"Stalin"

Werke

Band 5

DER XII. PARTEITAG DER KPR(B)

5. ANTWORT AUF DIE ABÄNDERUNGSANTRÄGE
ZUR RESOLUTION

25. April

Obwohl Rakowski die Resolution, die er in der Sektion vorlegte, zu zwei Dritteln geändert und um drei Viertel gekürzt hat, so bin ich dennoch entschieden gegen seinen Abänderungsantrag, und zwar aus folgendem Grunde: Unsere Thesen zur nationalen Frage sind so aufgebaut, dass wir gleichsam das Gesicht dem Osten zuwenden, da wir die dort schlummernden gewichtigen Reserven im Auge haben. Wir haben die ganze nationale Frage im Zusammenhang mit dem Artikel Iljitschs behandelt, der, wie es scheint, kein einziges Wort über den Westen sagt, da nicht dort das Zentrum der nationalen Frage liegt, sondern in den Kolonien und Halbkolonien im Osten. Rakowski möchte, dass wir, das Gesicht dem Osten zugewandt, uns zugleich auch nach Westen wenden. Aber das ist unmöglich und unnatürlich, Genossen, denn allgemein wendet man das Gesicht entweder nach der einen oder nach der anderen Seite - sich gleichzeitig nach beiden Seiten wenden kann man nicht. Wir können und dürfen den allgemeinen Grundton der Thesen, ihren östlichen Grundton, nicht ändern. Darum bin ich der Meinung, dass Rakowskis Abänderungsantrag abgelehnt werden muss.

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Ich bin der Ansicht, dass dieser Abänderungsantrag von kardinaler Bedeutung ist. Wenn der Parteitag ihn annimmt, so muss ich sagen, dass die Thesen völlig umgestürzt werden. Rakowski beantragt, die zweite Kammer so aufzubauen, dass sie die Vertreter der staatlichen Vereinigungen umfasst. Nach seiner Meinung ist die Ukraine eine staatliche Vereinigung, Baschkirien aber nicht. Warum? Wir beseitigen doch nicht die Räte der Volkskommissare in den Republiken. Ist denn etwa das baschkirische ZEK keine staatliche Institution?! Und warum ist Baschkirien kein Staat? Wird etwa die Ukraine aufhören, ein Staat zu sein, nachdem sie der Union beigetreten ist? Der Staatsfetischismus hat Rakowski irre gemacht. Wenn die Nationalitäten ihren Rechten nach gleich sind, wenn sie eine eigene Sprache, eigene Sitten, eigene Lebensgewohnheiten und Gepflogenheiten haben, wenn diese Nationalitäten ihre eigenen Staatsinstitutionen, das ZEK und den Rat der Volkskommissare, geschaffen haben, ist es dann nicht klar, dass alle diese nationalen Gebilde staatliche Vereinigungen sind? Ich glaube, wir dürfen den Standpunkt der Gleichheit der Republiken und Nationalitäten in der zweiten Kammer, besonders in bezug auf die östlichen Nationalitäten, nicht aufgeben.

Rakowski begeistert sich anscheinend für das preußische System des föderativen Aufbaus. Die deutsche Föderation ist so aufgebaut, dass es absolut keine Gleichheit zwischen den Staaten gibt. Ich schlage vor, die Sache so zu organisieren, dass wir neben der Klassenvertretung - das ist die erste Kammer, die auf dem Unionskongress der Sowjets gewählt wird - eine Vertretung der Nationalitäten nach dem Grundsatz der Gleichheit haben. Die östlichen Völker, die mit China, mit Indien organisch verbunden sind, verbunden durch die Sprache, die Religion, die Bräuche und anderes, sind für die Revolution vor allem wichtig. Diese kleinen Völkerschaften haben ein viel größeres Gewicht als die Ukraine.

Wenn wir in der Ukraine einen kleinen Fehler begehen, wird das für den Osten nicht so spürbar sein. Man braucht aber nur in einem kleinen Lande wie Adsharistan (120000 Einwohner) einen kleinen Fehler zu begehen, und schon wirkt sich das auf die Türkei und auf den ganzen Osten aus, denn die Türkei ist aufs engste mit dem Osten verbunden. Man braucht nur einen kleinen Fehler hinsichtlich des kleinen Gebiets der Kaimücken zu machen, die mit Tibet und China verbunden sind, und das wird sich viel schlimmer auf unsere Arbeit auswirken als ein Fehler gegenüber der Ukraine. Wir stehen vor der Perspektive einer machtvollen Bewegung im Osten und müssen unsere Arbeit vor allem auf die Erweckung des Ostens richten, dürfen nichts unternehmen, was auch nur im entferntesten, auch nur indirekt die Bedeutung irgendeiner einzelnen, selbst der kleinsten Völkerschaft in den östlichen Randgebieten schmälern könnte. Darum bin ich der Meinung, vom Standpunkt der Verwaltung eines so großen Landes wie der Union der Republiken mit einer Bevölkerung von 140 Millionen wäre es richtiger, zweckmäßiger und in revolutionärer Hinsicht vorteilhafter - wäre es besser, die Sache so einzurichten, dass dort, in der zweiten Kammer, alle Republiken und nationalen Gebiete in gleichem Maße vertreten wären. Wir haben 8 autonome Republiken, wir haben ebenfalls 8 unabhängige Republiken, Rußland wird als Republik aufgenommen werden, und wir haben 14 Gebiete, das wird eben die zweite Kammer sein, die alle Bedürfnisse und Nöte der Nationalitäten widerspiegeln und die Verwaltung eines so großen Landes erleichtern wird. Darum glaube ich, dass Rakowskis Abänderungsantrag abgelehnt werden muss.

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