"Stalin"

Werke

Band 6

ÜBER DIE ERGEBNISSE DES XIII. PARTEITAGS
DER KPR(B)

Referat im Rahmen eines Lehrgangs für Sekretäre
der Kreiskomitees beim ZK der KPR(B)
17. Juni 1924

Genossen! Ich werde die Resolutionen des XIII. Parteitags nicht ausführlich analysieren. Es gibt recht viele Resolutionen, sie bilden eine ganze Broschüre, und es ist wohl kaum möglich, sie jetzt ausführlich zu analysieren, zumal weder ich noch Sie hierfür gegenwärtig Zeit haben. Ich denke daher, dass es zweckmäßiger sein wird, in meinem Referat die grundlegenden Ausgangspunkte anzugeben und klarzustellen, um es Ihnen zu erleichtern, die Resolutionen dann zu Hause zu studieren.

Nun wohl, wenn man an die Resolutionen des XIII. Parteitags herangeht und sie eingehend studiert, so lassen sich die in den Resolutionen berührten mannigfaltigen Fragen auf vier Grundfragen zurückführen, die sich wie ein roter Faden durch alle Resolutionen ziehen.

Was sind das nun für Fragen?

Die erste Grundfrage oder die erste Fragengruppe - das sind die Fragen, die die außenpolitische Lage unserer Republik betreffen, die Fragen der Festigung der internationalen Stellung unserer Republik.

Die zweite Grundfrage oder die zweite Fragengruppe betrifft die Fragen des Zusammenschlusses zwischen der staatlichen Industrie und der bäuerlichen Wirtschaft, die Fragen des Bündnisses des Proletariats mit der Bauernschaft.

Die dritte Fragengruppe umfasst die Fragen der Erziehung und Umerziehung der werktätigen Massen im Geiste der Diktatur des Proletariats und des Sozialismus. Hierunter fallen Fragen wie der Staatsapparat, die Arbeit unter den Bauern, die Arbeit unter den werktätigen Frauen, die Arbeit unter der Jugend.

Schließlich die vierte Fragengruppe - das sind die Fragen, die die Partei selbst, ihr inneres Leben, ihr Dasein, ihre Entwicklung betreffen.

Am Ende meines Referats werde ich besonders auf die sich aus den Beschlüssen des XIII. Parteitags ergebenden Aufgaben der Kreisfunktionäre zu sprechen kommen.

AUSWÄRTIGE ANGELEGENHEITEN

Was hat das verflossene Jahr hinsichtlich der internationalen Stellung Sowjetrußlands Neues ergeben? Worin besteht das Neue und Grundlegende in der internationalen Welt, das an der Wende vom alten, verflossenen Jahr zum neuen Jahr zu berücksichtigen war und das auch der XIII. Parteitag zwangsläufig berücksichtigen musste?

Dieses Neue besteht erstens darin, dass wir im verflossenen Jahr Gelegenheit hatten, eine Reihe von Versuchen zu beobachten, Westeuropa in seiner Innenpolitik unverhüllt faschistisch zu machen, und dass diese Versuche keinen Boden gewonnen haben, gescheitert sind. Wenn man von Italien absieht, wo der Faschismus in Zersetzung begriffen ist, so sind in den ausschlaggebenden Ländern Europas, in Frankreich und England, die Versuche, Europas Politik zu faschisieren, gescheitert, die Urheber dieser Versuche aber, Poincaré und Curzon, wurden glatt hinweggefegt, über Bord geworfen.

Das ist das erste, was uns das verflossene Jahr an Neuem gebracht hat.

Das zweite, was uns das verflossene Jahr gebracht hat, ist eine Reihe von Versuchen der kriegslüsternen Imperialisten Englands und Frankreichs, unser Land zu isolieren, Versuche, die Schiffbruch erlitten haben. Es lässt sich wohl kaum bezweifeln, dass die zahlreichen Machenschaften Poincarés gegen die Sowjetunion und das bekannte Ultimatum Curzons das Ziel verfolgten, unser Land zu isolieren. Und was geschah? An Stelle einer Isolierung der Sowjetunion kam es zu ihrer faktischen Anerkennung. Mehr noch, an Stelle einer Isolierung der Sowjetunion kam es zur Isolierung der Isolierer, zum Rücktritt Poincarés und Curzons. Das Gewicht unseres Landes erwies sich als bedeutender, als es einigen alten Politikern des Imperialismus scheinen mochte.

Das ist das zweite, was uns das verflossene Jahr auf dem Gebiet der Außenpolitik an Neuem gebracht hat.

Woraus lässt sich all das erklären?

Manch einer ist geneigt, dies mit der Weisheit unserer Politik zu erklären. Ich leugne nicht, dass unsere Politik, wenn nicht weise, so doch auf jeden Fall richtig war, was auch vom XIII. Parteitag bestätigt worden ist. Die Sache lässt sich aber nicht allein aus der Weisheit oder Richtigkeit unserer Politik erklären. Es handelt sich hierbei nicht so sehr um die Richtigkeit unserer Politik als vielmehr um die Situation, die in der letzten Zeit in Europa entstanden ist und die die Erfolge unserer Politik bedingt hat. Hierbei sind drei Umstände zu erwähnen.

Erstens. Das Unvermögen der imperialistischen Mächte, mit den Resultaten ihrer militärischen Siege fertig zu werden und in Europa einen einigermaßen erträglichen Frieden herbeizuführen, ihre Unfähigkeit, sich weiter zu entwickeln ohne Ausplünderung der besiegten Länder und Kolonien, ohne gegenseitige Konflikte und Zusammenstöße wegen der Teilung des Geraubten. Daher das erneute Aufrüsten. Daher die Gefahr eines neuen Krieges. Nun, die Volksmassen wollen aber keinen Krieg, denn sie haben die Opfer noch nicht vergessen, die sie für die Profite der Kapitalisten bringen mussten. Daher die wachsende Unzufriedenheit der Völker mit der Politik des kriegslüsternen Imperialismus.

Darin liegt die Ursache der inneren Schwäche des Imperialismus. Warum wurden Curzon und Poincaré davongejagt? Weil die Volksmeinung sie für Anstifter eines neuen Krieges hält. Weil sie mit ihrer offen kriegslüsternen Politik die Unzufriedenheit der Massen gegen den Imperialismus überhaupt hervorgerufen und dadurch den Imperialismus in Gefahr gebracht haben.

Zweitens. Die Festigung der Sowjetmacht innerhalb des Landes. Die kapitalistischen Staaten hielten Kurs auf einen Zusammenbruch der

Sowjetmacht innerhalb des Landes. Der Psalmist sagt, dass Gott manchmal durch den Mund eines Kindleins die Wahrheit sagt. Wenn man den westlichen Imperialismus als Gott ansieht, so ist es natürlich, dass er nicht ohne ein solches Kindlein auskommen kann. Und wirklich, dieses Kindlein fand sich in Person des sattsam bekannten Benesch, des Außenministers der Tschechoslowakei, durch dessen Mund der Imperialismus verkündete, man brauche sich im Hinblick auf die Labilität der Sowjetmacht mit der Anerkennung der Union der Republiken nicht zu beeilen; da die Sowjetmacht bald von einer neuen, bürgerlich-demokratischen Macht abgelöst werden würde, sei es besser, einstweilen von "normalen Beziehungen" mit der Sowjetunion "abzusehen". So war es noch vor kurzem. Aber die "Wahrheiten" des Imperialismus, verkündet durch den Mund dieses seines Kindleins, langten kaum für ein paar Monate, denn bekanntlich wurde die Politik des "Absehens" von einer ganzen Reihe Staaten bald durch die Politik der "Anerkennung"[44] abgelöst. Warum? Weil sich offensichtliche Tatsachen schwer hinwegleugnen lassen, und offensichtliche Tatsache ist, dass die Sowjetmacht fest wie ein Fels dasteht. Vor allem konnte der Durchschnittsbürger, wie naiv er auch in der Politik sein mag, nicht umhin zu bemerken, dass die Sowjetmacht vielleicht stabiler ist als jede beliebige bürgerliche Regierung, denn in den sieben Jahren Diktatur des Proletariats hat er gesehen, dass die bürgerlichen Regierungen kommen und gehen, die Sowjetmacht aber bleibt. Ferner konnte derselbe Durchschnittsbürger nicht umhin zu bemerken, dass die Wirtschaft unseres Landes voranschreitet, und sei es allein auf Grund der Tatsache, dass unser Export Schritt für Schritt zunimmt. Bedarf es noch eines Beweises, dass diese Umstände für die Sowjetunion, nicht aber gegen sie sprechen? Man beschuldigt uns, wir trieben in Westeuropa Propaganda gegen den Kapitalismus. Ich muss sagen, dass wir eine solche Propaganda nicht nötig haben, dass wir ihrer nicht bedürfen. Allein schon die Existenz der Sowjetmacht, ihr Wachstum, ihr materielles Gedeihen, ihre unbestreitbare Festigung sind eine überaus ernstliche Propaganda unter den europäischen Arbeitern zugunsten der Sowjetmacht. Jeder Arbeiter, der unser Sowjetland besucht und sich unsere proletarische Ordnung angesehen hat, konnte wahrnehmen, was die Sowjetmacht ist und wozu die Arbeiterklasse fähig ist, wenn sie an der Macht steht. Das eben ist wirkliche Propaganda, eine Propaganda mit Tatsachen, die auf die Arbeiter weit mehr wirkt als eine Propaganda mit Worten oder durch die Presse. Man beschuldigt uns, wir trieben Propaganda im Osten. Das ist gleichfalls Unsinn. Wir benötigen keine Propaganda im Osten. Der Bürger eines abhängigen Landes oder einer Kolonie braucht nur ins Sowjetland zu reisen und zu sehen, wie die Menschen bei uns das Land regieren, er braucht nur zu sehen, wie Farbige und Weiße, Russen und Nichtrussen, Menschen aller Hautfarben und Völkerschaften am gleichen Strang ziehen und gemeinsam die Verwaltung des gewaltigen Landes bewerkstelligen, um sich zu überzeugen, dass dies das einzige Land ist, wo die Brüderlichkeit der Völker nicht Phrase, sondern Wirklichkeit ist. Wir brauchen keine Pressepropaganda und keine mündliche Propaganda, wenn wir eine solche Propaganda mit Tatsachen haben wie die Existenz der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.

Drittens. Das steigende Gewicht der Sowjetmacht, ihre wachsende Popularität unter den Volksmassen der kapitalistischen Länder, was vor allem daraus zu erklären ist, dass unser Land das einzige Land der Welt ist, das imstande ist, eine Politik des Friedens zu betreiben, und sie tatsächlich betreibt, nicht pharisäisch, sondern ehrlich und offen, entschieden und konsequent betreibt. Jetzt erkennen alle an, sowohl die Feinde als auch die Freunde, dass unser Land das einzige Land ist, das man mit Recht Bollwerk und Bannerträger der Friedenspolitik in der ganzen Welt nennen kann. Bedarf es eines Beweises, dass dieser Umstand das Wohlwollen und die Sympathie der Volksmassen Europas für die Sowjetmacht zwangsläufig verstärken musste? Haben Sie darauf geachtet, dass gewisse europäische Machthaber bemüht sind, ihre Karriere auf "Freundschaft" mit der Sowjetunion aufzubauen, dass sogar solche von ihnen wie Mussolini nicht abgeneigt sind, bisweilen aus dieser "Freundschaft" "Kapital zu schlagen"? Dies ist ein direkter Gradmesser dafür, dass die Sowjetmacht unter den breiten Massen der kapitalistischen Staaten wirklich populär geworden ist. Aber nichts anderem verdankt die Sowjetmacht ihre Popularität mehr als der Politik des Friedens, die von ihr unter den schwierigen Verhältnissen der kapitalistischen Umkreisung ehrlich und tapfer durchgeführt wird.

Das sind im Allgemeinen die Umstände, die die Erfolge unserer Außenpolitik im verflossenen Jahr bedingt haben.

Der XIII. Parteitag hat in seiner Resolution die Politik des ZK auf dem Gebiet der auswärtigen Beziehungen gebilligt. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass der Parteitag die Partei verpflichtet hat, auch weiterhin die Politik des Friedens durchzuführen, die Politik des entschiedenen Kampfes gegen einen neuen Krieg, die Politik der schonungslosen Entlarvung aller und jedweder Anhänger oder Begünstiger neuer Aufrüstungen, neuer Zusammenstöße.

FRAGEN DES ZUSAMMENSCHLUSSES ZWISCHEN
STADT UND LAND

Was bedeutet dieser Zusammenschluss? Der Zusammenschluss bedeutet ständige Verbindung, ständigen Austausch zwischen Stadt und Land, zwischen unserer Industrie und der bäuerlichen Wirtschaft, ständigen Austausch der Erzeugnisse unserer Industrie gegen Lebensmittel und Rohstoffe der bäuerlichen Wirtschaft. Die bäuerliche Wirtschaft kann nicht leben, kann nicht existieren, ohne Lebensmittel und Rohstoffe auf den städtischen Markt zu bringen und dafür die notwendigen Erzeugnisse und Arbeitsgeräte aus der Stadt zu erhalten. Ebenso kann sich die staatliche Industrie nicht entwickeln, ohne ihre Erzeugnisse auf den bäuerlichen Markt zu bringen und ohne sich aus dem Dorf mit Lebensmitteln und Rohstoffen zu versorgen. Die Existenzquelle unserer sozialistischen Industrie ist also der innere Markt und vor allem der bäuerliche Markt, die bäuerliche Wirtschaft. Daher ist die Frage des Zusammenschlusses eine Existenzfrage für unsere Industrie, eine Existenzfrage für das Proletariat selbst, eine Frage von Sein oder Nichtsein unserer Republik, eine Frage des Sieges des Sozialismus in unserem Lande.

Diesen Zusammenschluss, die ständige Verbindung zwischen Stadt und Land, zwischen Industrie und bäuerlicher Wirtschaft auf dem Wege des direkten Austauschs der Industrieerzeugnisse gegen die Erzeugnisse der bäuerlichen Wirtschaft herzustellen, ist uns nicht gelungen. Es ist uns nicht gelungen, weil unsere Industrie wenig entwickelt ist, weil wir keine Versorgungsapparate mit vielen Zweigstellen im ganzen Lande besaßen und weil sich die gesamte Volkswirtschaft nach dem Kriege im Zustand der Zerrüttung befand. Daher sahen wir uns gezwungen, die so genannte Neue Ökonomische Politik einzuführen, das heißt, wir sahen uns gezwungen, die Freiheit des Handels, die Freiheit der Warenzirkulation zu proklamieren, den Kapitalismus zuzulassen, die Tatkraft von Millionen Bauern und Kleineigentümern zu mobilisieren, um im Lande einen Strom des Warenumsatzes zu schaffen, den Handel zu entwickeln, und dann, nach Eroberung der wichtigsten Positionen auf dem Gebiet des Handels, den Zusammenschluss zwischen Industrie und bäuerlicher Wirtschaft über den Handel herzustellen. Das ist die Herstellung des Zusammenschlusses, wie Lenin sagt, auf einem Umweg, nicht direkt, nicht auf dem Wege des direkten Austauschs von Erzeugnissen der bäuerlichen Wirtschaft gegen Erzeugnisse der Industrie, sondern über den Handel.

Die Aufgabe besteht darin, unter Ausnutzung der Anstrengungen von Millionen Kleineigentümern den Handel in die Hand zu bekommen, die Hauptfäden der Versorgung des Dorfes und der Stadt in den Händen des Staates und der Genossenschaften zusammenzufassen und so eine unlösbare Verbindung, einen unauflöslichen Zusammenschluss zwischen Industrie und bäuerlicher Wirtschaft zu organisieren.

Man kann nicht sagen, dass diese Aufgabe über unsere Kräfte gehe. Man kann das nicht, weil das Proletariat, das an der Macht steht, sozusagen alle grundlegenden Mittel besitzt, um einen solchen Zusammenschluss auf dem Umweg über den Handel herzustellen. Erstens hat das Proletariat die Macht. Zweitens hat es die Industrie in seinem Besitz. Drittens verfügt es über das Kreditwesen, und das Kreditwesen ist eine gewaltige Kraft in den Händen des Staates. Viertens besitzt es seinen Handelsapparat, einen Handelsapparat, der schlecht oder gut sein mag, sich aber jedenfalls entwickelt und festigt. Endlich besitzt es gewisse Warenfonds, die man von Zeit zu Zeit auf den Markt werfen kann, um die Launen des Marktes zu zügeln oder zu neutralisieren, um auf den Stand der Preise einzuwirken usw. Alle diese Mittel besitzt der Arbeiterstaat, und daher kann man nicht sagen, die Herstellung des Zusammenschlusses über den Handel stelle eine Aufgabe dar, die über unsere Kraft gehe.

So ist es um die Frage des Zusammenschlusses zwischen Stadt und Land, um die Möglichkeiten dieses Zusammenschlusses bestellt.

Was also hat das verflossene Jahr für den Zusammenschluss zwischen Stadt und Land an Neuem und Wichtigem ergeben?

Mit welchen neuen Materialien hatte es der XIII. Parteitag bei der Lösung der Fragen des Zusammenschlusses zu tun?

Das Neue, das im letzten Jahr auf diesem Gebiet auftrat, besteht darin, dass wir im verflossenen Jahr erstmalig in unserer praktischen Arbeit auf einen umfassenden Kampf stießen, einen in großem Maßstab geführten Kampf zwischen den sozialistischen und den privatkapitalistischen Elementen in unserer Volkswirtschaft, und dass wir hiernach die Frage des Zusammenschlusses erstmalig ganz konkret auf praktischer Grundlage behandelten. Die Fragen des Zusammenschlusses und des Handels erhoben sich vor uns nicht mehr als Fragen der Theorie, sondern als brennende Fragen der unmittelbaren Praxis, die eine sofortige Lösung erforderten.

Wie Sie sich vielleicht erinnern, sagte Lenin schon auf dem XI. Parteitag[45], dass die Erfassung des Marktes mit den Kräften des Staates und der Genossenschaften, die Eroberung der wichtigsten Fäden des Handels nicht in friedlicher Arbeit vor sich gehen wird, sondern im Kampf zwischen den sozialistischen Elementen und den privatkapitalistischen Elementen, dass diese Arbeit in einem verzweifelten Wettkampf zwischen diesen entgegengesetzten Elementen unserer Volkswirtschaft vor 'sich gehen wird. Und dieser Kampf ist nun entbrannt. Er trat hauptsächlich auf zwei Linien in Erscheinung: auf der Linie des Handels zwischen Stadt und Land und auf der Linie des Kreditwesens, hauptsächlich auf dem Lande.

Welches sind nun die Resultate dieses Kampfes?

Erstens. Es hat sich gezeigt, dass das Privatkapital nicht in der Produktion Fuß gefasst hat, wo das Risiko größer und der Umschlag des Kapitals langsamer ist, sondern im Handel, in jenem selben Handel, der, wie Lenin sagt, das Hauptglied in der Kette der Prozesse unserer Übergangszeit ist. Und nachdem das Privatkapital im Handel Fuß gefasst hatte, setzte es sich dort derart fest, dass es etwa 80 Prozent des gesamten Einzelhandels und etwa 50 Prozent des gesamten Groß- und Einzelhandels im Lande in seine Hände bekommen hat. Das ist daraus zu erklären, dass unsere Handels- und Genossenschaftsapparate noch jung waren und nicht richtig funktionierten, dass unsere Syndikate eine falsche Politik betrieben, indem sie ihre Monopolstellung missbrauchten und die Warenpreise in die Höhe trieben, dass unsere Kommission für Innenhandel, die den Handel vom Gesichtspunkt des Staates aus zu regulieren verpflichtet ist, schwach war und schließlich daraus, dass unsere damalige Papiergeldwährung nicht stabil war, wodurch hauptsächlich der Bauer getroffen wurde und seine Kaufkraft sank.

Zweitens. Es hat sich gezeigt, dass das Kreditwesen auf dem Lande ganz und gar in den Händen des Kulaken und des Wucherers liegt, dass die unbemittelte Bauernschaft, die kein Inventar besitzt, gezwungen ist, sich unter das Joch des Wucherers zu begeben, dass sie gezwungen ist, unerhörte Zinsen zu zahlen und die Herrschaft des Wucherers ohne Murren zu ertragen. Das erklärt sich daraus, dass wir unten noch kein Netz landwirtschaftlicher Kreditanstalten haben, die den Bauern billigen Kredit gewähren und den Wucherer in den Hintergrund drängen könnten, dass das Kampffeld hier voll und ganz vom Wucherer behauptet wird.

So drängten sich zwischen den Staat einerseits und die bäuerliche Wirtschaft anderseits der Händler und der Wucherer, wodurch der Zusammenschluss zwischen der sozialistischen Industrie und der bäuerlichen Wirtschaft erschwert wurde und nicht in Gang kam. Ein Ausdruck dafür, dass dieser Zusammenschluss erschwert wurde und nicht in Gang kam, war die Absatzkrise im vorigen Sommer.

Die Partei traf schon damals, noch vor dem Parteitag, Maßnahmen, um die Absatzkrise zu liquidieren und die Grundlagen des landwirtschaftlichen Kreditwesens zu legen. Es wurde eine neue, stabile Währung eingeführt, die eine Besserung brachte. Es wurden Warenmassen auf den Markt geworfen, um die Preise zu senken, was sich gleichfalls günstig auswirkte. Die Kommission für Innenhandel wurde auf Grundlagen reorganisiert, die einen erfolgreichen Kampf gegen das Privatkapital gewährleisten. Die Frage einer Umgestaltung der Arbeit der Handels- und Genossenschaftsorgane unter dem Gesichtspunkt des Zusammenschlusses zwischen Stadt und Land wurde aufgeworfen. Die Absatzkrise wurde im Wesentlichen liquidiert.

Aber die Partei konnte sich nicht auf diese Maßnahmen beschränken. Die Aufgabe des XIII. Parteitags bestand darin, die Frage des Zusammenschlusses erneut in ihrem ganzen Umfang aufzuwerfen und die grundlegenden Linien für die Lösung dieser Frage in der neuen Situation nach der Liquidierung der Absatzkrise anzugeben.

Was brachte nun der XIII. Parteitag in dieser Hinsicht?

Erstens. Der Parteitag brachte die Losung der weiteren Entwicklung der Industrie, vor allem der Leichtindustrie und ferner der Metallindustrie, denn es ist klar, dass wir angesichts der Vorräte an Industriewaren, über die wir verfügen, den Warenhunger des Bauern nicht stillen können. Ich spreche dabei schon gar nicht von dem Anwachsen der Arbeitslosigkeit, die dringend eine Erweiterung der Industrie erfordert. Die weitere Entwicklung der Industrie ist daher eine Frage von Sein oder Nichtsein (siehe die Resolution des Parteitags zum Rechenschaftsbericht des ZK[46]).

Zweitens. Der Parteitag brachte die Losung der weiteren Entwicklung der bäuerlichen Wirtschaft, die Losung, die bäuerliche Wirtschaft bei der weiteren Vergrößerung der Anbaufläche zu unterstützen. Das ist für den Zusammenschluss gleichfalls erforderlich, denn es ist klar, dass die Bauernschaft daran interessiert ist, nicht nur die Bedürfnisse unserer Industrie zu befriedigen, natürlich im Austausch gegen Industriewaren, sondern auch die Bedürfnisse des auswärtigen Marktes, natürlich im Austausch gegen Maschinen. Daher die weitere Entwicklung der bäuerlichen Wirtschaft als nächste Aufgabe der Parteipolitik (siehe die Resolution "Über die Arbeit auf dem Lande"[47]).

Drittens. Der Parteitag bestätigte die Schaffung des Volkskommissariats für Innenhandel und machte es allen unseren Handels- und Genossenschaftsorganen zur Hauptaufgabe, den Kampf gegen das Privatkapital zu führen, die Herrschaft über den Markt zu erlangen und das Privatkapital aus dem Handel zu verdrängen durch Maßnahmen ökonomischen Charakters, durch Senkung der Warenpreise und Verbesserung der Warenqualität, durch Manövrieren mit den Warenmassen, Ausnutzung des Vorzugskredits usw. (siehe die Resolutionen "über den Innenhandel" und "Über das Genossenschaftswesen"[48]).

Viertens. Der Parteitag behandelte und löste die überaus wichtige Frage des landwirtschaftlichen Kreditwesens. Es handelt sich dabei nicht nur um die Zentrale Landwirtschaftsbank oder selbst um die Gouvernementskomitees für landwirtschaftliches Kreditwesen. Es handelt sich hauptsächlich um die Organisierung des unteren Netzes der Kreditgenossenschaften in den Kreisen und Amtsbezirken, es kommt darauf an, das Kreditwesen zu demokratisieren, den landwirtschaftlichen Kredit dem Bauern zugänglich zu machen, den knechtenden Kredit des Wucherers durch den billigen Kredit des Staates zu ersetzen und den Wucherer aus dem Dorf zu verjagen. Das ist eine für unsere gesamte Wirtschaft überaus wichtige Frage, ohne deren Lösung ein einigermaßen dauerhafter Zusammenschluss zwischen Proletariat und Bauernschaft unmöglich ist. Daher richtete der XIII. Parteitag auf diese Frage seine besondere Aufmerksamkeit (siehe die Resolution "Über die Arbeit auf dem Lande"). Das Zentralkomitee hat erreicht, dass der Landwirtschaftsbank 40 Millionen Rubel als Grundkapital zur Verfügung gestellt wurden, die durch eine gewisse Kombination mit der Staatsbank auf 80 Millionen Rubel erhöht werden sollen. Ich denke, dass diese Summe mit einiger Anstrengung auf 100 Millionen Rubel gebracht werden könnte. Natürlich ist das nicht sehr viel für solch einen Giganten wie unsere Union, aber immerhin ist es bereits etwas, um dem Bauern die Verbesserung seiner Wirtschaft zu erleichtern und das Joch des Wucherers zu erschüttern. Ich sprach oben von der Bedeutung, die die unteren bäuerlichen Kreditgenossenschaften für die unbemittelten Bauern, für den Zusammenschluss der Bauernschaft mit dem Arbeiterstaat haben. Aber die unteren Kreditgenossenschaften werden nicht nur dem Bauern helfen können. Unter bestimmten Bedingungen können sie zu einem großartigen Mittel nicht nur für die Unterstützung des Bauern durch den Staat, sondern auch für die Unterstützung des Staates durch den Bauern werden. In der Tat, wenn sich bei uns draußen im Lande, in den Kreisen und Amtsbezirken, ein umfassendes Netz landwirtschaftlicher Kreditanstalten entfaltet und die entsprechenden Institutionen unter den bäuerlichen Massen Autorität gewinnen, so wird die Bauernschaft vom Staat nicht nur nehmen - das heißt, diese Institutionen werden nicht nur aktive Operationen durchführen -, sondern die Bauernschaft wird ihm auch etwas geben -, das heißt, es werden dort auch passive Operationen zu verzeichnen sein. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass bei einer günstigen Wendung der Dinge in den unteren Kreditinstitutionen diese - unvergleichlich mehr als jede Auslandsanleihe - zum Mittel einer soliden Unterstützung des Staates durch die viele Millionen zählende Bauernsthaft werden können. Wie Sie sehen, beging der Parteitag keinen Fehler, als er seine besondere Aufmerksamkeit auf die Bereitstellung billiger Kredite auf dem Lande richtete.

Fünftens. Der Parteitag verkündete nochmals die Unerschütterlichkeit des Außenhandelsmonopols. Ich denke, dass es nicht notwendig ist, die Bedeutung zu erklären, die dieses Institut sowohl für die Industrie und Landwirtschaft als auch für den Zusammenschluss zwischen ihnen hat. Die kardinale Bedeutung des Außenhandelsmonopols bedarf keiner neuen Beweise (siehe die Resolution zum Rechenschaftsbericht des ZK).

Sechstens. Der Parteitag bestätigte die Notwendigkeit, den Export überhaupt und vor allem den Getreideexport zu verstärken. Ich denke, dass auch dieser Beschluss keines Kommentars bedarf (siehe die Resolution zum Rechenschaftsbericht des ZK).

Siebentens. Der Parteitag beschloss, alle Maßnahmen zu treffen, damit die Währungsreform[49], die den Warenumsatz und die Herstellung einer dauerhaften Verbindung zwischen Industrie und bäuerlicher Wirtschaft erleichtert hat, bis ins letzte durchgeführt wird und damit alle hierfür notwendigen Bedingungen sowohl von den Kräften im Zentrum als auch von den Kräften im Lande realisiert werden (siehe die Resolution zum Rechenschaftsbericht des ZK).

Das sind die Losungen des XIII. Parteitags zur Frage des Zusammenschlusses, die darauf abzielen, den Handel in die Hand zu bekommen, einen dauerhaften Zusammenschluss zwischen unserer Industrie und der bäuerlichen Wirtschaft herzustellen und auf diese Weise die Bedingungen für den Sieg der sozialistischen Elemente der Volkswirtschaft über die kapitalistischen Elemente vorzubereiten.

FRAGEN DER ERZIEHUNG UND UMERZIEHUNG
DER WERKTÄTIGEN MASSEN

Eine der wesentlichen Aufgaben der Partei in der Epoche der Diktatur des Proletariats besteht darin, die Arbeit zur Umerziehung der alten und zur Erziehung der neuen Generationen im Geiste der Diktatur des Proletariats und des Sozialismus zu entfalten. Die alten Gepflogenheiten und Gewohnheiten, Traditionen und Vorurteile, die uns die alte Gesellschaft als Erbteil hinterlassen hat, sind ein überaus gefährlicher Feind des Sozialismus. Sie, diese Traditionen und Gepflogenheiten, halten Millionenmassen der Werktätigen in ihrem Bann, sie überfluten mitunter ganze Schichten des Proletariats, sie beschwören mitunter eine gewaltige Gefahr für die Existenz der Diktatur des Proletariats herauf. Daher stellen der Kampf gegen diese Traditionen und Gepflogenheiten, ihre unbedingte Überwindung in allen Sphären unserer Arbeit, schließlich die Erziehung neuer Generationen im Geiste des proletarischen Sozialismus die nächsten Aufgaben unserer Partei dar, ohne deren Durchführung der Sieg des Sozialismus unmöglich ist. Die Arbeit zur Verbesserung des Staatsapparats, die Arbeit auf dein Lande, die Arbeit unter den werktätigen Frauen, die Arbeit unter der Jugend - das sind die Hauptsphären der Tätigkeit der Partei zur Verwirklichung dieser Aufgaben.

a) Der Kampf zur Verbesserung des Staatsapparats. Der Parteitag widmete der Frage des Staatsapparats wenig Zeit. Der Bericht der ZKK über den Kampf gegen die Mängel des Staatsapparats wurde ohne Diskussion bestätigt. Die Resolution "Über die Arbeit der Kontrollkommissionen"[50] wurde gleichfalls ohne Diskussion angenommen. Das geschah meiner Meinung nach infolge Zeitmangels und infolge der großen Fülle der auf dem Parteitag behandelten Fragen. Es wäre aber absolut falsch, hieraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Partei die Frage des Staatsapparats nicht für eine überaus wichtige Frage hielte. Im Gegenteil, die Frage des Staatsapparats ist eine der wesentlichsten Fragen unseres ganzen Aufbaus. Arbeitet der Staatsapparat ehrlich, oder ist er bestechlich; ist er in seinen Ausgaben sparsam, oder verschwendet er das Volkseigentum; hintergeht er den Staat in seiner Arbeit, oder dient er ihm auf Treu und Glauben; ist er eine Bürde für die Werktätigen, oder ist er eine Organisation zur Unterstützung der Werktätigen; verbreitet er die Idee der proletarischen Gesetzlichkeit, oder demoralisiert er das Bewusstsein der Bevölkerung durch Ablehnung dieser Idee; entwickelt er sich vorwärts in Richtung auf den Übergang zur staatslosen kommunistischen Gesellschaft, oder zerrt er rückwärts, zurück zum muffigen Bürokratismus eines gewöhnlichen bürgerlichen Staates - all das sind Fragen, deren richtige Lösung entscheidende Bedeutung für die Partei und den Sozialismus haben muss. Dass unser Staatsapparat voller Mängel ist, dass er schwerfällig und teuer, dass er zu neun Zehntel bürokratisch ist, dass der Bürokratismus des Staatsapparats auf die Partei und ihre Organisationen drückt und den Kampf für die Verbesserung des Staatsapparats erschwert - daran kann es kaum einen Zweifel geben. Indes ist klar, dass unser Staatsapparat, wenn er sich wenigstens von einigen seiner Hauptfehler frei machte, in den Händen des Proletariats ein mächtiges Mittel zur Erziehung und Umerziehung breiter Schichten der Bevölkerung im Geiste der Diktatur des Proletariats und des Sozialismus sein könnte.

Daher schenkte Lenin der Verbesserung des Staatsapparats besondere Beachtung.

Daher wurden von der Partei spezielle Organisationen von Arbeitern und Bauern (die reorganisierte Arbeiter- und Bauerninspektion und die erweiterte ZKK) zum Kampf gegen die Mängel unseres Staatsapparats geschaffen.

Die Aufgabe besteht darin, der ZKK und der Arbeiter- und Bauerninspektion bei ihrer schwierigen Arbeit zur Verbesserung, Vereinfachung, Verbilligung und moralischen Gesundung aller Glieder des Staatsapparats zu helfen (siehe die Resolution des Parteitags "über die Arbeit der Kontrollkommissionen").

b) Über die Arbeit auf dem Lande. Diese Frage ist eine der kompliziertesten und schwierigsten Fragen unserer Parteipraxis. Der Parteitag hat eine vortreffliche Resolution über die Grundlinien unserer Arbeit auf dem Lande angenommen. Man braucht diese Resolution nur mit der Resolution des VIII. Parteitags über die Arbeit auf dem Lande[51] zu vergleichen, um zu verstehen, wie weit die Partei auf diesem Gebiet vorangeschritten ist. Es wäre aber ein Irrtum zu glauben, der XIII. Parteitag in diesem Jahr hätte die überaus komplizierte Frage des Dorfes erschöpfend behandelt oder erschöpfend behandeln können. Fragen wie die Organisationsformen der Kollektivwirtschaften, die Umgestaltung der Sowjetwirtschaften, die Regelung der Flurbereinigung in Zentralrußland und in den Randgebieten, die neuen Formen der Arbeitsorganisation im Zusammenhang mit der Tätigkeit der landwirtschaftlichen Genossenschaften, die Feststellung der Besonderheiten in den verschiedenartigen Bezirken unserer Union und die Berücksichtigung dieser Besonderheiten bei unserer Arbeit - all diese Fragen konnten aus verständlichen Gründen in der Resolution des Parteitags keine erschöpfende Lösung finden. Die Resolution des Parteitags ist deshalb wichtig, weil sie die Grundlinien der Arbeit festlegt und so die weitere Bearbeitung dieser Fragen erleichtert. Sie wissen wohl, dass das ZK-Plenum[52] eine ständige Kommission für die Arbeit auf dem Lande eingesetzt hat, die sich mit diesen Fragen eingehend beschäftigen soll.

Im Mittelpunkt der Resolution steht die Losung des genossenschaftlichen Zusammenschlusses der Bauernmassen. Der genossenschaftliche Zusammenschluss soll auf drei Linien erfolgen: auf der Linie der Konsumgenossenschaften, auf der Linie der landwirtschaftlichen Genossenschaften und auf der Linie der Kreditgenossenschaften. Das ist einer der sichersten Wege zur Verbreitung der Idee und der Methoden des Kollektivismus unter der Bauernschaft, unter ihren unbemittelten und mittelbäuerlichen Schichten (siehe die Resolution des Parteitags "über die Arbeit auf dem Lande").

c) Über die Arbeit unter den werktätigen Trauen. Schon in meinem Referat auf dem Parteitag habe ich gesagt, dass dieses Arbeitsgebiet bei uns vernachlässigt wird, dass diese Arbeit für die Partei außerordentlich wichtig ist und in manchen Fällen ein entscheidendes Arbeitsfeld für die Erziehung neuer Generationen im Geiste des Sozialismus darstellt. Das zu wiederholen, was schon auf dem Parteitag gesagt wurde, ist natürlich nicht notwendig. Ich möchte Sie nur darauf aufmerksam machen, dass der Parteitag, dem es leider nicht möglich war, die Frage der Arbeit unter den werktätigen Frauen speziell zu behandeln, nichtsdestoweniger einen besonderen Beschluss annahm, wonach "der Parteitag die besondere Aufmerksamkeit der gesamten Partei auf die Notwendigkeit der Verstärkung der Arbeit unter den Arbeiterinnen und Bäuerinnen und deren Einbeziehung in alle wählbaren Partei- und Sowjetorgane lenkt" (siehe die Resolution zum Rechenschaftsbericht des ZK). Ich denke, dass sich der nächste Parteitag mit dieser Frage speziell befassen muss. In Übereinstimmutig mit der Resolution des Parteitags beschloss das ZK-Plenum sofort nach Beendigung des Parteitags, das Organisationsbüro unseres ZK zu beauftragen, besondere Maßnahmen zu ergreifen, um die Arbeit unter den werktätigen Frauen auf die notwendige Höhe zu bringen.

d) Über die Arbeit unter der Jugend. Der Frage der Arbeit unter der Jugend widmete der Parteitag besondere Aufmerksamkeit. Die entsprechende Resolution des Parteitags ist meiner Meinung nach eingehender ausgearbeitet und erschöpfender als alle anderen Resolutionen des Parteitags. Sie ist daher für die Partei und die Jugend von großem Wert.

Die Bedeutung der Jugend - ich spreche von der Arbeiter- und Bauernjugend - besteht darin, dass sie den dankbarsten Boden für den Aufbau der Zukunft bietet, dass sie die Zukunft unseres Landes ist und sie verkörpert. Wenn unsere Arbeit im Staatsapparat, unter den Bauern, unter den werktätigen Frauen gewaltige Bedeutung für die Überwindung der alten Gepflogenheiten und Traditionen, für die Umerziehung der alten Generationen werktätiger Massen hat, so gewinnt die Arbeit unter der von diesen Traditionen und diesen Gepflogenheiten mehr oder weniger freien Jugend unschätzbare Bedeutung für die Erziehung neuer Kader der Werk-tätigen im Geiste der Diktatur des Proletariats und des Sozialismus, denn hier ist der Boden - das versteht sich von selbst - außerordentlich günstig.

Daher die überaus große Bedeutung des Jugendverbands und seiner Pionierorganisationen.

Der Jugendverband ist eine freiwillige Organisation der Arbeiter- und Bauernjugend. Sein Zentrum, sein Kern ist die Arbeiterjugend. Seine Stütze ist die Bauernjugend. Das Bündnis der Arbeiter- und Bauernjugend, das ist die Grundlage der Jugendorganisation. Alles Ehrliche und Revolutionäre in der Bauernjugend um den proletarischen Kern zu scharen; die Mitglieder des Verbands in alle Arbeitsgebiete, in die Wirtschaftsund Kulturarbeit, die militärische Arbeit und die Verwaltungsarbeit hineinzuziehen; aus ihnen Kämpfer und Erbauer, Menschen der Arbeit und Führer unseres Landes zu machen - das sind die Aufgaben des Jugendverbands (siehe die Resolution "Über die Arbeit unter der Jugend"[53]).

DIE PARTEI

Hier gibt es vier Fragen: die Opposition, das Lenin -Aufgebot, die Demokratisierung der Parteiführung, die Theorie im Allgemeinen und die Propagierung des Lenin ismus im Besonderen.

a) Über die Opposition. Jetzt, da die Frage der Opposition durch den Parteitag entschieden und die Angelegenheit somit erledigt ist, könnte man die Frage aufwerfen: Was stellt die Opposition dar, und worum ging eigentlich der Kampf in der Periode der Diskussion? Ich denke, Genossen, dass der Kampf um Sein oder Nichtsein der Partei ging. Die Opposition war sich dessen vielleicht selbst nicht bewusst. Aber darauf kommt es nicht an. Es kommt nicht darauf an, welche Ziele sich dieser oder jener Genosse beziehungsweise diese oder jene oppositionelle Gruppe stellt. Es geht um die objektiven Ergebnisse, die sich unvermeidlich aus den Handlungen der betreffenden Gruppe ergeben. Denn was bedeutet es, dem Parteiapparat den Krieg zu erklären? Es bedeutet, die Partei zu zerstören. Was bedeutet es, die Jugend gegen die Kader aufzubringen? Es bedeutet, die Partei zu zersetzen. Was bedeutet es, für die Freiheit der Gruppierungen zu kämpfen? Es bedeutet, den Versuch zu unternehmen, die Partei, ihre Einheit zu zerschlagen. Was bedeutet es, die Parteikader durch das Geschwätz über ihre Entartung zu diskreditieren? Es bedeutet den Versuch, die Partei zugrunde zu richten, ihr das Rückgrat zu brechen. Ja, Genossen, es ging um Sein oder Nichtsein der Partei. Daraus ist denn auch die Leidenschaftlichkeit zu erklären, mit der die Diskussion bei uns geführt wurde. Und eben daraus ist auch die in der Geschichte unserer Partei noch nie dagewesene Tatsache zu erklären, dass der Parteitag die Plattform der Opposition einstimmig verurteilt hat. Die überaus ernste Gefahr schmiedete die Partei zu einem festen eisernen Ring zusammen.

Interessant ist ein geschichtlicher Aufschluss über die Opposition. Beginnen wir, sagen wir, mit dem VII. Parteitag unserer Partei. Es war der erste Parteitag nach der Errichtung der Sowjetmacht (Anfang 1918). Hier hatten wir eine Opposition mit denselben Personen an der Spitze, die auch auf dem XIII. Parteitag an der Spitze der Opposition standen. Es ging um Krieg und Frieden, um den Brester Frieden. Damals hatte die Opposition ein Viertel des ganzen Parteitags auf ihrer Seite. Das ist immerhin nicht wenig. Nicht umsonst sprach man damals von einer Spaltung.

Zwei Jahre später, auf dem X. Parteitag, entbrannte in der Partei erneut ein Kampf, der Kampf um die Frage der Gewerkschaften, wobei dieselben Personen an der Spitze der Opposition standen. Damals hatte die Opposition ein Achtel des Parteitags hinter sich. Das ist natürlich weniger als ein Viertel.

Noch zwei Jahre später, auf dem soeben abgeschlossenen XIII. Parteitag, entbrennt ein neuer Kampf. Auch hier trat die Opposition in Erscheinung, aber sie erhielt auf dem Parteitag nun keine einzige Stimme mehr. Das ist, wie Sie sehen, für die Opposition schon ganz und gar schlecht.

Dreimal also versuchte die Opposition, gegen die Hauptkader der Partei zu Felde zu ziehen. Zum ersten Mal auf dem VII., zum zweiten Mal auf dem X. und zum dritten Mal auf dem XIII. Parteitag, und stets erlitt sie eine Niederlage und büßte jedesmal Anhänger ein, so dass ihre Armee Schritt für Schritt zusammenschmolz.

Was besagen alle diese Tatsachen? Erstens, dass die Geschichte unserer Partei in den letzten sechs Jahren die Geschichte des fortschreitenden Zusammenschlusses der Mehrheit unserer Partei um die Hauptkader der Partei ist. Zweitens, dass sich Schritt für Schritt ein Element nach dem andern von der Opposition trennte, sich dem Grundkern der Partei anschloss und in ihm aufging. Hieraus ergibt sich die Schlussfolgerung: Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich von der Opposition, die auf dem XIII. Parteitag keine Delegierte hatte (wir haben keine Proportionalwahlen), in der Partei aber zweifellos ihre Anhänger hat, eine Reihe von Genossen abspalten und dem Grundkern der Partei anschließen wird, wie dies auch in der Vergangenheit der Fall war.

Wie muss nun unsere Politik gegenüber solchen Oppositionellen oder, genauer, früheren Oppositionellen sein? Sie muss äußerst kameradschaftlich sein. Es müssen alle Maßnahmen getroffen werden, um solchen Genossen den Übergang zum Grundkern der Partei, eine gemeinsame und einträchtige Arbeit mit diesem Kern, zu erleichtern.

b) Über das Lenin -Aufgebot. Ich will nicht darauf eingehen, dass das Lenin -Aufgebot, das heißt die Tatsache der Aufnahme von 250000 neuen Mitgliedern aus der Arbeiterschaft in unsere Partei, davon zeugt, dass unsere Partei durch und durch demokratisch ist, dass unsere Partei im Grunde genommen ein gewähltes Organ der Arbeiterklasse ist. In dieser Hinsicht ist die Bedeutung des Lenin -Aufgebots zweifellos gewaltig. Aber nicht hierüber möchte ich heute sprechen. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf jene gefährlichen Übertreibungen lenken, zu denen in letzter Zeit im Zusammenhang mit dem Lenin -Aufgebot einige in unserer Partei neigen. Die einen sagen, man müsse noch weiter gehen und die Zahl der Mitglieder auf eine Million bringen. Andere wollen noch weiter gehen und erklären, es wäre besser, auf zwei Millionen zu kommen. Ich zweifle nicht, dass sich wieder andere finden werden, die noch weiter gehen wollen. Das, Genossen, ist eine gefährliche Übertreibung. Die größten Armeen in der Welt sind zugrunde gegangen, weil sie sich übernahmen, vieles eroberten und dann, nicht fähig, das Eroberte zu verdauen, zerfielen. Die größten Parteien können zugrunde gehen, wenn sie sich übernehmen, zu vieles erfassen und sich dann unfähig erweisen, das Erfasste festzuhalten, zu verdauen. Urteilen Sie selbst. In unserer Partei gibt es etwa 60 Prozent politisch Ungeschulter. 60 Prozent politisch Ungeschulter - das war vor dem Lenin -Aufgebot, und nach dem Lenin -Aufgebot werden es, fürchte ich, etwa 80 Prozent sein. Ist es nicht an der Zeit, Genossen, haltzumachen? Ist es nicht an der Zeit, sich auf die 800000 Mitglieder zu beschränken und scharf und bestimmt die Frage der Verbesserung der qualitativen Zusammensetzung der Partei, der Unterweisung des Lenin -Aufgebots in den Grundlagen des Lenin ismus, der Erziehung dieser Mitglieder zu bewussten Lenin isten auf die Tagesordnung zu setzen? Ich denke, dass es an der Zeit ist.

c) Über die Demokratisierung der Parteiführung. Das Lenin -Aufgebot zeugt von dem tiefgehenden Demokratismus unserer Partei, von der proletarischen Zusammensetzung ihrer Grundzellen, von dem unzweifelhaften Vertrauen der Millionenmassen Parteiloser zu unserer Partei. Aber hiermit ist der Demokratismus unserer Partei nicht erschöpft. Das ist nur die eine Seite des Demokratismus. Die andere Seite besteht darin, dass die Parteiführung selbst sich Schritt für Schritt demokratisiert. Schon auf dem Parteitag wurde gesagt, dass sich der Schwerpunkt der Parteiführung immer mehr von den eng begrenzten Spitzenorganen und Büros zu den umfassenderen Organisationen, zu den Plenartagungen der örtlichen und zentralen Organisationen verschiebt, wobei sich diese Plenartagungen selbst in ihrer Zusammensetzung erweitern und verbessern. Sie wissen wohl, dass der Parteitag diese Tendenz in der Entwicklung unserer leitenden Organisationen voll und ganz gebilligt hat. Wovon zeugt dies alles? Davon, dass unsere leitenden Organisationen mit allen Wurzeln ihrer Existenz tief in die proletarischen Massen zu dringen beginnen. Es ist interessant, die Entwicklung des Zentralkomitees unserer Partei in den letzten sechs Jahren vom Standpunkt seiner zahlenmäßigen und sozialen Zusammensetzung aus zu verfolgen. Zur Zeit des VII. Parteitags (1918) bestand unser ZK aus 15 Mitgliedern, davon ein Arbeiter (7 Prozent) und 14 Intellektuelle (93 Prozent). Das war auf dem VII. Parteitag. Jetzt aber, nach dem XIII. Parteitag, besteht das ZK bereits aus 54 Mitgliedern, davon 29 Arbeiter (53 Prozent) und 25 Intellektuelle (47 Prozent). Das ist ein unzweifelhaftes Zeichen für die Demokratisierung der maßgebenden Parteiführung.

d) Über die Theorie im Allgemeinen und die Propagierung des Lenin ismus im Besonderen. Ein gefährlicher Mangel unserer Partei besteht in dem Sinken des theoretischen Niveaus ihrer Mitglieder. Der Grund ist die Unmasse praktischer Arbeit, die die Lust zum theoretischen Studium vertreibt und einer gewissen gefährlichen Sorglosigkeit - um nicht mehr zu sagen - gegenüber Fragen der Theorie Vorschub leistet. Einige Beispiele.

Unlängst las ich in der Zeitung das Referat eines Genossen über den XIII. Parteitag (ich glaube, es war Kamenews), wo schwarz auf weiß geschrieben stand, die nächste Losung unserer Partei sei die Verwandlung des "Rußlands der NÖP-Leute" in ein sozialistisches Rußland. Dabei wird - und das ist noch schlimmer - diese seltsame Losung niemand anderem als Lenin selbst zugeschrieben. Nicht mehr und nicht weniger! Indessen ist bekannt, dass Lenin nichts Derartiges sagte noch sagen konnte, denn ein Rußland "der NÖP-Leute" gibt es bekanntlich nicht. Lenin sprach zwar über das Rußland "der NOP". Aber ein Rußland "der NÖP" (das heißt Sowjetrußland, das die Neue Ökonomische Politik durchführt) ist eine Sache und eine völlig andere ein Rußland "der NÖP-Leute" (das heißt ein Rußland, an dessen Spitze die NÖP-Leute stehen). Versteht Kamenew diesen prinzipiellen Unterschied? Natürlich versteht er ihn. Warum platzte er dann mit dieser seltsamen Losung heraus? Infolge der üblichen Sorglosigkeit gegenüber Fragen der Theorie, gegenüber genauen theoretischen Definitionen. Indes ist es sehr wahrscheinlich, dass diese seltsame Losung in der Partei einen Haufen Missverständnisse hervorrufen kann, wenn der Fehler nicht korrigiert wird.

Ein weiteres Beispiel. Man sagt nicht selten, wir hätten eine "Diktatur der Partei". Ich bin, sagt so einer, für die Diktatur der Partei. Ich erinnere mich, dass in einer der Resolutionen unseres Parteitags, mir scheint sogar in einer Resolution des XII. Parteitags, ein solcher natürlich aus Versehen unterlaufener Ausdruck vorkommt. Offenbar ist dieser oder jener Genosse der Meinung, wir hätten eine Diktatur der Partei, nicht aber der Arbeiterklasse. Aber das ist doch Unsinn, Genossen. Wenn das zuträfe, dann hätte Lenin Unrecht, der uns lehrte, dass die Sowjets die Diktatur verwirklichen, während die Partei die Sowjets leitet. Dann hätte Lenin Unrecht, der von der Diktatur des Proletariats, nicht aber von der Diktatur der Partei sprach. Wenn das zuträfe, dann brauchten wir keine Sowjets, dann hätte Lenin auf dem XI. Parteitag nicht von der Notwendigkeit einer "Abgrenzung der Partei- und Sowjetorgane" zu sprechen brauchen. Aber wodurch und auf welche Weise drang dieser Unsinn in die Partei ein? Durch die übermäßige Begeisterung für die "Parteilichkeit", eine Begeisterung, die ja gerade der Parteilichkeit ohne Anführungszeichen den größten Schaden zufügt, durch die Sorglosigkeit gegenüber Fragen der Theorie, dadurch, dass man sich nicht daran gewöhnt, die Losungen zu durchdenken, bevor man sie in Umlauf bringt, denn man braucht nur einen Augenblick nachzudenken, um zu begreifen, wie unsinnig es ist, der Diktatur der Klasse die Diktatur der Partei zu unterschieben. Bedarf es eines Beweises, dass dieser Unsinn dazu angetan ist, in der Partei Verwirrung und Durcheinander hervorzurufen?

Oder weiter. Allen ist bekannt, dass sich ein Teil unserer Partei während der Diskussion von der parteifeindlichen Agitation der Oppositionellen gegen die organisatorischen Grundlagen des Lenin ismus beeinflussen ließ. Jeder Bolschewik, der auch nur die kurzfristigste Schulung in der Theorie des Lenin ismus durchgemacht hat, hätte sofort erraten, dass die Predigt der Opposition mit dem Lenin ismus nichts gemein hat. Jedoch vermochte ein Teil der Partei bekanntlich nicht, das wahre Gesicht der Opposition sofort zu erkennen. Wodurch ist das zu erklären? Das ist wiederum durch die Sorglosigkeit gegenüber der Theorie, durch das niedrige theoretische Niveau der Mitglieder unserer Partei zu erklären.

Durch die Diskussion wurde die Frage des Studiums des Lenin ismus auf die Tagesordnung gesetzt. Lenin s Tod machte diese Frage noch akuter, indem er unter den Mitgliedern der Partei das Interesse für die Theorie verstärkte. Der XIII. Parteitag brachte diese Stimmungen lediglich zum Ausdruck, als er in einer ganzen Reihe von Resolutionen die Notwendigkeit des Studiums und der Propagierung des Lenin ismus bestätigte. Die Aufgabe der Partei besteht darin, das gewachsene Interesse für Fragen der Theorie auszunutzen und alle Maßnahmen zu ergreifen, uni das theoretische Niveau der Partei endlich auf die gebührende Höhe zu bringen. Man darf die Worte Lenin s nicht vergessen, dass es ohne eine klare und richtige Theorie keine richtige Praxis geben kann.

ÜBER DIE AUFGABEN DER KREISFUNKTIONÄRE

Genossen! Es ist kein Zufall, dass ich gerade zu Ihnen gekommen bin, um ein Referat über den Parteitag zu halten. Ich bin zu Ihnen gekommen nicht nur, weil Sie es wünschten, sondern auch, weil im gegenwärtigen Entwicklungsstadium der Kreis überhaupt und die Kreisfunktionäre im Besonderen das Hauptbindeglied zwischen Partei und Bauernschaft, zwischen Stadt und Land sind. Sie wissen sehr wohl, dass der Zusammenschluss zwischen Stadt und Land jetzt die Grundfrage der praktischen Arbeit der Partei und des Staates darstellt.

Ich sagte oben, dass der Zusammenschluss zwischen staatlicher Industrie und bäuerlicher Wirtschaft auf drei Hauptlinien erfolgen muss: auf der Linie der Konsumgenossenschaften, der landwirtschaftlichen Genossenschaften und der unteren Kreditgenossenschaften. Ich sagte, dass diese drei Kanäle die Hauptkanäle für die Organisierung des Zusammenschlusses sind. Es wäre aber eine Illusion zu glauben, es könnte uns sogleich gelingen, die Industrie unmittelbar über die Amtsbezirke, unter Umgehung des Kreises, mit der bäuerlichen Wirtschaft zusammenzuschließen. Es bedarf keines Beweises, dass weder unsere Kräfte noch unsere Fähigkeiten und Mittel hierfür ausreichen. Daher bleibt der Kreis, der Landkreis im gegenwärtigen Moment der Knotenpunkt für den Zusammenschluss zwischen Stadt und Land. Um im Handel festen Fuß zu fassen, ist es keineswegs erforderlich, den letzten Krämer aus dem letzten Amtsbezirk zu verdrängen - dazu ist lediglich erforderlich, den Kreis zur Basis des Sowjethandels zu machen, um so zu erreichen, dass alle und jegliche Krämer gezwungen sind, sich um den sowjetischen Genossenschaftsladen im Landkreis wie die Planeten um die Sonne zu drehen. Um die Herrschaft über das Kreditwesen zu erlangen, ist keineswegs erforderlich, die Amtsbezirke und Dörfer sogleich mit einem Netz der Kreditgenossenschaft zu überziehen - es genügt, eine Basis im Kreis zu errichten, um zu erreichen, dass unverzüglich eine Abkehr der Bauernschaft vom Kulaken und vom Wucherer beginnt. Und so weiter und so fort.

Kurzum: In der nächsten Zeit muss der Kreis (Landkreis) zur Hauptbasis für den Zusammenschluss zwischen Stadt und Land, zwischen Proletariat und Bauernschaft werden.

Wie schnell das geschehen wird, hängt von Ihnen ab, Genossen Kreisfunktionäre. Sie sind jetzt 300 an der Zahl. Das ist eine ganze Armee. Von Ihnen und von Ihren Genossen in den Kreisen unseres Landes hängt es ab, den Kreis schon in nächster Zeit zum Knotenpunkt der auf den Zusammenschluss zwischen Industrie und bäuerlicher Wirtschaft gerichteten Arbeit unserer Partei und unseres Staates zu machen. Ich zweifle nicht, dass die Kreisfunktionäre ihre Pflicht gegenüber der Partei und dem Lande erfüllen werden.

"Prawda" Nr. 136 und 137,
19. und 20. Juni 1924.

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