"Stalin"

Werke

Band 5

VIERTE BERATUNG DES ZK DER KPR(B)
MIT DEN VERANTWORTLICHEN FUNKTIONÄREN
DER NATIONALEN REPUBLIKEN UND GEBIETE[75]

4. SCHLUSSWORT

Vor allem möchte ich ein paar Worte über die Berichte der Genossen und auf Grund der erstatteten Berichte über den Charakter der Beratung überhaupt sagen. Obwohl diese Beratung seit dem Bestehen der Sowjetmacht die vierte ist, ist sie dennoch unter allen stattgefundenen Beratungen die einzige vollständige, auf der mehr oder weniger vollständige und begründete Berichte über die Republiken und Gebiete gegeben wurden. Aus den Berichten ist ersichtlich, dass die kommunistischen Kader in den Gebieten und Republiken gewachsen sind, dass sie selbständig zu arbeiten lernen. Ich denke, das reichhaltige Material, das die Genossen hier vorgelegt haben, die Arbeitserfahrungen der Gebiete und Republiken, die die Genossen hier vorgetragen haben, müssen unbedingt durch die Protokolle dieser Beratung zum Gemeingut unserer ganzen Partei werden. Die Genossen sind gewachsen und schreiten voran, sie lernen verwalten - das ist die erste Schlussfolgerung, das ist der erste Eindruck von den Berichten.

Nach dem Inhalt der Berichte könnte man die unterbreiteten Materialien in zwei Gruppen einteilen: in Berichte aus den sozialistischen Republiken und in Berichte aus den nicht sozialistischen, den Volksrepubliken (Buchara, Choresm).

Betrachten wir die erste Gruppe der Berichte. Aus ihnen ersieht man, dass als entwickeltste und fortgeschrittenste Republik - was die Annäherung des Partei- und insbesondere des Staatsapparats an die Sprache und Lebensweise des Volkes betrifft - Georgien zu betrachten ist. Auf Georgien folgt Armenien. Dann kommen die übrigen Republiken und Gebiete. Diese Schlussfolgerung scheint mir unbestreitbar zu sein. Die Erklärung bietet das höhere Kulturniveau Georgiens und Armeniens. In Georgien ist der Prozentsatz der Lese- und Schreibkundigen ziemlich hoch, er erreicht 80 Prozent, in Armenien ist er nicht geringer als 40 Prozent. Hierdurch erklärt sich das Geheimnis, dass diese beiden Länder den anderen Republiken voran sind. Je höher also das Bildungs- und Kulturniveau eines Landes, einer Republik, eines Gebiets ist, desto näher steht der Partei- und Sowjetapparat dem Volk, seiner Sprache, seiner Lebensweise. All das natürlich unter sonst gleichen Umständen. Das ist klar, und an dieser Schlussfolgerung ist nichts Neues, und eben darum, weil hier nichts Neues ist, wird diese Schlussfolgerung häufig vergessen, und man sucht nicht selten die kulturelle und folglich auch die staatliche Rückständigkeit "Irrtümern" in der Politik der Partei, Konflikten usw. zuzuschreiben, während die Grundlage all dessen darin liegt, dass es an Bildung und Kultur gebricht. Willst du dein Land zu einem fortschrittlichen Land machen und sein Staatswesen heben, so hebe das Bildungsniveau der Bevölkerung, hebe die Kultur deines Landes, und alles übrige wird sich finden.

Geht man von dieser Seite an die Sache heran und beurteilt man die Lage der Dinge in den einzelnen Republiken auf Grund der erstatteten Berichte, so muss man zugeben, dass die Lage in Turkestan, der heutige Zustand dort am ungünstigsten, am beunruhigendsten ist. Kulturelle Rückständigkeit, ein erschreckend kleiner Prozentsatz von Lese- und Schreibkundigen, Losgelöstheit des Staatsapparats von der Sprache und der Lebensweise der Völker Turkestans, ein erschreckend langsames Entwicklungstempo - so sieht das Bild aus. Indes ist klar, dass von allen Sowjetrepubliken Turkestan vom Standpunkt der Revolutionierung des Ostens die wichtigste Republik ist, nicht nur, weil Turkestan eine Kombination von Nationalitäten darstellt, die mit dem Osten am meisten verbunden sind, sondern auch, weil es seiner geographischen Lage nach mitten in das Herz des Ostens hineinragt, der am meisten ausgebeutet wird und die größte Menge Explosivstoff für den Kampf gegen den Imperialismus aufgespeichert hat. Das ist der Grund, warum das heutige Turkestan den schwächsten Punkt der Sowjetmacht bildet. Die Aufgabe besteht darin, Turkestan in eine mustergültige Republik zu verwandeln, es zu einem Vorposten der Revolutionierung des Ostens zu machen. Eben darum ist es notwendig, das Augenmerk auf Turkestan zu konzentrieren, um das Kulturniveau der Massen zu heben, den Staatsapparat zu nationalisieren usw. Dieser Aufgabe müssen wir um jeden Preis gerecht werden, ohne unsere Kräfte zu schonen, ohne Opfer zu scheuen.

Als zweiter schwacher Punkt der Sowjetmacht ist die Ukraine zu betrachten. Mit der Kultur, mit dem Bildungsniveau usw. steht es hier ebenso oder fast ebenso wie in Turkestan. Der Staatsapparat steht der Sprache und der Lebensweise des Volkes ebensowenig nahe wie in Turkestan. Die Ukraine hat indes für die Völker des Westens die gleiche Bedeutung wie Turkestan für die Völker des Ostens. Die Ukraine befindet sich infolge gewisser Besonderheiten der industriellen Entwicklung des Landes in einer umso komplizierteren Lage. Es handelt sich darum, dass die Hauptzweige der Industrie, die Kohlen- und Hüttenindustrie, in der Ukraine nicht von unten her, nicht durch eine natürliche Entwicklung der Volkswirtschaft, sondern von oben her, durch eine von außen herbeigeführte künstliche Einpflanzung entstanden sind. Infolgedessen ist das Proletariat dieser Wirtschaftszweige nicht ortseingesessen, es spricht nicht ukrainisch. Dieser Umstand aber führt dazu, dass die kulturelle Einwirkung der Stadt auf das Dorf und der Zusammenschluss des Proletariats mit der Bauernschaft, da sich diese durch ihre Nationalität unterscheiden, bedeutend erschwert werden. Alle diese Umstände müssen berücksichtigt werden, wenn die Ukraine zu einer mustergültigen Republik werden soll. Sie aber zu einer mustergültigen Republik zu machen, ist in Anbetracht ihrer enormen Bedeutung für die Völker des Westens unbedingt notwendig.

Ich komme zu den Berichten über Choresm und Buchara. Über Choresm will ich nicht sprechen, da der Vertreter von Choresm nicht anwesend ist: es wäre unangebracht, allein auf Grund der Materialien, über die das ZK verfügt, die Arbeit der Choresmer Kommunistischen Partei und der Regierung von Choresm zu kritisieren. Was Broido über Choresm gesagt hat, betrifft die Vergangenheit. Auf die heutige Lage von Choresm bezieht es sich wenig. Von der Partei sagte er, es gebe in ihr 50 Prozent Kaufleute usw. Vielleicht war das früher der Fall, aber gegenwärtig findet dort eine Reinigung statt, und noch ist kein einziges "einheitliches Parteimitgliedsbuch" in Choresm ausgehändigt, eine Partei gibt es dort eigentlich nicht, von einer Partei wird man erst nach der Reinigung sprechen können. Man sagt, dort gebe es einige Tausend Parteimitglieder. Ich glaube, nach der Parteireinigung werden dort nicht mehr als einige Hundert Parteimitglieder übrig geblieben sein. Genauso war es auch in Buchara im vorigen Jahr, wo 16000 Parteimitglieder registriert waren, während nach der Reinigung nicht mehr als tausend übrig blieben.

Ich komme zum Bericht über Buchara. Wenn ich über Buchara spreche, muss ich zuerst ein paar Worte über den allgemeinen Ton und Charakter der erstatteten Berichte sagen. Ich bin der Meinung, dass die Berichte über die Republiken und Gebiete im allgemeinen wahrheitsgetreu waren; sie stimmten im allgemeinen mit der Wirklichkeit überein. Nur ein Bericht widersprach gänzlich der Wirklichkeit - das war der Bericht über Buchara. Es war überhaupt kein Bericht, sondern nichts als Diplomatie, denn alles, was es in Buchara an Negativem gibt, wurde verkleistert und vertuscht, alles aber, was an der Oberfläche glänzt und ins Auge springt, wurde in den Vordergrund gerückt und zur Schau gestellt. Die Schlussfolgerung lautet: In Buchara ist alles zum besten bestellt. Ich glaube, dass wir nicht zu dieser Beratung gekommen sind, um miteinander Diplomatie zu treiben, einander Komplimente zu machen, hinterrücks aber einander zum Narren zu haben, sondern dazu, um die ganze Wahrheit zu sagen, um auf kommunistische Art alle Geschwüre bloßzulegen, sie aufzuschneiden und Besserungsmittel zu finden. Nur unter dieser Bedingung können wir vorwärtskommen. Von diesem Standpunkt aus unterscheidet sich der Bericht über Buchara von allen anderen Berichten durch seine Unwahrhaftigkeit. Ich habe nicht zufällig hier dem Berichterstatter die Frage gestellt, wie der Rat der Nasire in Buchara zusammengesetzt ist. Der Rat der Nasire ist der Rat der Volkskommissare. Gibt es dort Dechkane, das heißt Bauern? Der Berichterstatter hat nicht geantwortet. Ich habe aber Material darüber, und siehe da, in der Regierung von Buchara gibt es keinen einzigen Bauern. Zu den 9 oder 11 Mitgliedern der Regierung gehören der Sohn eines reichen Kaufmanns, ein Händler, ein Intellektueller, ein Mullah, noch ein Händler, ein Intellektueller, abermals ein Händler, aber kein einziger Dechkan. Indes ist Buchara bekanntlich ein rein bäuerliches Land.

Diese Frage steht in direkter Beziehung zur Politik der Regierung Bucharas. Welcher Art ist die Politik dieser Regierung, an deren Spitze Kommunisten stehen, trägt sie den Interessen der Bauernschaft, ihrer Bauernschaft, Rechnung? Ich möchte nur auf zwei Tatsachen verweisen, die die Politik der von Kommunisten geführten Regierung Bucharas illustrieren. Aus einem Dokument, das von höchst verantwortlichen Genossen und alten Parteimitgliedern unterzeichnet ist, geht zum Beispiel hervor, dass die Staatsbank von Buchara während der ganzen Zeit ihrer Existenz 75 Prozent ihrer Kredite Privatkaufleuten gewährt hat, bäuerlichen Genossenschaften aber nur 2 Prozent. In absoluten Zahlen sieht das wie folgt aus: 7 Millionen Goldrubel an Kaufleute und 220000 Goldrubel an Bauern. Weiter: In Buchara ist die Konfiskation des Grund und Bodens nicht durchgeführt worden. Es wurde dort jedoch eine Konfiskation des Viehbestands des Emirs... zugunsten der Bauern durchgeführt. Was aber weiter? Aus demselben Dokument erfahren wir, dass von den für die Bauern konfiszierten etwa zweitausend Stück Vieh die Bauern nur etwa 200 Stück bekamen, alles übrige wurde verkauft, verkauft natürlich an wohlhabende Bürger.

Und diese Regierung nennt sich eine Sowjetregierung, eine Volksregierung! Es bedarf wohl kaum eines Beweises, dass in der geschilderten Tätigkeit der Regierung Bucharas weder etwas von Volk noch etwas von Sowjets zu finden ist.

Der Berichterstatter hat die Beziehungen des Volkes von Buchara zur RSFSR und zur Union der Republiken in sehr rosigen Farben geschildert. Bei ihm ist auch hier alles zum besten bestellt. Die Republik Buchara wolle in die Union eintreten. Der Berichterstatter denkt offenbar, es genüge der Wunsch, in die Union der Republiken einzutreten, und schon würden die Tore weit aufgerissen. Nein, Genossen, so einfach ist die Sache nicht. Da muss erst noch gefragt werden, ob man in die Union der Republiken hineingelassen wird. Um in die Union eintreten zu können, muss man sich zuerst in den Augen der Völker der Union das Recht zum Eintritt in die Union verdienen, muss man sich dieses Recht erwerben. Ich muss die Genossen aus Buchara daran erinnern, dass man in Republiken keinen Schuttabladeplatz sehen darf.

Ich beende den ersten Teil meines Schlussworts über die Berichte und möchte schließlich ein charakteristisches Moment in diesen Berichten streifen. Kein Berichterstatter, aber auch kein einziger, hat auf eine Frage geantwortet, die auf der Tagesordnung der Beratung stand, nämlich, ob unausgenutzte freie Reserven einheimischer Funktionäre vorhanden sind. Diese Frage hat mit Ausnahme von Grinko, der jedoch kein Berichterstatter ist, niemand beantwortet und niemand berührt. Indes ist diese Frage von erstrangiger Bedeutung. Ob es in den Republiken oder Gebieten freie, nicht ausgenutzte Funktionäre unter der einheimischen Bevölkerung gibt und, wenn es solche gibt - warum sie nicht verwendet werden; wenn es solche Reserven aber nicht gibt und trotzdem ein Mangel an Funktionären vorhanden ist, mit welchen nationalen Elementen dann die unbesetzten Posten im Partei- oder Sowjetapparat besetzt werden - alle diese Fragen sind für die Partei in höchstem Grade wichtig. Ich weiß, dass es in den Republiken und Gebieten einen Teil leitender, hauptsächlich russischer Funktionäre gibt, die mitunter die einheimischen Funktionäre nicht hochkommen lassen, ihr Aufrücken auf bestimmte Posten hemmen, sie zurücksetzen. Solche Fälle kommen vor, und das ist eine der Ursachen der Unzufriedenheit in den Republiken und Gebieten. Die größte und hauptsächlichste Ursache der Unzufriedenheit aber besteht darin, dass wir erschreckend wenig oder vielmehr überhaupt keine freien Reserven von Einheimischen haben, die sich für die Arbeit eignen. Darum geht es eben. Wenn es an einheimischen Funktionären fehlt, so müssen offenbar auswärtige Funktionäre, Angehörige anderer Nationalitäten, in die Arbeit eingesetzt werden, denn die Zeit drängt, es gilt zu bauen und zu verwalten, Kader von Einheimischen aber wachsen nur langsam heran. Ich glaube, die Funktionäre aus den Gebieten und Republiken haben hier eine gewisse List angewandt, als sie diesen Umstand verschwiegen. Indes ist klar, dass sich neun Zehntel der Missverständnisse aus dem Mangel an einheimischen Funktionären erklären. Hieraus ergibt sich nur eine Schlussfolgerung: Der Partei ist die Kampfaufgabe zu stellen, schleunigst Kader von Sowjet- und Parteifunktionären aus der einheimischen Bevölkerung heranzubilden.

Von den Berichten gehe ich zu den Reden über. Ich muss hervorheben, Genossen, dass kein Redner, aber auch kein einziger, den prinzipiellen Teil des vom Politbüro vorgelegten Plattformentwurfs kritisiert hat. (Zwischenruf: "Hier gibt es nichts zu kritisieren.") Ich fasse dies als Zustimmung der Konferenz auf, als Solidarität der Konferenz mit den Grundsätzen, die im prinzipiellen Teil der Plattform niedergelegt sind. (Zwischenrufe: "Sehr richtig!")

Der Zusatz Trotzkis, von dem er sprach, oder die Einfügung (sie betrifft den prinzipiellen Teil), sollte angenommen werden, denn er ändert absolut nichts am Charakter des prinzipiellen Teils der Resolution, sondern er entspringt ihr geradezu. Um so mehr als der Zusatz Trotzkis seinem Wesen nach eine Wiederholung des bekannten Punktes der Resolution des X. Parteitags zur nationalen Frage darstellt, wo gesagt wird, dass eine mechanische Übertragung von Petrograder und Moskauer Vorbildern auf die Gebiete und Republiken unzulässig ist. Das ist natürlich eine Wiederholung, ich glaube aber, mitunter schadet es nicht, gewisse Dinge zu wiederholen. Darum will ich auf den prinzipiellen Teil der Resolution nicht weiter eingehen. Die Rede Skrypniks gibt einen gewissen Anlass zu der Schlussfolgerung, dass er diesen prinzipiellen Teil auf seine Art auslegt und bemüht ist, angesichts der wichtigsten Aufgabe, des Kampfes gegen den großrussischen Chauvinismus, der die Hauptgefahr darstellt, die andere Gefahr, die Gefahr des lokalen Nationalismus, zu vertuschen. Aber diese Auslegung ist grundfalsch.

Der zweite Teil der Plattform des Politbüros betrifft den Charakter der Union der Republiken und gewisse Abänderungsanträge zur Verfassung der Union der Republiken unter dem Gesichtspunkt der Gründung einer so genannten zweiten Kammer. Ich muss sagen, dass hier zwischen dem Politbüro und den ukrainischen Genossen gewisse Meinungsverschiedenheiten bestehen. Das, was im Entwurf einer Plattform des Politbüros niedergelegt ist, wurde vom Politbüro einstimmig angenommen. Einige Punkte aber werden von Rakowski angefochten. Das kam unter anderem in der Kommission des ZK-Plenums zum Ausdruck. Vielleicht sollte man darüber nicht sprechen, denn nicht hier wird diese Frage entschieden. Ich habe bereits über diesen Teil der Plattform berichtet und erklärt, dass die Frage in der Kommission des ZK-Plenums und in einer Kommission des Präsidiums des ZEK der Union[78] ausgearbeitet wird. Da diese Frage aber nun gestreift worden ist, kann ich sie nicht umgehen.

Es stimmt nicht, dass die Frage der Konföderation und der Föderation eine belanglose Frage sei. War es etwa ein Zufall, dass die ukrainischen Genossen bei der Prüfung des bekannten Verfassungsentwurfs, der auf dem Kongress der Union der Republiken angenommen wurde, den Satz gestrichen haben, dass die Republiken "sich zu einem Bundesstaat vereinigen"? War das etwa ein Zufall, und haben sie das etwa nicht getan? Warum haben sie diesen Satz gestrichen? War es etwa ein Zufall, dass die ukrainischen Genossen in ihrem Gegenentwurf vorschlugen, das Volkskommissariat für Außenhandel und das Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten nicht zu verschmelzen, sondern in die Kategorie der Direktiven erteilenden überzuführen? Wo bleibt da der einheitliche Bundesstaat, wenn jede Republik ihr eigenes Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten und für Außenhandel hat? War es etwa ein Zufall, dass die Ukrainer in ihrem Gegenentwurf die Macht des Präsidiums des ZEK auf Null reduzierten, indem sie sie auf zwei Präsidien der zwei Kammern verteilten? Alle diese Abänderungsanträge Rakowskis wurden von der Kommission des ZK-Plenums festgehalten, analysiert und abgelehnt. Wozu wiederholt man sie also hier noch einmal? Ich erblicke in dieser Hartnäckigkeit gewisser ukrainischer Genossen den Wunsch, den Charakter der Union dahingehend zu bestimmen, dass ein Mittelding zwischen Konföderation und Föderation, mit einem Überwiegen der Konföderation, entsteht. Es ist indes klar, dass wir nicht eine Konföderation, sondern eine Föderation von Republiken, einen Bundesstaat schaffen, der das Militärwesen, das Auswärtige, den Außenhandel und andere Angelegenheiten vereinigt, einen Staat, der die Souveränität der einzelnen Republiken nicht beeinträchtigt.

Wenn wir im Rahmen der Union Volkskommissariate für Auswärtige Angelegenheiten, für Außenhandel usw. haben und alle diese Volkskommissariate gleichzeitig auch in den Republiken bestehen, die zur Union gehören, so wird die Gesamtunion offensichtlich nicht mehr als einheitlicher Staat vor die Außenwelt hintreten können, denn eins von beiden: Entweder verschmelzen wir diese Apparate und treten vor dem äußeren Feind als einheitliche Union auf, oder wir verschmelzen diese Apparate nicht, schaffen keinen Bundesstaat, sondern ein Konglomerat von Republiken, und dann muss jede Republik über ihren parallelen Apparat verfügen. Ich glaube, die Wahrheit ist hier auf seiten des Genossen Manuilski, und nicht auf seiten Rakowskis und Skrypniks.

Von den Staatsfragen gehe ich zu den Fragen rein konkreten, praktischen Charakters über, die teils mit dem praktischen Vorschlag des Politbüros, teils mit den Abänderungsanträgen verbunden sind, die hier von den Genossen Praktikern eingebracht werden können. In meiner Eigenschaft als Berichterstatter des Politbüros habe ich nicht behauptet und nicht behaupten können, dass die konkreten praktischen Vorschläge des Politbüros erschöpfend seien. Im Gegenteil, von Anfang an habe ich die Einschränkung gemacht, dass es hier Lücken geben kann und Ergänzungen unvermeidlich sind. Als eine dieser Ergänzungen schlägt Skrypnik einen Passus über die Gewerkschaften vor. Diese Ergänzung ist annehmbar. Einige Zusätze des Genossen Mikojan nehme ich ebenfalls an. In bezug auf den Fonds für den Verlag und überhaupt für die Presse in einigen zurückgebliebenen Republiken und Gebieten ist tatsächlich eine Korrektur notwendig. Diese Frage wurde außer acht gelassen. Außer acht gelassen wurde auch die Frage der Schulen in einigen Gebieten und sogar Republiken. Die Schulen der ersten Stufe sind nicht in den Staatshaushalt einbezogen worden. Das ist wirklich eine Unterlassung, und solcher Unterlassungen kann es eine ganze Menge geben. Darum mache ich den Genossen Praktikern, die sich mehr über den Zustand ihrer Organisationen ausließen und weniger bemüht waren, konkret zu werden, den Vorschlag, darüber nachzudenken und die entsprechenden konkreten Ergänzungs- und Abänderungsvorschläge usw. beim ZK einzureichen, das sie dann zusammenfassen, in die entsprechenden Punkte einfügen und an die Organisationen verteilen wird.

Ich kann einen der Anträge Grinkos nicht mit Schweigen übergehen, der es als notwendig bezeichnet, gewisse Vorzugsbedingungen zu schaffen, die es den einheimischen Kräften der kulturell weniger entwickelten und vielleicht weniger proletarischen Nationalitäten erleichtern, in die Partei einzutreten und in führende Parteiorgane aufzurücken. Dieser Antrag ist richtig, und meiner Meinung nach sollte er angenommen werden.

Ich beende mein Schlusswort mit dem Antrag, den vom Politbüro vorgelegten Entwurf einer Plattform zur nationalen Frage als Grundlage anzunehmen, unter Berücksichtigung auch des Abänderungsantrags Trotzkis. Dem ZK soll vorgeschlagen werden, alle vorliegenden und eventuell neu einlaufenden praktischen Anträge zu klassifizieren und in die entsprechenden Punkte der Plattform einzufügen. Dem ZK soll vorgeschlagen werden, den Plattformentwurf, die Protokolle, die Resolution, die wichtigsten Dokumente der Berichterstatter binnen einer Woche drucken zu lassen und an die Organisationen zu senden. Der Entwurf der Plattform sollte angenommen werden, ohne dass eine spezielle Kommission gebildet wird.

Ich habe die Frage nicht berührt, ob eine Kommission für die nationale Frage beim ZK geschaffen werden soll. Genossen, ich zweifle etwas an der Zweckmäßigkeit einer solchen Organisation, erstens weil die Republiken und Gebiete uns zweifellos für diese Arbeit keine bedeutenden Mitarbeiter zur Verfügung stellen werden. Davon bin ich überzeugt. Zweitens denke ich, dass die Gebietskomitees und die nationalen Zentralkomitees nicht einverstanden sein werden, auch nur einen Teil ihrer Rechte auf Verteilung der Funktionäre an eine Kommission beim ZK zu übertragen. Heute halten wir bei der Verteilung der Kräfte gewöhnlich bei den Gebietskomitees und den nationalen Zentralkomitees Rückfrage. Wenn eine Kommission bestünde, würde sich das Schwergewicht natürlich auf die Kommission verlagern. Es besteht keine Analogie zwischen einer Kommission für die nationale Frage und den Kommissionen für Genossenschaften oder für die Arbeit unter den Bauern. Die Kommission für die Arbeit auf dem Lande oder für die Genossenschaften arbeitet gewöhnlich allgemeine Direktiven aus. In der nationalen Frage aber brauchen wir nicht allgemeine Direktiven, sondern Festlegung konkreter Schritte für die einzelnen Republiken und Gebiete, etwas, was eine allgemeine Kommission nicht zu tun vermag. Schwerlich wäre eine Kommission imstande, irgendwelche Beschlüsse, zum Beispiel für die ukrainische Republik auszuarbeiten und anzunehmen: zwei oder drei Mann als Vertreter der Ukraine können das ZK der KP(B) der Ukraine nicht ersetzen. Darum bin ich der Meinung, dass eine Kommission nichts Wesentliches leisten würde. Der Schritt, der hier vorgeschlagen wird - die Aufnahme von nationalen Kräften in die Hauptabteilungen des ZK, dieser Schritt, glaube ich, wird einstweilen vollauf genügen. Wenn wir in einem halben Jahr keine besonderen Erfolge zu verzeichnen haben, dann können wir die Schaffung einer speziellen Kommission anregen.

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