beste Widerlegung von "Erklärungen" sind, wollen wir die Tatsachen sprechen lassen. Hören wir vor allem die Resolution des Tereker Volkssowjets:

"Dem Tereker Volkssowjet ist aus Telegrammen bekannt geworden, dass Delegierte des Nordkaukasus, die sich in Konstantinopel befinden, die Unabhängigkeit des Nordkaukasus verkündet und entsprechende Noten an die kaiserlich-türkische Regierung und an andere Mächte geschickt haben.

Der Tereker Volkssowjet, bestehend aus den Fraktionen der Tschetschenen, Kabardiner, Osseten, Inguschen, Kosalten und der Zugewanderten, dokumentiert, dass die Völker des Terekgebiets niemals irgend jemand zu dem oben angegebenen Zweck irgendwohin delegiert haben und dass, wenn sich Privatpersonen, die sich jetzt in Konstantinopel aufhalten, als Delegierte der Völker des Terekgebiets ausgeben und im Namen dieser Völker auftreten, dies ihrerseits nichts anderes als Usurpatoren- und Abenteurertum ist.

Der Tereker Volkssowjet bringt seine Verwunderung über die politische Kurzsichtigkeit und Naivität der türkischen Regierung zum Ausdruck, die sich von Gaunern hat irreführen lassen.

Der aus den aufgezählten Fraktionen bestehende Tereker Volkssowjet erklärt, dass die Völker des Terekgebiets einen unabtrennbaren Bestandteil der Russischen Föderativen Republik bilden.

Der Tereker Volkssowjet protestiert dagegen, dass der Nordkaukasus von der transkaukasischen Regierung in die Unabhängigkeitserklärung Transkaukasiens einbezogen wird" (siehe "Narodnaja Wlastj", Organ des Tereker Volkssowjets).

(Die Resolution wurde einstimmig angenommen. 9. Mai.)

Mögen jetzt die von den Usurpatoren und deren Schirmherren verleumdeten Tschetschenen und Inguschen zu Worte kommen. Hier ist die Resolution ihrer Fraktion, um die sich alle oder fast alle Inguschen und Tschetschenen zusammenschließen.

"Die außerordentliche Sitzung der tschetschenisch-inguschischen Fraktion des Tereker Volkssowjets hat nach Erörterung der Mitteilung über die Unabhängigkeitserklärung des Nordkaukasus einstimmig folgende Resolution angenommen: Die Erklärung der Unabhängigkeit des Nordkaukasus ist ein ankerordentlich wichtiger Akt, der mit Wissen und Einverständnis der gesamten daran interessierten Bevölkerung vor sich gehen muss.

Die tschetschenisch-inguschische Fraktion stellt fest, dass das Volk der Tschetschenen und Inguschen keine Delegierten zu irgendwelchen Verhandlungen mit der ottomanischen Delegation in Trapezunt oder mit der ottomanischen Regierung in Konstantinopel entsandt hat und dass die Frage der Unabhängigkeit niemals in irgendwelchen Körperschaften und Versammlungen, die den Willen des tschetschenisch-inguschischen Volkes zum Ausdruck bringen, erörtert worden ist.

Deshalb sieht die tschetschenisch-inguschische Fraktion in Personen, die es wagen, im Namen des Volkes zu sprechen, das sie nicht gewählt hat, Usurpatoren und Volksfeinde.

Die tschetschenisch-inguschische Fraktion erklärt, dass die einzige Rettung aller Bergvölker des Nordkaukasus und der durch die Revolution errungenen Freiheiten in einer engen Vereinigung mit der russischen revolutionären Demokratie liegt.

Dies wird ihnen nicht nur von der angeborenen Freiheitsliebe diktiert, sondern auch von den Wirtschaftsbeziehungen, die den Nordkaukasus und Zentralrußland in den letzten Jahrzehnten zu einem unzerreißbaren Ganzen fest zusammengeschweißt haben."

(Angenommen am 9. Mai. Siehe "Narodnaja Wlastj", Organ des Tereker Volkssowjets.)

Und hier ein Auszug aus der flammenden Rede des Sprechers der Inguschen und Tschetschenen, des Genossen Scheripow, in der Sitzung des Tereker Volkssowjets, die eindeutig genug ist, um allen Vorwürfen gegen die Daghestaner ein Ende zu machen:

"Dank der großen russischen Revolution haben wir diese herrliche Freiheit erhalten, für die sich unsere Ahnen jahrhundertelang geschlagen und sich, auch wenn besiegt, noch gegen die Bajonette geworfen haben. Jetzt, da wir die Garantie des Rechts auf Selbstbestimmung bekommen haben, wird das Volk dieses Recht niemals und niemandem abtreten. Heute reden von der Unabhängigkeit des Nordkaukasus Gutsbesitzer, Fürsten, Provokateure und Spione und alle diejenigen, gegen die Schamil 50 Jahre lang einen Kampf auf Leben und Tod geführt hat. Es gibt einzelne Versuche dieser Volksfeinde, die Unabhängigkeit des Kaukasus zu proklamieren und das Imamat auszurufen. Ich behaupte aber, dass Schamil den Vorfahren dieser Fürsten die Köpfe abgehauen hat und dass er jetzt das gleiche tun würde. Unsere Fraktion, die das Volk der Inguschen und Tschetschenen vertritt, hat in einer außerordentlichen Sitzung ihre Meinung zur Frage der Unabhängigkeitserklärung des Nordkaukasus in der bekannten Resolution zum Ausdruck gebracht." (Siehe oben. Entnommen der "Narodnaja Wlastj".)

Das sind die Tatsachen.

Ist das alles den deutsch-ukrainisch-türkischen Selbstbestimmern bekannt? Natürlich! Denn die Gebietssowjets Südrußlands wirken ganz offen, vor aller Augen, und die Agenten jener Herren lesen unsere Zeitungen aufmerksam genug, um allbekannte Tatsachen nicht zu übersehen.

Worauf läuft dann also die oben erwähnte Erklärung der ukrainischen Delegation über die mysteriösen "Regierungen" hinaus, eine Erklärung, die von den Deutschen und Türken mit Rat und Tat unterstützt wird?

Nur auf eins: die Schein,,regierungen" als Deckmantel für Eroberungen und für die Unterjochung neuer Länder auszunutzen. Die Ukrainische Rada als Deckung benutzend, sind die Deutschen "auf Grund des Brester Friedens" (oh, natürlich!) vorgerückt und haben die Ukraine besetzt. Jetzt aber hat die Ukraine offensichtlich als Kulisse, als Deckmantel ihren Wert verloren, während die Deutschen einen neuen Vormarsch brauchen. Daher die Nachfrage nach einer neuen Kulisse, nach einem neuen Deckmantel. Und da Nachfrage ein Angebot nach sich zieht, haben die Krasnow und Bogajewski, die Tschermojew und Bammatow nicht lange auf sich warten lassen, um ihre Dienste anzubieten. Und es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass in nächster Zeit die Krasnow und Bogajewski, von den Deutschen angeleitet und ausgerüstet, zur "Befreiung" des Dons gegen Rußland marschieren werden, wobei die Deutschen es sich angelegen sein lassen werden, ein übriges Mal dem Brester Vertrag Treue zu schwören. Dasselbe wäre auch vom Kuban, vom Terek usw. zu sagen.

Das ist der springende Punkt!

Die Sowjetmacht würde sich lebendigen Leibes begraben, wenn sie nicht ausnahmslos alle Kräfte zur Abwehr der Eroberer und Unterjocher mobilisierte.

Und das wird sie tun.

Volkskommissar J. Stalin

"Prawda" Nr. 108
1. Juni 1918.

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