"Stalin"

Werke

DAS ERGEBNIS VON ZWEI JAHREN

Februar-März 1917

Bürgerliche Revolution in Rußland. Eine Regierung Miljukow-Kerenski. Als herrschende Parteien in den Sowjets die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre. Von 400 bis 500 Mitgliedern des Petrograder Sowjets kaum 40 oder 50 Bolschewiki. Auf der ersten Konferenz der Deputiertensowjets Rußlands[61] erhalten die Bolschewiki mit Mühe und Not 15 bis 20 Prozent der Stimmen. Die Partei der Bolschewiki ist in dieser Periode die schwächste aller sozialistischen Parteien Rußlands. Ihr Organ, die "Prawda"[62], wird überall als "anarchistisch" verleumdet. Ihre Redner, die zum Kampf gegen den imperialistischen Krieg aufrufen, werden von Soldaten und Arbeitern von der Tribüne heruntergeholt. Die berühmten Thesen des Genossen Lenin über die Macht der Sowjets[63] werden von den Deputiertensowjets abgelehnt. Die für die "Vaterlandsverteidigung" eintretenden Parteien sozialpatriotischer Richtung, die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, durchleben eine Periode des vollen Triumphes.

Indessen wirkt sich der nicht enden wollende imperialistische Krieg weiterhin todbringend aus, zersetzt die Industrie, zerstört die Landwirtschaft, zerrüttet das Ernährungswesen und den Verkehr und verschlingt Zehntausende und Hunderttausende neuer Opfer.

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Februar-März 1913

Proletarische Revolution in Rußland. Die bürgerliche Regierung Kerenski-Konowalow ist gestürzt. Macht der Sowjets im Zentrum und draußen im Lande. Liquidierung des imperialistischen Krieges. Übereignung des Grund und Bodens an das Volk. Organisierung der Arbeiterkontrolle. Organisierung der Roten Garde. Missglückter Versuch der Menschewiki und Sozialrevolutionäre, der Konstituierenden Versammlung in Petrograd die "ganze Macht" zu übergeben. Auflösung der Konstituierenden Versammlung und Scheitern der bürgerlichen Restauration. Erfolge der Roten Garde im Süden, im Ural, in Sibirien. Die aufs Haupt geschlagenen Menschewik und Sozialrevolutionäre verziehen sich in die Randgebiete, vereinigen sich dort mit den Konterrevolutionären, schließen ein Bündnis mit dem Imperialismus und erklären Sowjetrußland den Krieg.

In dieser Periode ist die Partei der Bolschewiki die stärkste und geschlossenste aller Parteien in Rußland. Schon auf dem II. Allrussischen Sowjetkongress im Oktober 1917 hat die Partei der Bolschewiki die absolute Stimmenmehrheit (65 bis 70 Prozent). In der Folgezeit verläuft die Entwicklung der Sowjets unentwegt zugunsten der Bolschewiki. Wir meinen nicht nur die Arbeitersowjets, in denen die Bolschewiki insgesamt 90 Prozent ausmachen, und nicht nur die Soldatensowjets, wo 60 bis 70 Prozent der Vertreter Bolschewiki sind, sondern auch die Bauernsowjets, in denen die Bolschewiki die Mehrheit erobert haben.

Aber die Partei der Bolschewiki ist in dieser Periode nicht nur die stärkste, sie ist auch die einzig sozialistische Partei in Rußland, denn die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, die sich damals mit den Tschechoslowaken und Dutow, mit Krasnow und Alexejew, mit den österreichischen und deutschen, den englischen und französischen Imperialisten in trauter Gemeinschaft zusammenfanden, haben vollends jegliches moralische Gewicht unter den proletarischen Schichten Rußlands verloren.

Diese außerordentlich günstige Lage im Innern des Landes wird jedoch durch den Umstand geschwächt und paralysiert, dass Rußland noch keine äußeren Verbündeten hat, dass das sozialistische Rußland eine Insel darstellt, die vom Meer des kriegslüsternen Imperialismus umschlossen ist. Die erschöpften und wundenbedeckten Arbeiter Europas..., aber sie sind vom Krieg in Anspruch genommen und haben keine Zeit, über die Frage der sozialistischen Ordnung in Rußland, über die Wege zur Rettung vor dem Krieg und dergleichen nachzudenken. Und was die "sozialistischen" Parteien Europas betrifft, konnten denn sie, die ihren Degen an die Imperialisten verkauft haben, etwas anderes tun, als die Bolschewiki zu verlästern, diese "Unruhestifter", die die Arbeiter mit ihren "teuer zu stehen kommenden", "gefährlichen Experimenten" "verhetzen"?

Es ist darum kein Wunder, dass sich in dieser Periode in der Partei der Bolschewiki die Tendenz besonders verstärkt, die Basis der proletarischen Revolution zu erweitern, die Arbeiter des Westens (und auch des Ostens) in die revolutionäre Bewegung gegen den Imperialismus hineinzuziehen und dauernde Verbindungen mit den revolutionären Arbeitern aller Länder anzubahnen.

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Februar-März 1919

Weitere Festigung der Sowjetmacht in Rußland. Erweiterung ihrer Territorien. Organisierung der Roten Armee. Erfolge der Roten Armee im Süden, Norden, Westen, Osten. Entstehung von Sowjetrepubliken in Estland, Lettland, Litauen, Bjelorußland, in der Ukraine. Zerschlagung des österreichischen und des deutschen Imperialismus und proletarische Revolution in Deutschland, in Österreich, in Ungarn. Regierung Scheidemann-Ebert und deutsche Nationalversammlung. Räterepublik in Bayern. Politische Streiks in ganz Deutschland unter der Losung "Alle Macht den Räten", "Nieder mit Ebert und Scheidemann!" Streiks und Arbeiterräte in England, Frankreich, Italien. Zersetzung der alten Armee in den Ententeländern und Entstehung von Soldaten- und Matrosenräten. Das Sowjetsystem wird zur Universalform der proletarischen Diktatur. Verstärkung der linken, kommunistischen Elemente in den Ländern Europas und Entstehung kommunistischer Parteien in Deutschland, Österreich, Ungarn, der Schweiz. Verbindung zwischen ihnen und Koordinierung der Aktionen. Zerfall der 11. Internationale. Internationale Konferenz revolutionärer sozialistischer Parteien in Moskau[64] und Gründung eines gemeinsamen Kampforgans der kämpfenden Arbeiter aller Länder, der III., der Kommunistischen Internationale. Ende der Isoliertheit der proletarischen Revolution in Rußland: Rußland hat jetzt Verbündete. Der imperialistische "Völkerbund" in Paris und die ihm helfende sozial-patriotische Konferenz in Bern, die bemüht sind, die europäischen Arbeiter vor der "bolschewistischen Seuche" zu bewahren, erreichen ihr Ziel nicht: Sowjetrußland musste unvermeidlich zum Bannerträger der proletarischen Weltrevolution, zum Mittelpunkt für die Konzentration der fortgeschrittenen revolutionären Kräfte des Westens und des Ostens werden und wurde es auch wirklich. Der Bolschewismus verwandelt sich aus einem "rein russischen Erzeugnis" in eine achtunggebietende internationale Macht, die die Grundfesten des Weltimperialismus erschüttert.

Das geben jetzt sogar die Menschewiki zu, die, nachdem sie die Konstituante "aufgegeben" und ihre "Armee" verloren haben, nach und nach ins Lager der Sowjetrepublik herüberwechseln.

Das leugnen jetzt nicht einmal die rechten Sozialrevolutionäre, die, nachdem sie die Konstituante an die Koltschak und Dutow verspielt haben, gezwungen sind, sich in das Land der Sowjets zu retten.

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Zusammenfassung

Die Erfahrung des zweijährigen Kampfes des Proletariats hat voll und ganz bestätigt, was die Bolschewiki vorausgesehen haben: den Zusammenbruch des Imperialismus und die Unvermeidlichkeit der proletarischen Weltrevolution, die Fäulnis der rechts "sozialistischen" Parteien und die Zersetzung der II. Internationale, die internationale Bedeutung des Sowjetsystems und das konterrevolutionäre Wesen der Losung von der Konstituierenden Versammlung, die Weltbedeutung des Bolschewismus und die Unvermeidlichkeit der Schaffung einer III., kämpferischen Internationale.

"Shisn Nazionalnostej"
(Das Leben der Nationalitäten) Nr. 8,
9. März 1919.
Unterschrift: J. Stalin.

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