"Stalin"

Werke

Band 5

DER XII. PARTEITAG DER KPR(B)

1. ORGANISATORISCHER BERICHT
DES ZENTRALKOMITEES DER KPR(B)

17. April

Genossen! Ich denke, der in den "Iswestija ZK"[62] veröffentlichte Bericht des ZK ist, was die Einzelheiten betrifft, durchaus hinreichend, und es lohnt sich nicht, ihn hier im organisatorischen Bericht des ZK zu wiederholen.

Ich denke, der organisatorische Bericht des ZK muss aus drei Teilen bestehen.

Der erste Teil muss die organisatorischen Verbindungen der Partei mit der Arbeiterklasse behandeln - jene Verbindungen und jene die Massen erfassenden Apparate, die die Partei umgeben und mit deren Hilfe die Partei die Führung der Arbeiterklasse ausübt, während die Arbeiterklasse zur Armee der Partei wird.

Der zweite Teil des Berichts muss meiner Meinung nach jene organisatorischen Verbindungen und jene die Massen erfassenden Apparate behandeln, mit deren Hilfe sich die Arbeiterklasse mit der Bauernschaft verbindet. Das ist der Staatsapparat. Mit Hilfe des Staatsapparats übt die Arbeiterklasse, geführt von der Partei, die Führung der Bauernschaft aus.

Der dritte und letzte Teil muss die Partei selbst betreffen als Organismus, der sein besonderes Leben führt, und als Apparat, der Losungen ausgibt und ihre Durchführung kontrolliert.

Ich gehe zum ersten Teil des Berichts über. Ich spreche von der Partei als Vorhut und von der Arbeiterklasse als Armee unserer Partei. Diese Analogie könnte den Schein erwecken, als ob die Beziehungen hier dieselben sind wie auf militärischem Gebiet, das heißt, die Partei erteilt Befehle, die Losungen werden telegrafisch übermittelt, und die Armee, das heißt die Arbeiterklasse, setzt diese Befehle in die Tat um. Eine solche Vorstellung ist von Grund aus falsch. Auf politischem Gebiet liegen die Dinge viel komplizierter. Die Sache ist die, dass auf militärischem Gebiet das Kommandeurkorps selbst die Armee schafft, sie selbst formiert. Hier aber, auf politischem Gebiet, schafft die Partei ihre Armee nicht, sondern findet sie vor - es ist die Arbeiterklasse. Der zweite Unterschied besteht darin, dass auf militärischem Gebiet das Kommandeurkorps die Armee nicht nur schafft, sondern auch für ihre Verpflegung, ihre Bekleidung und ihr Schuhwerk sorgt. Auf politischem Gebiet kennen wir derartige Erscheinungen nicht. Die Partei sorgt nicht für die Verpflegung, das Schuhwerk und die Bekleidung ihrer Armee, der Arbeiterklasse. Eben darum liegen die Dinge in der Politik viel komplizierter. Eben darum hängt in der Politik nicht die Klasse von der Partei ab, sondern umgekehrt. Eben aus diesem Grunde muss die Partei auf politischem Gebiet, um als Vorhut der Klasse, das heißt als Partei, die Führung zu verwirklichen, sich mit einem breiten Netz parteiloser die Massen erfassender Apparate umgeben, die Fühler in den Händen der Partei sind, mit deren Hilfe sie ihren Willen auf die Arbeiterklasse überträgt und mit deren Hilfe die Arbeiterklasse aus einer zersplitterten Masse zur Armee der Partei wird.

Ich will nun untersuchen, wie diese Apparate, diese Transmissionsriemen, die die Partei mit der Klasse verbinden, beschaffen sind, welcher Art diese Apparate sind, und was die Partei in einem Jahr zu tun vermocht hat, um diese Apparate zu festigen.

Der erste, der wichtigste Transmissionsriemen, der erste, wichtigste Übertragungsapparat, mit dessen Hilfe sich die Partei mit der Arbeiterklasse verbindet, sind die Gewerkschaften. Betrachtet man die Zahlen, die davon zeugen, wie dieser wichtigste Transmissionsriemen, der von der Partei zur Klasse führt, gefestigt worden ist, so hat die Partei während dieses Tätigkeitsjahres ihren Einfluss in den leitenden Organen der Gewerkschaften verstärkt und gefestigt. Ich will nicht von dem Allrussischen Zentralrat der Gewerkschaften sprechen. Seine Zusammensetzung ist allbekannt. Ich will auch nicht von den Zentralkomitees der Gewerkschaften sprechen. Ich habe hauptsächlich die Gouvernementsräte der Gewerkschaften im Auge. Im vorigen Jahr, zur Zeit unseres XI. Parteitags, betrug die Zahl der Vorsitzenden der Gouvernementsräte der Gewerkschaften, die schon vor der Oktoberrevolution der Partei angehörten, 27 Prozent, während sie in diesem Jahr mehr als 57 Prozent beträgt. Der Erfolg ist nicht sehr groß, aber immerhin ist es ein Erfolg. Er zeugt davon, dass die führenden Elemente unserer Partei, die schon vor dem Oktober der Partei angehörten, in den Gewerkschaften die Hauptfäden in ihrer Hand haben und durch sie die Partei mit der Arbeiterklasse verbinden.

Ich will nicht auf die Zusammensetzung der Arbeitergewerkschaften im ganzen eingehen. Die Zahlen besagen, dass es zur Zeit des vorigen Parteitags etwa 6 Millionen Gewerkschaftsmitglieder gab. In diesem Jahr, zur Zeit dieses Parteitags, sind es 4800000. Man könnte glauben, ein Schritt zurück, aber das scheint nur so. Im vorigen Jahr - es sei mir erlaubt, hier kein Blatt vor den Mund zu nehmen! - legten die Gewerkschaften aufgebauschte Zahlen vor. Die angegebenen Zahlen widerspiegelten nicht genau die Wirklichkeit. Die Zahlen, die wir vor diesem Parteitag bekommen haben, sind zwar kleiner als die vom vorigen Jahr, dafür aber sind sie realer und wirklichkeitsnäher. Darin erblicke ich einen Schritt vorwärts, auch wenn die Mitgliederzahl der Gewerkschaften kleiner geworden ist. Also einerseits Verwandlung der Gewerkschaften aus aufgebauschten und halbbürokratischen Verbänden in wirklich lebendige Verbände, die am gesamten Leben ihrer leitenden Organe teilnehmen, und anderseits Erhöhung des Prozentsatzes der führenden Elemente der Partei in den Gouvernementsorganen der Gewerkschaften von 27 Prozent auf 57 Prozent - das ist der Erfolg, den wir in diesem Jahr in den Bemühungen unserer Partei um die Festigung der Gewerkschaften zu verzeichnen haben.

Man darf aber nicht sagen, dass auf diesem Gebiet alles zum besten bestellt sei. Die unteren Zellen der Gewerkschaften - die Betriebskomitees - sind noch nicht überall in unseren Händen. So findet man in den 146 Betriebskomitees, die im Gouvernement Charkow bestehen, 70, in denen es keinen einzigen Kommunisten gibt. Das sind jedoch Einzelerscheinungen. Im großen und ganzen muss man zugeben, dass sich die Gewerkschaften, was die Festigung des Einflusses der Partei sowohl in den Gouvernementsorganen als auch in den untersten Zellen betrifft, unbedingt entwickelt haben. Diese Front lässt sich als für die Partei gesichert betrachten. Auf dem Gebiet der Gewerkschaften haben wir keine starken Gegner.

Der zweite Transmissionsriemen, der zweite die Massen erfassende Übertragungsapparat, mit dessen Hilfe sich die Partei mit der Klasse verbindet, sind die Genossenschaften. Ich habe vor allem die Konsumgenossenschaften im Auge, ihren Arbeitersektor, dann die landwirtschaftlichen Genossenschaften, insofern sie die Dorfarmut erfassen. Zur Zeit des XI. Parteitags hatten die Arbeitersektionen des Zentrosojus etwa 3 Millionen Mitglieder. In diesem Jahr, zur Zeit dieses Parteitags, ist ein gewisser Zuwachs zu verzeichnen: 3300000. Das ist sehr wenig. Aber unter unseren Verhältnissen, unter den Verhältnissen der NDP, ist das immerhin ein Schritt vorwärts. Rechnet man auf jede Arbeiterfamilie 3 Esser, so ergibt sich, dass die Genossenschaften etwa 9 Millionen Menschen aus der Arbeiterbevölkerung erfassen, die als Konsumenten in den Konsumgenossenschaften vereinigt sind, wo der Einfluss der Partei von Tag zu Tag wächst...

Zur Zeit des vorigen Parteitags hatten wir keine Angaben darüber, wie stark die Kräfte der Partei in den Konsumgenossenschaften waren, vielleicht 2, 3 oder 5 Prozent, nicht mehr. Zur Zeit dieses Parteitags haben wir in den Gouvernementsorganen des Zentrosojus schon nicht weniger als 50 Prozent Kommunisten. Das ist wiederum ein Schritt vorwärts.

Etwas schlechter ist es um die landwirtschaftlichen Genossenschaften bestellt. Sie wachsen wohl, das steht außer Zweifel. Im vorigen Jahr, zur Zeit des Parteitags, vereinigten die landwirtschaftlichen Genossenschaften nicht weniger als 1700000 Bauernwirtschaften. In diesem Jahr, zur Zeit dieses Parteitags, vereinigen sie nicht weniger als 4000000 Bauernwirtschaften. Darunter gibt es einen bestimmten Teil armer Bauern, der zum Proletariat hinneigt. Eben darum ist es interessant, festzustellen, wie der Einfluss der Partei in den landwirtschaftlichen Genossenschaften gewachsen ist. Über Zahlen für das vorige Jahr verfügen wir nicht. In diesem Jahr soll es (wenngleich mir diese Zahlen zweifelhaft erscheinen) in den Gouvernementsorganen der landwirtschaftlichen Genossenschaften nicht weniger als 50 Prozent Kommunisten geben. Wenn das stimmt, so ist es ein kolossaler Schritt vorwärts. Schlechter bestellt ist es in den unteren Zellen, wo wir immer noch nicht imstande sind, die lokalen Genossenschaftsorganisationen dem Einfluss uns feindlich gesinnter Kräfte zu entreißen.

Der dritte Transmissionsriemen, der die Klasse mit der Partei verbindet, ist der Jugendverband. Es bedarf wohl kaum eines Beweises, welche kolossale Bedeutung der Jugendverband und die Jugend überhaupt für die Entwicklung unserer Partei haben. Die Zahlen, über die wir verfügen, besagen, dass wir im vorigen Jahr, zur Zeit des XI. Parteitags, nicht weniger als 400000 Mitglieder des Jugendverbands hatten. Dann, Mitte 1922, als der Abbau der aufgeblähten Apparate einsetzte, als die Bestimmung über die Sicherung des Arbeitsplatzes für Jugendliche noch ungenügend durchgeführt wurde, als der Jugendverband noch nicht imstande war, sich den neuen Verhältnissen anzupassen, sank seine Mitgliederzahl auf 200000. Jetzt, besonders seit Herbst vorigen Jahres, haben wir ein kolossales Wachstum des Jugendverbands zu verzeichnen. Der Verband zählt nicht weniger als 400000 Mitglieder. Das Erfreulichste dabei ist, dass der Zuwachs des Jugendverbands in erster Linie aus der Arbeiterjugend kommt. Der Jugendverband wächst vor allem in den Gebieten, wo unsere Industrie im Aufstieg begriffen ist.

Sie wissen, dass das Haupttätigkeitsfeld des Jugendverbands unter den Arbeitern die Betriebsschulen sind. Die diesbezüglichen Zahlen besagen, dass wir im vorigen Jahr, zur Zeit des XI. Parteitags, etwa 500 Betriebsschulen mit 44000 Mitgliedern hatten. Im Januar dieses Jahres haben wir über 700 Schulen mit 50000 Mitgliedern. Die Hauptsache ist aber, dass der Zuwachs aus Arbeitermitgliedern des Jugendverbands besteht.

Ebenso wie die vorher erwähnte Front - die Front der landwirtschaftlichen Genossenschaften - muss auch die Jugendfront als besonders gefährdet betrachtet werden, da die Attacken der Gegner unserer Partei auf diesem Gebiet besonders hartnäckig sind. Gerade hier, auf diesen beiden Gebieten, ist es notwendig, dass die Partei und ihre Organisationen alle Kräfte anspannen, um sich den vorherrschenden Einfluss zu sichern.

Ich komme weiter zu den Delegiertenversammlungen der Arbeiterinnen. Auch sie sind ein, für unsere Organisationen vielleicht unscheinbarer, aber sehr wichtiger und wesentlicher Transmissionsmechanismus, der unsere Partei mit dem weiblichen Teil der Arbeiterklasse verbindet. Die Zahlen, über die wir verfügen, besagen folgendes: In 57 Gouvernements und 3 Gebieten hatten wir im vorigen Jahr, zur Zeit des XI. Parteitags, etwa 16000 Frauendelegierte, vorwiegend Arbeiterinnen. In diesem Jahr, zur Zeit dieses Parteitags, haben wir in denselben Gouvernements und Gebieten nicht weniger als 52000 Frauendelegierte, darunter 33000 Arbeiterinnen. Das ist ein kolossaler Schritt vorwärts. Es ist zu berücksichtigen, dass das eine Front ist, die wir bisher wenig beachtet haben, die aber von kolossaler Bedeutung für uns ist. Da nun die Sache vorwärts geht, da nun der Boden vorhanden ist, um auch diesen Apparat zu festigen, zu erweitern und die Fühler der Partei auszustrecken, damit der Einfluss der Popen auf die von den Frauen erzogene Jugend untergraben wird, so ist es nur natürlich, dass eine der nächstliegenden Aufgaben der Partei darin bestehen muss, auch an dieser, zweifellos gefährdeten Front ein Maximum an Tatkraft zu entfalten.

Ich gehe zur Schule über. Ich spreche von den politischen Schulen, von den Schulen zur Heranbildung von Sowjet- und Parteifunktionären sowie von den kommunistischen Universitäten. Das ist ebenfalls ein Apparat, mit dessen Hilfe die Partei die kommunistische Schulung entfaltet, einen Funktionärkörper für Schulungswesen heranbildet, der unter der Arbeiterbevölkerung die Saat des Sozialismus, die Saat des Kommunismus ausstreut und so die Partei durch geistige Bande mit der Arbeiterklasse verbindet. Die Ziffern besagen, dass die Zahl der Hörer an den Schulen zur Heranbildung von Sowjet- und Parteifunktionären im vergangenen Jahr etwa 22000 betrug. In diesem Jahr sind es nicht weniger als 33000, wenn man auch die städtischen Schulen für politisches Grundwissen mitzählt, die von der Hauptverwaltung für politische Aufklärung finanziert werden. Was die kommunistischen Universitäten betrifft, die für die kommunistische Schulung von gewaltiger Bedeutung sind, so ist hier der Zuwachs gering: Es gab etwa 6000 Hörer, jetzt sind es 6400. Die Aufgabe der Partei besteht darin, alle Kräfte an dieser Front anzuspannen und die Arbeit zu verstärken, die die Heranbildung und Ausbildung eines Funktionärkörpers für die kommunistische Schulung bezweckt.

Ich gehe zur Presse über. Die Presse ist kein Massenapparat, keine Massenorganisation, aber ungeachtet dessen stellt sie eine unsichtbare Verbindung zwischen der Partei und der Arbeiterklasse her - eine Verbindung, die ihrer Kraft nach jedem beliebigen, die Massen erfassenden Übertragungsapparat gleichkommt. Man sagt, die Presse sei die sechste Großmacht. Ich weiß nicht, was für eine Großmacht sie ist, dass sie aber Kraft und großes Gewicht besitzt, ist unbestreitbar. Die Presse ist die stärkste Waffe, durch sie spricht die Partei täglich, stündlich zur Arbeiterklasse in ihrer eigenen, ihr vertrauten Sprache. Andere Mittel, geistige Fäden zwischen der Partei und der Klasse zu ziehen, einen anderen so elastischen Apparat gibt es nun einmal nicht. Das ist der Grund, warum die Partei diesem Gebiet besondere Beachtung schenken muss, und da muss gesagt werden, dass wir hier schon einen gewissen Erfolg zu verzeichnen haben. Nehmen wir die Zeitungen. Nach den vorliegenden Zahlen hatten wir im vorigen Jahr 380 Zeitungen, in diesem Jahr nicht weniger als 528. Die Auflage erreichte im vorigen Jahr 2500000, aber diese Auflage ging zum großen Teil an amtliche Stellen, war künstlich. Im Sommer, als die Subventionen für die Presse gekürzt wurden, als die Presse gezwungen war, sich auf eigene Füße zu stellen, sank die Auflageziffer auf 900000. Zur Zeit dieses Parteitags haben wir eine Auflage von etwa 2 Millionen. Die Presse wird also weniger Amtspresse, lebt von ihren eigenen Mitteln und ist eine scharfe Waffe in den Händen der Partei, da sie ihr die Verbindung mit den Massen ermöglicht, denn sonst hätte die Auflageziffer nicht wachsen, nicht auf dieser Höhe bleiben können.

Ich gehe zum nächsten Übertragungsapparat, zur Armee, über. Man ist gewöhnt, in der Armee einen Apparat der Verteidigung oder des Angriffs zu sehen. Ich dagegen betrachte die Armee als Sammelbecken von Arbeitern und Bauern. Die Geschichte aller Revolutionen besagt, dass die Armee das einzige Sammelbecken ist, wo Arbeiter und Bauern der verschiedenen Gouvernements, die sonst voneinander isoliert sind, zusammenkommen und dabei ihre politischen Anschauungen herausbilden. Es ist kein Zufall, dass große Mobilmachungen und ernstliche Kriege stets diesen oder jenen sozialen Konflikt, diese oder jene revolutionäre Massenbewegung hervorrufen. Das geschieht deshalb, weil in der Armee zum erstenmal Arbeiter und Bauern aus den entlegensten Winkeln zusammentreffen. Gewöhnlich begegnet ja der Woronesher Bauer keinem Petrograder, der Pskower sieht keinen Sibirier, in der Armee aber treffen sie zusammen. Die Armee ist eine Schule, ist ein Sammelbecken von Arbeitern und Bauern, und von diesem Standpunkt aus gesehen, sind die Kraft und der Einfluss der Partei auf die Armee von kolossaler Bedeutung, und in diesem Sinne ist die Armee ein gewaltiger Apparat, der die Partei mit den Arbeitern und der armen Bauernschaft verbindet. Die Armee ist das einzige Sammelbecken ganz Rußlands, der ganzen Föderation, wo Menschen der verschiedenen Gouvernements und Gebiete zusammenkommen, lernen und sich an das politische Leben gewöhnen. Und in diesem, im höchsten Grade maßgebenden, die Massen erfassenden Übertragungsapparat haben wir folgende Veränderungen zu verzeichnen: Der Prozentsatz der Kommunisten betrug während des vorigen Parteitags 7,5, in diesem Jahr erreicht er 10,5. Die Armee ist in dieser Zeit zahlenmäßig reduziert worden, aber die Qualität der Armee hat sich verbessert. Der Einfluss der Partei ist gestiegen, und in diesem wichtigen Sammelbecken haben wir einen Sieg in dem Sinne errungen, dass der kommunistische Einfluss gewachsen ist.

Nimmt man das gesamte Kommandeurkorps, einschließlich der Zugführer, so gab es im vorigen Jahr 10 Prozent Kommunisten unter den Kommandeuren, in diesem Jahr aber gibt es 13 Prozent. Nimmt man das Kommandeurkorps ohne die Zugführer, so waren es im vorigen Jahr 16 Prozent, in diesem Jahr aber sind es 24 Prozent.

Das sind die Transmissionsriemen, die die Massen erfassenden Apparate, die unsere Partei umgeben, die die Partei mit der Arbeiterklasse verbinden und es ihr möglich machen, zur Vorhut zu werden und die Arbeiterklasse in eine Armee zu verwandeln.

So sieht das Verbindungsnetz und das Netz der Übertragungspunkte aus, mit deren Hilfe die Partei, zum Unterschied vom militärischen Kommandeurkorps, zur Vorhut, die Arbeiterklasse aber aus einer zersplitterten Masse zu einer wirklichen politischen Armee wird.

Die von unserer Partei auf diesen Gebieten bei der Festigung dieser Verbindungen gezeitigten Erfolge erklären sich nicht nur daraus, dass die Partei in dieser Hinsicht größere Erfahrungen gewonnen hat, nicht nur daraus, dass die Mittel der Einwirkung auf diese Übertragungsapparate als solche sich vervollkommnet haben, sondern auch daraus, dass der all-gemeine politische Zustand des Landes dies gefördert, dazu beigetragen hat.

Im vorigen Jahr hatten wir eine Hungersnot und als Folgen dieser Hungersnot eine Depression in der Industrie, eine Zerbröckelung der Arbeiterklasse usw. In diesem Jahr dagegen hatten wir eine gute Ernte, teilweise einen Aufstieg der Industrie, einen einsetzenden Prozess der Sammlung des Proletariats, eine Verbesserung der Lage der Arbeiter. Die alten Arbeiter, die sich früher gezwungen sahen, sich auf die Dörfer zu zerstreuen, strömen wieder in die Fabriken und Werke zurück, und all das schafft eine politisch günstige Situation, so dass die Partei ihre Arbeit zur Festigung der oben erwähnten Verbindungsapparate breit entfalten kann.

Ich gehe zum zweiten Teil des Berichts über: die Partei und der Staatsapparat. Der Staatsapparat ist der grundlegende, die Massen erfassende Apparat, der die an der Macht befindliche Arbeiterklasse, vertreten durch ihre Partei, mit der Bauernschaft verbindet und der Arbeiterklasse, vertreten durch ihre Partei, die Möglichkeit gibt, die Bauernschaft zu führen. Diesen Teil meines Berichts verbinde ich unmittelbar mit den beiden bekannten Artikeln des Genossen Lenin [63].

Vielen erschien der von Genossen Lenin in den beiden Artikeln entwickelte Gedanke völlig neu. Meiner Meinung nach ließ der Gedanke, der in diesen Artikeln entwickelt wird, Wladimir Iljitsch schon im vorigen Jahr keine Ruhe. Sie erinnern sich wohl seines politischen Berichts im vorigen Jahr. Er sprach davon, dass unsere Politik richtig ist, der Staatsapparat aber schlecht funktioniert, dass der Wagen darum nicht dorthin fährt, wohin er soll, sondern vom Wege abbiegt. Darauf hatte, wie erinnerlich, Schljapnikow eingeworfen, dass die Chauffeure nichts taugen. Das ist natürlich falsch. Völlig falsch. Die Politik ist richtig, der Chauffeur ist ausgezeichnet, der Wagentypus ist gut, er ist sowjetisch, aber die Bestandteile der Staatsmaschine, das heißt diese oder jene Mitarbeiter im Staatsapparat sind schlecht, sind nicht unsere Leute. Darum schlittert der Wagen, und im ganzen kommt es zu einer Entstellung der richtigen politischen Linie. Es kommt dazu, dass diese Linie nicht durchgeführt, sondern entstellt wird. Der Staatsapparat ist, wie gesagt, vom richtigen Typus, aber seine Bestandteile sind noch fremde, bürokratische, halbzaristisch-bürgerliche Elemente. Wir wollen einen Staatsapparat haben, der im Dienste der Volksmassen steht, während manche Leute dieses Staatsapparats ihn zu einer Futterkrippe machen wollen. Eben darum funktioniert der Apparat als Ganzes schlecht. Wenn wir ihn nicht in Ordnung bringen, werden wir mit der richtigen politischen Linie allein nicht weit kommen: sie wird entstellt werden, es wird zu einem Bruch zwischen Arbeiterklasse und Bauernschaft kommen. Es wird dazu kommen, dass wir zwar das Steuer in der Hand haben, der Wagen uns aber nicht gehorcht. Das würde zum Zusammenbruch führen. Das sind die Gedanken, die Genosse Lenin schon im vorigen Jahr entwickelte und die er erst in diesem Jahr zu einem einheitlichen System zusammenfasste, nach dem die ZKK und die Arbeiter- und Bauerninspektion zu reorganisieren wären, und zwar so, dass der reorganisierte Revisionsapparat der Hebel würde, mittels dessen alle Bestandteile des Wagens umgebaut und die alten unbrauchbaren Teile durch neue ersetzt werden, wenn wir tatsächlich wollen, dass der Wagen dahin fährt, wohin er fahren soll.

Das ist der Kern des Vorschlags des Genossen Lenin .

Ich könnte mich auf eine Tatsache berufen wie die Revision des Trusts von Orechowo-Sujewo, der, nach sowjetischem Typus organisiert, dazu berufen ist, ein Maximum von Erzeugnissen zu produzieren und die Bauernschaft zu versorgen; indes hat dieser sowjetisch organisierte Trust die produzierten Erzeugnisse zum Schaden der Staatsinteressen in private Taschen fließen lassen. Der Wagen ist nicht dahin gefahren, wohin er fahren sollte.

Ich könnte mich auf eine Tatsache berufen, die mir dieser Tage Genosse Woroschilow erzählte. Wir haben eine Institution, die sich Industriebüro nennt. Eine solche Institution gab es im Südosten. In diesem Apparat waren etwa 2000 Personen beschäftigt. Dieser Apparat sollte die Industrie des Südostens leiten. Genosse Woroschilow erzählte mir voller Verzweiflung, dass es nicht leicht war, mit diesem Apparat fertig zu werden, und dass zur Leitung dieses Apparats, das heißt zur Leitung des Leitungsapparats, noch ein besonderer kleiner Apparat geschaffen werden musste. Es fanden sich gute Menschen: Woroschilow, Eismont und Mikojan, die die Sache richtig anpackten. Da stellte sich heraus, dass statt der 2000 Angestellten im Apparat 170 genügten. Und nun? Jetzt, so stellt sich heraus, gehen die Dinge viel besser als früher. Früher fraß der Apparat alles auf, was er produzierte. Jetzt dient der Apparat der Industrie. Solcher Tatsachen gibt es eine Menge, es gibt ihrer viele, mehr, als ich Haare auf dem Kopf habe.

Alle diese Tatsachen besagen bloß das eine, dass unsere Sowjetapparate, die ihrem Typus nach richtig sind, häufig aus solchen Leuten bestehen, mit solchen Gepflogenheiten und Traditionen behaftet sind, die die richtige politische Linie im Grunde genommen zunichte machen. Deshalb schlittert der Wagen, und es entsteht ein riesiges politisches Minus, die Gefahr eines Bruchs zwischen Proletariat und Bauernschaft.

Die Frage ist die: Entweder verbessern wir die Wirtschaftsapparate, schränken sie ein, vereinfachen, verbilligen sie, ergänzen sie mit Menschen, die unserer Partei geistig nahestehen, und dann werden wir das erreichen, wozu wir die sogenannte NÖP eingeführt haben, das heißt, die Industrie wird ein Maximum von Erzeugnissen herstellen, um das Dorf zu versorgen, um die nötigen Produkte zu erhalten, und auf diese Weise werden wir den Zusammenschluss der bäuerlichen Wirtschaft mit der Industrie herstellen. Oder wir erreichen das nicht, und dann kommt es zum Zusammenbruch.

Oder weiter: Entweder wird der Staatsapparat selbst, das Steuerwesen vereinfacht, abgebaut, werden Diebe und Gauner aus ihm vertrieben, und dann wird es uns auch möglich sein, von den Bauern weniger einzuziehen als jetzt, und dann wird die Volkswirtschaft standhalten. Oder aber dieser Apparat wird zum Selbstzweck, wie es im Südosten der Fall war, und alles, was von der Bauernschaft eingezogen wird, wird für den Unterhalt des Apparats selbst draufgehen, und dann kommt es zum politischen Zusammenbruch.

Das sind, meiner Überzeugung nach, die Erwägungen, von denen sich Wladimir Iljitsch leiten ließ, als er diese Artikel schrieb.

Die Vorschläge des Genossen Lenin haben noch eine andere Seite. Er will nicht nur erreichen, dass der Apparat verbessert und die führende Rolle der Partei maximal verstärkt wird - denn die Partei hat den Staat erbaut, sie muss ihn auch verbessern -, sondern er hat offenbar auch die moralische Seite der Frage im Auge. Er will erreichen, dass im Lande kein einziger, noch so hochstehender Würdenträger bleibt, von dein der einfache Mann sagen könnte: Dem ist nicht beizukommen! Eben diese moralische Seite bildet die dritte Seite des Vorschlags von Iljitsch, eben dieser Vorschlag stellt die Aufgabe, nicht nur den Staatsapparat, sondern auch die Partei von den Würdenträgertraditionen und -gepflogenheiten zu reinigen, die unsere Partei kompromittieren.

Ich komme zur Frage der Auslese der Mitarbeiter, das heißt zu einer Frage, über die Iljitsch schon auf dem XI. Parteitag gesprochen hat. Wenn es für uns klar ist, dass unser Staatsapparat seiner Zusammensetzung, seinen Gepflogenheiten und Traditionen nach unbrauchbar ist, so dass die Gefahr eines Bruchs zwischen Arbeiterschaft und Bauernschaft droht, dann ist klar, dass die führende Rolle der Partei nicht nur darin zum Ausdruck kommen muss, Direktiven zu erteilen, sondern auch darin, bestimmte Posten mit Menschen zu besetzen, die fähig sind, unsere Direktiven zu verstehen und sie ehrlich durchzuführen. Es bedarf keines Beweises, dass zwischen der politischen Arbeit des ZK und der organisatorischen Arbeit keine unüberbrückbare Grenze gezogen werden darf.

Es wird wohl niemand von Ihnen behaupten wollen, dass es genüge, eine gute politische Linie festzulegen, und damit sei die Sache erledigt. Nein, das ist nur die Hälfte der Arbeit. Nachdem die richtige politische Linie festgelegt ist, gilt es, die Funktionäre so auszulesen, dass die Posten von Menschen bekleidet werden, die es verstehen, die Direktiven zu verwirklichen, die Direktiven zu begreifen, diese Direktiven als ihre ureigenen anzusehen und sie in die Wirklichkeit umzusetzen. Andernfalls verliert die Politik ihren Sinn und verwandelt sich in leeres Geschwätz. Das ist der Grund, warum die Abteilung für Registrierung und Verteilung, das heißt das Organ des ZK, das berufen ist, unsere wichtigsten Funktionäre sowohl unten wie oben zu registrieren und zu verteilen, gewaltige Bedeutung gewinnt. Bisher wurde die Sache so gehandhabt, dass sich die Registrierung und Verteilung darauf beschränkte, die Genossen nach Kreis-, Gouvernements- und Gebietskomitees zu registrieren und zu verteilen. Tiefer hat die Abteilung für Registrierung und Verteilung, schlicht gesagt, ihre Nase nicht in die Sache hineingesteckt. Jetzt, da der Krieg zu Ende ist, da wahllose Massenmobilmachungen nicht mehr stattfinden, da sie jeden Sinn verloren haben, wie die Mobilisierung der Eintausend bewiesen hat, die im vorigen Jahr dem Zentralkomitee aufgebürdet wurde und Fiasko erlitt, denn in der jetzigen Situation, da unsere Arbeit vielfältiger geworden ist, da wir auf eine Spezialisierung hinsteuern, da man sich mit jedem Funktionär gründlich bekannt machen muss, tun wahllose Mobilmachungen der Sache nur Schaden, ohne den lokalen Organisationen irgendeinen Nutzen zu bringen - jetzt kann sich die Abteilung für Registrierung und Verteilung nicht mehr im Rahmen der Gouvernements- und Kreiskomitees abkapseln.

Ich könnte mich auf einige Zahlen berufen. Der XI. Parteitag hatte dem Zentralkomitee den Auftrag erteilt, nicht weniger als eintausend Moskauer Funktionäre zu mobilisieren. Das Zentralkomitee merkte etwa 1500 für die Mobilisierung vor. Aus Krankheitsgründen und wegen verschiedener anderer Ursachen konnten nur 700 der Vorgemerkten mobilisiert werden; davon erwiesen sich laut Gutachten der lokalen Organisationen 300 Mann als einigermaßen brauchbar. Da haben Sie eine Tatsache, die besagt, dass die wahllosen Mobilmachungen alten Schlags, die früher vorgenommen wurden, heute nichts mehr taugen, denn unsere Parteiarbeit ist vielfältiger geworden, hat sich nach verschiedenen Wirtschaftszweigen differenziert, und wahllos Menschen zu verschieben heißt erstens, sie zur Untätigkeit verurteilen, und zweitens, nicht einmal die minimalsten Bedürfnisse dieser Organisationen befriedigen, die neue Funktionäre anfordern.

Ich möchte einige Zahlen aus der bekannten Broschüre[64] Sorokins, der in der Abteilung für Registrierung und Verteilung arbeitet, über den Funktionärkörper in der Industrie anführen. Doch bevor ich zu diesen Zahlen übergehe, muss ich etwas über die Reform sagen, die das Zentralkomitee im Prozess seiner Arbeit an der statistischen Erfassung der Parteifunktionäre in der Abteilung für Registrierung und Verteilung durchgeführt hat. Früher beschränkte sich diese Abteilung, wie ich schon sagte, auf den Rahmen der Gouvernements- und Kreiskomitees; jetzt aber, da unsere Arbeit vielfältiger geworden ist, da die Aufbauarbeit allerorts entfaltet worden ist, darf man sich nicht im Rahmen der Kreis- und Gouvernementskomitees abkapseln. Es ist notwendig, ausnahmslos alle Verwaltungszweige und den gesamten Funktionärkörper der Industrie zu erfassen, mit dessen Hilfe die Partei unseren Wirtschaftsapparat handhabt und die Führung ausübt. In diesem Sinne ist vom Zentralkomitee auch beschlossen worden, den Apparat für Registrierung und Verteilung sowohl im Zentrum als auch draußen im Lande dahingehend zu erweitern, dass der Abteilungsleiter je einen Stellvertreter für Fragen der Wirtschaft und der Sowjets erhält und diese wiederum Gehilfen für die Erfassung des Funktionärkörpers in den Betrieben und Trusten, in den Wirtschaftsorganen im Lande und im Zentrum, in den Sowjets und in der Partei erhalten.

Die Resultate dieser Reform blieben nicht aus. In kurzer Zeit gelang es, etwa 1300 Direktoren des Funktionärkörpers der Industrie zu erfassen. Danach sind 29 Prozent von ihnen Parteimitglieder und 70 Prozent Parteilose. Man könnte meinen, dass die Parteilosen in den wichtigsten Betrieben zahlenmäßig überwiegen, aber das trifft nicht zu. Es zeigt sich, dass die 29 Prozent Kommunisten die größten Betriebe mit insgesamt mehr als 300000 Arbeitern leiten, während die 70 Prozent parteilose Direktoren Betriebe leiten, die nicht mehr als insgesamt 250000 Industriearbeiter beschäftigen. Die kleineren Betriebe werden von Parteilosen, die großen Betriebe von Parteigenossen geleitet. Ferner finden wir unter den Direktoren, die Parteimitglieder sind, dreimal soviel frühere Arbeiter wie Nichtarbeiter. Das besagt, dass beim industriellen Aufbau unten, in den Grundzellen, im Gegensatz zu den Spitzen, zum Obersten Volkswirtschaftsrat und seinen Abteilungen, wo es wenig Kommunisten gibt, die Beherrschung der Betriebe durch kommunistische Kräfte und vor allem durch die Arbeiter bereits begonnen hat. Was die Qualität, die Tauglichkeit betrifft, so ist es von Interesse, das unter den Kommunisten mehr brauchbare Direktoren sind als unter den Parteilosen. Hieraus folgt, dass die Partei sich bei der Verteilung der Kommunisten auf die Betriebe nicht nur von rein parteimäßigen Erwägungen leiten lässt, nicht nur darauf bedacht ist, ihren Einfluss in den Betrieben zu verstärken, sondern sich auch von fachlichen Erwägungen leiten lässt. Dadurch gewinnt nicht nur die Partei als Partei, sondern auch der Aufbau der gesamten Wirtschaft, denn unter den Kommunisten gibt es viel mehr brauchbare Direktoren als unter den Parteilosen.

Das ist der erste Versuch, unseren Funktionärkörper in der Industrie zu erfassen - ein neuer Versuch, der, wie gesagt, sich lange nicht auf alle Betriebe erstreckt, denn die in dieser Broschüre berücksichtigten 1300 Direktoren leiten bloß etwa die Hälfte all derjenigen Betriebe, die noch erfasst werden müssen. Die Erfahrung aber zeigt, dass das Feld hier unerschöpflich reich ist und die Abteilung für Registrierung und Verteilung ihre Arbeit mit aller Kraft entfalten muss, damit die Partei die Möglichkeit erhält, die leitenden Organe unserer wichtigsten Betriebe mit Kommunisten zu besetzen und dadurch sicherzustellen, dass der Staatsapparat durch die Partei geleitet wird.

Die Genossen dürften die Vorschläge kennen, die das ZK dem Parteitag in der Organisationsfrage sowohl hinsichtlich der Partei als auch hinsichtlich des Sowjetapparats eingebracht hat. Was die Frage des Sowjetapparats anbelangt, von der ich soeben im zweiten Teil meines Berichts sprach, so beabsichtigte das ZK, diese Frage einer speziellen Sektion zur eingehenden Behandlung vorzulegen, die diese Frage sowohl hinsichtlich der Partei als auch des Sowjetapparats prüfen und dann dem Parteitag ihre Erwägungen unterbreiten sollte.

Ich gehe zum dritten Teil des Berichts über: die Partei als Organismus und die Partei als Apparat.

Vor allem sind ein paar Worte über die zahlenmäßige Zusammensetzung unserer Partei zu sagen. Die Zahlen besagen, dass die Partei im vorigen Jahr, zur Zeit des XI. Parteitags, einige Zehntausend Mitglieder mehr als 400000 zählte. In diesem Jahr ist die Mitgliederzahl der Partei weiter zurückgegangen, da sich die Partei in einer ganzen Reihe von Gebieten von nichtproletarischen Elementen befreit hat - sie zählt jetzt etwas weniger als 400000 Mitglieder. Das ist kein Minus, das ist ein Plus, denn die soziale Zusammensetzung der Partei hat sich verbessert. Das Interessanteste an der Entwicklung unserer Partei im Sinne der Verbesserung ihrer sozialen Zusammensetzung ist, dass die früher vorhandene Tendenz des Wachstums der nichtproletarischen Elemente in der Partei auf Kosten des proletarischen Elements im Berichtsjahr nicht mehr zu verzeichnen ist, dass ein Umschwung eingetreten ist, dass eine bestimmte Tendenz zur Vergrößerung des Prozentsatzes der Arbeiter in unserer Partei auf Kosten der nichtproletarischen Elemente festzustellen ist. Das ist eben der Erfolg, den wir vor der Reinigung erreichen wollten und den wir jetzt erreicht haben. Ich will nicht sagen, dass auf diesem Gebiet alles getan worden ist - bei weitem noch nicht alles. Aber wir haben einen Umschwung erzielt, ein bestimmtes Minimum von Homogenität erzielt, die proletarische Zusammensetzung der Partei gesichert, und wir werden offenbar auch fernerhin diesen Weg gehen müssen, der zu einer weiteren Verringerung der nichtproletarischen Elemente der Partei und zu einem weiteren Wachstum der proletarischen Elemente führt. Die Maßnahmen, die das ZK empfiehlt, um die Zusammensetzung unserer Partei weiter zu verbessern, sind in den Vorschlägen des ZK niedergelegt, ich will sie nicht wiederholen. Offenbar wird man die Schranken gegen den Zustrom nichtproletarischer Elemente verstärken müssen, denn im gegenwärtigen Augenblick, unter den Verhältnissen der NÖP, da die Partei zweifellos dem verderblichen Einfluss der NÖP-Elemente ausgesetzt ist, gilt es, unserer Partei ein Maximum an Homogenität zu sichern und jedenfalls ein entschiedenes Überwiegen der Arbeiter innerhalb der Partei auf Kosten der Nichtarbeiter zu erreichen. Es ist die Pflicht und Schuldigkeit der Partei, dies zu tun, wenn sie sich als Partei der Arbeiterklasse erhalten will.

Ich komme zur Frage des Lebens der Gouvernementskomitees und ihrer Tätigkeit. Häufig finden sich in gewissen Presseartikeln ironische Bemerkungen über die Gouvernementskomitees, häufig werden die Gouvernementskomitees verspottet, man unterschätzt ihre Tätigkeit. Ich aber muss sagen, Genossen, dass die Gouvernementskomitees die Hauptstütze unserer Partei sind und dass die Partei ohne sie, ohne die Gouvernementskomitees, ohne ihre Arbeit, was die Leitung sowohl der Sowjet- als auch der Parteiarbeit betrifft, keinen Boden unter den Füßen hätte. Ungeachtet aller Mängel der Gouvernementskomitees, ungeachtet der bis jetzt noch vorhandenen Unzulänglichkeiten, ungeachtet der so genannten Stänkereien, der Streitigkeiten in den Gouvernementskomitees, bilden die Gouvernementskomitees, als Ganzes gesehen, die Hauptstütze unserer Partei.

Wie leben und wie entwickeln sich die Gouvernementskomitees? Ich habe Briefe der Gouvernementskomitees vor etwa 10 Monaten gelesen, als die Sekretäre unserer Gouvernementskomitees sich noch in Wirtschaftsangelegenheiten verhedderten, da sie sich noch nicht den neuen Verhältnissen angepasst hatten. Zehn Monate später habe ich dann neue Briefe gelesen, und zwar mit Vergnügen, mit Freude, denn aus ihnen ist zu ersehen, dass die Gouvernementskomitees gewachsen sind, dass sie das Arbeitsgebiet nunmehr kennen, dass sie die Aufbauarbeit angepackt und das lokale Budget in Ordnung gebracht haben, die Wirtschaft im lokalen Maßstab beherrschen und es tatsächlich verstanden haben, die Leitung des gesamten wirtschaftlichen und politischen Lebens in ihrem Gouvernement in die Hand zu nehmen. Genossen, das ist eine große Errungenschaft. Zweifellos gibt es in den Gouvernementskomitees auch Unzulänglichkeiten, ich muss aber sagen, wenn wir dieses Wachsen der Partei- und Wirtschaftserfahrungen der Gouvernementskomitees nicht hätten, wenn wir diesen gewaltigen Schritt vorwärts, diese wachsende Reife der Gouvernementskomitees bei der Leitung des lokalen wirtschaftlichen und politischen Lebens nicht hätten, dann könnten wir nicht einmal davon träumen, dass die Partei jemals ernstlich den Staatsapparat zu leiten beginnt.

Man spricht von Streitigkeiten und Reibungen in den Gouvernementskomitees. Ich muss sagen, dass Streitigkeiten und Reibungen außer negativen Seiten auch gute Seiten haben. Die Hauptquelle der Streitigkeiten und Zwistigkeiten bildet das Bestreben der Gouvernementskomitees, einen zusammengeschweißten Kern zu schaffen, einen fest gefügten Kern, der imstande wäre, ohne Stockungen die Leitung auszuüben. Dies ist ein durchaus gesundes und berechtigtes Ziel und Bestreben, wenn auch dabei oft Wege beschritten werden, die den Zielen nicht entsprechen. Das erklärt sich daraus, dass unsere Partei ihrer Zusammensetzung nach ungleichartig ist, dass die Partei alte und junge Mitglieder hat, Proletarier und Intellektuelle, aus dem Zentrum und aus den Randgebieten, Angehörige verschiedener Nationalitäten, wobei alle diese ungleichartigen Elemente, die den Gouvernementskomitees angehören, verschiedene Sitten und Traditionen mitbringen, so dass Reibungen und Streitigkeiten entstehen. Dennoch beinhalten neun Zehntel der Streitigkeiten und Reibungen, ungeachtet der Unzulässigkeit ihrer Formen, das gesunde Bestreben, einen Kern zusammenzuschmieden, der die Arbeit leiten kann. Es bedarf keines Beweises, wenn es derartige leitende Gruppen in den Gouvernementskomitees nicht gäbe, wenn alles so zusammengezimmert wäre, dass die "Guten" und die "Schlechten" einander die Waage hielten, gäbe es keine Leitung im Gouvernement, hätten wir keine Naturalsteuer einziehen und keine Kampagnen durchführen können. Das ist die gesunde Seite der Streitigkeiten, die nicht dadurch überschattet werden darf, dass sie mitunter abstoßende Formen annimmt. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Partei gegen Streitigkeiten nicht ankämpfen soll, insbesondere wenn sie aus persönlichen Motiven entstehen.

So verhält es sich mit den Gouvernementskomitees.

Aber unsere Partei ist auf der niedrigeren, den Gouvernementskomitees folgenden Stufe leider noch nicht so stark, wie es scheinen könnte. Die Hauptschwäche unseres Parteiapparats besteht eben in der Schwäche unserer Kreiskomitees, im Fehlen von Reserven an Kreissekretären. Ich glaube, wenn wir die grundlegenden Apparate, die unsere Partei mit der Arbeiterklasse verbinden, die Apparate, von denen ich im ersten Teil meines Berichts gesprochen habe, noch nicht ganz in unsere Hände bekommen haben (ich meine die untersten Zellen, die Genossenschaften, die Frauendelegiertenversammlungen, die Organisationen des Jugendverbands usw.), wenn die Gouvernementsorgane diese Apparate noch nicht ganz beherrschen, dann liegt der Grund eben gerade darin, dass wir in den Kreisen zu schwach sind.

Ich halte das für eine grundlegende Frage.

Ich glaube, eine der Hauptaufgaben unserer Partei besteht darin, beim ZK eine Schule für Kreissekretäre zu schaffen, bestehend aus den ergebensten und befähigtsten Genossen, die aus der Mitte der Bauern und Arbeiter kommen. Könnte die Partei im nächsten Jahr erreichen, eine Reserve von 200 oder 300 Kreissekretären zu bilden, die man dann den Gouvernementskomitees zur Unterstützung beigeben könnte, um ihnen die Leitung der Arbeit in den Kreisen zu erleichtern, so hätte die Partei damit die Leitung aller die Massen erfassenden Übertragungsapparate gesichert. Wir hätten dann keine einzige Konsumgenossenschaft, keine einzige landwirtschaftliche Genossenschaft, kein einziges Betriebskomitee, keine einzige Frauendelegiertenversammlung, keine einzige Zelle des Jugendverbands, keine einzige Massenorganisation, in denen die Partei nicht den vorherrschenden Einfluss besäße.

Und nun über die Gebietsorgane. Das verflossene Jahr hat gezeigt, dass die Partei und das ZK Recht hatten, als sie Gebietsorgane schufen, die zum Teil gewählt, zum Teil eingesetzt wurden. Bei der Beratung des ganzen Fragenkomplexes der Rayonierung gelangte das ZK zudem Schluss, dass die Partei beim Aufbau der Gebietsorgane allmählich vom Prinzip der Ernennung zum Prinzip der Wählbarkeit übergehen muss, denn dies würde zweifellos eine günstige moralische Atmosphäre rings um die Gebietskomitees der Partei schaffen und dem ZK die Führung der Partei erleichtern.

Ich komme zur Frage der Verbesserung der zentralen Organe der Partei. Sie haben wohl die Vorschläge des ZK gelesen, die Funktionen des Sekretariats des ZK klar und deutlich von den Funktionen des Orgbüros und des Politbüros abzugrenzen. Diese Frage bedarf wohl kaum einer besonderen Behandlung, denn sie ist an sich klar. Es gibt aber eine Frage - die Frage der Erweiterung des ZK selbst -, die bei uns im ZK mehrmals beraten wurde und die eine Zeitlang ernstliche Diskussionen hervorrief. Manche Mitglieder des ZK glauben, man sollte die Mitgliederzahl des ZK nicht erweitern, sondern sogar verringern. Ich will ihre Motive nicht anführen. Mögen die Genossen selber das Wort ergreifen. Ich will kurz die Motive darlegen, die zugunsten der Erweiterung des ZK sprechen.

Heute stehen die Dinge im zentralen Apparat unserer Partei so: Wir haben 27 ZK-Mitglieder. Das ZK tritt einmal in 2 Monaten zusammen, innerhalb des ZK aber gibt es einen Kern von 10 bis 15 Personen, die sich in Sachen der Führung der politischen und wirtschaftlichen Arbeit unserer Organe dermaßen eingefuchst haben, dass sie Gefahr laufen, sich in eine Art Hohepriester der Führung zu verwandeln. Das ist vielleicht ganz gut, aber es hat auch eine sehr gefährliche Seite: Diese Genossen, die große Erfahrungen in Fragen der Leitung gesammelt haben, können von Dünkel angesteckt werden, sich abkapseln und sich der Arbeit unter den Massen entfremden. Wenn manche Mitglieder des ZK oder, sagen wir, ein Kern etwa von 15 Personen, über so viele Erfahrungen verfügen und solch eine Fertigkeit erreicht haben, dass sie bei der Ausarbeitung von Direktiven in 9 Fällen von 10 keine Fehler begehen, so ist das sehr gut. Wenn sie aber neben sich keine neue Generation künftiger Führer haben, die mit der Arbeit in den lokalen Organisationen eng verbunden sind, so haben diese hochqualifizierten Leute alle Chancen, zu verknöchern und sich den Massen zu entfremden.

Zweitens: Der Kern innerhalb des ZK, der in der Führungsarbeit sehr gewachsen ist, wird alt und braucht Ablösung. Sie kennen den Gesundheitszustand Wladimir Iljitschs. Sie wissen, dass auch die übrigen Mitglieder des Grundkerns des ZK hinreichend verbraucht sind. Aber eine Ablösung haben wir noch nicht, das ist das Schlimme. Parteiführer heranzubilden ist sehr schwer, dazu braucht man Jahre, 5 bis 10 Jahre, mehr als 10 Jahre. Es ist viel leichter, mit Hilfe der Kavallerie des Genossen Budjonny dieses oder jenes Land zu erobern, als zwei, drei Führer von unten herauf heranzubilden, Menschen, die in Zukunft wahre Führer des Landes werden können. Es ist aber an der Zeit, daran zu denken, eine Ablösung heranzubilden. Dazu gibt es nur ein einziges Mittel - neue, frische Funktionäre in die Arbeit des ZK einzubeziehen und sie im Laufe der Arbeit emporzuheben - die begabtesten und unabhängigsten, die einen Kopf auf den Schultern haben, aufsteigen zu lassen. Mit Büchern allein kann man keine Führer heranbilden. Das Buch hilft uns vorwärts, aber allein bildet es noch keinen Führer heran. Führende Funktionäre wachsen nur im Laufe der Arbeit heran. Nur wenn wir neue Genossen in das ZK wählen und sie die ganze Schwere der Leitung spüren lassen, können wir erreichen, dass eine Ablösung herangebildet wird, die wir beim jetzigen Stand der Dinge so sehr nötig haben. Das ist der Grund, warum ich glaube, dass es der gröbste Fehler des Parteitags wäre, wenn er dem Vorschlag des ZK, es mindestens bis auf 40 Mann zu erweitern, nicht zustimmte.

Zum Schluss meines Berichts möchte ich eine Tatsache hervorheben, die - vielleicht weil sie allzu bekannt ist - nicht ins Auge springt, die man aber als Tatsache von größter Wichtigkeit hervorheben muss. Das ist jene Festigkeit unserer Partei, jene beispiellose Geschlossenheit, die unserer Partei die Möglichkeit gab, bei einer Wendung, wie es die NÖP war, eine Spaltung zu vermeiden. Keine Partei der Welt, keine einzige politische Partei, hätte eine solche schroffe Wendung ohne Verwirrung, ohne Spaltung ausgehalten und ohne dass diese oder jene Gruppe aus dem Parteiwagen hinausgekippt wäre. Bekanntlich haben derartige Wendungen zur Folge, dass eine bestimmte Gruppe aus dem Wagen fällt und dass es in der Partei, wenn nicht zu einer Spaltung, so doch zu einer Verwirrung kommt. Wir hatten eine derartige Wendung in der Geschichte unserer Partei in den Jahren 1907 und 1908, als wir nach 1905 und 1906, an den Revolutionskampf gewöhnt, nicht willens waren, zur alltäglichen legalen Arbeit überzugehen, als wir nicht in die Duma gehen wollten, die legalen Institutionen nicht ausnutzen wollten, unsere Positionen in den legalen Organen nicht verstärken wollten und uns überhaupt gegen neue Wege verwahrten. Diese Wendung war nicht so schroff wie die NÖP, als Partei aber waren wir offenbar damals noch jung, wir verfügten nicht über Erfahrungen im Manövrieren, und die Sache endete damit, dass damals gleich zwei Gruppen aus unserem Wagen kippten. Die heutige Wendung zur NÖP ist nach unserer Offensivpolitik eine schroffe Wendung. Und bei dieser Wendung nun, da das Proletariat sich auf die alten Positionen zurückziehen und vorübergehend auf eine Offensive verzichten musste, da das Proletariat sich dem bäuerlichen Hinterland zuwenden musste, um die Verbindung mit ihm nicht zu verlieren, da das Proletariat daran denken musste, seine Reserven im Osten und im Westen zu verstärken und zu festigen - bei einer derart schroffen Wendung vermochte die Partei, nicht nur die Spaltung zu vermeiden, sondern auch die Wendung ohne Verwirrung zu vollziehen.

Das zeugt von der beispiellosen Elastizität, Festigkeit und Geschlossenheit der Partei.

Darin liegt die Gewähr dafür, dass unsere Partei siegen wird.

Im vorigen Jahr, ja noch in diesem Jahr, unkten und unken unsere Feinde, in unserer Partei herrsche Zersetzung. Wir haben jedoch mit dem Übergang zur NÖP unsere Positionen behauptet, haben die Fäden der Volkswirtschaft in unseren Händen behalten, und die Partei schreitet nach wie vor, fest gefügt, wie ein Mann, vorwärts, während unsere Gegner tatsächlich in Zersetzung und Auflösung begriffen sind. Sie haben sicherlich gehört, Genossen, dass neulich in Moskau ein Kongress der Sozialrevolutionäre[65] stattgefunden hat. Dieser Kongress beschloss, an unseren Parteitag die Bitte zu richten, ihnen die Türen unserer Partei zu öffnen. Sie haben wohl ferner gehört, dass die frühere Hochburg des Menschewismus, Georgien, wo die Partei der Menschewiki nicht weniger als 10000 Mitglieder hat, dass diese Festung des Menschewismus schon einstürzt und etwa 2000 Parteimitglieder die Reihen der Menschewiki verlassen haben. Das sieht offenbar nicht danach aus, dass unsere Partei sich zersetzt, sondern dass sie, unsere Gegner, sich zersetzen. Sie wissen schließlich sicherlich, dass einer der ehrlichsten und gescheitesten Funktionäre des Menschewismus, Genosse Martynow, die Reihen der Menschewiki verlassen hat, dass das ZK ihn in die Partei aufgenommen hat und beim Parteitag beantragt, diese Aufnahme zu bestätigen. (Teilweiser Beifall.) Alle diese Tatsachen, Genossen, besagen nicht, dass es um unsere Partei schlecht bestellt ist, sondern, dass bei ihnen, bei unseren Gegnern, eine Zersetzung auf der ganzen Linie begonnen hat, während unsere Partei eine fest geschlossene, zusammengeschweißte Partei geblieben ist, die bei einer der größten Wendungen die Probe bestanden hat und mit breit entrolltem Banner vorwärts schreitet. (Lauter, lang anhaltender Beifall.)

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