"Stalin"

Werke

Band 6

DER XIII. PARTEITAG DER KPR(B)

SCHLUSSWORT

27. Mai

Genossen! Ich habe in den Ausführungen der Redner keine Einwände gegen den organisatorischen Bericht des ZK gefunden. Ich werte dies als Zustimmung des Parteitags zu den Schlussfolgerungen dieses Berichts. (Beifall.)

In meinem Bericht habe ich unsere innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten absichtlich nicht berührt, und zwar deshalb nicht, weil ich die Wunden, die schon verheilt schienen, nicht aufreißen wollte. Nachdem aber Trotzki und Preobrashenski diese Fragen angeschnitten, dabei eine Reihe von Ungenauigkeiten begangen und uns herausgefordert haben, ist Schweigen unangebracht. In einer solchen Lage wäre Schweigen unbegreiflich.

Genossin Krupskaja wandte sich hier gegen eine Wiederholung der Diskussion über die Meinungsverschiedenheiten. Ich bin entschieden gegen eine Wiederholung, und gerade aus diesem Grunde habe ich in meinem Bericht die Meinungsverschiedenheiten nicht berührt. Da aber nun die der Opposition angehörenden Genossen diese Meinungsverschiedenheiten berührt und uns herausgefordert haben, haben wir nicht das Recht zu schweigen.

Trotzki und Preobrashenski, beide konzentrieren, wenn sie über die Meinungsverschiedenheiten sprechen, die Aufmerksamkeit des Parteitags auf eine Resolution, auf die Resolution vom 5. Dezember, und vergessen dabei, dass es außer dieser Resolution noch eine andere Resolution gibt, die Resolution über die Ergebnisse der Diskussion[43], sie vergessen dabei, dass eine Konferenz stattgefunden hat und dass nach der vom ZK am 5. Dezember angenommenen Resolution eine neue Diskussionswelle einsetzte, die in einer besonderen Resolution der XIII. Konferenz über die Ergebnisse der Diskussion ihre Einschätzung erhalten hat. Sie vergessen, dass ein Verschweigen der XIII. Konferenz für die Opposition nicht glatt ablaufen wird.

Ich mache den Parteitag darauf aufmerksam, dass die Konferenz eine Resolution über die Wirtschaftspolitik und zwei Resolutionen über den Parteiaufbau angenommen hat. Warum geschah dies? Es gab eine von der gesamten Partei bestätigte und vom ZK am 5. Dezember angenommene Resolution; dann aber erwies es sich als notwendig, eine weitere Resolution zu derselben Frage - über die kleinbürgerliche Abweichung - anzunehmen. Wie kam es zu dieser misslichen Lage, und wie ist sie zu erklären? Sie erklärt sich daraus, dass die ganze Diskussion in zwei Perioden zerfiel. Die erste Periode, die mit der einstimmig angenommenen Resolution vom 5. Dezember abschloss, und die zweite Periode, die mit der Resolution über die kleinbürgerliche Abweichung abschloss. Wir nahmen damals, das heißt in der ersten Periode, an, dass mit der Resolution vom 5. Dezember die Streitigkeiten in der Partei wohl erledigt sein würden, und gerade darum habe ich das vergangene Mal, in meinem Bericht auf der XIII. Konferenz, als ich über diese Periode sprach, gesagt, dass die Resolution vom 5. Dezember bei einigem guten Willen von seiten der Opposition den Kampf in der Partei beenden könnte. Hierüber sprach ich, und wir alle waren dieser Auffassung. Die Sache ist aber die, dass die Diskussion nicht mit dieser Periode endete. Auf die Resolution vom 5. Dezember folgten die Briefe Trotzkis - eine neue Plattform mit neuen Fragen - und es setzte eine neue Welle der Diskussion ein, einer schärferen, als sie es bis dahin war. Dadurch wurde die Möglichkeit des Friedens in der Partei vereitelt. Dies war die zweite Periode, die die Oppositionellen jetzt zu verschweigen, zu übergehen suchen.

Die Sache ist die, dass zwischen der Diskussion in der zweiten Periode und der Diskussion in der ersten Periode, die in der Resolution vom 5. Dezember ihre Widerspiegelung fand, ein gewaltiger Unterschied besteht. In der Resolution vom 5. Dezember wurde die Frage der Entartung der Kader nicht aufgeworfen. Trotzki, mit dem zusammen wir damals diese Resolution ausarbeiteten, sprach kein Sterbenswörtchen von einer Entartung der Kader. Er sparte diesen Zusatz offenbar auf, um später damit hervorzutreten. Ferner ist in der Resolution vom 5. Dezember nichts darüber enthalten, dass die studierende Jugend das sicherste Barometer wäre. Auch diese Frage hielt Trotzki offenbar in Reserve, um später in der Diskussion damit hervorzutreten. In der Resolution vom 5. Dezember finden wir nichts von jener Tendenz zu einem Angriff auf den Apparat, nichts von jenen Forderungen nach Strafmaßnahmen gegen den Parteiapparat, worüber sich Trotzki in seinen nachfolgenden Briefen sehr breit ausließ. Schließlich enthält die Resolution vom 5. Dezember nicht einmal eine Andeutung, dass Gruppierungen notwendig seien, während sich Trotzki in seinen nachfolgenden Briefen sehr ausführlich über die Gruppierungen ausließ.

So gewaltig ist der Unterschied zwischen der Stellung der Opposition vor dem 5. Dezember und der Stellung ihrer Führer nach dem 5. Dezember.

Jetzt sind Trotzki und Preobrashenski bemüht, ihre zweite Plattform in der zweiten Diskussionsperiode zu verschweigen, zu verbergen, und glauben offenbar, die Partei übertölpeln zu können. Nein, das wird Ihnen nicht gelingen! Mit plumper List und Diplomatie können Sie den Parteitag nicht täuschen. Ich zweifle nicht daran, dass der Parteitag sowohl zu dem ersten Stadium der Diskussion, das in der Resolution vom 5. Dezember seinen Ausdruck fand, als auch zu dem zweiten Stadium, das in der Resolution der Konferenz über die kleinbürgerliche Abweichung seinen Ausdruck fand, Stellung nehmen wird.

Diese beiden Resolutionen sind zwei Teile eines Ganzen, das Diskussion heißt. Wer diese beiden Teile zu vermengen gedenkt und glaubt, dadurch den Parteitag hinters Licht führen zu können, der täuscht sich. Die Partei ist gewachsen, ihr Bewusstsein hat eine höhere Stufe erreicht, und mit Diplomatie ist die Partei nicht zu täuschen. Der ganze Irrtum der Opposition besteht darin, dass sie dies nicht begreift.

Untersuchen wir, wer in den Fragen der von der Opposition nach dem 5. Dezember aufgestellten Plattform Recht behielt. Wer behielt recht in den vier neuen Fragen, die in Trotzkis Briefen angeschnitten wurden?

Erste Frage: die Kader entarten. Wir alle verlangten und verlangen Tatsachen, die auf eine Entartung der Kader hinweisen. Solche Tatsachen hat man uns aber nicht gegeben und kann man uns auch nicht geben, denn solche Tatsachen gibt es einfach nicht. Nachdem wir uns die Sache etwas näher betrachtet hatten, stellten wir alle fest, dass es bei uns keine Entartung gibt, dass aber zweifellos eine Abweichung mancher Führer der Opposition zu kleinbürgerlicher Politik vorhanden ist. Wer also behielt Recht? Offenbar nicht die Opposition.

Zweite Frage: die studierende Jugend, die das sicherste Barometer sein soll. Wer behielt in dieser Frage Recht? Wiederum offenbar nicht die Opposition. Betrachten wir das Wachstum unserer Partei während dieser Zeit, die Aufnahme von 200000 neuen Mitgliedern, so ergibt sich, dass das Barometer nicht in den Reihen der studierenden Jugend, sondern in den Reihen des Proletariats zu suchen ist, dass die Partei sich nicht auf die studierende Jugend, sondern auf den proletarischen Kern der Partei orientieren muss. 200000 neue Parteimitglieder - das ist das Barometer. Auch hier zeigte sich, dass die Opposition Unrecht hatte.

Dritte Frage: Strafmaßnahmen gegen den Apparat, ein Angriff auf den Parteiapparat. Wer behielt Recht? Wiederum nicht die Opposition. Sie blies ihren Angriff auf den Apparat ab und ging zur Verteidigung über. Sie waren hier Zeuge dessen, wie sie sich herauszuwinden suchte, während sie sich im Kampf gegen den Parteiapparat in Unordnung zurückzog.

Vierte Frage: die Fraktionen, die Gruppierungen. Trotzki erklärte, dass er entschieden gegen Gruppierungen sei. Das ist sehr gut. Wenn es aber schon notwendig geworden ist, auf die Geschichte einzugehen, so gestatten Sie mir, an einige Tatsachen zu erinnern. Im Dezember hatten wir eine Unterkommission des ZK der Partei zur Ausarbeitung der Resolution, die dann am 5. Dezember veröffentlicht wurde. Diese Unterkommission bestand aus drei Personen: Trotzki, Kamenew und Stalin.

Ist Ihnen aufgefallen, dass die Resolution vom 5. Dezember den Satz über Gruppierungen nicht enthält? Dort ist vom Verbot der Fraktionen die Rede, aber von einem Verbot der Gruppierungen ist nichts gesagt. Die Resolution enthält lediglich einen Hinweis auf den bekannten Beschluss des X. Parteitags über die Einheit der Partei. Wodurch ist das zu erklären? Durch einen Zufall? Das ist kein Zufall. Kamenew und ich verlangten entschieden ein Verbot der Gruppierungen. Trotzki protestierte in ultimativer Weise gegen das Verbot von Gruppierungen und erklärte, dass er angesichts einer solchen Sachlage nicht für die Resolution stimmen könne. Wir begnügten uns damals mit einem Hinweis auf die Resolution des X. Parteitags, die Trotzki damals offenbar nicht gelesen hatte und in der nicht nur von einem Verbot der Fraktionen, sondern auch von einem Verbot der Gruppierungen die Rede ist. (Heiterkeit. Beifall.) Trotzki setzte sich damals für die Freiheit der Gruppierungen ein. Hier hat er die Resolution vom 5. Dezember gelobt. In seinem Brief an das ZK der KPR(B), vier Tage nach Annahme der Resolution über den Parteiaufbau, das heißt am 9. Dezember, schrieb Trotzki jedoch: "Besonders beunruhigt mich der rein formale Standpunkt der Mitglieder des Politbüros in der Frage von Gruppierungen und Fraktionsbildungen." Wie gefällt Ihnen das? Ein Mann, der auf diese Resolution schwört, ist, wie sich herausstellt, im tiefsten Innern besonders beunruhigt über die Einstellung des Politbüros zur Frage der Gruppierungen und der Fraktionen. Es sieht gar nicht danach aus, als ob er damals für das Verbot von Gruppierungen gewesen wäre. Nein, Trotzki war damals für die Bildung von Gruppierungen, für ihre Freiheit.

Ferner, wer erinnert sich nicht der bekannten Resolution Preobrashenskis in Moskau, in der gefordert wurde, die auf dem X. Parteitag entschiedene Frage der Fraktionen dahingehend zu präzisieren, dass gewisse Einschränkungen aufgehoben würden? Daran können sich´ in Moskau alle erinnern. Und wer von Ihnen erinnert sich nicht, dass Preobrashenski in seinen Feuilletons die Wiederherstellung des Regimes in der Partei forderte, das in der Epoche des Brester Friedens bestand? Wir wissen aber, dass die Partei in der Brester Epoche gezwungen war, das Bestehen von Fraktionen zuzulassen; wir wissen das sehr wohl. Und wer erinnert sich nicht, wie alle Oppositionellen auf der XIII. Konferenz, als ich das Einfachste von der Welt beantragte, nämlich den Parteimitgliedern den 7. Punkt der Resolution über die Einheit, und zwar über das Verbot von Gruppierungen, ins Gedächtnis zu rufen - wie alle Oppositionellen tobten und forderten, dass dieser Punkt nicht aufgenommen würde? Folglich stand die Opposition in dieser Frage voll und ganz auf dem Standpunkt der Freiheit für Gruppierungen, in der Annahme, sie könnte die Wachsamkeit der Partei einlullen, wenn sie sagte, sie fordere nicht die Freiheit der Fraktionen, sondern die Freiheit der Gruppierungen. Wenn sie uns jetzt erklären, sie seien gegen Gruppierungen, so ist das sehr gut. Ich kann das aber keinesfalls als eine Offensive ihrerseits bezeichnen: es ist ein ungeordneter Rückzug, es ist ein Zeichen dafür, dass das ZK auch in dieser Frage im Recht ist.

Nach dieser Erläuterung gestatten Sie mir, Genossen, etliche Worte über einige prinzipielle Fehler zu sagen, die Trotzki und Preobrashenski in ihren Ausführungen zu den Fragen der Organisation der Partei begangen haben.

Trotzki erklärte, das Wesen der Demokratie laufe auf die Frage der Generationen hinaus. Das ist falsch, prinzipiell falsch. Das Wesen der Demokratie läuft keineswegs hierauf hinaus. Die Frage der Generationen ist eine zweitrangige Frage. Die Zahlenangaben über das Leben unserer Partei besagen, das Leben unserer Partei zeugt davon, dass die junge Generation der Partei Schritt für Schritt in die Kader hineinwächst, dass die Kader durch die Jugend aufgefüllt und erweitert werden. Die Partei beschritt stets diesen Weg und wird ihn stets beschreiten. Nur wer die Kader als ein in sich abgeschlossenes Ganzes, als einen privilegierten Stand betrachtet, der keine neuen Mitglieder in seine Mitte aufnimmt, nur wer diese Kader wie ein Offizierkorps aus der alten Zeit betrachtet, wer alle übrigen Parteimitglieder als "unter seiner Würde stehend" ansieht, nur wer eine Kluft zwischen den Kadern und den jungen Parteimitgliedern aufreißen will - nur der kann die Frage der Demokratie auf die Frage der Generationen in der Partei zuspitzen. Das Wesen der Demokratie läuft nicht auf die Frage der Generationen hinaus, sondern auf die Frage der Selbsttätigkeit, der aktiven Teilnahme der Parteimitglieder an der Führung der Partei. So und nur so kann die Frage der Demokratie aufgefasst werden, vorausgesetzt natürlich, dass es sich nicht um eine formal-demokratische Partei, sondern um eine wirklich proletarische Partei handelt, die durch unlösbare Bande mit den Massen der Arbeiterklasse verbunden ist.

Die zweite Frage. Die größte Gefahr, sagt Trotzki, besteht in einer Bürokratisierung des Parteiapparats. Das ist ebenfalls falsch. Nicht darin liegt die Gefahr, sondern in der Möglichkeit einer wirklichen Loslösung der Partei von den parteilosen Massen. Es kann eine Partei geben, die ihren Apparat demokratisch aufgebaut hat - wenn sie aber mit der Arbeiterklasse nicht verbunden ist, so wird diese Demokratie unnütz und keinen Groschen wert sein. Die Partei ist für die Klasse da. Wenn sie mit der Klasse verbunden ist, Kontakt mit ihr hat, Autorität unter den parteilosen Massen besitzt und deren Achtung genießt, kann sie selbst bei bürokratischen Mängeln bestehen und sich entwickeln. Ist all dies nicht vorhanden, so können Sie die Partei organisatorisch beliebig aufbauen - bürokratisch oder demokratisch -, die Partei wird bestimmt zugrunde gehen. Die Partei ist ein Teil der Klasse, sie ist für die Klasse, nicht aber für sich selbst da.

Die dritte These ist ebenfalls prinzipiell falsch: Die Partei, erklärt Trotzki, macht keine Fehler. Das stimmt nicht. Die Partei macht nicht selten Fehler. Iljitsch lehrte uns, dass man die Partei an Hand ihrer eigenen Fehler lehren muss, richtig zu führen. Würde die Partei keine Fehler machen, so wäre nichts da, an Hand dessen man die Partei lehren könnte. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Fehler herauszufinden, ihre Wurzeln bloßzulegen und der Partei und der Arbeiterklasse zu zeigen, welche Fehler wir begangen haben und wie wir diese Fehler in Zukunft vermeiden können. Ohne das wäre eine Entwicklung der Partei unmöglich. Ohne das wäre die Heranbildung von Führern und Kadern der Partei unmöglich, denn sie werden im Kampf gegen ihre eigenen Fehler, in Überwindung dieser Fehler herangebildet und erzogen. Ich glaube, dass eine solche Erklärung Trotzkis ein gewisses Kompliment mit einem gewissen Versuch zur Verspottung, allerdings einem missglückten Versuch, darstellt.

Ferner über Preobrashenski. Er sprach über die Parteireinigung. Preobrashenski ist der Ansicht, die Reinigung sei ein Instrument der Parteimehrheit gegen die Opposition, und billigt offenbar die Methoden der Reinigung nicht. Das ist eine prinzipielle Frage. Es ist ein großer Fehler Preobrashenskis, dass er nicht versteht, dass sich die Partei ohne eine periodische Reinigung ihrer Reihen von unzuverlässigen Elementen nicht festigen kann. Genosse Lenin lehrte, dass sich die Partei nur festigen kann, wenn sie sich Schritt für Schritt von unzuverlässigen Elementen, die in die Partei eindringen und noch eindringen werden, frei macht. Wir würden uns gegen den Lenin ismus vergehen, wenn wir eine Reinigung überhaupt ablehnen wollten. Was nun die gegenwärtige Reinigung betrifft, so frage ich, was ist an ihr schlecht? Man sagt, es gebe einzelne Fehler. Gewiss gibt es sie. Hat es jemals bei einem großen Werk keine einzelnen Fehler gegeben? Das war noch nie der Fall. Einzelne Fehler kann es geben und muss es geben: im Wesentlichen aber ist die Reinigung richtig. Mir wurde erzählt, dass manche nichtproletarischen Elemente aus den Reihen der Intellektuellen und Angestellten mit Zittern und Zagen der Parteireinigung entgegensahen. Man schilderte mir folgenden Vorfall. In einem Zimmer sitzen Leute, die zur Parteireinigung gekommen sind. Es handelt sich um die Parteizelle einer Sowjetinstitution. In einem anderen Zimmer sitzt die Kommission für die Parteireinigung. Ein Mitglied der Zelle stürzt, nachdem es die Reinigung hinter sich hat, ganz in Schweiß gebadet heraus. Man bittet ihn, zu erzählen, was los sei. "Lasst mich zu Atem kommen", gibt er zur Antwort, "lasst mich zu Atem kommen - ich kann nicht." (Heiterkeit.) Leuten, die sich so quälen und so schwitzen, tut die Reinigung vielleicht nicht gut, der Partei aber tut sie sehr gut. (Beifall.) Leider gibt es bei uns noch eine gewisse Anzahl von Parteimitgliedern, die ein Monatsgehalt von 1000 und 2000 Rubel beziehen, als Mitglieder der Partei gelten und vergessen, dass die Partei existiert. Mir sind Tatsachen bekannt, zum Beispiel, dass die Zelle eines Kommissariats, in dem solche Parteimitglieder tätig sind, eine Zelle, der unter anderem auch Chauffeure angehören, einen Chauffeur zur Durchführung der Parteireinigung entsandte und eine Reihe von Vorwürfen der Art heraufbeschwor, ein Chauffeur dürfe keine sowjetischen Würdenträger reinigen. Solche Tatsachen hat es bei uns in Moskau gegeben. Parteimitglieder, die sich offenbar von der Partei losgelöst haben, entrüsten sich und können es nicht verwinden, dass sie von "irgendeinem Chauffeur" gereinigt werden sollen. Solche Parteimitglieder müssen erzogen und umerzogen werden, mitunter durch Ausschluss aus der Partei. Das Wesentliche bei der Reinigung ist, solche Leute fühlen zu lassen, dass ein Herr im Hause ist, dass die Partei da ist, die Rechenschaft über die gegen die Partei begangenen Sünden fordern kann. Ich glaube, es wäre unbedingt notwendig, dass man wie der Herr im Hause mitunter, von Zeit zu Zeit, die Reihen der Partei mit einem Besen von Unrat säuberte. (Beifall.)

Preobrashenski erklärt: Eure Politik ist richtig, aber die organisatorische Linie ist falsch, und darin liegt die Möglichkeit eines Untergangs der Partei begründet. Das ist dummes Zeug, Genossen. Das gibt es nicht, dass die Politik einer Partei richtig ist und dass sie trotzdem an organisatorischen Mängeln zugrunde geht. So etwas gibt es ganz und gar nicht. Die Grundlage des Parteilebens und der Parteiarbeit liegt nicht in den Organisationsformen, die sie im jeweiligen Augenblick annimmt oder annehmen kann, sondern in der Politik der Partei, in ihrer Innen- und Außenpolitik. Ist die Politik der Partei richtig, handhabt sie die politischen und wirtschaftlichen Fragen, die für die Arbeiterklasse von entscheidender Bedeutung sind, richtig, so können die organisatorischen Mängel nicht von ausschlaggebender Bedeutung sein - die Politik gleicht sie aus. So war es immer und so wird es auch in Zukunft bleiben. Leute, die das nicht verstanden haben, sind schlechte Marxisten, sie vergessen das Abc des Marxismus.

Hatte die Partei recht in den Fragen, um die es in der Diskussion ging, in den Fragen wirtschaftlicher Natur, in den Fragen des Parteiaufbaus? Wenn das jemand auf dem schnellsten Wege, ohne viele Worte prüfen will, so muss er sich an die Partei und die Arbeitermasse wenden und die Frage stellen: Wie steht die parteilose Arbeitermasse zur Partei, sympathisiert sie mit ihr, oder tut sie das nicht? Wenn die Mitglieder der Opposition die Frage so stellten, wenn sie sich fragten: Wie schätzt die Arbeiterklasse die Partei ein - sympathisiert sie mit ihr, oder tut sie das nicht? -, so würden sie begreifen, dass die Partei sich auf dem richtigen Wege befindet. Der Schlüssel zum Verständnis aller Dinge, die die Ergebnisse der Diskussion betreffen, ist das Lenin -Aufgebot. Entsendet die Arbeiterklasse 200000 Arbeiter in die Partei und wählt dabei die ehrlichsten und standhaftesten aus, so bedeutet dies, dass eine solche Partei unbesiegbar ist, denn die Partei ist dem Wesen der Sache nach zum gewählten Organ der Arbeiterklasse geworden, das das ungeteilte Vertrauen der Arbeiterklasse genießt. Eine solche Partei wird leben, den Feinden zum Schrecken, eine solche Partei kann sich nicht zersetzen. Das Malheur unserer Opposition besteht darin, dass sie an die Fragen der Partei, an die Fragen der Diskussionsergebnisse nicht vom Standpunkt eines Marxisten herangegangen ist, der das Gewicht der Partei unter dem Gesichtswinkel ihres Einflusses unter den Massen beurteilt - denn die Partei ist für die Massen da und nicht umgekehrt -, sondern von einem formalen Standpunkt, vorn Standpunkt des "reinen" Apparats. Wer einen einfachen und direkten Schlüssel zum Verständnis der Diskussionsergebnisse finden will, darf sich nicht dem Geschwätz über den Apparat hingeben, sondern muss sich den 200000 zuwenden, die in die Partei eingetreten sind und die den tiefgehenden Demokratismus der Partei dargetan haben. Die Äußerungen der oppositionellen Redner über Demokratie sind leeres Geschwätz, wenn aber die Arbeiterklasse 200000 neue Mitglieder in die Partei schickt, so ist das wirklicher Demokratismus. Unsere Partei ist zum gewählten Organ der Arbeiterklasse geworden. Zeigen Sie mir eine andere solche Partei. Sie können mir keine zeigen, denn es gibt sie nicht auf der Welt. Aber seltsamerweise gefällt selbst eine so mächtige Partei unseren Oppositionellen nicht. Wo werden sie aber auf dem Erdball eine bessere Partei finden? Ich befürchte, dass sie auf der Suche nach einer besseren auf den Mars werden übersiedeln müssen. (Beifall.)

Die letzte Frage: über die kleinbürgerliche Abweichung der Opposition, über die Behauptung, es sei ungerecht, die Opposition einer klein-bürgerlichen Abweichung zu beschuldigen. Ist dem so? Nein, dem ist nicht so. Woher kam eine solche Beschuldigung, worauf beruht diese Beschuldigung? Diese Beschuldigung beruht darauf, dass die Oppositionellen durch ihre hemmungslose Agitation für Demokratie in der Partei unwillkürlich, ohne es zu wollen, zu einer Art Sprachrohr der neuen Bourgeoisie wurden, die auf die Demokratie in unserer Partei pfeift, aber gern, sehr gern eine Demokratie im Lande haben möchte. Der Teil der Partei, der das Geschrei um die Fragen der Demokratie erhob, diente unwillkürlich als ein Sprachrohr der neuen Bourgeoisie, als ein Kanal für die Agitation, die im Lande durch die neue Bourgeoisie entfaltet wird und auf die Schwächung der Diktatur, auf die "Erweiterung" der Sowjetverfassung und die Wiederherstellung der politischen Rechte der Ausbeuter abzielt. Hier liegt die Triebfeder und das Geheimnis, dass die Mitglieder der Opposition, denen die Partei zweifellos teuer ist usw. usw., ohne es selbst zu bemerken, zum Sprachrohr für diejenigen geworden sind, die außerhalb der Partei stehen und die die Diktatur schwächen und zersetzen wollen.

Nicht umsonst sympathisieren die Menschewiki und Sozialrevolutionäre mit der Opposition. Ist das ein Zufall? Nein, das ist kein Zufall. Die Kräfteverteilung im internationalen Maßstab ist derart, dass jeder Versuch, die Autorität unserer Partei und die Festigkeit der Diktatur in unserem Lande zu schwächen, von den Feinden der Revolution unbedingt als vorteilhaft für sie aufgegriffen werden wird, ganz gleich, ob dieser Versuch von unserer Opposition oder den Sozialrevolutionären nebst Menschewiki unternommen wird. Wer das nicht begreift, der hat die Logik des Fraktionskampfes in unserer Partei nicht begriffen, der hat nicht begriffen, dass die Ergebnisse dieses Kampfes nicht von Personen und Wünschen abhängen, sondern von den Resultaten, die sich auf Grund der Gesamtbilanz des Kampfes der sowjetischen und antisowjetischen Elemente ergeben. Hier liegt der Grund dafür, dass wir es bei der Opposition mit einer kleinbürgerlichen Abweichung zu tun haben.

Lenin sagte einst über die Parteidisziplin und über die Geschlossenheit unserer Reihen: "Wer auch nur im geringsten die eiserne Disziplin der Partei des Proletariats (besonders während seiner Diktatur) schwächt, der hilft faktisch der Bourgeoisie gegen das Proletariat." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 31, S. 27 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S. 692].) Bedarf es etwa noch eines Beweises, dass die Genossen von der Opposition durch ihre Angriffe gegen die Moskauer Organisation und das Zentralkomitee der Partei die Parteidisziplin schwächten und die Grundlagen der Diktatur untergruben, denn die Partei ist der Grundkern der Diktatur?

Aus diesem Grunde denke ich, dass die XIII. Konferenz Recht hatte, als sie sagte, dass wir es hier mit einer Abweichung zu kleinbürgerlicher Politik zu tun haben. Es ist noch keine kleinbürgerliche Politik. Keineswegs! Lenin erklärte auf dem X. Parteitag, dass eine Abweichung etwas noch nicht Abgeschlossenes, nicht endgültig Geformtes ist. Wenn Sie, Genossen von der Opposition, auf dieser kleinbürgerlichen Abweichung, auf diesen Fehlern, die keine großen Fehler sind, nicht beharren, dann wird alles behoben werden, und die Arbeit der Partei wird vorangehen. Wenn Sie aber darauf beharren, so kann sich die kleinbürgerliche Abweichung zu einer kleinbürgerlichen Politik entwickeln. Von Ihnen hängt folglich alles ab, Genossen von der Opposition.

Was sind nun die Schlussfolgerungen? Die Schlussfolgerungen sind, dass wir in der Partei auch weiterhin auf der Grundlage der völligen Einheit der Partei arbeiten müssen. Blicken Sie auf den Parteitag, der fest und geschlossen für die Linie des ZK einsteht - da haben Sie die Einheit der Partei. Die Opposition bildet eine geringfügige Minderheit in unserer Partei. dass unsere Partei einheitlich ist, dass sie auch weiterhin einheitlich sein wird, davon zeugt der gegenwärtige Parteitag, seine Einheit, seine Geschlossenheit. Ob wir eine Einheit mit der unbedeutenden Gruppe der Partei, die sich Opposition nennt, haben werden, hängt von jenen ab. Wir sind für eine einträchtige Zusammenarbeit mit der Opposition. Als die Diskussion im vergangenen Jahr in vollem Gange war, erklärten wir, dass eine Zusammenarbeit mit der Opposition notwendig sei. Wir bekräftigen das hier noch einmal. Ob aber diese Einheit zustande kommt, das weiß ich nicht, denn die Einheit hängt in Zukunft ganz und gar von der Opposition ab. Die Einheit ist im gegebenen Fall das Resultat der Wechselwirkung zweier Faktoren, der Mehrheit der Partei und der Minderheit. Die Mehrheit will die Einheit in der Arbeit. Ob die Minderheit dies aufrichtig will, weiß ich nicht. Das hängt ganz und gar von den Genossen der Opposition ab.

Das Fazit. Das Fazit besteht darin, die Resolutionen der XIII. Konferenz zu bestätigen und die Tätigkeit des ZK zu billigen. Ich zweifle nicht, dass der Parteitag diese Resolutionen bestätigen und die politische und organisatorische Tätigkeit des ZK billigen wird. (Anhaltender Beifall.)

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