"Stalin"

Werke

Band 6

ÜBER DIE NÄCHSTEN AUFGABEN DER PARTEI
AUF DEM LANDE

Rede in der Beratung der Sekretäre der Dorfzellen beim ZK der KPR(B)[66]
22. Oktober 1924

DIE MÄNGEL IN DEN BERICHTEN
DER ORTSORGANISATIONEN

Genossen! Ich möchte vor allem auf die Mängel in den Berichten, die wir hier angehört haben, eingehen. Ich denke, dass zwei Hauptmängel zu verzeichnen waren.

Der erste Mangel besteht darin, dass die Delegierten ständig von den Arbeitserfolgen sprachen, die Mängel unserer Arbeit auf dem Lande - und ihrer gibt es eine große Menge - jedoch fast gar nicht erwähnten. Man berechnete die Dauer der Parteizugehörigkeit, stellte fest, wer wann geboren wurde, wieviel Mitglieder die Zelle hat und anderes, aber von den Mängeln unserer Arbeit wurde fast nicht gesprochen. Indessen ist die Frage der Mängel unserer Arbeit auf dem Lande die Grundfrage unserer praktischen Arbeit. Daher waren die Berichte - entschuldigen Sie den Ausdruck - etwas bürokratisch angehaucht. Ein beliebiger Zuhörer, der als Unbeteiligter hinzukäme, könnte glauben, dass hier Leute zusammengekommen sind, um vor dem ZK Rechenschaft abzulegen, und nun sagen: "Die Arbeit verläuft befriedigend" oder "Alles ist in bester Ordnung". So geht es nicht, Genossen, denn wir alle wissen - sowohl wir als auch Sie - dass weder bei Ihnen draußen noch bei uns im ZK mit der Arbeit alles in bester Ordnung ist.

Der zweite Mangel der Berichte besteht darin, dass in ihnen hauptsächlich von den Zellen selbst, von ihren Stimmungen gesprochen wird, die Stimmungen der Millionen parteiloser Bauern aber aus irgendeinem Grunde außer acht gelassen werden. Die Kommunisten, so zeigt sich, sind vor allem mit sich selbst beschäftigt: wie es um das innere Leben der Zellen bestellt ist, wieviel Vorträge gehalten wurden, was für eine Propaganda betrieben wird usw. Die Kommunisten, so zeigt sich, sehen hauptsächlich sich selbst und vergessen, dass sie von einem Ozean Parteiloser umgeben sind, ohne deren Unterstützung die ganze Arbeit der Zellen Gefahr läuft, sich in pure Stümperei zu verwandeln. Welcher Art das gegenseitige Verhältnis zwischen den Parteiorganisationen und der parteilosen Masse ist, darüber wurde nichts oder fast nichts gesagt. Man darf nicht nur sich selbst sehen. Man muss vor allem die Millionen parteiloser Bauern im Auge haben, ihre Nöte und Wünsche kennen lernen, ihren Bedürfnissen und Stimmungen Rechnung tragen. Daher die Trockenheit und der etwas bürokratische Charakter der Berichte.

Diese beiden Hauptmängel wollte ich hervorheben, damit die Genossen dies zur Kenntnis nehmen.

Ich bitte nochmals um Entschuldigung, Genossen, wegen der Wahrheit, die ich Ihnen gesagt habe. Aber ich bitte Sie sehr, auch uns die Wahrheit über die Mängel und Fehler in der Arbeit des ZK zu sagen.

Und jetzt zur Sache.

DER HAUPTMANGEL DER PARTEI-
DIE SCHWÄCHE DER PARTEIARBEIT AUF DEM LANDE

Worin besteht der Hauptmangel unserer Partei gegenwärtig unter den Verhältnissen der NÖP, da die politische Aktivität der Bauernschaft gewachsen ist und da von der Partei weit mehr verlangt wird als, sagen wir, vor zwei Jahren?

Der Hauptmangel unserer Partei besteht darin, dass unsere Parteiarbeit auf dem Lande schwach ist, dass sie nicht richtig in Fluss gekommen ist, dass sie ein unerfreuliches Bild bietet. Woher kommt diese Schwäche? Woraus erklärt sich die Tatsache, dass die Parteiarbeit in den Städten mit Volldampf vorangeht, während sie im Dorf auf beiden Beinen hinkt? Entwickelt sich denn die Landwirtschaft nicht? Hat sich denn die Lage der Bauern in diesen zwei Jahren nach Aufhebung der Ablieferungspflicht nicht gebessert? Erleichtert denn das Wachsen der Industrie und die Zufuhr von städtischen Erzeugnissen nicht die Lage der Bauern? Hat denn die feste Währung nicht die Lage der Bauern erleichtert? Woher also eine solche Schwäche unserer Parteiarbeit auf dem Lande? Wer diese Frage beantworten will, der muss vor allem eine andere Frage beantworten: Woher kommt die Stärke unserer Partei in den Städten?

WORIN BESTEHT DIE STÄRKE UNSERER PARTEI
IN DEN STÄDTEN?

Worin besteht also die Stärke unserer Partei in den Städten? Die Hauptstärke unserer Partei besteht darin, dass die Partei bei uns in den Städten von einem breiten Kreis eines parteilosen Aktivs umgeben ist, bestehend aus mehreren Hunderttausend Arbeitern, eines Aktivs, das eine Brücke zwischen der Partei und den Millionenmassen der Arbeiterklasse bildet. Die Stärke unserer Partei in den Städten besteht darin, dass zwischen der Partei und der Millionenmasse der Arbeiter nicht eine Scheidewand besteht, sondern eine Verbindungsbrücke, nämlich das parteilose Aktiv der Arbeitermasse, das mehrere Hunderttausend Menschen umfasst. Die Partei schöpft Kräfte aus diesem Aktiv. Durch dieses Aktiv wird das Vertrauen der Massen zur Partei geschmiedet. Sie haben davon gehört, dass sich vor einem halben Jahr mehr als 200000 Arbeiter in unsere Partei eingereiht haben. Woher sind sie gekommen? Aus dem parteilosen Aktiv, das unsere Partei mit einer Atmosphäre des Vertrauens umgibt, sie mit der übrigen parteilosen Masse verbindet. Das parteilose Aktiv ist folglich nicht nur eine Verbindungsbrücke, sondern auch das reichhaltigste Reservoir, aus dem unsere Partei neue Kräfte schöpft. Ohne ein solches Aktiv wäre eine Entwicklung unserer Partei unmöglich. Die Partei wächst und erstarkt, wenn um die Partei herum eine breite Schicht des parteilosen Aktivs wächst und erstarkt. Die Partei siecht dahin und verkümmert, wenn ein solches Aktiv fehlt.

WORIN BESTEHT DIE SCHWÄCHE UNSERER ARBEIT
AUF DEM LANDE?

Worin besteht also die Schwäche unserer Parteiarbeit auf dem Lande?

Darin, dass die Partei auf dem Lande nicht über eine breite Schicht eines parteilosen Bauernaktivs verfügt, das sie mit den vielen Millionen der werktätigen Bauernschaft unseres Landes zu verbinden vermag.

Wie liegen die Dinge in den Dörfern? Da ist das schmale Band der Parteizellen in den Dörfern. Sodann ein ebenso schmales Band parteiloser Bauern, die mit der Partei sympathisieren. Dahinter aber erstreckt sich der Ozean der Parteilosen, der vielen Millionen Bauern, die das schmale Band des parteilosen Aktivs nicht mit der Partei verbindet und nicht verbinden kann. Daraus erklärt sich denn auch, dass dieses Band nicht hält, des Öfteren reißt, und statt einer Verbindungsbrücke entsteht mitunter eine Scheidewand zwischen der Partei und den parteilosen Massen auf dem Lande.

DIE HAUPTAUFGABE - UM DIE PARTEI EIN
BAUERNAKTIV SCHAFFEN

Darum besteht die Hauptaufgabe unserer Partei auf dem Lande darin, ein starkes parteiloses Aktiv aus einigen Hunderttausend Bauern zu schaffen, das die Partei mit den vielen Millionen werktätiger Bauern zu verbinden vermag. Genossen! Entweder wir schaffen ein solches Aktiv und gleichen dadurch die Lage unserer Partei auf dem Lande ihrer Lage in der Stadt an, und dann werden uns keine Fragen und keine Schwierigkeiten schrecken, oder wir schaffen ein solches Aktiv nicht, und dann wird unsere ganze Arbeit auf dem Lande auf beiden Beinen hinken. Hier liegt jetzt der Schwerpunkt unserer ganzen Arbeit. Ohne ein solches zahlenmäßig unbedingt starkes und unbedingt aus wirklichen Bauern bestehendes Aktiv ist unsere Partei auf dem Lande zu chronischer Schwäche verurteilt. Natürlich ist das eine schwere Aufgabe, und in einem Jahr lässt sich ein solches Aktiv nicht schaffen. Aber geschaffen muss es werden, und je eher wir damit beginnen, umso besser.

DIE SOWJETS MÜSSEN BELEBT WERDEN

Wie können wir aber dieses Aktiv schaffen? Wie können wir zur Lösung dieser Aufgabe gelangen? Zu glauben, dass wir zur Lösung dieser Aufgabe mit propagandistischen Redensarten, mit dem Buch in der Hand, gelangen könnten, hieße, sich ganz gewaltig täuschen. Eine breite Schicht eines parteilosen Bauernaktivs um die Partei zu schaffen ist nur möglich im Verlauf einer auf die praktischen Bedürfnisse des Dorfes eingestellten Massenarbeit, im Verlauf eines groß angelegten Sowjetaufbaus im Dorfe, durch Heranziehung der Bauernschaft zur Verwaltung des Amtsbezirks, Rayons, Kreises und Gouvernements. Die Sowjets beleben, ihnen auf die Beine helfen, die besten Elemente der Bauernschaft in die Sowjets einbeziehen - das ist der Weg, den wir beschreiten müssen, um ein breites Aktiv aus parteilosen Bauern zu schmieden.

Lenin sagte, dass die Sowjets Organe des Zusammenschlusses der Arbeiter und Bauern sind, Organe, durch die die Arbeiter die Führung über die Bauern ausüben. Und wenn wir erreichen wollen, dass die politische Aktivität der werktätigen Bauernschaft nicht der Führung der Arbeiter entgleitet, müssen wir alle Maßnahmen ergreifen, um die Bauernschaft in die Sowjets einzubeziehen, um die Sowjets zu beleben und ihnen auf die Beine zu helfen, um die politische Aktivität der Bauernschaft unbedingt in Teilnahme an der Verwaltung des Landes ausmünden zu lassen. Nur im Verlauf einer solchen Arbeit kann die Bauernschaft breite Kader eines parteilosen Aktivs stellen. Nur aus einem solchen Aktiv kann die Partei Zehntausende Parteimitglieder im Dorfe auswählen.

DAS HERANGEHEN AN DIE BAUERNSCHAFT
MUSS GEÄNDERT WERDEN

Für die Belebung der Sowjets aber ist vor allem eine Bedingung unerlässlich. Dazu ist notwendig, dass das Herangehen an die Bauern von Grund aus geändert wird. Worin aber besteht diese Änderung? Darin, dass der Kommunist lernen muss, an den Parteilosen als Gleicher an einen Gleichen heranzugehen. Darin, dass er nicht kommandiert, sondern aufmerksam auf die Stimme der Parteilosen lauscht. Darin, dass er die Parteilosen nicht nur lehrt, sondern auch von ihnen lernt. Und wir können so manches von den Parteilosen lernen. Das gegenseitige Verhältnis zwischen den Parteimitgliedern und den Parteilosen ist eine überaus wichtige Frage unserer Parteipraxis. Lenin definiert dieses gegenseitige Verhältnis mit einem Wort: gegenseitiges Vertrauen. Der parteilose Bauer kann aber kein Vertrauen haben, wenn man nicht versteht, an ihn als Gleicher an einen Gleichen heranzugehen. In solchen Fällen entsteht statt Vertrauen Misstrauen, wobei die Sache nicht selten damit endet, dass zwischen der Partei und den Parteilosen eine Scheidewand entsteht, die Partei sich von den Massen loslöst und der Zusammenschluss der Arbeiter und Bauern sich in sein Gegenteil verkehrt.

DIE LEHREN DES AUFSTANDS IN GEORGIEN

Ein lebendiges Beispiel für eine solche Wendung der Dinge war vor kurzem der georgische Aufstand[67]. In unseren Zeitungen schreibt man von inszenierten Aktionen in Georgien. Das ist richtig, denn insgesamt gesehen war der Aufstand in Georgien ein künstlicher, war es kein Volksaufstand. Es gelang jedoch den Menschewiki an einigen Orten, infolge der schlechten Verbindung der Kommunistischen Partei mit der Masse, einen Teil der bäuerlichen Masse in den Aufstand hineinzuziehen. Es ist bezeichnend, dass in diesen Gegenden die kommunistischen Kräfte am stärksten vertreten sind. In diesen Gegenden gibt es verhältnismäßig viel mehr Kommunisten als in den übrigen. Und hier haben nun die Leute überhört, übersehen, nicht bemerkt, dass es unter den Bauern gärt, dass die Bauern sich auf irgend etwas vorbereiten, dass unter ihnen Unzufriedenheit aufkommt, dass sie sich von Tag zu Tag anhäuft, die Partei aber hat nichts davon gewusst. Die Orte, in denen die Kommunisten am stärksten vertreten sind, waren, wie sich zeigte, von den Stimmungen, dem Sinnen und Trachten der parteilosen Bauernschaft am meisten losgelöst. Darin liegt der Kern der Frage.

Wieso konnte es zu diesem Widersinn kommen? Eben weil die Kommunisten es nicht verstanden haben, an die Bauern auf Lenin sche Weise heranzugehen, weil sie statt einer Atmosphäre des Vertrauens eine Atmosphäre gegenseitigen Misstrauens schufen und auf diese Weise die Partei von den parteilosen Bauern loslösten. Es ist interessant, dass einer der aktivsten Funktionäre Georgiens diesen Widersinn mit der Schwäche der örtlichen Sowjets und mit der Loslösung der Partei von den Parteilosen begründet. "Zweifellos", sagt er, "muss die allerwichtigste Ursache dafür, dass wir die zunehmende Bewegung übersehen konnten, in der Schwäche der örtlichen Sowjets gesucht werden." Lenin sagt, dass die Sowjets das sicherste Barometer, der sicherste Gradmesser für die Stimmung der Bauernschaft sind. Und gerade dieses Barometer befand sich in einigen Kreisen Georgiens nicht in den Händen der Kommunistischen Partei.

Genossen, wir müssen die Ereignisse in Georgien als bezeichnend betrachten. Das, was in Georgien passiert ist, kann sich in ganz Rußland wiederholen, wenn wir das Herangehen an die Bauernschaft nicht von Grund aus ändern, wenn wir nicht eine Atmosphäre des vollen Vertrauens zwischen der Partei und den Parteilosen schaffen, wenn wir nicht auf die Stimme der Parteilosen lauschen und schließlich, wenn wir nicht die Sowjets beleben, um der politischen Aktivität der werktätigen Massen der Bauernschaft Spielraum zu verschaffen.

Eins von beiden: Entweder wir bringen es fertig, richtig, auf Lenin sche Art, an die parteilosen Bauern heranzugehen, um die wachsende politische Aktivität der Bauernschaft in die Bahnen des Sowjetaufbaus zu lenken und auf diese Weise die Führung der Bauern durch die Arbeiter zu sichern, oder wir bringen das nicht fertig, und dann wird die politische Aktivität der Massen an den Sowjets vorbeigehen, sich über die Sowjets hinwegsetzen und in Banditenaktionen vom Schlage des Aufstands in Georgien ausmünden.

So steht die Frage, Genossen.

EIN FEINFÜHLIGES HERANGEHEN AN DIE
BAUERNSCHAFT IST NOTWENDIG

Um zu charakterisieren, wie wenig feinfühlig man zuweilen an die Bauern herangeht, müssen einige Worte über die antireligiöse Propaganda gesagt werden. Zuweilen betrachten manche Genossen die Bauern als materialistische Philosophen und glauben, man brauche ihnen nur einen Vortrag über Naturwissenschaft zu halten, um den Bauern davon zu überzeugen, dass es keinen Gott gibt. Sie begreifen oft nicht, dass der Bauer Gott vom Standpunkt seiner Wirtschaft aus betrachtet, das heißt, der Bauer ist mitunter nicht abgeneigt, Gott den Rücken zu kehren, aber oft wird er von Zweifeln geplagt: "Wer weiß, vielleicht gibt es doch einen Gott; es wird wohl besser sein, sich sowohl mit den Kommunisten als auch mit Gott gut zu stellen, damit meine Wirtschaft besser gedeiht." Wer diese Besonderheit der Bauernmentalität nicht in Betracht zieht, der hat nichts von der Frage des gegenseitigen Verhältnisses zwischen Parteimitgliedern und Parteilosen begriffen, der hat nicht begriffen, dass in Fragen der antireligiösen Propaganda eine vorsichtige Einstellung selbst zu den Vorurteilen des Bauern erforderlich ist.

DIE HAUPTAUFGABEN DER PARTEI

Wir kommen also zu folgenden Schlussfolgerungen:

1. Der Hauptmangel der Parteiarbeit auf dem Lande besteht im Fehlen eines breiten parteilosen Bauernaktivs zwischen der Partei und den vielen Millionen parteiloser Bauern.

2. Die nächste Aufgabe der Partei besteht darin, um die Partei im Dorfe ein solches Aktiv zu schaffen, aus dem die Partei neue Kräfte schöpfen kann.

3. Die Schaffung dieses Aktivs ist nur möglich durch die Belebung der Sowjets und durch die Heranziehung der Bauernschaft zur Verwaltung des Landes.

4. Zur Belebung der Sowjets ist eine radikale Änderung des Herangehens an die parteilosen Bauern, der Verzicht auf das Kommandieren sowie die Schaffung einer Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens zwischen den Parteimitgliedern und den Parteilosen erforderlich.

Das sind die Aufgaben der Partei.

DIE VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE ARBEIT

Liegen Voraussetzungen vor, die für die Verwirklichung dieser Aufgaben günstig sind? Unbedingt ja. Solcher Voraussetzungen - ich habe die wichtigsten von ihnen im Auge - gibt es drei.

Erstens. Die wachsende politische Aktivität der Dorfarmut. Wir müssen das Augenmerk auf einige Besonderheiten der landwirtschaftlichen Entwicklung richten. Während die Entwicklung der Industrie die Arbeiter zusammenschließt, die Deklassierung der Arbeiterklasse beseitigt und die Arbeiterklasse als ein Ganzes wiedererstehen lässt, führt im Dorfe die Entwicklung der Landwirtschaft dagegen zum Zerfall, zur Differenzierung der Bauernschaft, zur Bildung zweier Lager: des Lagers der Kulaken, die die Kommandopositionen im Dorfe besetzen wollen, und des Lagers der Dorfarmut, die Verbündete gegen den Kulaken sucht. Zweifellos wird die Belebung der Sowjets zur Folge haben, dass sich die wachsende Aktivität der Dorfarmut auf die Schaffung einer von den Arbeitern geführten Einheitsfront gegen das Unwesen des Kulaken, Spekulanten und Wucherers richten wird.

Zweitens. Die Schaffung eines lokalen Haushalts als der materiellen Grundlage für die Belebung der Sowjets. Es erübrigt sich zu betonen, dass der Haushalt, die Erhebung der Steuern und die Art ihrer Verwendung für die Bauernschaft Fragen von erstrangiger Bedeutung sind. Daher gewinnt die Beteiligung der Bauernschaft am Sowjetaufbau jetzt eine viel aktuellere Bedeutung als je zuvor.

Drittens. Die rechtzeitige Hilfe, die die Sowjetmacht den von einer Hungersnot heimgesuchten Gebieten unseres Landes erwiesen hat. Diese Hilfe schuf unter der Bauernschaft zweifellos eine Atmosphäre des Vertrauens zur Sowjetmacht. Es bedarf wohl kaum eines Beweises, dass diese Atmosphäre es erleichtern wird, die Sowjets zu beleben.

DIE HAUPTSACHE - WAHRUNG DER VERBINDUNG
MIT DEN MILLIONEN PARTEILOSEN

So hat unsere Partei nicht nur bestimmte aktuelle Aufgaben auf dem Lande zu erfüllen, es gibt auch eine Reihe von günstigen Voraussetzungen, die die Erfüllung dieser Aufgaben erleichtern. Es kommt jetzt darauf an, einmütig die Erfüllung dieser Aufgaben in Angriff zu nehmen.

Dabei dürfen wir die unsterblichen Worte Lenin s nicht vergessen, dass die Kraft unserer Partei in der Wahrung des lebendigen Kontakts zwischen der Partei und den Millionenmassen der Parteilosen besteht, dass unsere Erfolge um so dauerhafter sein werden, je lebendiger dieser Kontakt ist. Er sagte diese Worte auf dein XI. Parteitag unserer Partei. Hier sind sie:

"In der Volksmasse sind wir (Kommunisten. J. St.) doch nur ein Tropfen im .Meer, und wir können nur dann regieren, wenn wir das Bewusstsein des Volkes richtig zum Ausdruck bringen. Andernfalls wird die Kommunistische Partei nicht das Proletariat führen und das Proletariat nicht die Massen führen, und die ganze Maschinerie wird zerfallen."[68]

"Prawda" Nr. 242,
23. Oktober 1924.

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