"Stalin"

Werke

Band 5

DER XII. PARTEITAG DER KPR(B)

2. SCHLUSSWORT
ZUM ORGANISATORISCHEN BERICHT DES ZK

19. April

Genossen! Das Schlusswort wird aus zwei Teilen bestehen: Im ersten Teil wird von der organisatorischen Praxis des ZK die Rede sein, soweit sie von den Rednern kritisiert wurde, im zweiten Teil will ich über die organisatorischen Vorschläge des ZK sprechen, die von den Rednern nicht kritisiert wurden und mit denen der Parteitag sich offenbar solidarisch erklärt.

Zuerst ein paar Worte über die Kritiker des ZK-Berichts.

Über Lutowinow. Er ist mit dem Regime unserer Partei nicht zufrieden: Es gebe keine Redefreiheit in unserer Partei, keine Legalität, keinen Demokratismus. Er weiß natürlich, dass das ZK in den letzten sechs Jahren niemals einen Parteitag so demokratisch vorbereitet hat wie im gegenwärtigen Augenblick. Er weiß, dass die Mitglieder des ZK und die Kandidaten des ZK unmittelbar nach dem Februarplenum in alle Winkel unserer Föderation hinausgefahren sind und über die Arbeit des ZK berichtet haben. Er, Lutowinow, muss wissen, dass wir nun schon vier Nummern des Diskussionsblatts[66] haben, in dem an der Tätigkeit des ZK ausgiebig gedeutelt und getüftelt wird, jawohl, gedeutelt und getüftelt wird. Aber das genügt ihm, Lutowinow, nicht. Er will den "wahren" Demokratismus, damit alle, mindestens aber die wichtigsten Fragen in allen Zellen von unten bis oben beraten werden, damit die ganze Partei in jeder Frage in Bewegung gerate und an der Besprechung der Frage teilnehme. Aber, Genossen, jetzt, da wir an der Macht sind, da wir nicht weniger als 400000 Parteimitglieder haben, da wir nicht weniger als 20000 Zellen haben, weiß ich nicht, wohin ein derartiges Regime führen würde. Bei einem derartigen Regime würde sich unsere Partei in einen Diskussionsklub von Menschen verwandeln, in dem ewig geschwatzt und nichts entschieden wird. Indessen muss unsere Partei vor allem eine handelnde Partei sein, denn wir sind an der Macht.

Lutowinow vergisst außerdem, dass wir zwar innerhalb der Föderation an der Macht sind und alle Vorzüge der Legalität genießen, aber vom internationalen Standpunkt aus gesehen eine Periode durchmachen, die derjenigen von 1912 analog ist, als die Partei halblegal, eher noch illegal war, als die Partei über gewisse legale Anknüpfungspunkte in Gestalt der Dumafraktion, in Gestalt der legalen Zeitungen, in Gestalt der Klubs verfügte, als die Partei zugleich von Feinden umringt war und als sie bemüht war, Kräfte zu sammeln, um vorwärts zukommen und den legalen Rahmen zu erweitern. Eine ähnliche Periode erleben wir jetzt im internationalen Maßstab. Wir sind von Feinden umringt - das ist allen klar. Die uns umringenden imperialistischen Wölfe schlummern nicht. Es gibt keinen Augenblick, da unsere Feinde nicht bemüht wären, sich irgendeines Spältchens zu bemächtigen, durch das sie hindurchschlüpfen könnten, um uns zu schaden. Es liegt kein Grund für die Behauptung vor, dass die uns umringenden Feinde nicht eine Blockade oder Intervention vorbereiten. So ist die Lage. Dürfen wir denn bei einer derartigen Lage der Dinge alle Fragen von Krieg und Frieden an die große Glocke hängen? Die Frage in Versammlungen von 20000 Zellen beraten heißt doch, sie an die große Glocke hängen. Was wäre aus uns geworden, wenn wir unsere ganze Vorarbeit zur Konferenz von Genua vorher an die große Glocke gehängt hätten? Wir hätten ein eklatantes Fiasko erlitten. Wir müssen daran denken, dass inmitten einer feindlichen Umzingelung ein plötzlicher Schlag von unserer Seite, ein unerwartetes Manöver, schnelles Handeln alles entscheiden. Was wäre aus uns geworden, wenn wir, anstatt unsere politische Kampagne auf der Konferenz von Lausanne im engen Kreis von Vertrauensleuten der Partei zu beraten, diese ganze Arbeit an die große Glocke gehängt, unsere Karten aufgedeckt hätten? Die Feinde hätten alle Nach- und Vorteile in Rechnung gestellt, sie hätten unsere Kampagne vereitelt, und wir hätten Lausanne mit Schmach und Schande verlassen. Was wäre aus uns geworden, wenn wir die Fragen von Krieg und Frieden, die wichtigsten aller wichtigen Fragen, vorher an die große Glocke gehängt hätten, denn, wie gesagt, diese Fragen von 20000 Zellen beraten lassen heißt, die Fragen an die große Glocke hängen. Man hätte uns im Nu fertiggemacht. Es ist klar, Genossen, dass der sogenannte Demokratismus Lutowinows sowohl aus organisatorischen als auch aus politischen Gründen eine Phantasie, eine demokratische Manilowerei ist. Er ist falsch und gefährlich. Lutowinows Weg ist nicht unser Weg.

Ich gehe zu Ossinski über. Er hat sich an meinen Satz geklammert, dass wir das ZK durch die Aufnahme unabhängiger Menschen erweitern sollten. Jawohl, Sorin, unabhängiger, und nicht selbständiger. Ossinski glaubt, ich wäre in dieser Frage zu einer gewissen Übereinstimmung mit Ossinski, mit dem demokratischen Zentralismus[67] gelangt. Ich sprach tatsächlich davon, man sollte das ZK durch Genossen ergänzen, die unabhängig sind. Unabhängig wovon - das habe ich nicht gesagt, denn ich wusste im voraus, dass es unvorteilhaft ist, alle Fragen in der Hauptrede zu erschöpfen, man muss auch etwas für das Schlusswort übriglassen. (Heiterkeit. Beifall.) Wir brauchen im ZK unabhängige Menschen, aber nicht vom Lenin ismus unabhängige - nein, Genossen, gottbewahre! Wir brauchen unabhängige Menschen, frei von persönlichen Einflüssen, von den Gepflogenheiten und Traditionen des Kampfes innerhalb des ZK, die sich bei uns herausgebildet haben und die mitunter im ZK Unruhe schaffen. Sie erinnern sich an den Artikel des Genossen Lenin . Dort ist die Rede davon, dass wir vor der Perspektive einer Spaltung stehen. Da die Organisationen auf Grund dieser Stelle des Artikels des Genossen Lenin den Eindruck gewinnen konnten, dass bei uns bereits eine Spaltung heranreift, haben die Mitglieder des ZK einstimmig beschlossen, Zweifel, die auftauchen könnten, zu zerstreuen, und erklärt, dass es im ZK keine Spaltung gibt, was der Wirklichkeit durchaus entspricht. Das ZK hat aber auch erklärt, dass die Perspektive einer Spaltung nicht ausgeschlossen ist. Und das ist absolut richtig. Im Verlauf der Arbeit sind in den letzten 6 Jahren gewisse Gepflogenheiten und gewisse Traditionen des Kampfes innerhalb des ZK entstanden (und mussten entstehen), die mitunter eine nicht ganz gute Atmosphäre erzeugen. Ich habe diese Atmosphäre auf einer der letzten Plenartagungen des ZK im Februar beobachtet und dort auch gleich bemerkt, dass das Eingreifen von Genossen aus den lokalen Organisationen häufig alles entscheidet. Wir brauchen von diesen Traditionen und von diesen persönlichen Einflüssen unabhängige Menschen, die ins ZK Erfahrungen aus der positiven Arbeit sowie Verbindungen mit den lokalen Organisationen mitbringen und den Zement bilden, mit dem das ZK zu einem einheitlichen und untrennbaren, unsere Partei führenden Kollektiv fest zusammengefügt werden kann. Wir brauchen solche unabhängigen Genossen, die von den alten innerhalb des ZK entstandenen Traditionen frei sind, wir brauchen sie eben als Menschen, die ein neues, auffrischendes Element hereintragen, das ZK zementieren und allen und jeglichen Möglichkeiten der Spaltung innerhalb des ZK vorbeugen. In diesem Sinne habe ich von unabhängig gesprochen.

Ich kann, Genossen, nicht an dem Ausfall vorübergehen, den Ossinski sich in bezug auf Sinowjew erlaubt hat. Er hat Genossen Stalin gelobt, hat Kamenew gelobt und Sinowjew einen Fußtritt versetzt, da er glaubte, einstweilen genüge es, den einen zu beseitigen, dann würden auch die andern an die Reihe kommen. Er hat Kurs genommen auf die Zersetzung des Kerns, der sich in Jahren der Arbeit innerhalb des ZK gebildet hat, um nach und nach, Schritt für Schritt, das Ganze zu zersetzen. Wenn Ossinski allen Ernstes ein solches Ziel verfolgen will, wenn er allen Ernstes beabsichtigt, solche Attacken gegen dieses oder jenes Mitglied des Kerns unseres ZK zu unternehmen, so muss ich ihm warnend erklären, dass er auf eine Mauer stoßen wird, an der er sich, fürchte ich, den Schädel einrennen wird.

Schließlich über Mdiwani. Es sei mir gestattet, ein paar Worte zu dieser Frage zu sagen, die der ganze Parteitag satt hat. Er sprach von Schwankungen im ZK: Heute beschließe man eine Vereinigung der wirtschaftlichen Bemühungen der drei Republiken Transkaukasiens, morgen komme der Beschluss, diese Republiken zu einer Föderation zu vereinigen, übermorgen komme ein dritter Beschluss, wonach sich alle Sowjetrepubliken zu einer Union der Republiken vereinigen sollen. Das bezeichnet er als Schwankungen des ZK. Stimmt das? Nein, Genossen. Das sind keine Schwankungen, das ist ein System. Unabhängige Republiken nähern sich einander zunächst auf wirtschaftlicher Grundlage. Dieser Schritt wurde bereits 1921 unternommen. Nachdem sich herausgestellt hat, dass der Versuch, die Republiken einander näher zu bringen, günstige Resultate zeitigt, wird der nächste Schritt getan - die Vereinigung zu einer Föderation. Besonders in einer Gegend wie Transkaukasien, wo ohne ein spezielles Organ des nationalen Friedens nicht auszukommen ist. Transkaukasien ist, wie Sie wissen, ein Land, wo schon unter dem Zaren tatarisch-armenische Gemetzel stattfanden und unter dem Regime der Mussawatisten, Daschnaken und Menschewiki der Krieg wütete. Um diesem Hader ein Ende zu machen, braucht man ein Organ des nationalen Friedens, das heißt ein höheres Machtorgan, das ein gewichtiges Wort zu sagen vermag. Die Schaffung eines solchen Organs des nationalen Friedens ohne Beteiligung von Vertretern der georgischen Nation ist absolut unmöglich. Nun, einige Monate nach der Vereinigung der wirtschaftlichen Bemühungen wird der nächste Schritt getan - die Föderation der Republiken -, und ein Jahr später noch ein weiterer Schritt als Endetappe auf dem Wege der Vereinigung der Republiken - die Schaffung der Union der Republiken. Wo sind hier Schwankungen? Es ist das System unserer nationalen Politik. Mdiwani hat einfach das Wesen unserer Sowjetpolitik nicht erfasst, obwohl er sich ein alter Bolschewik zu sein dünkt.

Er hat eine Reihe von Fragen gestellt und durchblicken lassen, die wichtigsten Fragen, die die nationalen Angelegenheiten Transkaukasiens, insbesondere Georgiens, betreffen, würden, man wisse nicht, ob vom ZK oder von einzelnen Personen, entschieden. Die Hauptfrage in Transkaukasien ist die Frage der Föderation Transkaukasiens. Gestatten Sie mir, ein kleines Dokument zu verlesen, das die Geschichte der Direktive des ZK der KPR über die Transkaukasische Föderation behandelt.

Am 28. November 1921 sendet mir Genosse Lenin einen Entwurf seines Vorschlags über die Bildung einer Föderation der transkaukasischen Republiken. Dort heißt es:

"1. Die Föderation der transkaukasischen Republiken ist prinzipiell als absolut richtige und unbedingt zu verwirklichende Maßnahme anzuerkennen; was jedoch die unverzügliche praktische Verwirklichung betrifft, so ist sie als verfrüht zu betrachten, das heißt, sie erfordert einige Wochen, damit sie von unten herauf beraten, propagiert und durchgeführt werden kann;

2. die Zentralkomitees Georgiens, Armeniens und Aserbaidshans sind anzuweisen, diesen Beschluss in die Tat umzusetzen."

Ich setze mich mit Genossen Lenin schriftlich in Verbindung und schlage vor, sich damit nicht zu beeilen, abzuwarten, den lokalen Funktionären eine gewisse Spanne Zeit zu geben, damit sie die Föderation durchführen können. Ich schreibe ihm:

"Genosse Lenin . Gegen Ihre Resolution habe ich nichts einzuwenden, wenn Sie damit einverstanden sind, folgenden Abänderungsvorschlag anzunehmen: Anstatt der Worte: ´erfordert einige Wochen, damit sie beraten´, in Punkt 1 zu sagen: ´erfordert eine gewisse Zeitspanne, damit sie beraten´ usw. entsprechend Ihrer Resolution. Die Sache ist nämlich die, dass sich die Föderation in Georgien ´von unten herauf´, ´durch die Sowjets´, in ´einigen Wochen´ nicht ´durchführen´ lässt, da die Sowjets in Georgien erst im Aufbau begriffen sind. Ihr Aufbau ist noch nicht abgeschlossen. Vor einem Monat bestanden sie überhaupt noch nicht, und es ist undenkbar, dort in ´einigen Wochen´ einen Sowjetkongress einzuberufen - nun, eine Transkaukasische Föderation ohne Georgien würde aber eine Föderation auf dem Papier sein. Ich glaube, wir müssen 2 bis 3 Monate darauf verwenden, damit die Idee der Föderation in den breiten Massen Georgiens den Sieg davontrage. Stalin."

Genosse Lenin antwortet: " Ich nehme diesen Abänderungsvorschlag an."

Am Tage darauf wird dieser Vorschlag mit den Stimmen Lenin s, Trotzkis, Kamenews, Molotows und Stalins angenommen. Sinowjew war nicht anwesend, er wurde von Molotow vertreten. Dieser Beschluss wurde Ende 1921 vom Politbüro, wie Sie sehen, einstimmig angenommen. Seit eben dieser Zeit kämpft eine Gruppe georgischer Kommunisten, mit Mdiwani an der Spitze, gegen die Direktive des ZK über die Föderation. Sie sehen, Genossen, die Sache verhält sich nicht so, wie es Mdiwani hier geschildert hat. Ich führe dieses Dokument gegen die unanständigen Anspielungen an, die Mdiwani hier in Umlauf gesetzt hat.

Die zweite Frage: Wodurch ist eigentlich die Tatsache zu erklären, dass eine Gruppe von Genossen, mit Mdiwani an der Spitze, vom Zentralkomitee der Partei abberufen wurde, welche Ursache liegt dem zugrunde? Hier gibt es zwei grundsätzliche und zugleich formale Ursachen. Ich bin verpflichtet, dies zu sagen, da Vorwürfe gegen das ZK und insbesondere gegen mich erhoben wurden.

Die erste Ursache besteht darin, dass die Gruppe Mdiwani keinen Einfluss in der eigenen georgischen Kommunistischen Partei genießt, dass sie von der Kommunistischen Partei Georgiens selbst abgelehnt wird. Diese Partei hatte zwei Parteitage: Anfang 1922 war der erste Parteitag, und Anfang 1923 war der zweite Parteitag. Auf beiden Parteitagen erhielt die Gruppe Mdiwani mit ihrer Idee, die Föderation abzulehnen, von ihrer eigenen Partei eine entschiedene Abfuhr. Auf dem ersten Parteitag hatte er von 122 Stimmen, glaube ich, etwa 18 Stimmen bekommen; auf dem zweiten Parteitag bekam er von 144 Stimmen etwa 20 Stimmen; er wurde beharrlich nicht in das ZK gewählt, sein Standpunkt wurde systematisch abgelehnt. Zum erstenmal übten wir im ZK Anfang 1922 einen Druck auf die Kommunistische Partei Georgiens aus und zwangen sie, entgegen dem Willen der Kommunistischen Partei Georgiens, die alten Genossen aufzunehmen (zweifellos ist Mdiwani ein alter Genosse, auch Macharadse ist ein alter Genosse), da wir glaubten, dass beide Gruppen, die Mehrheit und die Minderheit, sich miteinander einarbeiten würden. In der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Parteitag fand jedoch eine Reihe von Konferenzen statt. Stadtkonferenzen und georgische Landeskonferenzen, wo die Gruppe Mdiwani jedesmal von ihrer Partei Nackenschläge bekam, und schließlich erhielt Mdiwani auf dem letzten Parteitag mit Mühe und Not 18 von 140 Stimmen.

Die Transkaukasische Föderation ist eine Organisation, die nicht nur Georgien, sondern Transkaukasien überhaupt angeht. Gewöhnlich tritt gleich nach dem georgischen Parteitag ein Parteitag ganz Transkaukasiens zusammen. Dort sehen wir dasselbe Bild. Auf dem letzten Parteitag ganz Transkaukasiens erhielt Mdiwani von 244 Stimmen, glaube ich, mit Mühe und Not etwa 10 Stimmen. Das sind die Tatsachen. Wie soll sich nun das Zentralkomitee der Partei angesichts einer solchen Sachlage verhalten, wenn die Partei, wenn die georgische Organisation selbst die Gruppe Mdiwani nicht ausstehen kann? Ich fasse unsere Politik in der nationalen Frage als Politik der Zugeständnisse an die nationalen Minderheiten und die nationalen Vorurteile auf. Diese Politik ist zweifellos richtig. Aber darf man denn dem Willen der Partei, in deren Rahmen die Gruppe Mdiwani zu arbeiten hat, endlos Gewalt antun? Meiner Meinung nach nicht. Im Gegenteil, man muss möglichst die eigenen Handlungen mit dem Willen der Partei in Georgien in Einklang bringen. So hat das ZK auch gehandelt, als es bestimmte Mitglieder dieser Gruppe abberief.

Die zweite Ursache, die das ZK zur Abberufung einiger Genossen dieser Gruppe veranlasst hat, besteht darin, dass sie durchweg gegen die Beschlüsse des ZK der KPR verstießen. Ich habe Ihnen bereits die Geschichte des Beschlusses über die Föderation dargelegt; ich habe bereits davon gesprochen, dass ohne dieses Organ der nationale Frieden unmöglich ist, dass es erst der Sowjetmacht in Transkaukasien, nach der Schaffung der Föderation, gelungen ist, den nationalen Frieden zu sichern. Darum waren wir im ZK der Meinung, dass dieser Beschluss unbedingt bindend ist. Was sehen wir indes? Die Gruppe Mdiwani fügt sich diesem Beschluss nicht, mehr noch: Sie kämpft gegen ihn. Das wurde sowohl durch die Kommission des Genossen Dzierzynski als auch durch die Kommission Kamenew-Kujbyschew festgestellt. Sogar jetzt, nach dem Beschluss des Märzplenums über Georgien, setzt Mdiwani den Kampf gegen die Föderation fort. Was ist das, wenn nicht eine Verhöhnung der Beschlüsse des ZK?

Das sind die Umstände, die das ZK der Partei gezwungen haben, Mdiwani abzuberufen.

Mdiwani stellt die Sache so hin, als habe er, ungeachtet seiner Abberufung, dennoch gesiegt. Ich weiß nicht, was man dann als Niederlage bezeichnen soll. Übrigens ist bekannt, dass Don Quichotte seligen Angedenkens sich ebenfalls Sieger dünkte, als er von den Windmühlen arg zugerichtet wurde. Ich glaube, bei einigen Genossen, die auf einem gewissen Fleck des Sowjetterritoriums, genannt Georgien, arbeiten, ist im Oberstübchen offenbar nicht alles in Ordnung.

Ich gehe zu Genossen Macharadse über. Er hat hier erklärt, in der nationalen Frage ein alter Bolschewik aus Lenin s Schule zu sein. Das stimmt nicht, Genossen. Im April 1917 kämpfte ich auf der Konferenz[68] zusammen mit Genossen Lenin gegen Genossen Macharadse. Er war damals gegen die Selbstbestimmung der Nationen, gegen die Grundlage unseres Programms, gegen das Recht der Völker auf selbständige staatliche Existenz. Er verfocht diesen Standpunkt und kämpfte gegen die Partei. Dann hat er seine Auffassung geändert (was ihm natürlich Ehre macht), aber dennoch sollte er das nicht vergessen! Er ist gar kein alter Bolschewik in der nationalen Frage, sondern ein mehr oder weniger junger.

Genosse Macharadse richtete an mich die parlamentarische Anfrage, ob ich oder ob das ZK die Organisation der georgischen Kommunisten als wirkliche Organisation, der man Vertrauen entgegen bringen muss, anerkenne, und wenn das der Fall sei, ob das ZK dieser Organisation das Recht zuerkenne, Fragen aufzuwerfen und Vorschläge einzubringen. Wenn all das anerkannt werde, sei das ZK dann nicht der Meinung, dass das dort, in Georgien, aufgerichtete Regime unerträglich sei?

Ich will auf diese parlamentarische Anfrage antworten.

Natürlich bringt das ZK der Kommunistischen Partei Georgiens Vertrauen entgegen - wem sollte es sonst vertrauen?! Die Kommunistische Partei Georgiens - das ist das Mark, das sind die besten Elemente des georgischen Volkes, ohne die man Georgien nicht verwalten kann. Aber jede Organisation besteht aus einer Mehrheit und einer Minderheit. Wir haben keine einzige Organisation, in der es nicht eine Mehrheit und eine Minderheit gäbe. Und in der Praxis sehen wir, dass das ZK der Kommunistischen Partei Georgiens aus einer Mehrheit besteht, die die Parteilinie durchführt, und einer Minderheit, die nicht immer diese Linie durchführt. Es handelt sich offenbar um das Vertrauen zu einer Organisation, vertreten durch ihre Mehrheit.

Die zweite Frage ist: Haben die nationalen Zentralkomitees das Recht auf Initiative, das Recht, Fragen auf zuwerfen und Vorschläge einzubringen?

Selbstverständlich haben sie es - das ist klar. Es ist nur unbegreiflich, warum Genosse Macharadse uns nicht Tatsachen angeführt hat, die bewiesen hätten, dass das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Georgiens verhindert wird, Fragen aufzuwerfen, verhindert wird, Vorschläge einzubringen und über sie zu beraten? Ich kenne solche Tatsachen nicht. Ich denke, Genosse Macharadse wird dem ZK solche Materialien vorlegen, falls er überhaupt über sie verfügt.

Die dritte Frage: Dürfen wir das Regime zulassen, das in Georgien entstanden ist?

Leider wurde die Frage nicht konkretisiert - was für ein Regime? Wenn das Regime gemeint ist, unter dem die Sowjetregierung Georgiens in letzter Zeit die Adligen aus ihren Nestern, wie auch die Menschewiki und Konterrevolutionäre, hinauszuwerfen begonnen hat, wenn dieses Regime gemeint ist, so stellt dieses Regime meiner Meinung nach nichts Schlechtes dar. Das ist unser Sowjetregime. Wenn gemeint ist, das Transkaukasische Regionalkomitee habe Bedingungen geschaffen, die für die Entwicklung der Kommunistischen Partei Georgiens unmöglich sind, so sind mir derartige Tatsachen nicht bekannt. Das ZK Georgiens, das auf dem letzten Parteitag der Kommunistischen Partei Georgiens mit einer Mehrheit von 110 Stimmen gegen 18 gewählt wurde, hat vor uns solche Fragen nicht aufgeworfen. Es arbeitet in vollem Kontakt mit dem Transkaukasischen Regionalkomitee unserer Partei. Wenn es eine kleine Gruppe gibt, eine Richtung, mit einem Wort, wenn es Parteimitglieder gibt, die mit dem Parteiregime unzufrieden sind - so müssen die entsprechenden Materialien dem ZK unterbreitet werden. Dort, in Georgien, sind bereits zwei Kommissionen zur Überprüfung dieser Klagen gewesen, die eine war die Kommission Dzierzynski, die andere die Kommission Kamenew und Kujbyschew. Wenn es nötig ist, kann eine dritte Kommission eingesetzt werden.

Damit schließe ich den ersten Teil meines Schlussworts über die organisatorische Praxis des ZK während des letzten Jahres ab.

Ich komme jetzt zum zweiten Teil, zu den organisatorischen Vorschlägen des ZK, die dem Parteitag zur Begutachtung unterbreitet wurden. Soviel ich weiß, hat keiner der Redner zu einem der vom ZK unterbreiteten Vorschläge kritisch Stellung genommen. Ich fasse dies als Ausdruck völliger Solidarität mit den Vorschlägen des ZK auf, die wir Ihnen zur Begutachtung vorgelegt haben. Dessen ungeachtet möchte ich helfen und eine Reihe von Abänderungsanträgen einbringen. Ich werde diese Abänderungsanträge der Sektion unterbreiten, die auf Anregung des ZK geschaffen werden soll, nämlich der Organisationssektion, in der die Hauptarbeit auf der Parteilinie von Genossen Molotow und auf der Sowjetlinie von Genossen Dzierzynski geleitet werden soll.

Der erste Abänderungsantrag geht dahin, die Zahl der Kandidaten des ZK von fünf Personen auf mindestens 15 Personen zu erhöhen.

Der zweite Abänderungsantrag soll erreichen, dass der Festigung und Erweiterung der Registrierungs- und Verteilungsorgane sowohl in den Spitzen als auch in den unteren Gliederungen besondere Beachtung geschenkt wird, denn diese Organe gewinnen jetzt eine kolossale und erstrangige Bedeutung, sind sie doch das realste Mittel, alle Fäden der Wirtschaft und des Sowjetapparats in den Händen der Partei zu halten.

Der dritte Abänderungsantrag wird sich darauf beziehen, dass der Parteitag den Vorschlag auf Gründung einer Kreissekretärschule beim ZK bestätige, damit die Gouvernementskomitees zum Jahresende 200 bis 300 Kreissekretäre haben.

Der vierte Abänderungsantrag schließlich betrifft die Presse. Ich habe nichts Konkretes in dieser Hinsicht hinzuzufügen, möchte aber das Augenmerk des Parteitags besonders darauf lenken, dass die Presse auf die gebührende Höhe gehoben werden muss. Es geht mit ihr vorwärts, sie ist weit vorangekommen, aber noch nicht in dem Grade, wie es nötig ist. Die Presse soll von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde wachsen - sie ist die schärfste und stärkste Waffe unserer Partei.

Zum Schluss noch einige Worte über diesen Parteitag. Genossen! Ich muss sagen, dass ich schon lange einen so geschlossen dastehenden, von einer Idee beseelten Parteitag nicht gesehen habe. Ich bedaure, dass Genosse Lenin nicht hier ist. Wäre er hier, so könnte er sagen: "25 Jahre lang habe ich die Partei gehegt und gepflegt, habe sie groß und mächtig gemacht." (Lang anhaltender Beifall.)

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