"Stalin"

Werke

Band 5

ZUM FÜNFTEN JAHRESTAG DES
ERSTEN KONGRESSES DER ARBEITERINNEN UND
BÄUERINNEN[80]

Vor fünf Jahren wurde vom Zentralkomitee unserer Partei in Moskau der erste Allrussische Kongress der Arbeiterinnen und Bäuerinnen einberufen. Zu diesem Kongress erschienen mehr als tausend Delegierte, die nicht weniger als eine Million werktätiger Frauen vertraten. Dieser Kongress bildete einen Markstein in der Arbeit unserer Partei unter den werktätigen Frauen. Das unschätzbare Verdienst dieses Kongresses besteht darin, dass er das Fundament für die Organisierung der politischen Aufklärung der Arbeiterinnen und Bäuerinnen unserer Republik gelegt hat.

Manch einer könnte meinen, daran sei nichts Besonderes, die Partei habe sich stets mit der politischen Aufklärung der Massen, darunter auch der Frauen, beschäftigt, die politische Aufklärung der Frauen könne keine ernstliche Bedeutung haben, sobald wir über festgefügte Kader aus den Reihen der Arbeiter und Bauern verfügen. Diese Betrachtung ist grundfalsch. Die politische Aufklärung der werktätigen Frauen ist jetzt, da die Macht in die Hände der Arbeiter und Bauern übergegangen ist, von erstrangiger Bedeutung.

Und dies aus folgendem Grunde:

Unser Land hat etwa 140 Millionen Einwohner, von denen nicht weniger als die Hälfte Frauen, hauptsächlich geduckte, wenig bewusste, unwissende Arbeiterinnen und Bäuerinnen sind. Wenn unser Land den Aufbau eines neuen, sowjetischen Lebens ernstlich in Angriff genommen hat, ist es da nicht klar, dass die Frauen dieses Landes, die die Hälfte seiner Bevölkerung bilden, bei jeder Vorwärtsbewegung ein Hemmschuh sein werden, wenn sie auch weiterhin geduckt, wenig bewusst, unwissend bleiben?

Als Arbeiterin steht die Frau Schulter an Schulter mit dem Arbeiter. Sie arbeitet zusammen mit ihm an dem gemeinsamen Werk, unsere Industrie aufzubauen. Sie kann bei dem gemeinsamen Werk helfen, wenn sie bewusst, wenn sie politisch aufgeklärt ist. Sie kann aber, wenn sie geduckt und unwissend ist, das gemeinsame Werk zugrunde richten, natürlich nicht aus bösem Willen, sondern infolge ihrer Unwissenheit.

Als Bäuerin steht die Frau Schulter an Schulter mit dem Bauern. Sie arbeitet zusammen mit ihm an dem gemeinsamen Werk, unsere Landwirtschaft zur Entwicklung, zum Gedeihen, zum Aufblühen zu bringen. Sie kann bei diesem Werk einen gewaltigen Nutzen bringen, wenn sie sich von Unwissenheit und Unkenntnis frei macht. Und umgekehrt: Sie kann das ganze Werk hemmen, wenn sie auch fernerhin in Unwissenheit befangen bleibt.

Die Arbeiterinnen und Bäuerinnen sind genauso wie die Arbeiter und Bauern freie Bürger. Sie wählen unsere Sowjets, unsere Genossenschaftsorgane, sie können in die Sowjets, in die Genossenschaftsorgane gewählt werden. Die Arbeiterinnen und Bäuerinnen können, wenn sie politisch aufgeklärt sind, unsere Sowjets und Genossenschaften verbessern, sie festigen und weiterentwickeln. Die Arbeiterinnen und Bäuerinnen können, wenn sie unaufgeklärt und unwissend sind, die Sowjets und Genossenschaften schwächen und untergraben.

Schließlich sind die Arbeiterinnen und Bäuerinnen Mütter, sie erziehen unsere Jugend - die Zukunft unseres Landes. Sie können das Kind seelisch verkrüppeln oder uns eine geistig gesunde Jugend erziehen, die imstande ist, unser Land vorwärtszubringen, je nachdem, ob die Frau, die Mutter, mit dem Sowjetregime sympathisiert, oder ob sie sich im Schlepptau des Popen, des Kulaken, der Bourgeoisie befindet.

Das ist der Grund, warum die politische Aufklärung der Arbeiterinnen und Bäuerinnen jetzt, da die Arbeiter und Bauern den Aufbau des neuen Lebens in Angriff genommen haben, eine Sache von erstrangiger Bedeutung, eine äußerst wichtige Voraussetzung für den wirklichen Sieg über die Bourgeoisie ist.

Das ist der Grund, warum der erste Kongress der Arbeiterinnen und Bäuerinnen, der die Grundlage für die Organisierung der politischen Aufklärung der werktätigen Frauen geschaffen hat, von wahrhaft unschätzbarer Bedeutung ist.

Vor fünf Jahren, auf dem ersten Kongress der Arbeiterinnen und Bäuerinnen, bestand die nächstliegende Aufgabe der Partei darin, Hunderttausende von Arbeiterinnen in die gemeinsame Arbeit am Aufbau eines neuen, sowjetischen Lebens einzubeziehen. Dabei standen die Arbeiterinnen der Industriegebiete als die regesten und bewusstesten Elemente der werktätigen Frauen in den ersten Reihen. Es muss zugegeben werden, dass in den fünf Jahren in dieser Hinsicht nicht wenig getan worden ist, obwohl noch vieles zu tun bleibt.

Jetzt besteht die nächste Aufgabe der Partei darin, Millionen Bäuerinnen in die gemeinsame Arbeit an der Gestaltung unseres Sowjetlebens einzubeziehen. Fünf Jahre Arbeit haben bereits eine ganze Anzahl leitender Frauen aus den Reihen der Bäuerinnen hervorgebracht. Wir wollen hoffen, dass sich die Reihen der leitenden Bäuerinnen mit neuen politisch bewussten Bäuerinnen auffüllen werden. Wir wollen hoffen, dass die Partei auch diese Aufgabe bewältigen wird.

10. November 1923.

Zeitschrift "Kommunistka"
(Die Kommunistin) Nr. 11,
November 1923.
Unterschrift: J. Stalin.

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