"Stalin"

Werke

Band 4

AN DER SÜDFRONT

Unterredung mit einem Mitarbeiter der "Iswestija"

Vor seiner Rückkehr an die Südfront schilderte der Volkskommissar für die Angelegenheiten der Nationalitäten, Genosse Stalin, unserem Mitarbeiter seine Eindrücke über die Lage an der Zarizyner Front.

Vor allem, sagte Genosse Stalin, müssen zwei erfreuliche Erscheinungen festgestellt werden: Erstens sind im rückwärtigen Frontgebiet aus den Reihen der Arbeiter Verwaltungsfunktionäre hervorgegangen, die es nicht nur verstehen, für die Sowjetmacht zu agitieren, sondern auch den Staat auf neuen, kommunistischen Grundlagen aufzubauen, und zweitens ist ein neuer Stamm von Offizieren entstanden, die aus den Reihen der Soldaten hervorgegangen sind, im imperialistischen Krieg praktische Erfahrungen erworben haben und das volle Vertrauen der Soldaten der Roten Armee genießen.

Dank dem Stimmungsumschwung unter der Bevölkerung, die die Notwendigkeit begriffen hat, gegen die konterrevolutionären Banden zu den Waffen zu greifen, nimmt die Mobilmachung einen glänzenden Verlauf.

Bei allen unseren Truppen herrscht feste Disziplin. Die Beziehungen, zwischen Rotarmisten und Kommandeuren lassen nichts zu wünschen übrig

Wie ist es in der Armee um die Verpflegungsfrage bestellt?

Im Grunde genommen gibt es bei uns in der Armee keine solche Frage. Dank dem wohlgeordneten System der Versorgungspunkte, die von den Kampfabschnitten selbst angelegt worden sind, leidet die Front keinen Mangel an Proviant. Gegenwärtig besteht die Tagesration eines Rotarmisten aus zwei Pfund Brot, Fleisch, Kartoffeln und Kohl.

Für den gesamten Proviantnachschub an der Front ist die militärische I Proviantkommission beim Obersten Revolutionären Kriegsrat der Republik zuständig, und diese hat auch die normale Versorgung der Fronttruppen organisiert.

Die Agitation an der Front erfolgt, wie Genosse Stalin sagt, durch Verbreitung der Zeitungen "Soldat Rewoluzii"[28] und "Borba"[29] sowie von Broschüren, Flugblättern usw. Die Truppen sind guter und zuversichtlicher Stimmung.

Ein großer Mangel in der Bekleidung unserer Armee ist das Fehlen einer bestimmten Soldatenuniform. Es wäre wünschenswert, möglichst bald eine neue Soldatenuniform auszuarbeiten und sie unverzüglich an der Front einzuführen.

Das letzte Dekret des Zentralexekutivkomitees über die Belobigung einzelner Rotarmisten und ganzer Truppenteile für Heldentaten durch Verleihung von Ehrenzeichen an die ersteren und von Fahnen an die letzteren ist, wie Genosse Stalin sagt, von gewaltiger Bedeutung.

Schon früher, vor Erlass dieses Dekrets, haben die Truppenteile, die revolutionäre Fahnen erhalten hatten, danach wie die Löwen gekämpft.

Was die Verfassung der uns gegenüberstehenden gegnerischen Truppenteile betrifft, so bestehen 90 Prozent von ihnen aus so genannten Zugewanderten, größtenteils Ukrainern und Offizierfreiwilligen. Die Kosaken hingegen machen nicht mehr als 10 Prozent aus. Ein Vorzug des Gegners ist, dass er über eine mobile Kavallerie verfügt, zu deren Aufstellung bei uns vorläufig erst Ansätze bestehen.

Zum Schluss muss ich sagen, dass, während bei uns ein Zusammenschluss und eine Konsolidierung der Kampfverbände zu verzeichnen sind, beim Gegner eine völlige Zersetzung vor sich geht.

"Iswestija" Nr. 205,
21. September 1918.

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