"Stalin"

Werke

Lenin ALS ORGANISATOR UND FÜHRER DER KPR

Es gibt zwei Gruppen von Marxisten. Beide arbeiten unter der Fahne des Marxismus, beide halten sich für "wahrhaft" marxistisch. Und doch sind sie bei weitem nicht identisch. Mehr noch: Zwischen ihnen liegt ein ganzer Abgrund, denn ihre Arbeitsmethoden stehen in diametralem Gegensatz zueinander.

Die eine Gruppe pflegt sich auf die äußerliche Anerkennung des Marxismus, auf seine feierliche Verkündung zu beschränken. Da sie nicht fähig oder nicht willens ist, in das Wesen des Marxismus einzudringen, da sie nicht fähig oder nicht willens ist, ihn in die Tat umzusetzen, verwandelt sie die lebendigen und revolutionären Leitsätze des Marxismus in tote, nichts sagende Formeln. Sie gründet ihre Tätigkeit nicht auf die Erfahrung, nicht auf die Berücksichtigung der praktischen Arbeit, sondern auf Marx-Zitate. Sie schöpft Weisungen und Direktiven nicht aus der Analyse der lebendigen Wirklichkeit, sondern aus Analogien und historischen Parallelen. Zwiespalt zwischen Wort und Tat - das ist die Hauptkrankheit dieser Gruppe. Daher die Enttäuschungen und die ewige Unzufriedenheit mit dem Schicksal, von dem sie immer wieder zum Besten gehalten, "genasführt" wird. Der Name dieser Gruppe ist Menschewismus (in Rußland), Opportunismus (in Europa). Genosse Tyszko (Jogiches) hat diese Gruppe auf dem Londoner Parteitag[88] recht treffend charakterisiert, als er sagte, sie stehe nicht, sondern liege auf dem Standpunkt des Marxismus.

Die andere Gruppe verlegt dagegen das Schwergewicht der Sache von der äußerlichen Anerkennung des Marxismus auf seine Durchführung, auf seine Umsetzung in die Tat. Der Situation entsprechende Wege und Mittel zur Verwirklichung des Marxismus festzulegen, diese Wege und Mittel zu ändern, wenn die Situation sich ändert - das ist es, worauf diese Gruppe hauptsächlich ihre Aufmerksamkeit richtet. Diese Gruppe schöpft ihre Direktiven und Weisungen nicht aus historischen Analogien und Parallelen, sondern aus dem Studium der sie umgebenden Verhältnisse. Sie stützt sich in ihrer Tätigkeit nicht auf Zitate und Aussprüche, sondern auf die praktische Erfahrung, indem sie jeden ihrer Schritte an Hand der Erfahrung prüft, aus ihren Fehlern lernt und andere lehrt, das neue Leben aufzubauen. Eben dadurch erklärt es sich auch, dass es in der Tätigkeit dieser Gruppe keinen Zwiespalt zwischen Wort und Tat gibt und dass die Marxsche Lehre ihre lebendige revolutionäre Kraft in vollem Umfang bewahrt. Auf diese Gruppe passen durchaus die Worte von Marx, dass die Marxisten nicht dabei haltmachen können, die Welt zu interpretieren, sondern weitergehen müssen, um sie zu verändern[89]. Der Name dieser Gruppe ist Bolschewismus, Kommunismus.

Der Organisator und Führer dieser Gruppe ist W.I. Lenin .

I
Lenin ALS ORGANISATOR
DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI RUSSLANDS

Die Bildung der proletarischen Partei erfolgte in Rußland unter besonderen Bedingungen, verschieden von den Bedingungen, wie sie im Westen zu der Zeit bestanden, als dort die Arbeiterpartei gegründet wurde. Während im Westen - in Frankreich, in Deutschland - die Arbeiterpartei zu einer Zeit, da Gewerkschaften und Parteien legal existierten, aus den Gewerkschaften hervorgegangen war, und zwar in einer auf die bürgerliche Revolution folgenden Situation, als ein bürgerliches Parlament bestand, als die zur Macht gelangte Bourgeoisie dem Proletariat von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand - vollzog sich hingegen in Rußland die Bildung der proletarischen Partei unter dem brutalsten Absolutismus, als die bürgerlich-demokratische Revolution erst im Anzug war, als einerseits die Parteiorganisationen von bürgerlichen "legal-marxistischen" Elementen überflutet wurden, die darauf ausgingen, die Arbeiterklasse für die bürgerliche Revolution auszunutzen, während anderseits die besten Parteifunktionäre durch die zaristische Gendarmerie den Reihen der Partei entrissen wurden. Indessen forderte das Anwachsen der spontanen revolutionären Bewegung einen standhaften, zusammengeschweißten und genügend konspirativen kampffähigen Kern von Revolutionären, der imstande wäre, die Bewegung auf den Sturz des Absolutismus zu lenken.

Die Aufgabe bestand darin, die Schafe von den Böcken zu sondern, eine Trennungslinie zwischen sich und den fremden Elementen zu ziehen, allerorts Kader von erfahrenen Revolutionären zu organisieren, ihnen ein klares Programm und eine feste Taktik zu geben, und schließlich diese Kader in einer einheitlichen Kampforganisation von Berufsrevolutionären zusammenzufassen, die konspirativ genug wäre, um den Überfällen der Gendarmerie standzuhalten, gleichzeitig aber mit den Massen hinreichend verbunden wäre, um sie im geeigneten Moment in den Kampf zu führen.

Die Menschewiki, dieselben, die auf dem Standpunkt des Marxismus "liegen", hatten dafür eine einfache Lösung: Da die Arbeiterpartei im Westen aus parteilosen Gewerkschaften hervorgegangen ist, die für die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiterklasse kämpfen, solle man in Rußland nach Möglichkeit dasselbe tun, das heißt sich einstweilen auf den "wirtschaftlichen Kampf der Arbeiter gegen Unternehmer und Regierung" in den einzelnen Orten beschränken, ohne eine gesamtrussische Kampforganisation zu schaffen, und später einmal... später, wenn bis dahin keine Gewerkschaften entstanden sein sollten, einen parteilosen Arbeiterkongress einberufen und ihn zur Partei erklären.

Dass dieser "marxistische" "Plan" der Menschewiki, so utopisch er für die russischen Verhältnisse auch war, dennoch eine umfassende Agitationsarbeit voraussetzte, darauf berechnet, den Parteigedanken herabzusetzen, die Parteikader zu vernichten, das Proletariat ohne seine eigene Partei zu belassen und die Arbeiterklasse bedingungslos den Liberalen auszuliefern - das haben damals die Menschewiki, und wohl auch viele Bolschewiki, kaum geahnt.

Das gewaltige Verdienst Lenin s um das russische Proletariat und seine Partei besteht darin, dass er die ganze Gefahr, die der menschewistische Organisations"plan" in sich barg, schon in dem Augenblick aufdeckte, als der "Plan" eben im Werden begriffen war, als sich die Urheber des "Plans" selbst nur mit Mühe seine Umrisse klar vorstellen konnten, und dass er nach der Enthüllung dieses "Plans" eine heftige Attacke gegen die organisatorische Verlotterung der Menschewiki eröffnete, wobei er die ganze Aufmerksamkeit der Praktiker auf diese Frage konzentrierte. Denn es ging um die Existenz der Partei, um Leben oder Tod der Partei.

Eine gesamtrussische politische Zeitung als Mittelpunkt für die Zusammenfassung der Parteikräfte zu gründen, standhafte Parteikader in den einzelnen Orten als "reguläre Truppenteile" der Partei zu organisieren, diese Kader mit Hilfe der Zeitung zu sammeln und in einer gesamtrussischen Kampfpartei mit scharf umrissenen Grenzen, mit einem klaren Programm, mit einer festen Taktik und einem einheitlichen Willen zusammenzuschließen - das war der Plan, den Lenin in seinen berühmten Schriften "Was tun?"[90] (Lenin /1902/wastun/" target="_blank">Externer Link: Lenin ´s "Was tun") und "Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück"[91] entwickelte. Der Vorzug dieses Plans bestand darin, dass er der russischen Wirklichkeit völlig entsprach und die organisatorischen Erfahrungen der besten Praktiker meisterhaft verallgemeinerte. Im Kampf für diesen Plan folgte die Mehrheit der russischen Praktiker entschlossen Lenin , ohne vor der Spaltung zurückzuschrecken. Der Sieg dieses Plans legte das Fundament jener fest gefügten und gestählten kommunistischen Partei, die in der Welt nicht ihresgleichen hat.

Nicht selten beschuldigten unsere Genossen (nicht nur die Menschewiki!) Lenin der übermäßigen Neigung zur Polemik und Spaltung, des unversöhnlichen Kampfes gegen Versöhnler und andere. Zweifellos gab es seinerzeit sowohl das eine als auch das andere. Es ist aber nicht schwer, zu begreifen, dass unsere Partei die innere Schwäche und Verschwommenheit nicht hätte überwinden und die ihr eigene Kraft und Festigkeit nicht hätte erlangen können, wenn sie die nichtproletarischen, opportunistischen Elemente aus ihren Reihen nicht verjagt hätte. In der Epoche der Herrschaft der Bourgeoisie kann die proletarische Partei nur in dem Maße wachsen und erstarken, in dem sie den Kampf gegen die opportunistischen, antirevolutionären und parteifeindlichen Elemente in ihrer Mitte und in der Arbeiterklasse führt. Lassalle hatte recht, als er sagte, "dass sich eine Partei stärkt, indem sie sich purifiziert"[92].

Die Ankläger pflegten sich auf die deutsche Partei zu berufen, in der damals die "Einheit" in Blüte stand. Aber erstens ist nicht jede Einheit ein Zeichen der Stärke, zweitens genügt heute ein Blick auf die frühere deutsche Partei, die in drei Parteien[93] zerrissen ist, um zu begreifen, wie unecht und fiktiv diese "Einheit" zwischen Scheidemann und Noske einerseits und Liebknecht und Luxemburg anderseits war. Und wer weiß, ob es für das deutsche Proletariat nicht besser gewesen wäre, wenn sich die revolutionären Elemente der deutschen Partei rechtzeitig von deren antirevolutionären Elementen getrennt hätten ... Nein, Lenin hatte tausendmal recht, als er die Partei den Weg des unversöhnlichen Kampfes gegen die parteifeindlichen und antirevolutionären Elemente führte. Denn nur infolge einer solchen Organisationspolitik vermochte unsere Partei jene innere Einheit und erstaunliche Geschlossenheit zu erlangen, die sie befähigte, die Julikrise unter Kerenski unversehrt zu überstehen, den Oktoberaufstand aus eigener Kraft durchzuführen, aus der Krise der Brester Periode ohne Erschütterungen hervorzugehen, den Sieg über die Entente zu organisieren und schließlich jene beispiellose Elastizität zu erreichen, die es ihr ermöglicht, in einem beliebigen Moment ihre Reihen umzugruppieren und Hunderttausende ihrer Mitglieder auf jede beliebige große Arbeit zu konzentrieren, ohne Verwirrung in ihre Reihen zu tragen.

II
Lenin ALS FÜHRER
DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI RUSSLANDS

Aber die organisatorischen Vorzüge der Kommunistischen Partei Rußlands sind nur die eine Seite der Frage. Die Partei hätte nicht so rasch wachsen und erstarken können, wenn der politische Inhalt ihrer Arbeit, ihr Programm und ihre Taktik nicht der russischen Wirklichkeit entsprochen, wenn ihre Losungen nicht die Arbeitermassen entflammt und nicht die revolutionäre Bewegung vorwärtsgetrieben hätten. Zu dieser Seite der Frage gehen wir jetzt über.

Die russische bürgerlich-demokratische Revolution (1905) vollzog sich unter Bedingungen, die sich von den Bedingungen zur Zeit der revolutionären Umwälzungen im Westen, zum Beispiel in Frankreich und Deutschland, unterschieden. Während sich die Revolution im Westen unter den Bedingungen der Manufakturperiode des Kapitalismus und des unentwickelten Klassenkampfs abspielte, als das Proletariat noch schwach und gering an Zahl war und keine eigene Partei besaß, die seine Forderungen formulieren konnte, die Bourgeoisie aber hinreichend revolutionär war, um bei den Arbeitern und Bauern Vertrauen zu erwecken und sie in den Kampf gegen die Aristokratie zu führen - begann hingegen in Rußland die Revolution (1905) unter den Bedingungen der Maschinenperiode des Kapitalismus und des entwickelten Klassenkampfs, als das verhältnismäßig zahlreiche und vom Kapitalismus zusammengeschweißte russische Proletariat schon eine Reihe von Kämpfen mit der Bourgeoisie hinter sich hatte, seine eigene Partei besaß, die geschlossener als die der Bourgeoisie war, und seine eigenen Klassenforderungen aufstellte, die russische Bourgeoisie aber, die überdies von Regierungsaufträgen lebte, durch den revolutionären Geist des Proletariats genügend in Schrecken versetzt war, um nach einem Bündnis mit der Regierung und den Gutsbesitzern gegen die Arbeiter und Bauern zu streben. Die Tatsache, dass die russische Revolution als Folge der militärischen Schlappen auf den Schlachtfeldern der Mandschurei ausbrach - diese Tatsache hat die Ereignisse nur beschleunigt, ohne jedoch am Wesen der Sache etwas zu ändern.

Die Situation erforderte, dass sich das Proletariat an die Spitze der Revolution stellte, die revolutionäre Bauernschaft um sich sammelte und einen entschlossenen Kampf gleichzeitig gegen den Zarismus und gegen die Bourgeoisie führte, um die volle Demokratisierung des Landes zu erreichen und seine eigenen Klasseninteressen zu sichern.

Die Menschewiki aber, dieselben, die auf dem Standpunkt des Marxismus "liegen", lösten die Frage auf ihre Art: Da die russische Revolution eine bürgerliche sei und in bürgerlichen Revolutionen die Vertreter der Bourgeoisie die Führung hätten (siehe die "Geschichte" der französischen und der deutschen Revolution), so könne das Proletariat nicht der Hegemon der russischen Revolution sein, die Führung müsse der russischen Bourgeoisie (derselben, die die Revolution verrät) überlassen werden, die Bauernschaft müsse ebenfalls unter die Vormundschaft der Bourgeoisie gestellt werden, das Proletariat aber müsse in der Stellung der äußersten linken Opposition verharren.

Und diese abgeschmackte alte Leier schäbiger Liberaler wurde von den Menschewiki als das letzte Wort des "wahren" Marxismus hingestellt!...

Das gewaltige Verdienst Lenin s um die russische Revolution besteht darin, dass er die Hohlheit der historischen Parallelen der Menschewiki und die ganze Gefährlichkeit des menschewistischen "Revolutionsschemas", das die Sache der Arbeiter bedingungslos der Bourgeoisie preisgibt, bis auf den Grund bloßgelegt hat. Revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft an Stelle der Diktatur der Bourgeoisie, Boykott der Bulyginschen Duma[94] und bewaffneter Aufstand an Stelle der Teilnahme an der Duma und organischer Mitarbeit in der Duma, die Idee des "linken Blocks", als die Duma dennoch zustande kam, und Ausnutzung der Dumatribüne für den außerparlamentarischen Kampf an Stelle eines Kadettenministeriums und reaktionären "Behütens" der Duma, Kampf gegen die Kadettenpartei als konterrevolutionäre Kraft an Stelle eines Blocks mit ihr - das war der taktische Plan, den Lenin in seinen berühmten Broschüren "Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution"[95] und "Der Sieg der Kadetten und die Aufgaben der Arbeiterpartei"[96] entwickelte.

Der Vorzug dieses Planes bestand darin, dass er durch direkte und entschiedene Formulierung der Klassenforderungen des Proletariats in der Epoche der bürgerlich-demokratischen Revolution in Rußland den Obergang zur sozialistischen Revolution erleichterte und dass er die Idee der Diktatur des Proletariats in Keimform enthielt. Im Kampf für diesen taktischen Plan folgte die Mehrheit der russischen Praktiker entschlossen und unbeirrt Lenin . Der Sieg dieses Planes legte das Fundament jener revolutionären Taktik, dank der unsere Partei heute die Grundfesten des Weltimperialismus erschüttert.

Die weitere Entwicklung der Ereignisse, der vierjährige imperialistische Krieg und die Erschütterung der ganzen Volkswirtschaft, die Februarrevolution und die berühmte Doppelherrschaft, die Provisorische Regierung als Herd der bürgerlichen Konterrevolution und der Petersburger Deputiertensowjet als Form der aufkeimenden proletarischen Diktatur, der Oktoberumsturz und die Auseinanderjagung der Konstituante, die Beseitigung des bürgerlichen Parlamentarismus und die Proklamierung der Sowjetrepublik, die Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg und das Vorgehen des Weltimperialismus -in trauter Gemeinschaft mit den "Marxisten" in Worten - gegen die proletarische Revolution, schließlich die jämmerliche Lage der Menschewiki, die sich an die Konstituante klammerten, vom Proletariat über Bord geworfen und von der Welle der Revolution an das Ufer des Kapitalismus gespült wurden - das alles bestätigte nur die Richtigkeit der Grundlagen der revolutionären Taktik, die Lenin in seinen "Zwei Taktiken" formuliert hat. Im Besitz eines solchen Erbes konnte die Partei mutig vorwärts steuern, ohne Klippen fürchten zu müssen.


In unserer Zeit, der Zeit der proletarischen Revolution, da jede Losung der Partei und jeder Satz eines Führers durch die Praxis erprobt werden, stellt das Proletariat an seine Führer besondere Anforderungen. Die Geschichte kennt proletarische Führer, Führer in Sturmzeiten, Männer der Praxis, selbstlos und mutig, aber schwach in der Theorie. Die Massen vergessen nicht sobald die Namen solcher Führer. Zu ihnen gehörten zum Beispiel Lassalle in Deutschland, Blanqui in Frankreich. Aber die Bewegung in ihrer Gesamtheit kann nicht nur von Erinnerungen leben: sie braucht ein klares Ziel (Programm) und eine feste Linie (Taktik).

Es gibt auch eine andere Art Führer, Führer in Friedenszeiten, stark in der Theorie, aber schwach in den Fragen der Organisation und der praktischen Arbeit. Solche Führer sind nur in der Oberschicht des Proletariats populär, und auch dort nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Mit dem Anbruch einer revolutionären Epoche, da von den Führern revolutionär-praktische Losungen gefordert werden, treten die Theoretiker vom Schauplatz ab, um neuen Männern Platz zu machen. Solche Führer waren zum Beispiel Plechanow in Rußland, Kautsky in Deutschland.

Um sich als Führer der proletarischen Revolution und der proletarischen Partei zu behaupten, muss man theoretische Stärke mit der praktisch-organisatorischen Erfahrung der proletarischen Bewegung in sich vereinen. Als P. Axelrod Marxist war, schrieb er über Lenin , dass er "in glücklicher Weise die Erfahrung eines guten Praktikers mit theoretischer Bildung und weitem politischem Gesichtskreis in sich vereint" (siehe das Vorwort von P. Axelrod zu Lenin s Broschüre "Die Aufgaben der russischen Sozialdemokraten"[97]). Es ist nicht schwer zu erraten, was Herr Axelrod, der Ideologe des "kultivierten" Kapitalismus, jetzt über Lenin sagen würde. Wir aber, die wir Lenin aus nächster Nähe kennen und die Sache objektiv zu betrachten vermögen, zweifeln nicht daran, dass Lenin diese seine alte Eigenschaft vollkommen bewahrt hat. Darin ist, unter anderem, die Erklärung der Tatsache zu suchen, dass Lenin , und gerade er, heute der Führer der stärksten und gestähltesten proletarischen Partei der Welt ist.

"Prawda" Nr. 86,
23. April 1920.
Unterschrift: J. Stalin

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