"Stalin"

Werke

Band 5

DIE PARTEI VOR UND NACH DER
MACHTERGREIFUNG

In der Entwicklung unserer Partei sind drei Perioden hervorzuheben.

Die erste Periode ist die Periode der Formierung, der Schaffung unserer Partei. Sie umfasst, ungefähr, die Zeitspanne von der Gründung der "Iskra"[32] bis zum III. Parteitag einschließlich (Ende 1900 bis Anfang 1905).

In dieser Periode ist die Partei als treibende Kraft schwach. Ihre Schwäche ist nicht nur aus ihrer Jugend zu erklären, sondern auch aus der Jugend der Arbeiterbewegung im ganzen und aus dem Fehlen beziehungsweise der schwachen Entwicklung der revolutionären Situation, der revolutionären Bewegung, was besonders für die Anfangsstadien dieser Periode gilt (die Bauern schweigen oder gehen nicht über ein dumpfes Murren hinaus; die Arbeiter kennen lediglich den wirtschaftlichen Streik um Teilforderungen oder den politischen Streik im Rahmen einer Stadt; die Formen der Bewegung tragen illegalen oder halblegalen Charakter; auch die Organisationsformen der Arbeiterklasse tragen vorwiegend illegalen Charakter).

Die Strategie der Partei ist, da die Strategie das Vorhandensein von Reserven und die Möglichkeit des Manövrierens mit ihnen voraussetzt, notwendigerweise eng begrenzt, recht arm. Die Partei beschränkt sich darauf, den strategischen Plan der Bewegung zu umreißen, das heißt den Weg festzulegen, den die Bewegung gehen muss, während die Reserven der Partei - die Widerspräche im Lager der Gegner sowohl innerhalb als auch außerhalb Rußlands - infolge der Schwäche der Partei unausgenutzt oder fast unausgenutzt bleiben.

Die Taktik der Partei ist, da die Taktik die Ausnutzung aller und jeglicher Formen der Bewegung, der Organisationsformen des Proletariats, ihre Kombinierung, gegenseitige Ergänzung usw. im Interesse der Gewinnung der Massen und der Sicherung des strategischen Erfolgs voraussetzt, notwendigerweise ebenfalls eng begrenzt, entbehrt des Schwunges.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und der Sorgen der Partei steht in dieser Periode die Partei selbst, ihre Existenz, ihre Erhaltung. Die Partei wird in dieser Zeit als eine gewisse sich selbst genügende Kraft betrachtet. Das ist auch begreiflich: Die wütenden Angriffe des Zarismus auf die Partei sowie die Versuche der Menschewiki, die Partei von innen heraus zu sprengen und die Parteikader durch ein formloses, parteiloses Gebilde zu ersetzen (man erinnere sich der Kampagne der Menschewiki für den Arbeiterkongress, die anlässlich der berüchtigten Broschüre Axelrods "Die Volksduma und der Arbeiterkongress" 1905 begonnen wurde), bedrohen die ganze Existenz der Partei, so dass die Frage der Erhaltung der Partei in dieser Periode erstrangige Bedeutung gewinnt.

Die grundlegende Aufgabe des Kommunismus in Rußland besteht in dieser Periode darin, die besten, aktivsten und der Sache des Proletariats ergebensten Kräfte der Arbeiterklasse für die Partei zu werben, die Partei des Proletariats zu formieren und auf die Beine zu stellen. Genosse Lenin formuliert diese Aufgabe dahin, "die Vorhut des Proletariats für den Kommunismus zu gewinnen" (siehe "Der ´linke Radikalismus´..."[33]).

Die zweite Periode ist die Periode der Gewinnung der breiten Arbeiter- und Bauernmassen für die Partei, für die Vorhut des Proletariats. Sie umfasst, ungefähr, die Zeitspanne vom Oktober 1905 bis zum Oktober 1917.

In dieser Periode ist die Situation viel komplizierter und ereignisreicher als in der vorhergegangenen. Das Fiasko des Zarismus auf den Feldern der Mandschurei und die Oktoberrevolution von 1905 einerseits, die Beendung des Russisch-Japanischen Krieges, der Sieg der Konterrevolution und die Beseitigung der revolutionären Errungenschaften anderseits, schließlich der imperialistische Krieg, die Februarrevolution 1917 und die berühmte "Doppelherrschaft" - alle diese Ereignisse haben sämtliche Klassen Rußlands aufgewühlt und eine nach der andern in die politische Arena gedrängt, haben die Partei der Kommunisten gefestigt und die breiten Bauernmassen zum politischen Leben erweckt.

Die Bewegung des Proletariats wurde um so mächtige Formen bereichert wie der politische Generalstreik und der bewaffnete Aufstand.

Die Bewegung der Bauern wurde um den Boykott des Gutsbesitzers ("Ausräucherung" des Gutsherrn aus dem Gutshof) bereichert, wobei der Boykott in Aufstand überging.

Die Tätigkeit der Partei und anderer revolutionärer Organisationen wurde durch die Erkämpfung solcher Arbeitsformen belebt wie die außer-parlamentarische, legale, offene Form.

Die Organisation der Arbeiterklasse wurde nicht nur um eine so bewährte und wichtige Form wie die Gewerkschaften bereichert, sondern auch um eine so mächtige, in der Geschichte noch nie dagewesene Organisationsform der Arbeiterklasse wie die Sowjets der Arbeiterdeputierten.

Die Bauernschaft trat in die Fußtapfen der Arbeiterklasse und schuf Sowjets der Bauerndeputierten.

Auch die Reserven der Partei wurden reicher. Im Laufe des Kampfes wurde klar ersichtlich, dass die Bauernschaft einen unerschöpflichen Vorhut an Reserven für das Proletariat und seine Partei darstellen kann und darstellen wird. Klar ersichtlich wurde ferner die führende Rolle des Proletariats und seiner Partei beim Sturz der Macht des Kapitals.

In dieser Periode ist die Partei bei weitem nicht mehr so schwach wie In der vorangegangenen; sie verwandelt sich als treibende Kraft in einen sehr ernst zu nehmenden Faktor. Jetzt kann sie nicht mehr bloß eine sich selbst genügende Kraft sein, denn für ihre Existenz und ihre Entwicklung bestehen bereits sichere Garantien, jetzt verwandelt sie sich aus einer sich selbst genügenden Kraft in ein Werkzeug zur Gewinnung der Arbeiter- und Bauernmassen, in ein Werkzeug zur Führung des Kampfes der Massen für den Sturz der Macht des Kapitals.

Die Strategie der Partei erhält in dieser Periode Schwung, sie ist in erster Linie darauf gerichtet, sich eine Reserve wie die Bauernschaft zu sichern und sie auszunutzen, wobei diese Arbeit von bedeutsamen Erfolgen begleitet wird.

Die Taktik der Partei erhält ebenfalls Schwung: die Bewegung der Massen, ihre Organisation, die Tätigkeit der Partei und anderer revolutionärer Organisationen bereichern sich um neue Formen, die früher fehlten.

Die grundlegende Aufgabe der Partei besteht in dieser Periode darin, die Millionenmassen für die proletarische Vorhut, für die Partei zu gewinnen, zum Sturz der Diktatur der Bourgeoisie, zur Eroberung der Macht. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Partei steht nicht mehr die Partei selbst, sondern stehen die Millionenmassen der Bevölkerung. Genosse Lenin formuliert diese Aufgabe dahin, die "Millionenmassen" an der sozialen Front so "zu verteilen", dass der Sieg "in den bevorstehenden entscheidenden Kämpfen" gesichert ist (siehe die erwähnte Broschüre des Genossen Lenin ).

Das sind die charakteristischen Züge der ersten beiden Entwicklungsperioden unserer Partei.

Der Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Periode ist zweifellos groß. Sie haben aber auch Gemeinsames. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Periode ist die Partei zu neun Zehnteln, wenn nicht ausschließlich, eine nationale Kraft, die nur für Rußland und innerhalb Rußlands wirkt (einer der Trupps des internationalen organisierten Proletariats). Dies als erstes. Zweitens ist die KPR sowohl in der ersten als auch in der zweiten Periode eine Partei des Umsturzes, eine Partei der Revolution innerhalb Rußlands, weswegen in diesen Perioden die Elemente der Kritik und der Zerstörung des Alten in ihrer Arbeit überwiegen.

Ein völlig anderes Bild bietet die dritte Periode, die wir jetzt durchmachen.

Die dritte Periode ist die Periode der Ergreifung und Behauptung der Macht mit dem Ziel, einerseits alle Werktätigen Rußlands zum Aufbau der sozialistischen Wirtschaft und der Roten Armee heranzuziehen und anderseits alle Kräfte und alle Mittel aufzubieten, um dem internationalen Proletariat in seinem Kampf für den Sturz des Kapitals Hilfe zu erweisen. Diese Periode umfasst die Zeitspanne vom Oktober 1917 bis zum heutigen Tage.

Mit der Ergreifung der Macht durch das Proletariat in Rußland wurde eine durchaus eigenartige, in der Welt noch nie dagewesene Situation sowohl in internationaler Beziehung als auch innerhalb Rußlands geschaffen.

Zunächst einmal die Tatsache, dass der Oktober 1917 einen Durchbruch der internationalen sozialen Front bedeutet und eine Wende in der gesamten Weltgeschichte herbeiführt. Man stelle sich die unermessliche soziale Front von den rückständigen Kolonien bis zum fortgeschrittenen Amerika vor und dann den machtvollen Durchbruch dieser Front durch den russischen Trupp des internationalen Proletariats, einen Durchbruch, der die Existenz des Imperialismus bedroht, alle Karten und Pläne der imperialistischen Haie durcheinander geworfen und den Kampf des internationalen Proletariats gegen das Kapital erleichtert, von Grund aus erleichtert hat - darin liegt die historische Bedeutung des Oktober 1917. Seit diesem Augenblick ist unsere Partei aus einer nationalen Kraft zu einer vornehmlich internationalen Kraft, und das russische Proletariat aus einem zurückgebliebenen Trupp des internationalen Proletariats zu dessen Vorhut geworden. Die Aufgaben des internationalen Proletariats laufen von nun an darauf hinaus, den russischen Durchbruch zu erweitern, der vorausmarschierten Vorhut zu Hilfe zu kommen und nicht zuzulassen, dass die kühne Vorhut von den Feinden umzingelt und von ihrer Basis mitgeschnitten wird. Die Aufgaben des internationalen Imperialismus laufen, im Gegenteil, darauf hinaus, den russischen Durchbruch zu liquidieren, unter allen Umständen zu liquidieren. Eben darum muss unsere Partei, will sie die Macht behaupten, sich verpflichten, "ein Höchstmaß dessen durchzuführen, was in einem" (dem eigenen. - J.St.) "Lande für die Entwicklung, Unterstützung, Entfachung der Revolution in allen Länder n durchführbar ist" (siehe Lenin "Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky"[34]). Eben darum ist unsere Partei seit Oktober 1917 aus einer nationalen zu einer internationalen Kraft, zur Partei des Umsturzes im internationalen Maßstab geworden.

Eine ebenso radikale Veränderung hat sich infolge des Oktober 1917 auch in der Lage der Partei innerhalb des Landes vollzogen. In den vorhergehenden Perioden bildete die Partei einen Hebel zur Zerstörung des Alten, zum Sturz des Kapitals in Rußland. Jetzt, in der dritten Periode, ist sie, im Gegenteil, aus einer Partei des Umsturzes innerhalb Rußlands zu einer Partei des Aufbaus, zur Partei der Schaffung neuer Wirtschaftsformen geworden. Früher gewann sie die besten Kräfte der Arbeiter für den Sturmangriff auf die alte Ordnung, heute gewinnt sie sie dafür, das Ernährungswesen, das Verkehrswesen, die wichtigsten Industriezweige in Gang zu bringen. Früher zog sie die revolutionären Elemente der Bauernschaft zum Sturz der Gutsbesitzer heran, jetzt gewinnt sie sie für die Verbesserung der Landwirtschaft, für die Festigung des Bündnisses zwischen den werktätigen Elementen der Bauernschaft und dem an der Macht stehenden Proletariat. Früher gewann sie die besten Elemente der zurückgebliebenen Nationalitäten für den Kampf gegen das Kapital, heute gewinnt sie sie für den Aufbau des Lebens der werktätigen Elemente dieser Nationalitäten nach dem Grundsatz des Zusammenwirkens mit dem russischen Proletariat. Früher zerstörte sie die Armee, die alte Generalsarmee, jetzt muss sie eine neue Armee, eine Arbeiter- und Bauernarmee, schaffen, die notwendig ist, um die Errungenschaften der Revolution gegen die äußeren Feinde zu verteidigen.

Aus der Partei des Umsturzes innerhalb Rußlands ist die KPR zur Partei des friedlichen Aufbaus geworden. Eben darum hat sie solche jetzt in Rußland bereits überflüssig gewordene Kampfformen wie Streik und Aufstand aus dem Arsenal des Proletariats verbannt.

Früher konnte man ohne Militär- und Wirtschaftsfachleute auskommen, denn die Arbeit der Partei war vornehmlich kritisierender Natur, kritisieren aber ist leicht... Jetzt kann die Partei nicht ohne Fachleute auskommen; neben der Ausnutzung der alten Spezialisten muss sie ihre eigenen Fachleute heranbilden: Fachleute für Truppenformierung, Versorgung, operative Arbeit (auf militärischem Gebiet), Fachleute für Nahrungswesen, Landwirtschaft, Eisenbahnwesen, Genossenschaften, Fachleute für Industrie, Außenhandel (auf wirtschaftlichem Gebiet). Ohne das kann nicht gebaut werden.

Die Lage der Partei hat sich auch in dem Sinne verändert, dass sich Ihre Kräfte und Mittel, ihre Reserven kolossal vergrößert und vermehrt haben.

Die Reserven der Partei sind:

  1. Die Gegensätze zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen Innerhalb Rußlands,
  2. die Gegensätze und Konflikte zwischen den Rußland umgebenden kapitalistischen Staaten, die sich manchmal zu militärischen Zusammenstößen steigern,
  3. die sozialistische Bewegung in den kapitalistischen Ländern,
  4. die nationale Befreiungsbewegung in den rückständigen und kolonialen Ländern,
  5. die Bauernschaft und die Rote Armee in Rußland,
  6. die Apparate der Diplomatie und des Außenhandels,
  7. die gesamte Macht der Staatsgewalt.

Das sind all die Kräfte und Möglichkeiten, in deren Rahmen - und diese Rahmen sind weit genug - die Partei strategisch manövrieren kann und auf die sich die Partei in ihrer tagtäglichen Arbeit zur Mobilisierung der Kräfte taktisch stützen kann.

Das alles sind die positiven Seiten des Oktober 1917.

Doch hat der Oktober auch eine Schattenseite. Es handelt sich darum, dass die Machtergreifung durch das Proletariat in Rußland unter eigenartigen äußeren und inneren Bedingungen vor sich gegangen ist, die der gesamten Arbeit der Partei nach der Machtergreifung ihren Stempel aufgedrückt haben.

Erstens ist Rußland in wirtschaftlicher Hinsicht ein rückständiges Land, es fällt ihm sehr schwer, aus eigener Kraft das Verkehrswesen in Gang zu bringen, die Industrie zu entwickeln und die städtische und ländliche Industrie zu elektrifizieren, ohne seine Rohstoffe gegen Maschinen und Ausrüstungen der westlichen Länder auszutauschen. Zweitens bildet Rußland bis jetzt eine sozialistische Insel, die von industriell höherentwickelten, ihm feindlichen kapitalistischen Staaten umgeben ist. Hätte Sowjetrußland einen oder mehrere große industriell entwickelte Sowjetstaaten in seiner Nachbarschaft, so würde es leicht zu einem Zusammenwirken mit diesen Staaten auf der Grundlage des Austauschs von Rohstoffen gegen Maschinen und Ausrüstungen gelangen können. Solange dies aber nicht der Fall ist, sind Sowjetrußland und unsere Partei, die seine Regierung führt, gezwungen, Formen und Mittel der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den feindlichen kapitalistischen Gruppen des Westens zu suchen, um die notwendige technische Ausrüstung schon vor dem Siege der proletarischen Revolution in einem oder einigen der kapitalistischen Industrieländer zu erhalten. Die Konzessionen als Formen der Beziehungen und der Außenhandel - das sind die Mittel zur Erreichung dieses Ziels. Ohne das kann schwerlich auf entscheidende Erfolge beim Wirtschaftsaufbau, bei der Elektrifizierung des Landes gerechnet werden. Dies wird zweifellos ein langsamer und schmerzhafter Prozess sein, aber er ist unvermeidlich und unabwendbar, und wenn einige ungeduldige Genossen die Nerven verlieren und rasche Ergebnisse und wirksame Operationen fordern, so hört deshalb die Unvermeidlichkeit noch nicht auf, eine Unvermeidlichkeit zu sein.

Vom ökonomischen Standpunkt aus gesehen, liegt den gegenwärtigen Konflikten und militärischen Zusammenstößen der kapitalistischen Gruppen untereinander, wie auch dem Kampf des Proletariats gegen die Klasse der Kapitalisten, der Konflikt der heutigen Produktivkräfte mit dem imperialistischen nationalen Rahmen ihrer Entwicklung und mit den kapitalistischen Aneignungsformen zugrunde. Der imperialistische Rahmen und die kapitalistische Form drosseln die Produktivkräfte, lassen sie nicht zur Entwicklung kommen. Der einzige Ausweg ist die Organisierung der Weltwirtschaft auf der Grundlage des wirtschaftlichen Zusammenwirkens zwischen den fortgeschrittenen (industriellen) und den rückständigen (Roh- und Brennstoffe besitzenden) Ländern (nicht aber auf der Grundlage der Ausplünderung der letzteren durch die ersteren). Dazu bedarf es eben der internationalen proletarischen Revolution. Ohne sie ist an die Organisierung und normale Entwicklung der Weltwirtschaft gar nicht zu denken. Um aber die Organisierung einer richtigen Weltwirtschaft in Angriff nehmen zu können (wenigstens in Angriff zu nehmen), muss das Proletariat wenigstens in einigen fortgeschrittenen Ländern gesiegt haben. Solange das nicht der Fall ist, ist unsere Partei gezwungen, Umwege zu buchen, Umwege einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den kapitalistischen Gruppen.

Das ist der Grund, weshalb die Partei, die ihre Bourgeoisie gestürzt und das Banner der proletarischen Revolution erhoben hat, es zugleich hie zweckmäßig hält, den Kleinbetrieb und die Kleinindustrie in unserem Lande "zu entfesseln", eine partielle Wiedergeburt des Kapitalismus zuzulassen, wobei dieser jedoch von der Staatsmacht abhängig bleibt, Pächter und Aktionäre heranzuziehen usw. usf., bis zu dem Augenblick, da die Politik der Partei - "ein Höchstmaß dessen durchzuführen, was in einem Lande für die Entwicklung, Unterstützung, Entfachung der Revolution in allen Ländern durchführbar ist" - reale Ergebnisse zeitigt.

Das sind die durch den Oktober 1917 geschaffenen eigenartigen Bedingungen, die positiven Bedingungen und die Schattenseiten, unter denen unsere Partei in der dritten Periode ihres Bestehens handelt und sich entwickelt.

Diese Bedingungen bestimmen jene kolossale Macht, über die heute unsere Partei sowohl innerhalb als auch außerhalb Rußlands verfügt. Sie bestimmen auch die unglaublichen Schwierigkeiten und Gefahren, vor denen die Partei steht und die sie um jeden Preis überwinden muss.

Auf dem Gebiet der Außenpolitik werden die Aufgaben der Partei in dieser Periode bestimmt durch die Stellung unserer Partei als der Partei der internationalen Revolution. Diese Aufgaben sind:

  1. Alle und jegliche Gegensätze und Konflikte zwischen den unser Land umgebenden kapitalistischen Gruppen und Regierungen dazu auszunutzen, um den Imperialismus zu zersetzen;
  2. keine Kräfte und Mittel zu schonen, um der proletarischen Revolution im Westen Hilfe angedeihen zu lassen;
  3. alle Maßnahmen zu treffen, um die nationale Befreiungsbewegung im Osten zu verstärken;
  4. die Rote Armee zu festigen.

Auf dem Gebiet der Innenpolitik werden die Aufgaben der Partei in dieser Periode bestimmt durch die Stellung unserer Partei innerhalb Rußlands als der Partei der friedlichen Aufbauarbeit. Diese Aufgaben sind:

1. Die Festigung des Bündnisses zwischen dem Proletariat und der werktätigen Bauernschaft durch

a) Heranziehung derjenigen Elemente unter den Bauern zur staatlichen Aufbauarbeit, die die meiste Initiative entfalten und am besten zu wirtschaften verstehen;

b) Hilfeleistung für die Bauernwirtschaft durch Vermittlung landwirtschaftlicher Kenntnisse, durch Maschinenreparaturen usw.;

c) Entwicklung eines normalen Güteraustauschs zwischen Stadt und Land;

d) allmähliche Elektrifizierung der Landwirtschaft.

Ein wichtiger Umstand muss im Auge behalten werden. Eine äußerst günstige Besonderheit unserer Revolution und ein ungeheurer Vorteil unserer Partei besteht zum Unterschied von den Revolutionen und den proletarischen Parteien des Westens in der Tatsache, dass die breitesten und mächtigsten Schichten des Kleinbürgertums, die Bauernschaft, sich in Rußland aus möglichen Reserven der Bourgeoisie in wirkliche Reserven des Proletariats verwandelt haben. Dieser Umstand bedingte die Schwäche der russischen Bourgeoisie, zum Vorteil des russischen Proletariats. Dies erklärt sich hauptsächlich daraus, dass die Befreiung der Bauern vom Joch der Gutsbesitzer in Rußland zum Unterschied vom Westen unter der Führung des Proletariats vor sich gegangen ist. Auf dieser Grundlage ist auch das Bündnis zwischen dem Proletariat und der werktätigen Bauernschaft in Rußland zustande gekommen. Es ist Pflicht der Kommunisten, dieses Bündnis zu hüten und zu festigen.

2. Die Entwicklung der Industrie durch

a) Konzentrierung eines Maximums an Kräften auf die Beherrschung der wichtigsten Industriezweige und auf die Verbesserung der Versorgung der darin beschäftigten Arbeiter;

b) Entwicklung des Außenhandels in der Richtung auf Einfuhr von Maschinen und Ausrüstungen;

c) Hinzuziehung von Aktionären und Pächtern;

d) Schaffung eines, sei es auch nur minimalen, Lebensmittelfonds, mit dem sich manövrieren lässt;

c) Elektrifizierung des Verkehrswesens und der Großindustrie.

Das sind in allgemeinen Zügen die Aufgaben der Partei in ihrer gegenwärtigen Entwicklungsperiode.

"Prawda" Nr. 190,
28. August 1921.
Unterschrift: J. Stalin.

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