"Stalin"

Werke

Band 4

BERICHT DER VOM ZK
DER PARTEI UND VOM VERTEIDIGUNGSRAT
EINGESETZTEN KOMMISSION AN GENOSSEN
Lenin ÜBER DIE URSACHEN DES FALLS
VON PERM IM DEZEMBER 1918

DAS GESAMTBILD DER KATASTROPHE

Die Unvermeidlichkeit der Katastrophe trat schon Ende November zutage, als der Gegner eine rasende Offensive auf Kuschwa unternahm, nachdem er die dritte Armee von Nadeshdinski über Werchoturje, Barantschinski, Kyn, Irginski und Roshdestwenski bis ans linke Ufer der Kama halbkreisförmig umfasst und an seinem rechten Flügel eine verstärkte Tätigkeit vorgetäuscht hatte.

Die dritte Armee bestand zu diesem Zeitpunkt aus der 30. Division, der 5. Division, einer Sonderbrigade, einer Sonderabteilung und der 29. Division, insgesamt etwa 35000 Mann Infanterie und Kavallerie, 571 Maschinengewehre und 115 Geschütze (siehe "Stärkemeldung und Quartierliste").

Die Moral und der Kampfgeist der Armee waren infolge der Erschöpfung der Truppen, die ohne Ablösung sechs Monate im Kampf gestanden hatten, in einer jämmerlichen Verfassung. Reserven waren überhaupt nicht vorhanden. Das rückwärtige Gebiet war völlig ungesichert (eine Reihe von Bahndammsprengungen im Rücken der Armee). Die Proviantzufuhr der Armee war dem Zufall überlassen und nicht sichergestellt (gerade in der schwierigsten Zeit des heftigen Ansturms gegen die 29. Division hatten sich die Truppen dieser Division fünf Tage und Nächte lang buchstäblich ohne Brot und andere Lebensmittel geschlagen).

Obwohl die dritte Armee eine Flankenstellung einnahm, war sie gegen eine Umgehung vom Norden nicht gesichert. (Man hatte nicht dafür gesorgt, dass am äußersten linken Flügel der Armee eine Sondergruppe zur Verhinderung einer Umgehung bereitgestellt wurde.) Was den äußersten rechten Flügel anbelangt, so war die benachbarte zweite Armee durch die verschwommene Direktive des Oberbefehlshabers (nach Einnahme von Ishewsk und Wotkinsk sei die zweite Armee nicht in den Kampf zu ziehen, da sie eine neue Verwendung erhalten werde) gefesselt und gezwungen, zehn Tage lang an einer Stelle zu verharren, so dass sie der dritten Armee im kritischsten Moment vor der Übergabe Kuschwas (Ende November) nicht durch einen Vorstoß ihrerseits zu Hilfe kommen konnte.

Also, sich selbst überlassen (im Süden) und gegen Umgehungsoperationen des Gegners nicht gesichert (im Norden), erschöpft und zerrüttet, ohne Reserven und ohne ein einigermaßen gesichertes rückwärtiges Gebiet, schlecht verpflegt (29. Division) und mit miserablem Schuhwerk (30. Division), bei 35 Grad Frost, auseinander gezogen über den gewaltigen Raum von Nadeshdinski bis zum linken Ufer der Kama südlich von Ossa (über 400 Werst), mit einem schwachen und wenig erfahrenen Armeestab, konnte die dritte Armee dem Ansturm der überlegenen frischen Kräfte des Gegners (fünf Divisionen), der noch dazu über ein erfahrenes Kommandeurkorps verfügt, natürlich nicht standhalten.

Am 30. November besetzt der Gegner die Station Wyja und vernichtet, nachdem er unseren linken Flügel vom Zentrum abgeschnitten hat, die 3. Brigade der 29. Division fast bis auf den letzten Mann (nur der Brigadekommandeur, der Stabschef und der Kommissar haben sich gerettet; der Panzerzug Nr. 9 ist in die Hände des Gegners gefallen). Am 1. Dezember besetzt der Gegner die Station Krutoi Log an der Strecke nach Lyswa und erbeutet unseren Panzerzug Nr. 2. Am 3. Dezember besetzt der Gegner das Kuschwa-Werk (Werchoturje und das ganze nördliche Gebiet, das vom Zentrum abgeschnitten ist, werden von unseren Truppen geräumt). Am 7. Dezember besetzt der Gegner Bisser. Am 9. Dezember Lyswa. Vom 12. bis zum 15. Dezember die Stationen Tschussowskaja, Kalino, Seljanka, wobei das 1. sowjetische Marschbataillon zum Gegner übergeht. Am 20. Dezember besetzt der Gegner die Station Waleshnaja. Am 21. Dezember Gori, Mostowaja, wobei das 1. sowjetische Schützenregiment zum Gegner überläuft. Angesichts des allgemeinen Rückzugs unserer Truppen gelangt der Gegner bis vor Motowilicha. In der Nacht vom 24. zum 25. besetzt der Gegner kampflos Penn. Die so genannte artilleristische Verteidigung der Stadt erwies sich als ein sinnloses Unternehmen, das dem Gegner 29 Geschütze einbrachte.

So hat die Armee innerhalb von 20 Tagen bei ihrem ungeordneten Rückzug von Werchoturje bis Perm über 300 Werst zurückgelegt und in diesen Tagen 18000 Kämpfer, Dutzende von Geschützen, Hunderte von Maschinengewehren verloren. (Nach dem Fall von Perm bestand die dritte Armee nur noch aus zwei Divisionen mit 17000 Infanteristen und Kavalleristen - anstatt 35000, mit 323 Maschinengewehren - anstatt 571 und mit 78 Geschützen - anstatt 115. Siehe "Stärkemeldung und Quartierliste".)

Strenggenommen war das kein Rückzug, noch weniger kann es als eine planmäßige Zurücknahme der Truppen auf neue Stellungen bezeichnet werden - es war eine regelrechte chaotische Flucht einer aufs Haupt geschlagenen und völlig demoralisierten Armee mit einem Stab, der unfähig war, die Lage zu übersehen und sich wenigstens irgendwie auf die unausbleibliche Katastrophe einzustellen, der unfähig war, rechtzeitig Maßnahmen zu treffen, um die Armee durch Zurücknahme auf beizeiten vorbereitete Stellungen zu retten, sei es auch um den Preis von Geländeverlust. Das Gejammer des Revolutionären Kriegsrats und des Stabs der dritten Armee, die Katastrophe sei "überraschend" hereingebrochen, beweist nur, dass diese Stellen keine Fühlung mit der Armee hatten, dass ihnen jedes Verständnis für die verhängnisvollen Ereignisse bei Kuschwa und Lyswa abging und dass sie unfähig waren, die Armee zu führen.

Aus allen diesen Umständen erwuchs die beispiellose Kopflosigkeit und Misswirtschaft, die für die völlig ungeordnete Evakuierung einer Reihe von Städten und Ortschaften im Gebiet der dritten Armee, für das schimpfliche Versagen bei der Brückensprengung und der Vernichtung des zurückgelassenen Gutes sowie schließlich für den Schutz der Stadt und ihre so genannte artilleristische Verteidigung charakteristisch waren.

Trotz des Geredes über die Evakuierung, das schon im August begonnen hatte, wurde für die praktische Organisierung der Evakuierung nichts oder fast nichts getan. Niemand, nicht eine einzige Organisation versuchte, das Zentralkollegium, das den Behörden hinderlich war und endlos über den Evakuierungsplan diskutierte, aber nichts, rein gar nichts für die Evakuierung tat (und nicht einmal Inventarlisten "seiner eigenen Frachten" vorbereitete), zur Ordnung zu rufen.

Niemand, nicht eine einzige Stelle hatte versucht, eine wirkliche Kontrolle über die Uraler Eisenbahnverwaltung zu organisieren, die sich in der Bekämpfung der geschickt organisierten Sabotage der Eisenbahnangestellten als verdächtig unbeholfen erwies.

Die am 12. Dezember erfolgte Ernennung des Chefs des Heerestransportwesens Stogow zum Evakuierungschef brachte die Evakuierung um keinen Schritt vorwärts, denn trotz der feierlichen Versicherung Stogows, Perm schnellstens evakuieren zu wollen ("ich hafte mit meinem Kopf - ich evakuiere alles"), hatte er, wie sich herausstellte, weder einen Evakuierungsplan noch den Apparat zur Evakuierung, noch die militärischen Kräfte, um einzelne Institutionen und desorganisierte Truppenteile an dem Versuch einer ungeordneten, eigenmächtigen "Evakuierung" (Wegnahme von Lokomotiven, Waggons und anderem mehr) zu hindern. Und hier die Ergebnisse: Es wurde aller möglicher Plunder, zerbrochene Stühle und anderes Gerümpel, evakuiert, während die fertigen Züge mit den Einrichtungen und Maschinen des Motowilicha-Werkes und der Kamaflottille, die Züge mit verwundeten Soldaten und die Vorräte an raren amerikanischen Achsen sowie hunderte unbeschädigte Lokomotiven und andere Werte nicht evakuiert wurden.

Das Gebietskomitee und der Gebietssowjet, der Revolutionäre Kriegsrat und der Armeestab mussten das alles wissen, aber offenbar haben sie sich in diese Dinge "nicht eingemischt", denn die Untersuchung zeigt, dass diese Stellen die Tätigkeit der Evakuierungsorgane nicht systematisch überwachten.

Das Gerede des Armeestabs über die artilleristische Verteidigung von Perm, das schon im Oktober begonnen hatte, blieb eben Gerede, denn 26 Geschütze (plus drei nicht ganz intakte) wurden mit allen Gespannen ohne einen einzigen Schuss dem Gegner überlassen. Die Untersuchung zeigt folgendes: Wenn sich der Stab die Mühe gemacht hätte zu überprüfen, was der für die Aufstellung der Geschütze verantwortliche Brigadechef unternahm, dann hätte er gesehen, dass es sich bei dem ungeordneten Rückzug der Truppenteile und der allgemeinen Auflösung vor dem Fall von Perm (23. Dezember), als der Brigadechef entgegen dem Befehl die Aufstellung der Geschütze auf den 24. Dezember verschob (dieser Brigadechef lief am 24. Dezember zum Gegner über) - dass in dieser Lage nur von der Rettung der Geschütze selbst die Rede sein konnte, entweder durch ihre Fortschaffung oder wenigstens Unbrauchbarmachung, keinesfalls aber von einer artilleristischen Verteidigung. Nur aus der Fahrlässigkeit und Misswirtschaft des Stabs lässt sich erklären, dass weder das eine noch das andere getan wurde.

Dieselbe Misswirtschaft und mangelnde Umsicht zeigen sich in der Frage der Sprengung der Kamabrücke und der Vernichtung des in Perm zurückgelassenen Gutes. Die Brücke war einige Monate vor dem Fall von Perm unterminiert worden, aber die Unterminierung wurde von niemandem geprüft (niemand wagt zu behaupten, dass die Unterminierung am Tag vor der beabsichtigten Sprengung in voller Ordnung war). Die Sprengung selbst wurde einem "völlig zuverlässigen" Genossen (Medwedew) übertragen, aber niemand wagt zu behaupten, dass die Brückenwache völlig zuverlässig war, dass sie (die Wachmannschaft) bis zur letzten Minute vor der beabsichtigten Sprengung bei Medwedew blieb, dass das Leben Medwedews gegen einen Anschlag weißgardistischer Agenten durch die Wache voll und ganz gesichert war. Deswegen kann nicht festgestellt werden:

1. ob Medwedew wirklich unmittelbar vor der Sprengung von weißgardistischen Agenten getötet wurde, als die Brückenwache "nach allen Seiten" auseinander lief (so wird es von einigen angenommen),

2. ob Medwedew selbst geflohen ist, weil er die Brücke nicht sprengen wollte, oder

3. ob vielleicht Medwedew alles tat, was er konnte, um die Brücke zu sprengen, die Sprengung der Brücke jedoch wegen Beschädigung der Drähte und Unwirksamkeit der Minenfüllungen nicht gelang, möglicherweise, weil der Gegner die Brücke mit Artilleriefeuer belegte, möglicherweise aber auch schon vor dem Beschuss, wobei Medwedew von dem dann herangerückten Gegner getötet worden sein kann.

Weiter, der Revolutionäre Kriegsrat und der Armeestab hatten sich nicht die Mühe gemacht, irgendein Organ oder eine bestimmte Person eindeutig und ausdrücklich dafür verantwortlich zu machen, dass das nicht evakuierte Gut unbrauchbar gemacht wird. Nicht genug damit, die genannten Stellen hatten, wie sich zeigte, nicht einmal einen formellen (schriftlichen) Befehl, die zurückgelassenen Anlagen und Güter unbedingt zu sprengen oder unbrauchbar zu machen. Daraus erklärt sich auch, dass zum größten Teil weniger wertvolles Gut (zum Beispiel Waggons) durch Privatinitiative unbrauchbar gemacht (in Brand gesteckt) wurde, während äußerst wichtiges Gut (Textilwaren, Bekleidung und anderes mehr) unversehrt blieb, wobei einige verantwortliche Leute, "um eine Panik zu verhindern", verboten hatten, das nicht evakuierte Gut in Brand zu stecken und zu sprengen (diese Leute sind nicht ausfindig gemacht worden).

Zu dem Bild des allgemeinen Zerfalls und der Zerrüttung der Armee und des rückwärtigen Gebiets, der Misswirtschaft und Verantwortungslosigkeit der Armee-, Partei- und Sowjetinstitutionen kommt noch das unerhörte, fast überall beobachtete Überlaufen einer ganzen Reihe verantwortlicher Funktionäre auf die Seite des Gegners. Der Leiter der Verteidigungsanlagen Ingenieur Banin und alle seine Mitarbeiter, der Eisenbahningenieur Adrianowski und der gesamte Spezialistenstab der Eisenbahnverwaltung, der Leiter der Abteilung Heerestransportwesen Suchorski und seine Mitarbeiter, der Leiter der Abteilung für Mobilmachung beim Gebiets-Militärkommissariat Bukin und seine Mitarbeiter, der Kommandeur des Wachbataillons Ufimzew und der Chef der Artilleriebrigade Waljushenitsch, der Chef der Abteilung für Sonderformationen Eskin und der Kommandeur des Pionierbataillons mit seinem Gehilfen, die Kommandanten der Bahnhöfe Perm I und Perm II, die ganze Registraturabteilung der Versorgungsverwaltung der Armee und die Hälfte der Mitglieder des Zentralkollegiums - sie alle und viele andere sind in Perm zurückgeblieben und zum Gegner übergelaufen.

Das alles musste zwangsläufig die allgemeine Panik verstärken, die nicht nur die zurückgehenden Truppen erfasste, sondern auch das am Tage vor dem Fall von Perm gebildete Revolutionäre Komitee, das außerstande war, in der Stadt die revolutionäre Ordnung aufrechtzuerhalten, ferner das Militärkommissariat des Gouvernements, das die Verbindung mit den Stadtteilen verloren hatte. Infolgedessen sind zwei Kompanien des Wachbataillons in Penn geblieben, wo sie dann von den Weißen niedergemetzelt wurden, außerdem verloren wir ein Bataillon Schiläufer, das ebenfalls von den Weißen niedergemetzelt wurde. Die von Agenten der Weißen in verschiedenen Stadtteilen geschickt organisierte provokatorische Schießerei (am 23. und 24. Dezember) hat die allgemeine Panik noch verstärkt und verschlimmert.

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DIE DRITTE ARMEE UND DIE RESERVEN

Die unmittelbare Ursache der Niederlage war die Erschöpfung der dritten Armee (ununterbrochene sechsmonatige Kämpfe ohne Ablösung) und das Fehlen auch nur einigermaßen zuverlässiger Reserven. Die dritte Armee, die wie ein dünnes Fädchen auf eine Strecke von 400 Werst auseinander gezogen und der Gefahr der Umgehung vom Norden ausgesetzt war, was sie noch mehr zwang, sich weiter nach Norden auszudehnen, bot dem Gegner das günstigste Objekt für einen Durchbruch an beliebiger Stelle. Das alles sowie das Fehlen von Reserven war dem Revolutionären Kriegsrat der Ostfront und dem der Republik schon im September bekannt (siehe in der "Anlage" die Telegramme der verantwortlichen Funktionäre der dritten Armee mit der Forderung nach "Ablösung", nach "Reserven", mit der Erklärung, dass die Truppen der dritten Armee erschöpft sind, und anderem mehr), aber das Militärische Zentrum schickte entweder keine Reserven oder nur unverwendbare Grüppchen. Anfang Dezember, nach dem Verlust von Kuschwa, werden die Forderungen nach Ablösung und die Hinweise auf die Erschöpfung der Armee besonders häufig. Am 6. Dezember verlangt Laschewitsch (der Armeebefehlshaber) von der Ostfront Reserven, wobei er auf die Hoffnungslosigkeit der Lage verweist, aber Smilga (Ostfront) antwortet, dass "leider keine Verstärkungen kommen werden". Am 11. Dezember erklärt Trifonow, Mitglied des Revolutionären Kriegsrats der dritten Armee, Smilga (Ostfront) in einem Gespräch über die direkte Leitung: "Höchst-wahrscheinlich werden wir in den nächsten Tagen gezwungen sein, Perm zu räumen. Zwei oder drei starke Regimenter werden genügen. Versuchen Sie, diese aus Wjatka oder aus dem nächstliegenden Punkt herauszuziehen." Die Antwort Smilgas (Ostfront) war: "Verstärkungen werden nicht kommen. Der Oberbefehlshaber hat jede Hilfe verweigert." (Siehe "Anlage".) In der Zeit von August bis Dezember sind auf Befehl des Zentrums als Ersatz für die dritte Armee insgesamt 13153 Mann eingetroffen mit 3388 Gewehren, 134 Maschinengewehren, 22 Geschützen und 977 Pferden. Von diesem Ersatz hat sich das 1. Kronstädter Marineregiment (1248 Mann) gefangengegeben, das 11. Sonderbataillon der Marineinfanterie (834 Mann) ist auseinandergelaufen, die 5. Feldbatterie der Festung Kronstadt ist wegen bestialischer Ermordung des Kommandeurs verhaftet worden, die Finnen und Esten (1214 Mann) sind nach dem Westen zurückbeordert worden. Was die vom Zentrum versprochenen 22 Kompanien Ersatz betrifft, so hat es dies Versprechen einfach nicht erfüllt, und die von ihm gleichfalls versprochene 3. Brigade der 7. Division (drei Regimenter) ist erst in den ersten Januartagen in Glasow eingetroffen, als Perm bereits gefallen war. Dabei brauchte man sich mit der Brigade nur bekannt zu machen, um zu sehen, dass sie mit der Roten Armee nichts gemein hatte (ausgesprochen konterrevolutionäre Stimmung, Erbitterung gegen die Sowjetmacht, Vorhandensein einer geschlossenen Gruppe von Kulakenelementen innerhalb der Brigade, Drohungen, "Wjatka auszuliefern", und anderes mehr). Außerdem war die Brigade nicht kampfbereit (im Schießen nicht ausgebildet, der Tross war für den Sommer ausgestattet), die Kommandeure kannten ihre Regimenter nicht, die politische Arbeit war miserabel. Erst nachdem man die Brigade drei bis vier Wochen lang gesäubert und sorgfältig durchgesiebt, sie durch verstärkte Eingliederung von Kommunisten als einfache Rotarmisten gefestigt und aufs intensivste politisch bearbeitet hatte, gelang es, sie Ende Januar zu einer kampffähigen Einheit zu machen (von den drei Regimentern, die die Brigade bilden, wurde das eine am 20. Januar an die Front geschickt, das andere kann nicht vor dem 30. Januar und das dritte nicht vor dem 10. Februar in Marsch gesetzt werden). Von denselben Mängeln im System unseres Ersatzwesens zeugt die Geschichte mit dem 10. Kavallerieregiment und dem 10. Pionierregiment, die im Otschersker Werk lagen (beide Regimenter wurden vom Militärkommissariat des Uralgebiets aufgestellt); das erste von ihnen fiel unseren Truppen in den Rücken, das zweite machte den gleichen Versuch, allerdings ohne Erfolg, da Vorbeugungsmaßnahmen getroffen worden waren.

Die Mängel im System des Ersatzwesens sind durch folgenden Umstand zu erklären. Bis Ende Mai galt für das Ersatzwesen der Roten Armee (wofür das Allrussische Kollegium für das Ersatzwesen zuständig war) der Grundsatz der Freiwilligkeit, wobei die Armee mit Arbeitern aufgefüllt wurde, ferner mit Bauern, die keine fremde Arbeitskraft ausbeuten (siehe "Ausweis" und "Personalkarte", ausgearbeitet vom All-russischen Kollegium für das Ersatzwesen). Nebenbei bemerkt ist die Standhaftigkeit der Formationen aus der Freiwilligenzeit möglicherweise gerade hiermit zu erklären. Nachdem Ende Mai das Allrussische Kollegium aufgelöst und das Ersatzwesen zur Obliegenheit des Allrussischen Obersten Stabs gemacht worden war, verschlechterte sich das Bild. Der Allrussische Oberste Stab übernahm gänzlich das System des Ersatzwesens der Zarenzeit, das heißt, er ließ alle Eingezogenen ohne Berücksichtigung der Vermögensunterschiede in der Roten Armee dienen; hierbei hat sich herausgestellt, dass die in der "Personalkarte" des Allrussischen Kollegiums für das Ersatzwesen enthaltenen Rubriken betreffs der Vermögenslage der Mobilisierten aus der vom Allrussischen Obersten Stab ausgearbeiteten "Personal- und Registrierungskarte" verschwunden sind (siehe die "Personal- und Registrierungskarte" des Allrussischen Obersten Stabs). Zwar erließ der Rat der Volkskommissare am 12. Juni 1918 das erste Dekret über die Mobilmachung von Arbeitern und von Bauern, die keine fremde Arbeitskraft ausbeuten, doch wurde ihm offensichtlich weder in der Praxis des Allrussischen Obersten Stabs noch in dessen Anordnungen, noch in der "Personal- und Registrierungskarte" Rechnung getragen. Hauptsächlich daraus erklärt sich auch, dass im Ergebnis der Arbeit unserer Institutionen für das Ersatzwesen nicht so sehr eine Rote Armee als vielmehr eine "Volksarmee" entstand. Erst Mitte Januar, als die Kommission des Verteidigungsrats das Militärkommissariat des Uralgebiets unter Druck setzte und sich von ihm alle Materialien und Anordnungen des Obersten Stabs über das Formierungsverfahren vorlegen ließ - erst dann bequemte sich der Allrussische Oberste Stab, ernsthaft über das System des Ersatzwesens nachzudenken, worauf er allen Gebiets-Militärkommissariaten telegrafisch folgende Anordnung übermittelte: "Die 14., 15. und 16. Rubrik der Personal- und Registrierungskarte sind mit Angaben über die Parteizugehörigkeit auszufüllen, ferner damit, ob er (der zum Dienst Einberufene) fremde Arbeitskraft ausbeutet und ob er einen allgemeinen Ausbildungslehrgang mitgemacht hat." (Diese telegrafische Anordnung des Obersten Stabs wurde am 18. Januar 1919 gegeben. Siehe "Anlage".) Das geschah aber erst, nachdem 11 Divisionen bereits am 1. Dezember als aufgestellt galten und ein Teil von ihnen, der schon an die Front geschickt worden war, alle Anzeichen einer weißgardistischen Formation gezeigt hatte.

Die Fehler im System des Ersatzwesens wurden noch dadurch vertieft, dass das Gebiets-Militärkommissariat eine erstaunliche Nachlässigkeit bei der Versorgung der aufgestellten Truppen zeigte (miserable Verpflegung, miserable Bekleidung, Fehlen von Badegelegenheiten und anderes mehr. Siehe "Aussagen vor der Parteiuntersuchungskommission des Wjatkaer Komitees") und dass Offiziere ohne jede Überprüfung massenhaft zu Kommandeuren ernannt wurden, die dann nicht selten Truppenteile auf die Seite des Gegners hinüberlockten.

Schließlich hatte der Oberste Stab keine Maßnahmen getroffen, damit die an einem Ort Eingezogenen zur Formierung an einen anderen Ort (in ein anderes Gebiet) geschickt wurden, wodurch die Massenfälle von Fahnenflucht bedeutend eingedämmt worden wären. Wir sprechen schon gar nicht von dem Fehlen einer auch nur einigermaßen befriedigend organisierten politischen Arbeit in der Truppe (Schwäche, Unfähigkeit des Allrussischen Büros der Kommissare).

Es ist vollkommen klar, dass derartige halbweißgardistische Reserven, soweit sie vom Zentrum geschickt wurden (unterwegs lief gewöhnlich schon die Hälfte von ihnen auseinander), für die dritte Armee keine wesentliche Hilfe sein konnten. Und dabei gingen die Erschöpfung und Zerrüttung der Truppen der dritten Armee beim Rückzug so weit, dass die Soldaten sich in ganzen Gruppen in den Schnee warfen und die Kommissare baten, ihnen den Gnadenschuss zu geben: "Wir können uns nicht mehr auf den Beinen halten, geschweige denn gehen, wir sind kaputt, macht Schluss mit uns, Genossen." (Siehe "Aussagen des Divisionskommissars Mratschkowski".)

Schlussfolgerungen

Dem Krieg ohne Reserven muss ein Ende gemacht werden; es gilt, das System der ständigen Reserven in die Praxis einzuführen, denn ohne ständige Reserven ist nicht daran zu denken, die vorhandenen Stellungen zu halten oder Erfolge auszubauen. Ohne ständige Reserven ist eine Katastrophe unvermeidlich.

Aber Reserven können nur dann von Nutzen sein, wenn das alte System der Mobilmachung und des Ersatzwesens, das sich der Oberste Stab zu eigen gemacht hat, von Grund aus geändert und der Oberste Stab selbst in seiner Zusammensetzung erneuert wird.

Vor allem ist es notwendig, unter den Mobilisierten die Bemittelten (Unzuverlässigen) streng von den Minderbemittelten (den für den Rotarmistendienst einzig Tauglichen) zu scheiden.

Zweitens ist es notwendig, dass die an einem Ort Eingezogenen zur Formierung an einen anderen Ort geschickt werden, wobei der Abtransport an die Front nach der Regel vor sich gehen muss: "Je weiter vom heimatlichen Gouvernement, um so besser" (Verzicht auf das Territorialprinzip).

Drittens ist es notwendig, auf die Aufstellung großer, ungefüger Verbände (Divisionen), die für die Verhältnisse des Bürgerkriegs untauglich sind, zu verzichten und die Brigade zur größten Kampfeinheit zu erklären.

Viertens ist es notwendig, die Gebiets-Militärkommissariate unter strenge und ständige Kontrolle zu nehmen (wobei sie zuvor erneuert werden müssen), denn diese Kommissariate rufen durch ihre verbrecherische Nachlässigkeit bei der Unterbringung, Verpflegung und Bekleidung der aufzustellenden Truppen unter den Rotarmisten Empörung (bestenfalls Massenfälle von Fahnenflucht) hervor.

Schließlich ist eine Erneuerung des Allrussischen Büros der Kommissare notwendig, das den Truppenteilen als "Kommissare" grüne Jungen zuteilt, die absolut unfähig sind, eine auch nur einigermaßen befriedigende politische Arbeit zu organisieren.

Die Nichtbeachtung dieser Bedingungen führt dazu, dass unsere Institutionen für das Ersatzwesen nicht so sehr eine Rote Armee als vielmehr eine "Volksarmee" an die Front schicken, wobei sich das Wort "Kommissar" in ein Schimpfwort verwandelt hat.

Insbesondere ist es zur Erhaltung der Kampffähigkeit der dritten Armee absolut notwendig, sie unverzüglich mit Reserven von mindestens drei zuverlässigen Regimentern aufzufüllen.

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DAS SYSTEM DER ARMEEFÜHRUNG UND DIE
DIREKTIVEN DES ZENTRUMS

Der Revolutionäre Kriegsrat der dritten Armee besteht aus zwei Mitgliedern, von denen der eine (Laschewitsch) das Kommando führt; was den anderen (Trifonow) anbetrifft, so ist es einfach nicht gelungen, seine Funktionen oder seine Rolle zu klären: er überwacht nicht die Versorgung, überwacht nicht die Organe für die politische Erziehung der Armee und tut anscheinend überhaupt nichts. Faktisch gibt es gar keinen Revolutionären Kriegsrat.

Der Armeestab ist von seinem Kampfabschnitt isoliert, er hat keine speziellen Vertreter in den Divisionen und Brigaden, die ihn informieren und die genaue Ausführung der Befehle des Armeebefehlshabers durch die Divisions- und Brigadechefs überwachen, der Armeestab gibt sich mit den offiziellen (oft ungenauen) Berichten der Divisions- und Brigadechefs zufrieden, diese haben den Armeestab völlig in der Hand (die Divisions- und Brigadechefs fühlen sich als Feudalfürsten). Daraus erklärt sich, dass der Armeestab von seinem Kampfabschnitt isoliert ist (der Armeestab weiß nichts von der wirklichen Lage im Kampfabschnitt) und dass innerhalb der Armee keine Zentralisierung vorhanden ist (das ewige Gejammer des Armeestabs über die Schwäche an den Nahtstellen zwischen den Kampfeinheiten der Armee). Eine Zentralisierung gibt es weder innerhalb der Armee noch zwischen den Armeen an der Front (der Ostfront). Tatsache ist, dass in der Zeit vom 10. bis Ende November, als die dritte Armee im ungleichen Kampf mit dein Gegner ihr Blut vergoss, die zweite Armee, die an die dritte angrenzt, volle zwei Wochen lang auf der Stelle trat. Indessen ist es klar: Wenn die zweite Armee, die schon am 10. November von der Operation bei Ishewsk-Wotkinsk frei geworden war, vorgerückt wäre (und sie hätte ungehindert vorrücken können, denn damals stand ihr kein oder fast kein Gegner gegenüber), hätte der Gegner eine ernsthafte Operation gegen Perm nicht einmal beginnen können (da das rückwärtige Gebiet des Gegners von der zweiten Armee bedroht war), und die dritte Armee hätte damit Entsatz erhalten.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass das Fehlen einer Koordinierung zwischen der zweiten und der dritten Armee dadurch hervorgerufen wurde, dass der Revolutionäre Kriegsrat der Republik von der Front isoliert ist und die Direktiven des Oberbefehlshabers nicht durchdacht sind.

Der von uns befragte Frontbefehlshaber Kamenew teilte aus diesem Anlass mit:

"Schon vor der Einnahme von Ishewsk und Wotkinsk, es war Anfang November, spätestens am 10., erhielten wir die Direktive, dass die zweite Armee nach Einnahme dieser Punkte an eine andere Front geworfen werden sollte, ohne dass angegeben wurde, wohin eigentlich. Nach einer solchen Direktive konnte die Armee nicht in genügendem Maße ausgenutzt, durfte sie nicht mehr in Feindberührung gebracht werden; es wäre sonst unmöglich gewesen, sie dann aus dem Gefecht herauszuziehen; die Lage war jedoch schwer, und die Armee beschränkte sich auf die Säuberung des Geländes von weißgardistischen Banden. Es bedurfte der Bemühungen Sternbergs und Sokolnikows und ihrer Fahrt nach Serpuchow, um diese Direktive rückgängig zu machen. Hierüber vergingen aber etwa zehn Tage. Somit verlor die Armee zehn Tage und war gezwungen, auf der Stelle zu treten. Die dann erfolgte plötzliche Beorderung des Befehlshabers der II. Armee, Schorins, nach Serpuchow lähmte die zweite Armee, die sich mit der Persönlichkeit Schorins verbunden fühlt, und zwang sie, noch ungefähr fünf Tage auf der Stelle zu treten. Schorin wurde in Serpuchow von Kostjajew empfangen und gefragt, ob er dem Generalstab angehört habe, und als Kostjajew erfuhr, dass das nicht der Fall war, entließ er ihn, indem er erklärte, man hätte ihn zum Gehilfen des Befehlshabers der Südfront ernennen wollen, habe es sich ,aber anders überlegt"´ (siehe "Mitteilungen des Befehlshabers der Ostfront").

Überhaupt muss festgestellt werden, dass der Oberbefehlshaber bei der Erteilung von Direktiven unzulässig leichtsinnig ist. Nach einer Mitteilung Gusjews, des Mitglieds des Revolutionären Kriegsrats der Ostfront (26. Dezember), "hat die Ostfront vor kurzem innerhalb von fünf Tagen drei Telegramme erhalten: 1. Schwerpunkt Orenburg, 2. Schwerpunkt Jekaterinburg, 3. Helft der dritten Armee" (siehe Gusjews Schreiben an das ZK der KPR). Wenn man berücksichtigt, dass die Ausführung einer jeden neuen Direktive eine bestimmte Zeitspanne erfordert, ist es nicht schwer zu verstehen, wie wenig ernst der Revolutionäre Kriegsrat der Republik und der Oberbefehlshaber ihre eigenen Direktiven nahmen.

Es muss bemerkt werden, dass das dritte Mitglied des Revolutionären Kriegsrats der Ostfront, Smilga, sich voll und ganz den Erklärungen der beiden übrigen Mitglieder desselben Revolutionären Kriegsrats, Kamenews und Gusjews, angeschlossen hat. (Siehe "Aussagen Smilgas" vom 5. Januar.)

Schlussfolgerungen

Die Armee kann ohne einen starken Revolutionären Kriegsrat nicht auskommen. Der Revolutionäre Kriegsrat der Armee muss aus mindestens drei Mitgliedern bestehen, von denen der eine die Versorgungsorgane der Armee, der andere die Organe der politischen Erziehung der Armee überwacht und der dritte das Kommando führt. Nur so kann ein richtiges Funktionieren der Armee gesichert werden.

Der Armeestab darf sich nicht auf die offiziellen (nicht selten unrichtigen) Berichte der Divisions- und Brigadechefs beschränken, sondern muss seine eigenen Vertreter - Vertrauensleute - haben, die den Armeestab regelmäßig informieren und die exakte Ausführung der Befehle des Armeebefehlshabers genau überwachen. Nur so lässt sich die Verbindung des Stabs mit der Armee sichern, die faktische Autonomie der Divisionen und Brigaden liquidieren und eine wirkliche Zentralisierung der Armee zustande bringen.

Die Armee kann nicht als eine auf sich selbst gestellte, völlig autonome Einheit operieren, sie ist in ihren Operationen ganz und gar von den Nachbararmeen und vor allem von den Direktiven des Revolutionären Kriegsrats der Republik abhängig: die kampffähigste Armee kann unter sonst gleichen Bedingungen zusammenbrechen, wenn die Direktiven des Zentrums nicht richtig sind und kein wirklicher Kontakt mit den Nachbararmeen vorhanden ist. An den Fronten und vor allem an der Ostfront muss ein System hergestellt werden, das eine strenge Zentralisierung der Operationen der einzelnen Armeen gewährleistet, damit eine bestimmte, ernstlich durchdachte strategische Direktive verwirklicht wird. Die Willkür oder die Unüberlegtheit bei der Festlegung der Direktiven ohne ernstliche Berücksichtigung aller Momente und der hieraus entspringende schnelle Wechsel der Direktiven sowie die Unbestimmtheit der Direktiven selbst, wie es der Revolutionäre Kriegsrat der Republik zulässt, machen eine Führung der Armeen unmöglich, haben eine Vergeudung von Kräften und Zeit zur Folge und desorganisieren die Front. Der Revolutionäre Kriegsrat der Republik muss in eine nur aus wenigen Mitgliedern bestehende, mit den Fronten fest verbundene Gruppe, sagen wir, von fünf Personen, umgewandelt werden (zwei von ihnen sollten Spezialisten sein, der dritte die Zentralverwaltung für Versorgung über-wachen, der vierte den Obersten Stab, der fünfte das Allrussische Büro der Kommissare), die genügend Erfahrung besitzen, um bei der Führung der Armeen keine Willkür und keinen Leichtsinn zu dulden.

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DIE UNGESICHERTE LAGE DES RÜCKWÄRTIGEN
GEBIETS UND DIE TÄTIGKEIT DER PARTEI- UND
SOWJETINSTITUTIONEN

Als Ergebnis der Untersuchung muss festgestellt werden, dass das rückwärtige Gebiet der dritten Armee vollständig zusammengebrochen ist. Die Armee musste an zwei Fronten kämpfen: mit dem Gegner, den sie immerhin sah und kannte, und mit der nicht zu fassenden Bevölkerung im rückwärtigen Gebiet, die unter der Führung weißgardistischer Agenten Sprenganschläge auf die Eisenbahn verübte und alle möglichen Hindernisse bereitete, so dass die Eisenbahn von einem speziellen Panzerzug im rückwärtigen Gebiet der Armee gesichert werden musste. Alle Partei- und Sowjetinstitutionen versichern einhellig, dass die Bevölkerung der Gouvernements Perm und Wjatka "durchweg konterrevolutionär" sei. Das Gebietskomitee und der Gebietssowjet, ebenso auch das Gouvernementsexekutivkomitee und das Gouvernementskomitee von Perm beteuern, dass die Dörfer in dieser Gegend "durchweg Kulakendörfer" seien. Auf unsere Bemerkung, dass es keine durchgängigen Kulakendörfer gibt, dass die Existenz von Kulaken ohne Ausgebeutete undenkbar ist, denn schließlich müssen die Kulaken doch irgendjemand ausbeuten, zuckte man in den erwähnten Institutionen die Achseln und weigerte sich, irgendeine andere Erklärung zu geben. Die weitere, gründlichere Untersuchung hat gezeigt, dass in den Deputiertensowjets unzuverlässige Leute sitzen, dass die Komitees der Dorfarmut sich in den Händen von Kulaken befinden, dass die Parteiorganisationen schwach, unzuverlässig und vom Zentrum isoliert sind, dass die Parteiarbeit vernachlässigt wird; dabei sind die örtlichen Funktionäre bemüht, die allgemeine Schwäche der Partei- und Sowjetinstitutionen durch eine verstärkte Arbeit der Außerordentlichen Kommissionen auszugleichen, die angesichts des allgemeinen Zerfalls der Partei- und Sowjetarbeit zu den einzigen Vertretern der Sowjetmacht in der Provinz geworden sind. Nur durch die jämmerliche Arbeit der Sowjet- und Parteiorganisationen, die nicht die geringste Anleitung vom ZEK (oder vom Volkskommissariat für innere Angelegenheiten) und vom ZK der Partei erhalten, kann die erstaunliche Tatsache erklärt werden, dass das revolutionäre Dekret über die außerordentliche Steuer[53], das ins Dorf einen Keil treiben und die Dorfarmut für die Sowjetmacht aktivieren sollte - dass sich dieses Dekret in den Händen der Kulaken in eine sehr gefährliche Waffe für den Zusammenschluss des Dorfes gegen die Sowjetmacht verwandelt hat (auf Initiative der Kulaken, die in den Komitees der Dorfarmut sitzen, erfolgte die Steuerveranlagung gewöhnlich pro Kopf der Bevölkerung und nicht nach den Vermögensverhältnissen, was die Dorfarmut erbitterte und die Agitation der Kulaken gegen die Steuern und die Sowjetmacht erleichterte). Indessen bestätigen alle Funktionäre ohne Ausnahme, dass die "Missverständnisse" mit der außerordentlichen Steuer eine der Hauptursachen, wenn nicht die einzige Hauptursache für die Konterrevolutionierung des Dorfes gewesen sind. Nichts lässt darauf schließen, dass das Volkskommissariat für innere Angelegenheiten oder das ZEK die laufende Arbeit der Sowjetorganisationen irgendwie leiten (charakteristisch ist, dass die Neuwahlen der Komitees der Dorfarmut in den Gouvernements Perm und Wjatka bis zum 26. Januar noch nicht begonnen hatten). Nichts lässt darauf schließen, dass das ZK die laufende Arbeit der Parteiorganisation irgendwie leitet. Während unseres ganzen Frontaufenthalts konnten wir nur ein einziges Dokument des ZK der Partei ausfindig machen, unterzeichnet von einer "Sekretärin" namens Nowgorodzewa, und zwar über die Versetzung des Genossen Korobowkin von Perm nach Pensa. (Diese Anordnung wurde wegen ihrer augenfälligen Einzweckmäßigkeit nicht ausgeführt.)

Alle diese Umstände haben dazu geführt, dass die Partei- und Sowjetinstitutionen ihrer Stütze im Dorf verlustig gingen, dass sie die Verbindung mit der Dorfarmut verloren und das Schwergewicht auf die Außerordentliche Kommission und auf Repressalien verlegten, unter denen das Dorf stöhnt. Die Außerordentlichen Kommissionen selbst jedoch sind, da ihre Tätigkeit nicht durch eine parallellaufende positive Agitations- und Aufbauarbeit der Partei- und Sowjetinstitutionen ergänzt wurde, zum Schaden des Prestiges der Sowjetmacht in eine ganz außergewöhnliche, isolierte Lage geraten. Eine sachkundig geleitete Partei- und Sowjetpresse hätte die Gebresten unserer Institutionen rechtzeitig aufdecken können, aber die Permer und Wjatkaer Partei- und Sowjetpresse zeichnet sich weder durch sachkundige Gestaltung der Arbeit noch durch Verständnis für die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht aus (man findet darin nichts als hohle Phrasen über die "soziale Welt"revolution; die konkreten Aufgaben der Sowjetmacht im Dorf, die Neuwahlen der Deputiertensowjets der Amtsbezirke, die außerordentliche Steuer, die Ziele des Krieges gegen Koltschak und die übrigen Weißgardisten - an all diesen "prosaischen" Themen geht die Presse stolz vorüber). Genügt nicht schon die Tatsache, dass von den 4766 Funktionären und Mitarbeitern der sowjetischen Institutionen der Stadt Wjatka 4467 die gleichen Posten unter dem Zarismus in der Semstwoverwaltung des Gouvernements innehatten, dass also die alten, zaristischen Semstwoinstitutionen kurzerhand in Sowjetinstitutionen umbenannt wurden (vergessen Sie nicht, dass diese "sowjetischen Funktionäre" unser gesamtes Ledergebiet im Gouvernement Wjatka in der Hand haben). Diese erstaunliche Erscheinung wurde durch unsere Umfrage Mitte Januar aufgedeckt. Haben das Gebietskomitee und der Gebietssowjet, die Lokalzeitungen und die örtlichen Parteifunktionäre von dieser Erscheinung gewusst? Natürlich nicht. Haben das ZK der Partei, das ZEK oder das Volkskommissariat für innere Angelegenheiten davon gewusst? Natürlich nicht. Wie aber kann man vom Zentrum aus leiten, ohne jede Vorstellung von den schlimmsten Gebrechen nicht nur der Provinz überhaupt, sondern namentlich auch unserer Sowjetinstitutionen in der Provinz zu haben?

Schlussfolgerungen

Der wunde Punkt für unsere Armeen ist die ungefestigte Lage des rückwärtigen Gebiets, die hauptsächlich daraus zu erklären ist, dass die Parteiarbeit daniederliegt, dass die Deputiertensowjets es nicht verstehen, die Direktiven des Zentrums zu verwirklichen, dass die örtlichen Außer-ordentlichen Kommissionen sich in einer außergewöhnlichen Lage befinden (fast isoliert sind).

Zur Festigung des rückwärtigen Gebiets ist es notwendig:

1. den örtlichen Parteiorganisationen eine strenge regelmäßige Rechenschaftslegung vor dem ZK zur Pflicht zu machen; den örtlichen Parteiorganisationen regelmäßig Rundschreiben des ZK zugehen zu lassen; beim Zentralorgan eine Presseabteilung zur Anleitung der Parteipresse der Provinz zu organisieren; eine Schule für Parteifunktionäre (hauptsächlich aus den Reihen der Arbeiter) zu schaffen und für richtige Verteilung der Funktionäre zu sorgen. Mit alledem ist ein aus Mitgliedern des ZK zu bildendes Sekretariat des ZK der Partei zu beauftragen;

2. den Zuständigkeitsbereich zwischen dem ZEK und dem Volkskommissariat für innere Angelegenheiten in bezug auf die Leitung der laufenden Arbeit der Deputiertensowjets streng abzugrenzen, die Allrussische Außerordentliche Kommission mit dem Volkskommissariat für innere Angelegenheiten zu verschmelzen (In der Frage der Verschmelzung der Allrussischen Außerordentlichen Kommission mit dem Volkskommissariat für innere Angelegenheiten ist Genosse Dzierzynski abweichender Meinung.) , dem Volkskommissariat für innere Angelegenheiten die Verpflichtung aufzuerlegen, die richtige und rechtzeitige Durchführung der Dekrete und Anordnungen der Zentralmacht durch die Deputiertensowjets zu überwachen; die Deputiertensowjets der Gouvernements zu verpflichten, regelmäßig Rechenschaft vor dem Volkskommissariat für innere Angelegenheiten abzulegen; das Volkskommissariat für innere Angelegenheiten zu verpflichten, die Deputiertensowjets regelmäßig mit den notwendigen Anweisungen zu versehen; bei den "Iswestija WZIK"[54] eine Presseabteilung zur Anleitung der Sowjetpresse in der Provinz zu organisieren;

3. beim Verteidigungsrat eine Kontroll- und Revisionskommission einzusetzen, die die "Mängel im Mechanismus" der Volkskommissariate und der entsprechenden Abteilungen sowohl im Hinterland als auch an der Front zu untersuchen hat.

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DIE VERSORGUNGS- UND EVAKUIERUNGSORGANE

Die Hauptkrankheit in der Versorgung ist der unglaubliche Wirrwarr der Versorgungsorgane und das Fehlen einer Koordinierung zwischen ihnen.

Die Armee und die Permer Bevölkerung wurden durch die folgenden Stellen mit Lebensmitteln versorgt: "Uralversorgung", "Gouvernementsversorgung", "Stadtversorgung", "Kreisversorgung" und "Versorgungsverwaltung der dritten Armee". Dabei hinkte die Versorgung auf beiden Füßen, denn die Armee (die 29. Division) hungerte, die Bevölkerung von Perm und die Motowilichaer Arbeiter darbten, da die Brotausgabe systematisch verringert wurde, bis es schließlich eine Hungerration war (1/4 Pfund).

Die Verworrenheit in der Versorgung der Armee, die damit zu erklären ist, dass die genannten Versorgungsstellen ihre Arbeit nicht koordinieren, wird dadurch vergrößert, dass das Volkskommissariat für Ernährungswesen den Verlust des Gouvernements Perm nicht berücksichtigt und seine Anweisungen für die dritte Armee auch heute noch auf das Gouvernement Perm und andere entfernte Gouvernements und nicht auf das Gouvernement Wjatka ausstellt. Auch muss bemerkt werden, dass das Volkskommissariat für Ernährungswesen den Getreidetransport an die Anlegestellen noch nicht in Angriff genommen und die Hauptverwaltung für Binnenschifffahrt noch nicht mit der Überholung der Dampfer begonnen hat, was für die Zukunft zweifellos zu erheblichen Versorgungskomplikationen zu führen droht.

Die Versorgung der Armee mit Waffen und Munition leidet noch mehr unter dem Wirrwarr der zuständigen Stellen und unter dem Amtsschimmel. Die "Zentralverwaltung für Versorgung", die "Hauptverwaltung für Artillerie", die "Außerordentliche Versorgungskommission", die "Artillerieversorgung der dritten Armee" überschneiden einander immer wieder, wodurch sie eine so lebenswichtige Sache wie die Versorgung hemmen und zugrunde richten. Zur Charakterisierung scheint es uns nicht überflüssig, Auszüge aus einem Telegramm des Befehlshabers der III. Armee an den Frontbefehlshaber (Abschrift an Trotzki), aufgegeben am 17. Dezember 1918, vor dein Fall von Perm, anzuführen:

"Im Telegramm Nr. 3249 teilte der Chef der Heeresversorgung der Ostfront mit, dass das Gebiet Jaroslawl Auftrag zur Auslieferung von sechstausend japanischen Gewehren erhalten habe, wobei, wie es im Telegramm Nr.493 des Stabschefs des Kriegsrats der Republik, Kostjajew, heißt, der Oberbefehlshaber diesen Auftrag bestätigt habe. Vor einem Monat wurde vom Stab der III. Armee ein Abnehmer für die erwähnten Gewehre abkommandiert. Nach seiner Ankunft bei der Gebietsverwaltung für Artillerie in Jaroslawl telegrafierte der Abnehmer, dass man dort von einer Anweisung nichts wisse, da keine Verfügung der Hauptverwaltung für Artillerie vorliege. Der Abnehmer begab sich darauf nach Moskau zur Hauptverwaltung für Artillerie und telegrafierte von dort aus, ohne Genehmigung des Oberbefehlshabers würden keine Gewehre ausgegeben. Gestern erhielten wir ein Telegramm des Abnehmers, dass die Hauptverwaltung für Artillerie die Ausgabe der Gewehre kategorisch verweigert habe, worauf er zurückkam. Im Telegramm Nr.208 teilte der Chef der Heeresversorgung des Revolutionären Kriegsrats mit, dass die Anweisung gegeben worden sei, der Armee sechstausend Gewehre aus den Beständen der II. Armee zu überlassen, und der Befehlshaber der 1I. Armee forderte im Telegramm Nr. 1560, dass dringend ein Abnehmer für die Gewehre nach Ishewsk geschickt werde. Der Abnehmer wurde geschickt, aber in Ishewsk wurden ihm keine Gewehre ausgehändigt, wobei man sich darauf berief, keine Anweisung erhalten zu haben. Im Telegramm Nr. 6542 bat der Befehlshaber der II. Armee und im Telegramm Nr. 6541 der Chef der Heeresversorgung der Ostfront, dem Ishewsker Werk einen Lieferungsauftrag für die erwähnten Gewehre zugehen zu lassen. Bis zum 16. hat das Werk keinen Lieferungsauftrag für die Gewehre erhalten, und nach Informationen des Abnehmers sollen am Montag alle Gewehre aus Ishewsk ins Zentrum abgehen. Auf diese Weise ist die Armee um zehntausend Gewehre gekommen, die sie laut den beiden Anweisungen erhalten sollte. Die Lage der Armee ist bekannt, Ersatz kann ohne die Gewehre nicht an die Front geschickt werden, ohne Ersatz aber schmilzt die Front dahin und zeitigt das Ihnen bekannte Resultat. Der Lieferungsauftrag für Gewehre wurde der Jaroslawler Kreisverwaltung für Artillerie mit Zustimmung des Oberbefehlshabers gegeben, weswegen das Oberkommando der dritten Armee die Hauptverwaltung für Artillerie offiziell der Sabotage anklagt und auf Untersuchung dieser Angelegenheit besteht."

Der im Telegramm dargestellte Sachverhalt wird vom Frontbefehlshaber Kamenew vollinhaltlich bestätigt. (Siehe "Mitteilungen des Frontbefehlshabers".)

Dasselbe Durcheinander und derselbe Wirrwarr der Organe herrschten auf dem Gebiet der Evakuierung. Der Chef der Eisenbahnverwaltung zeigte sich völlig unfähig, die geschickt organisierte Sabotage der Eisenbahner einzudämmen. Die häufigen Eisenbahnunfälle und Stockungen sowie das rätselhafte Verschwinden für die Armee notwendiger Frachten kamen in den schwierigsten Minuten der Evakuierung für die Eisenbahnverwaltung wie Blitze aus heiterem Himmel, wobei sie keine ernsten Maßnahmen zur Verhinderung des Übels unternahm oder zu unternehmen verstand. Das Zentralkollegium "arbeitete", das heißt diskutierte, unternahm aber keine, absolut keine Maßnahmen zur planmäßigen Evakuierung der Frachten. Der Chef des Heerestransportwesens der dritten Armee, der gleichzeitig der Evakuierungschef ist, traf absolut keine Maßnahmen, um die wertvollsten Frachten (die Einrichtungen und Maschinen des Motowilicha-Werkes und anderes mehr) fortzuschaffen. Man hat allerlei Gerümpel abtransportiert, und ausnahmslos alle Organisationen haben sich in die Evakuierung eingemischt, wodurch sich der Prozess der Evakuierung selbst in ein Chaos, in ein Durcheinander verwandelt hat.

Schlussfolgerungen

Zur Verbesserung der Versorgung der Armee ist es notwendig:

1. den Wirrwarr der zentralen Versorgungsstellen der Armee (Zentralverwaltung für Versorgung, Außerordentliche Versorgungskommission, Hauptverwaltung für Artillerie, von denen jede nach ihrem Gutdünken Anordnungen gibt) zu beseitigen und sie in einer Stelle zusammenzufassen, die für die rechtzeitige Erledigung der Anweisungen strengstens verantwortlich ist;

2. die Versorgungsabteilung der Armee zu verpflichten, bei den Divisionen eiserne Proviantbestände für zwei Wochen zu halten;

3. das Volkskommissariat für Ernährungswesen zu verpflichten, die Anweisungen für die Armeen auf die den Armeen am nächsten liegenden Gouvernements und insbesondere die Anweisungen für die dritte Armee (dringend) auf das Gouvernement Wjatka auszustellen;

4. das Volkskommissariat für Ernährungswesen zu verpflichten, unverzüglich den Getreidetransport an die Anlegestellen in Angriff zu nehmen, und die Hauptverwaltung für Binnenschifffahrt, mit der Überholung der Dampfer zu beginnen.

Zur Regelung der Evakuierung ist es notwendig:

1. die örtlichen Zentralkollegien abzuschaffen;

2. beim Obersten Volkswirtschaftsrat ein einheitliches Evakuierungsorgan zu schaffen, das das Verfügungsrecht über das evakuierte Gut erhalten muss;

3. dieses Organ zu verpflichten, zur Evakuierung nötigenfalls besondere Beauftragte in das eine oder andere Gebiet zu schicken, wobei unbedingt Vertreter der Militärbehörde und der Eisenbahnverwaltung des betreffenden Gebiets heranzuziehen sind;

4. für die entsprechenden Eisenbahnverwaltungen und vor allem für die Eisenbahnverwaltung Ural (im Hinblick auf ihre unbefriedigende Zusammensetzung) verantwortliche Beauftragte des Volkskommissariats für Verkehrswesen zu ernennen, die fähig sind, die Eisenbahnspezialisten zu disziplinieren und die Sabotage der Eisenbahnangestellten zu brechen;

5. das Volkskommissariat für Verkehrswesen zu verpflichten, unverzüglich daranzugehen, Lokomotiven und Waggons aus Gebieten, wo sie reichlich vorhanden sind, in die Getreidegebiete zu schicken und die schadhaften Lokomotiven zu reparieren.

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DIE GESAMTVERLUSTE AN MATERIAL
UND MENSCHEN

Es erscheint unmöglich, ein erschöpfendes Bild der Verluste zu rekonstruieren, da eine Reihe von Dokumenten "abhanden gekommen" und eine ganze Reihe in die Angelegenheit verwickelter sowjetischer Funktionäre und Spezialisten zum Gegner übergelaufen ist. Nach vorliegenden Angaben haben wir verloren: 419000 Klafter Brennholz und 2383000 Pud Kohle, Anthrazit, Torf; an Erz und sonstigen Rohstoffen 66800000 Pud; an wichtigen Materialien und Erzeugnissen (Eisenbarren, Aluminium, Zinn, Zink und anderem mehr) 5 Millionen Pud; an Barren, Blöcken und Brammen aus Martin- und Bessemeröfen 6 Millionen Pud; an Eisen und Stahl (Profileisen, Dachblech, Draht, Schienen und anderem mehr) 8 Millionen Pud; an Kochsalz 4 Millionen Pud; an kaustischer und kalzinierter Soda 255000 Pud; an Erdöl und Petroleum 900000 Pud; an Medikamenten für 5 Millionen Rubel; die Materiallager des Motowilicha-Werkes und der Permer Eisenbahnwerkstätten; den Achsenpark der Eisenbahn mit großen Vorräten an amerikanischen Achsen; die Lager der Bezirksverwaltung für Binnenschifffahrt mit Watte, Textilwaren, naphthenischem Rohöl, Nägeln, Wagen und anderem mehr; 65 Waggons Leder; 150 Waggons Lebensmittel der Versorgungsabteilung der Armee; 297 Lokomotiven (davon 86 schadhafte); über 3000 Waggons; ungefähr 20000 Tote, Gefangene und Vermisste, 10 Waggons mit Verwundeten; 37 Geschütze, 250 Maschinengewehre, über 20000 Gewehre, über 10 Millionen Patronen, über 10000 Granaten.

Nicht eingerechnet haben wir das gesamte verlorene Eisenbahnnetz, die wertvollen Anlagen und anderes mehr.

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MASSNAHMEN, DIE ZUR FESTIGUNG DER FRONT
GETROFFEN WURDEN

Bis zum 15. Januar wurden 1200 zuverlässige Infanteristen und Kavalleristen an die Front geschickt, einen Tag später zwei Reiterschwadronen; am 20. wurde das 62. Regiment der 3. Brigade (nach vorheriger sorgfältiger Siebung) abgeschickt. Dank diesen Truppen konnte die Offensive des Gegners zum Stehen. gebracht, in der III. Armee ein Stimmungsumschwung erzielt und unsere bisher erfolgreiche Offensive auf Perm eingeleitet werden. Am 30. Januar wird das 63. Regiment derselben Brigade (nach einmonatiger Säuberung) an die Front gehen. Das 61. Regiment kann nicht vor dem 10. Februar geschickt werden (es bedarf einer besonders sorgfältigen Säuberung). Im Hinblick auf die Schwäche des äußersten linken Hügels, der gegen eine gegnerische Umgehung nicht gesichert ist, wurde das Schiläuferbataillon in Wjatka mit Freiwilligen (insgesamt 1000 Kämpfern) aufgefüllt, mit Schnellfeuerkanonen ausgerüstet und am 28. Januar aus Wjatka in Richtung Tscherdynj in Marsch gesetzt, damit es sich dem äußersten linken Flügel der dritten Armee anschließt. Zur Unterstützung der dritten Armee müssen noch drei zuverlässige Regimenter aus Rußland geschickt werden, um zu erreichen, dass die Lage der Armee wirklich stabilisiert und ihr die Entwicklung ihres Erfolges ermöglicht wird.

Im rückwärtigen Frontgebiet der Armee wird eine durchgreifende Säuberung der Sowjet- und Parteiinstitutionen durchgeführt. In Wjatka und in den Kreisstädten sind revolutionäre Komitees organisiert worden. Die Bildung starker revolutionärer Organisationen im Dorf hat begonnen und wird fortgesetzt. Die gesamte Partei- und Sowjetarbeit wird neu gestaltet. Die militärische Kontrollkörperschaft wurde gesäubert und umgebildet. Die Außerordentliche Kommission des Gouvernements wurde gesäubert und mit neuen Parteifunktionären aufgefüllt. Die Entlastung des Knotenpunkts Wjatka ist in die Wege geleitet. Es ist notwendig, erfahrene Parteifunktionäre herzuschicken und eine langwierige sozialistische Arbeit durchzuführen, damit das Hinterland der dritten Armee gründlich gefestigt wird.

 

Zum Schluss ihres Berichts hält die Kommission es für nötig, noch einmal zu unterstreichen, dass es unbedingt notwendig ist, beim Verteidigungsrat eine Kontroll- und Revisionskommission zur Untersuchung der so genannten "Mängel im Mechanismus" der Volkskommissariate und ihrer Abteilungen im Hinterland und an der Front zu organisieren.

Um die Mängel in der Arbeit im Zentrum und draußen im Lande zu korrigieren, wendet die Sowjetmacht gewöhnlich die Methode an, die Funktionäre, die sich etwas haben zuschulden kommen lassen, zurechtzuweisen und sie zur Verantwortung zu ziehen. Die Kommission erkennt diese Methode als absolut notwendig und völlig zweckmäßig an, hält sie jedoch für ungenügend. Die Mängel in der Arbeit sind nicht nur aus dem Schlendrian, der Nachlässigkeit und dem Fehlen von Verantwortungsgefühl bei einem Teil der Funktionäre, sondern auch aus der Unerfahrenheit des anderen Teils der Funktionäre zu erklären. Die Kommission hat an Ort und Stelle eine ganze Reihe absolut ehrlicher, unermüdlicher, ergebener Funktionäre angetroffen, die jedoch infolge ihrer ungenügenden Erfahrungen eine Reihe von Fehlgriffen in ihrer Arbeit gemacht haben. Besäße die Sowjetmacht einen speziellen Apparat, der die beim Aufbau des sozialistischen Staates gewonnenen Erfahrungen sammelte und sie (die Erfahrungen) den schon vorhandenen jungen Funktionären übermittelte, die vor Eifer brennen, dem Proletariat zu helfen - so würde der Aufbau des sozialistischen Rußlands viel schneller und schmerzloser vor sich gehen. Solch ein Apparat muss die oben erwähnte Kontroll- und Revisionskommission beim Verteidigungsrat sein. Die Tätigkeit dieser Kommission könnte die der Disziplinierung der Funktionäre geltende Arbeit des Zentrums ergänzen.

Die Kommission:

J. Stalin
F. Dzierzynski

31. Januar 1919, Moskau.

Zuerst veröffentlicht in der
"Prawda" Nr. 16,
16. Januar 1935.

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