"Stalin"

Werke

Band 6

DIE OKTOBERREVOLUTION
UND DIE TAKTIK DER RUSSISCHEN KOMMUNISTEN

II
ÜBER ZWEI BESONDERHEITEN
DER OKTOBERREVOLUTION, ODER DER OKTOBER
UND TROTZKIS THEORIE DER,,PERMANENTEN"
REVOLUTION

Es gibt zwei Besonderheiten der Oktoberrevolution, die vor allem klargestellt werden müssen, um den inneren Sinn und die historische Bedeutung dieser Revolution zu begreifen.

Was sind das für Besonderheiten?

Das ist erstens die Tatsache, dass die Diktatur des Proletariats bei uns als eine Macht ins Leben trat, die auf der Grundlage des Bündnisses des Proletariats und der werktätigen Massen der Bauernschaft entstand, wobei letztere vom Proletariat geführt wurden. Das ist zweitens die Tatsache, dass die Diktatur des Proletariats bei uns verankert wurde als Ergebnis des Sieges des Sozialismus in einem, kapitalistisch wenig entwickelten Lande, während in den anderen, kapitalistisch entwickelteren Ländern der Kapitalismus weiter bestehen blieb. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Oktoberrevolution keine anderen Besonderheiten hat. Doch sind für uns jetzt gerade diese beiden Besonderheiten wichtig, nicht nur deshalb, weil sie das Wesen der Oktoberrevolution deutlich zum Ausdruck bringen, sondern auch deshalb, weil sie die opportunistische Natur der Theorie der "permanenten Revolution" vortrefflich aufdecken.

Betrachten wir kurz diese Besonderheiten.

Die Frage der werktätigen Massen des städtischen und ländlichen Kleinbürgertums, die Frage der Gewinnung dieser Massen für das Proletariat ist eine höchst wichtige Frage der proletarischen Revolution. Wen das werktätige Volk in Stadt und Land im Kampfe um die Macht unterstützen wird, die Bourgeoisie oder das Proletariat, wessen Reserve es bilden wird, die Reserve der Bourgeoisie oder die Reserve des Proletariats - davon hängt das Schicksal der Revolution und die Festigkeit der Diktatur des Proletariats ab. Die Revolutionen von 1848 und 1871 in Frankreich sind hauptsächlich deswegen zugrunde gegangen, weil die bäuerlichen Reserven auf der Seite der Bourgeoisie standen. Die Oktoberrevolution hat deswegen gesiegt, weil sie es verstand, der Bourgeoisie ihre bäuerlichen Reserven wegzunehmen, weil sie es verstand, diese Reserven für das Proletariat zu gewinnen, und weil sich das Proletariat in dieser Revolution als die einzige führende Kraft der Millionenmassen des werktätigen Volkes in Stadt und Land erwiesen hat.

Wer das nicht begriffen hat, der wird niemals den Charakter der Oktoberrevolution noch das Wesen der Diktatur des Proletariats, noch die Eigenart der Innenpolitik unserer proletarischen Macht begreifen.

Die Diktatur des Proletariats ist nicht einfach eine Regierungsspitze, die von der sorgsamen Hand eines "erfahrenen Strategen" "geschickt" "ausgewählt" wurde und sich auf diese oder jene Schichten der Bevölkerung "vernünftig stützt". Die Diktatur des Proletariats ist ein Klassenbündnis des Proletariats und der werktätigen Massen der Bauernschaft zum Sturz des Kapitals, zum endgültigen Siege des Sozialismus, unter der Bedingung, dass die führende Kraft in diesem Bündnis das Proletariat ist. Es handelt sich hier also nicht darum, dass man die revolutionären Möglichkeiten der Bauernbewegung "ein klein wenig" unterschätzt oder "ein klein wenig" überschätzt, wie manche diplomatische Verteidiger der "permanenten Revolution" sich jetzt mit Vorliebe auszudrücken pflegen.

Es handelt sich um das Wesen des neuen proletarischen Staates, der infolge der Oktoberrevolution entstanden ist. Es handelt sich um den Charakter der proletarischen Macht, um die Grundlagen der Diktatur des Proletariats selbst.

"Die Diktatur des Proletariats", sagt Lenin , "ist eine besondere Form des Klassenbündnisses zwischen dem Proletariat, der Avantgarde der Werktätigen, und den zahlreichen nichtproletarischen Schichten der Werktätigen (Kleinbürgertum, Kleineigentümer, Bauernschaft, Intelligenz usw.) oder deren Mehrheit, eines Bündnisses gegen das Kapital, eines Bündnisses zum Zwecke des völligen Sturzes des Kapitals, der völligen Unterdrückung des Widerstands der Bourgeoisie und ihrer Restaurationsversuche, eines Bündnisses zum Zwecke der endgültigen Errichtung und Festigung des Sozialismus." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 29, S. 350/351, russ.)

Und weiter:

"Diktatur des Proletariats bedeutet, wenn man diesen lateinischen, wissenschaftlichen, historisch-philosophischen Ausdruck in eine einfachere Sprache übersetzt:

Nur eine bestimmte Klasse, nämlich die städtischen Arbeiter und überhaupt die Fabrikarbeiter, die Industriearbeiter, ist imstande, die ganze Masse der Werktätigen und Ausgebeuteten zu führen im Kampf für das Abwerfen des kapitalistischen Jochs, im Verlauf des Abwerfens selbst, im Kampfe um die Sicherung und die Festigung des Sieges, bei der Schaffung der neuen, der sozialistischen Gesellschaftsordnung, in dem ganzen Kampfe für die völlige Aufhebung der Klassen." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 29, S.387 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S. 5701.)

Das ist die Theorie der Diktatur des Proletariats, wie sie von Lenin gegeben wurde.

Eine der Besonderheiten der Oktoberrevolution besteht darin, dass diese Revolution die klassische Verwirklichung der Lenin schen Theorie der Diktatur des Proletariats ist.

Manche Genossen sind der Auffassung, diese Theorie sei eine rein "russische" Theorie, die lediglich auf die russische Wirklichkeit Bezug habe. Das ist falsch. Das ist ganz und gar falsch. Wenn Lenin von den vom Proletariat geführten werktätigen Massen der nichtproletarischen Klassen spricht, so meint er nicht allein die russischen Bauern, sondern auch die werktätigen Elemente der Randgebiete der Sowjetunion, die noch vor kurzem russische Kolonien darstellten. Lenin wiederholte unermüdlich, dass das Proletariat Rußlands ohne ein Bündnis mit diesen Massen der anderen Nationalitäten nicht siegen kann. In seinen Aufsätzen über die nationale Frage und in seinen Reden auf den Kongressen der Kommunistischen Internationale sagte Lenin wiederholt, dass der Sieg der Weltrevolution unmöglich ist ohne ein revolutionäres Bündnis, ohne einen revolutionären Block des Proletariats der fortgeschrittenen Länder mit den unterdrückten Völkern der versklavten Kolonien. Aber was sind denn Kolonien anderes als wiederum die unterdrückten werktätigen Massen, und vor allem die werktätigen Massen der Bauernschaft? Wer wüsste nicht, dass die Befreiung der Kolonien im Grunde genommen eine Frage der Befreiung der werktätigen Massen der nichtproletarischen Klassen von der Unterdrückung und Ausbeutung durch das Finanzkapital ist?

Daraus folgt aber, dass die Lenin sche Theorie der Diktatur des Proletariats keine rein "russische" Theorie ist, sondern eine für alle Länder unbedingt gültige Theorie. Der Bolschewismus ist keine ausschließlich russische Erscheinung. "Der Bolschewismus", sagt Lenin , ist ein "Vorbild der Taktik für alle" (siehe 4. Ausgabe, Bd. 28, S. 270 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S. 471]).

Das sind die charakteristischen Züge der ersten Besonderheit der Oktoberrevolution.

Wie verhält es sich nun vom Standpunkt dieser Besonderheit der Oktoberrevolution mit Trotzkis Theorie der "permanenten Revolution"?

Wir wollen uns nicht über die Stellung Trotzkis im Jahre 1905 verbreiten, als er die Bauernschaft als revolutionäre Kraft "einfach" vergaß und die Losung "Weg mit dem Zaren, her mit der Arbeiterregierung", das heißt die Losung einer Revolution ohne die Bauernschaft, aufstellte. Sogar Radek, dieser diplomatische Verteidiger der "permanenten Revolution", ist jetzt gezwungen zuzugeben, dass die "permanente Revolution" im Jahre 1905 einen "Luftsprung" von der Wirklichkeit weg bedeutete. Jetzt erkennen offenbar alle an, dass es nicht lohnt, sich mit diesem "Luftsprung" weiter abzugeben.

Wir wollen uns auch nicht weiter über die Stellung Trotzkis während des Krieges verbreiten, sagen wir im Jahre 1915, als er in seinem Artikel "Der Kampf um die Macht", davon ausgehend, dass "wir in der Epoche des Imperialismus leben", dass der Imperialismus "nicht die bürgerliche Nation dem alten Regime, sondern das Proletariat der bürgerlichen Nation gegenüberstellt", zu dem Schluss gelangte, dass sich die revolutionäre Rolle der Bauernschaft verringern müsse, dass die Losung der Konfiskation des Bodens nicht mehr die Bedeutung habe, die ihr früher zukam. Bekanntlich hat Lenin damals, in einer Kritik an diesem Artikel Trotzkis, ihn der "Negierung" der "Rolle der Bauernschaft" bezichtigt, indem er sagte, dass "Trotzki in Wirklichkeit den liberalen Arbeiterpolitikern in Rußland hilft, die unter der ´Negierung´ der Rolle der Bauernschaft den mangelnden 'Willen verstehen, die Bauern zur Revolution aufzurütteln!" (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 382, russ.)

Wir wollen uns lieber den späteren Schriften Trotzkis über diese Frage zuwenden, den Schriften aus der Periode, in der die proletarische Diktatur sich bereits gefestigt hatte und Trotzki die Möglichkeit besaß, seine Theorie der "permanenten Revolution" an Hand der Praxis zu überprüfen und seine Fehler zu korrigieren. Nehmen wir das im Jahre 1922 geschriebene "Vorwort" Trotzkis zu dem Buch "Das Jahr 1905". Trotzki sagt in diesem "Vorwort" über die "permanente Revolution":

"Gerade in der Zeitspanne zwischen dem 9. Januar und dem Oktoberstreik 1905 haben sich bei dem Verfasser die Ansichten über den Charakter der revolutionären Entwicklung Rußlands herausgebildet, die die Bezeichnung Theorie der ´permanenten Revolution´ erhielten. Diese hochgelehrte Bezeichnung brachte den Gedanken zum Ausdruck, dass die russische Revolution wohl unmittelbar vor bürgerlichen Zielen steht, jedoch bei ihnen nicht wird stehen bleiben können. Die Revolution wird ihre nächsten bürgerlichen Aufgaben nicht anders lösen können als dadurch, dass sie das Proletariat an die Macht bringt. Dieses aber wird, nachdem es die Macht erobert hat, sich nicht auf den bürgerlichen Rahmen der Revolution beschränken können. Im Gegenteil, gerade zur Sicherung ihres Sieges wird die proletarische Avantgarde schon in der ersten Zeit ihrer Herrschaft tiefstgehende Eingriffe nicht nur in das feudale, sondern auch in das bürgerliche Eigentum vornehmen müssen. Hierbei wird sie in feindliche Zusammenstöße nicht nur mit allen Gruppierungen der Bourgeoisie geraten, die sie im Anfang ihres revolutionären Kampfes unterstützt haben, sondern auch mit den breiten Massen der Bauernschaft, mit deren Beihilfe sie zur Macht gekommen ist. Die Widersprüche in der Stellung der Arbeiterregierung in einem rückständigen Lande mit einer erdrückenden Mehrheit bäuerlicher Bevölkerung werden nur im internationalen Maßstab, in der Arena der Weltrevolution des Proletariats ihre Lösung finden können."'

So spricht Trotzki über seine "permanente Revolution".

Man braucht nur dieses Zitat mit den oben angeführten Zitaten aus den Werken Lenin s über die Diktatur des Proletariats zu vergleichen, um die ganze Kluft zu erkennen, die die Lenin sche Theorie der Diktatur des Proletariats von Trotzkis Theorie der "permanenten Revolution" trennt. Lenin spricht von dem Bündnis des Proletariats und der werktätigen Schichten der Bauernschaft als der Grundlage der Diktatur des Proletariats. Bei Trotzki dagegen ergeben sich "feindliche Zusammenstöße" der "proletarischen Avantgarde" mit den "breiten Massen der Bauernschaft". Lenin spricht von der Führung der werktätigen und ausgebeuteten Massen durch das Proletariat. Bei Trotzki dagegen ergeben sich "Widersprüche in der Stellung der Arbeiterregierung in einem rückständigen Lande mit einer erdrückenden Mehrheit bäuerlicher Bevölkerung".

Nach Lenin schöpft die Revolution ihre Kräfte vor allem unter den Arbeitern und Bauern Rußlands selbst. Bei Trotzki dagegen ergibt sich, dass man die notwendigen Kräfte nur "in der Arena der Weltrevolution des Proletariats" schöpfen kann.

Wie aber, wenn es der internationalen Revolution beschieden sein sollte, mit Verspätung einzutreffen? Gibt es da irgendeinen Lichtblick für unsere Revolution? Bei Trotzki gibt es keinen Lichtblick, denn "die Widersprüche in der Stellung der Arbeiterregierung... werden nur... in der Arena der Weltrevolution des Proletariats ihre Lösung finden können". Nach diesem Plan verbleibt unserer Revolution nur die eine Perspektive: in ihren eigenen Widersprüchen fortzuvegetieren und in Erwartung der Weltrevolution auf dem Halm zu verfaulen.

Was ist die Diktatur des Proletariats nach Lenin ?

Die Diktatur des Proletariats ist eine Macht, die sich auf das Bündnis des Proletariats und der werktätigen Massen der Bauernschaft stützt, um "das Kapital völlig niederzuwerfen", um "den Sozialismus endgültig zu errichten und zu festigen".

Was ist die Diktatur des Proletariats nach Trotzki?

Die Diktatur des Proletariats ist eine Macht, die mit "den breiten Massen der Bauernschaft" in "feindliche Zusammenstöße" gerät und die Lösung der "Widersprüche" lediglich "in der Arena der Weltrevolution des Proletariats" sucht.

Wodurch unterscheidet sich diese "Theorie der permanenten Revolution" von der bekannten Theorie des Menschewismus, die die Idee der Diktatur des Proletariats verneint?

Im Grunde genommen durch gar nichts.

Zweifel sind unmöglich. Die "permanente Revolution" ist keine einfache Unterschätzung der revolutionären Möglichkeiten der Bauernbewegung. Die "permanente Revolution" ist eine Unterschätzung der Bauernbewegung, die zur Verneinung der Lenin schen Theorie der Diktatur des Proletariats führt.

Die "permanente Revolution" Trotzkis ist eine Abart des Menschewismus.

So verhält es sich mit der ersten Besonderheit der Oktoberrevolution. Welches sind die charakteristischen Züge der zweiten Besonderheit der Oktoberrevolution?

Beim Studium des Imperialismus, besonders während des Krieges, gelangte Lenin zu dem Gesetz der Ungleichmäßigkeit, der Sprunghaftigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung der kapitalistischen Länder. Diesem Gesetz zufolge vollzieht sich die Entwicklung der Betriebe, Truste, Industriezweige und einzelnen Länder nicht gleichmäßig, nicht in einer feststehenden Reihenfolge, nicht so, dass ein Trust, ein Industriezweig oder ein Land die ganze Zeit hindurch vorangeht, während die anderen Truste oder Länder der Reihe nach eins hinter dem andern zurückbleiben, sondern sprunghaft, mit Unterbrechungen in der Entwicklung der einen Länder und mit Sprüngen vorwärts in der Entwicklung anderer Länder. Dabei hat das "durchaus berechtigte" Streben der zurückbleibenden Länder, ihre alte Positionen zu behaupten, und das ebenso "berechtigte" Streben der vorausgeeilten Länder, neue Positionen an sich zu reißen, zur Folge, dass kriegerische Zusammenstöße der imperialistischen Länder zur unvermeidlichen Notwendigkeit werden. So war es zum Beispiel mit Deutschland, das vor einem halben Jahrhundert im Vergleich zu Frankreich und England ein zurückgebliebenes Land war. Dasselbe gilt von Japan im Vergleich zu Rußland. Es ist jedoch bekannt, dass schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Deutschland und Japan einen so großen Sprung vorwärts taten, dass es Deutschland gelang, Frankreich zu überholen, und dass es England auf dem Weltmarkt zu bedrängen begann, während Japan das gleiche gegenüber Rußland gelang. Diesen Widersprüchen entsprang denn auch bekanntlich der jüngste imperialistische Krieg.

Dieses Gesetz geht von folgendem aus:

1. "Der Kapitalismus ist zu einem Weltsystem kolonialer Unterdrückung und finanzieller Abwürgung der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung der Erde durch eine Handvoll ´fortgeschrittener´ Länder geworden." (Siehe Vorwort zur französischen Ausgabe des "Imperialismus" von Lenin , 4. Ausgabe, Bd. 22, S. 179 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. I, S.771}.)

2. "In diese ´Beute´ teilen sich zwei, drei weltbeherrschende, bis an die Zähne bewaffnete Räuber (Amerika, England, Japan), die die ganze Welt in ihren Krieg um die Teilung ihrer Beute mit hineinreißen." (Ebenda.)

3. Das Anwachsen der Widersprüche innerhalb des Weltsystems finanzieller Unterdrückung und die Unvermeidlichkeit kriegerischer Zusammenstöße führen dazu, dass die Weltfront des Imperialismus durch die Revolution leicht verwundbar und die Durchbrechung dieser Front seitens einzelner Länder wahrscheinlich wird.

4. Dieser Durchbruch kann am wahrscheinlichsten an jenen Punkten und in jenen Ländern vor sich gehen, wo die Kette der imperialistischen Front am schwächsten, das heißt, wo der Imperialismus am wenigsten gerüstet ist und die Revolution sich am leichtesten entfalten kann.

5. Infolgedessen ist der Sieg des Sozialismus in einem Lande, selbst wenn dieses Land kapitalistisch weniger entwickelt ist, bei Fortbestehen des Kapitalismus in den anderen Ländern, selbst wenn diese Länder kapitalistisch entwickelter sind, durchaus möglich und wahrscheinlich.

Das sind in wenigen Worten die Grundlagen der Lenin schen Theorie der proletarischen Revolution.

Worin besteht die zweite Besonderheit der Oktoberrevolution?

Die zweite Besonderheit der Oktoberrevolution besteht darin, dass diese Revolution ein Musterbeispiel praktischer Anwendung der Lenin schen Theorie der proletarischen Revolution ist.

Wer diese Besonderheit der Oktoberrevolution nicht begriffen hat, wird weder das internationale Wesen dieser Revolution noch ihre kolossale internationale Wirkungskraft, noch die Eigenart ihrer Außenpolitik jemals begreifen.

"Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung", sagt Lenin , "ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt, dass der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist. Das siegreiche Proletariat dieses Landes würde sich nach Enteignung der Kapitalisten und nach Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenstellen und würde die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf seine Seite ziehen, in ihnen den Aufstand gegen die Kapitalisten entfachen und im Notfall sogar mit Waffengewalt gegen die Ausbeuterklassen und ihre Staaten vorgehen." Denn "die freie Vereinigung der Nationen im Sozialismus ist unmöglich ohne einen mehr oder weniger langwierigen, hartnäckigen Kampf der sozialistischen Republiken gegen die rück-ständigen Staaten." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 311 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. I, S.753].)

Die Opportunisten aller Länder behaupten, dass die proletarische Revolution nur in den industriell entwickelten Ländern beginnen könne - wenn sie ihrer Theorie zufolge überhaupt irgendwo beginnen sollte -, dass, je entwickelter in industrieller Hinsicht diese Länder sind, um so mehr Aussicht auf den Sieg des Sozialismus bestehe, wobei sie die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande, und noch dazu in einem kapitalistisch schwach entwickelten Lande, als etwas völlig Unwahrscheinliches ausschließen. Lenin stellte schon während des Krieges, gestützt auf das Gesetz der ungleichmäßigen Entwicklung der imperialistischen Staaten, den Opportunisten seine Theorie der proletarischen Revolution entgegen, die Theorie des Sieges des Sozialismus in einem Lande, selbst wenn dieses Land kapitalistisch weniger entwickelt ist.

Bekanntlich hat die Oktoberrevolution die Richtigkeit der Lenin schen Theorie der proletarischen Revolution vollauf bestätigt.

Wie verhält es sich nun mit der "permanenten Revolution" Trotzkis vom Standpunkt der Lenin schen Theorie des Sieges der proletarischen Revolution in einem Lande?

Nehmen wir die Broschüre Trotzkis "Unsere Revolution" (1906). Trotzki schreibt:

"Ohne direkte staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat wird die Arbeiterklasse Rußlands nicht imstande sein, die Macht zu behaupten und ihre zeitweilige Herrschaft in eine dauernde sozialistische Diktatur zu verwandeln. Daran darf man nicht einen Augenblick zweifeln."

Was besagt dieses Zitat? Es besagt, dass der Sieg des Sozialismus in einem Lande, im vorliegenden Falle in Rußland, unmöglich ist "ohne direkte staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat", das heißt vor der Machteroberung durch das europäische Proletariat.

Was hat diese "Theorie" mit dem Satze Lenin s von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus "in einem einzeln genommenen kapitalistischen Lande" gemein?

Es ist klar, dass es hier nichts Gemeinsames gibt.

Aber angenommen, diese Broschüre Trotzkis, die 1906 erschien, als es schwer war, den Charakter unserer Revolution zu bestimmen, enthalte unwillkürliche Irrtümer und entspreche nicht ganz den Ansichten Trotzkis in einer späteren Periode. Betrachten wir eine andere Broschüre Trotzkis, sein "Friedensprogramm", die vor der Oktoberrevolution 1917 erschien und jetzt (1924) in dem Buch "1917" neu herausgegeben wurde. In dieser Broschüre kritisiert Trotzki die Lenin sche Theorie der proletarischen Revolution, die Theorie des Sieges des Sozialismus in einem Lande und stellt ihr die Losung der Vereinigten Staaten von Europa entgegen. Er behauptet, dass der Sieg des Sozialismus in einem Lande unmöglich sei, dass der Sieg des Sozialismus nur möglich sei als Sieg in mehreren ausschlaggebenden Ländern Europas (England, Rußland, Deutschland), die sich zu den Vereinigten Staaten von Europa zusammenschließen, oder er sei überhaupt unmöglich. Er sagt unumwunden, dass "eine siegreiche Revolution in Rußland oder England undenkbar ist ohne eine Revolution in Deutschland und umgekehrt".

"Das einzige einigermaßen konkrete historische Argument", sagt Trotzki, "gegen die Losung der Vereinigten Staaten wurde im schweizerischen ´Sozialdemokrat´ (dem damaligen Zentralorgan der Bolschewiki. J. St.) in folgendem Satz formuliert: ´Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus.´ Daraus zog der ´Sozialdemokrat´ den Schluss, dass der Sieg des Sozialismus in einem Lande möglich sei und dass es deshalb nicht notwendig sei, die Diktatur des Proletariats in jedem einzelnen Staat von der Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa abhängig zu machen. dass die kapitalistische Entwicklung der verschiedenen Länder ungleichmäßig ist, ist ein völlig unbestreitbares Argument. Aber diese Ungleichmäßigkeit selbst ist überaus ungleichmäßig. Das kapitalistische Niveau Englands, Österreichs, Deutschlands oder Frankreichs ist nicht ein und dasselbe. Aber im Vergleich zu Afrika und Asien stellen alle diese Länder das kapitalistische ´Europa´ dar, das für die soziale Revolution reif ist. dass kein einziges Land in seinem Kampfe auf die anderen ,warten´ soll, ist ein elementarer Gedanke, den zu wiederholen nützlich und notwendig ist, damit nicht die Idee der parallelen internationalen Tat durch die Idee der abwartenden internationalen Untätigkeit ersetzt werde. Ohne auf die anderen zu warten, beginnen wir den Kampf auf nationalem Boden und setzen ihn hier fort, in der vollen Überzeugung, dass unsere Initiative dem Kampf in den anderen Ländern einen Anstoß geben wird; wenn das aber nicht geschehen sollte, dann wäre es aussichtslos, zu glauben - davon zeugen sowohl die geschichtlichen Erfahrungen als auch theoretische Erwägungen -, dass zum Beispiel ein revolutionäres Rußland einem konservativen Europa gegenüber sich behaupten oder ein sozialistisches Deutschland in der kapitalistischen Welt isoliert bleiben könnte."

Wie man sieht, haben wir dieselbe Theorie des gleichzeitigen Sieges des Sozialismus in den ausschlaggebenden Ländern Europas vor uns, als eine Regel, die die Lenin sche Revolutionstheorie des Sieges des Sozialismus in einem Lande ausschließt.

Es erübrigt sich zu sagen, dass zum vollständigen Siege des Sozialismus, zu einer vollständigen Garantie gegen die Wiederherstellung der alten Ordnung die gemeinsamen Anstrengungen der Proletarier mehrerer Länder notwendig sind. Es erübrigt sich zu sagen, dass das Proletariat Rußlands ohne die Unterstützung unserer Revolution durch das Proletariat Europas dem allgemeinen Ansturm nicht hätte widerstehen können, ebenso wie ohne Unterstützung der revolutionären Bewegung im Westen durch die Revolution in Rußland diese Bewegung sich nicht in dem Tempo hätte entwickeln können, mit dem es sich nach der proletarischen Diktatur in Rußland zu entwickeln begann. Es erübrigt sich zu sagen, dass wir Unterstützung brauchen. Aber was bedeutet die Unterstützung unserer Revolution durch das westeuropäische Proletariat? Die Sympathie der europäischen Arbeiter für unsere Revolution, ihre Bereitschaft, die Interventionspläne der Imperialisten zu durchkreuzen - ist das alles eine Unterstützung, eine ernste Hilfe? Unbedingt. Ohne diese Unterstützung, ohne diese Hilfe nicht allein von Seiten der europäischen Arbeiter, sondern auch von Seiten der kolonialen und abhängigen Länder hätte es die proletarische Diktatur in Rußland recht schwer gehabt. Reichten bisher diese Sympathie und diese Hilfe, im Verein mit der Macht unserer Roten Armee und der Bereitschaft der Arbeiter und Bauern Rußlands, das sozialistische Vaterland mit Leib und Leben zu verteidigen - reichte das alles aus, um die Angriffe der Imperialisten abzuwehren und die notwendigen Vorbedingungen für eine ernsthafte Aufbauarbeit zu erkämpfen? Ja, es reichte aus. Wächst diese Sympathie an oder ebbt sie ab? Sie wächst unbedingt an. Sind somit bei uns günstige Bedingungen nicht nur dafür vorhanden, das Werk der Organisierung der sozialistischen Wirtschaft voranzutreiben, sondern auch dafür, unserseits sowohl die westeuropäischen Arbeiter als auch die unterdrückten Völker des Ostens zu unterstützen? Ja, sie sind vorhanden. Davon spricht in beredter Weise die siebenjährige Geschichte der proletarischen Diktatur in Rußland. Kann man leugnen, dass bei uns ein mächtiger Arbeitsaufschwung bereits begonnen hat? Nein, das kann man nicht leugnen.

Welche Bedeutung kann nach alledem die Erklärung Trotzkis haben, dass ein revolutionäres Rußland einem konservativen Europa gegenüber sich nicht behaupten könnte?

Sie kann nur eine Bedeutung haben: Erstens, Trotzki fühlt nicht die innere Macht unserer Revolution; zweitens, Trotzki begreift nicht die unschätzbare Bedeutung der moralischen Unterstützung, die die Arbeiter des Westens und die Bauern des Ostens unserer Revolution erweisen; drittens, Trotzki merkt nicht jenes innere Siechtum, von dem der Imperialismus jetzt zerfressen wird.

Im Eifer seiner Kritik an der Lenin schen Theorie der proletarischen Revolution hat Trotzki in seiner Broschüre "Das Friedensprogramm", die 1917 erschien und 1924 neu herausgegeben wurde, sich unversehens selbst den Kopf eingerannt.

Aber vielleicht ist auch diese Broschüre Trotzkis veraltet und entspricht aus irgendeinem Grunde nicht mehr seinen heutigen Ansichten? Nehmen wir die späteren Schriften Trotzkis, die nach dem Siege der proletarischen Revolution in einem Lande, in Rußland, geschrieben worden sind. Nehmen wir zum Beispiel das "Nachwort" Trotzkis zur neuen Auflage der Broschüre "Das Friedensprogramm", das 1922 geschrieben wurde. In diesem "Nachwort" schreibt er:

"Die im ´Friedensprogramm´ sich mehrere Male wiederholende Behauptung, dass die proletarische Revolution im nationalen Rahmen nicht siegreich zu Ende geführt werden kann, wird wohl manchen Lesern durch die fast fünf-jährige Erfahrung unserer Sowjetrepublik als widerlegt erscheinen. Eine solche Schlussfolgerung wäre aber unbegründet. Die Tatsache, dass der Arbeiterstaat sich in einem, und zwar überdies rückständigen Lande gegen die ganze Welt behaupten konnte, zeugt von der kolossalen Macht des Proletariats, die in anderen, fortgeschritteneren, zivilisierteren Ländern fähig sein wird, wahrhaft Wunder zu vollbringen. Aber wenn wir uns politisch und militärisch als Staat behauptet haben, so sind wir doch noch nicht zur Schaffung einer sozialistischen Gesellschaft gekommen, ja nicht einmal an sie herangekommen... Solange in den übrigen europäischen Staaten die Bourgeoisie an der Macht steht, sind wir gezwungen, im Kampf gegen die ökonomische Isolierung eine Verständigung mit der kapitalistischen Welt zu suchen; gleichzeitig kann mit Bestimmtheit gesagt werden, dass diese Verständigung uns bestenfalls helfen kann, die einen oder die anderen ökonomischen Wunden zu heilen, den einen oder den anderen Schritt vorwärts zu tun, dass aber ein wirklicher Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft in Rußland erst nach dem Siegel des Proletariats in den wichtigsten Ländern Europas möglich sein wird."

So spricht Trotzki, der sich offenkundig an der Wirklichkeit versündigt und sich hartnäckig bemüht, die "permanente Revolution" vor dem endgültigen Zusammenbruch zu retten.

Es kommt also heraus, dass wir, man mag sich drehen und wenden, wie man will, zur Schaffung der sozialistischen Gesellschaft nicht nur "nicht gekommen", sondern an sie "nicht einmal herangekommen" sind. So mancher hat also auf eine "Verständigung mit der kapitalistischen Welt" gehofft, aber auch aus dieser Verständigung kommt nichts heraus, wie sich erweist, denn, man mag sich drehen und wenden, wie man will, einen "wirklichen Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft" wird es nicht geben, solange das Proletariat "in den wichtigsten Ländern Europas" nicht gesiegt hat.

Da aber nun im Westen der Sieg noch nicht da ist, so bleibt der Revolution in Rußland nur die "Wahl": entweder auf dem Halm zu verfaulen oder zu einem bürgerlichen Staat zu entarten.

Nicht von ungefähr spricht Trotzki schon seit zwei Jahren von der "Entartung" unserer Partei.

Nicht von ungefähr prophezeite Trotzki im vorigen Jahr den "Untergang" unseres Landes.

Wie soll man diese seltsame "Theorie" mit Lenin s Theorie vom "Siege des Sozialismus in einem Lande" in Einklang bringen?

Wie soll man diese seltsame "Perspektive" mit der Perspektive Lenin s in Einklang bringen, dass die Neue Ökonomische Politik uns die Möglichkeit geben wird, "das Fundament der sozialistischen Ökonomik zu errichten"?

Wie soll man diese "permanente" Hoffnungslosigkeit zum Beispiel mit folgenden Worten Lenin s in Einklang bringen:

"Der Sozialismus ist jetzt bereits keine Frage der fernen Zukunft oder irgendeines abstrakten Schemas oder irgendeines Heiligenbildes. Hinsichtlich der Heiligenbilder sind wir bei der alten, sehr schlechten Meinung geblieben. Wir haben den Sozialismus in das Alltagsleben einbezogen, und hier müssen wir uns zurechtfinden. Das eben ist die Aufgabe unserer Tage, das eben ist die Aufgabe unserer Epoche. Gestatten Sie mir, mit dem Ausdruck der Überzeugung zu schließen, dass wir, so schwer diese Aufgabe auch sein mag, so neu sie im Vergleich zu unserer früheren Aufgabe auch ist und so viele Schwierigkeiten sie uns auch bereiten mag - dass wir alle zusammen nicht morgen, wohl aber in einigen Jahren diese Aufgabe um jeden Preis lösen werden, so dass aus dem Rußland der NÖP das sozialistische Rußland werden wird." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, 5.405, russ.)

Wie soll man diese "permanente" Aussichtslosigkeit Trotzkis zum Beispiel mit folgenden Worten Lenin s in Einklang bringen:

"In der Tat, die Verfügungsgewalt des Staates über alle großen Produktionsmittel, die Staatsmacht in den Händen des Proletariats, das Bündnis dieses Proletariats mit den vielen Millionen Klein- und Zwergbauern, die Sicherung der Führerstellung dieses Proletariats gegenüber der Bauernschaft usw. - ist das nicht alles, was notwendig ist, um aus den Genossenschaften, allein aus den Genossenschaften, die wir früher geringschätzig als Krämerei behandelt haben und die wir in gewisser Hinsicht jetzt, unter der NÖP, ebenso zu behandeln berechtigt sind, ist das nicht alles, was notwendig ist, um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten? Das ist noch nicht die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft, aber es ist alles, was zu dieser Errichtung notwendig und hinreichend ist." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S.428 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S. 989].)

Es ist klar, dass es hier keinen Einklang gibt noch geben kann. Die "permanente Revolution" Trotzkis ist die Verneinung der Lenin schen Theorie der proletarischen Revolution und umgekehrt - die Lenin sche Theorie der proletarischen Revolution ist die Verneinung der Theorie der "permanenten Revolution".

Unglaube an die Kräfte und Fähigkeiten unserer Revolution, Unglaube an die Kräfte und Fähigkeiten des russischen Proletariats - das ist die Grundlage der Theorie der "permanenten Revolution".

Bisher wurde gewöhnlich eine Seite der Theorie der "permanenten Revolution" betont - der Unglaube an die revolutionären Möglichkeiten der Bauernbewegung. Jetzt muss, der Gerechtigkeit halber, diese Seite durch eine andere Seite ergänzt werden - durch den Unglauben an die Kräfte und Fähigkeiten des Proletariats Rußlands.

Wodurch unterscheidet sich die Theorie Trotzkis von der gewöhnlichen Theorie des Menschewismus, dass der Sieg des Sozialismus in einem, und noch dazu in einem rückständigen Lande ohne den vorausgehenden Sieg der proletarischen Revolution "in den ausschlaggebenden Ländern Westeuropas" unmöglich ist?

Im Grunde genommen durch gar nichts.

Zweifel sind unmöglich. Trotzkis Theorie der "permanenten Revolution" ist eine Abart des Menschewismus.

In letzter Zeit sind in unserer Presse faule Diplomaten aufgetaucht, die sich bemühen, die Theorie der "permanenten Revolution" als etwas mit dem Lenin ismus Vereinbares einzuschmuggeln. Gewiss, sagen sie, habe sich diese Theorie im Jahre 1905 als untauglich erwiesen. Aber der Fehler Trotzkis bestehe darin, dass er damals vorausgeeilt sei, da er versucht habe, auf die Situation von 1905 etwas anzuwenden, was damals nicht angewandt werden konnte. Aber später, sagen sie, zum Beispiel im Oktober 1917, als die Revolution vollständig herangereift war, habe sich die Theorie Trotzkis als durchaus angebracht erwiesen. Es ist nicht schwer zu erraten, dass die Hauptperson unter diesen Diplomaten Radek ist. Man höre doch:

"Der Krieg hat eine Kluft zwischen der Bauernschaft, die den Grund und Boden erkämpfen wollte und nach Frieden strebte, und den kleinbürgerlichen Parteien aufgerissen; der Krieg brachte die Bauernschaft unter die Führung der Arbeiterklasse und ihrer Avantgarde, der Partei der Bolschewiki. Möglich wurde nicht die Diktatur der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, sondern die Diktatur der sich auf die Bauernschaft stützenden Arbeiterklasse. Was Rosa Luxemburg und Trotzki im Jahre 1905 gegen Lenin vorbrachten (das heißt die "permanente Revolution". J. St.), erwies sich in Wirklichkeit als zweite Etappe der historischen Entwicklung."

Hier ist jedes Wort eine Verdrehung.

Es ist nicht wahr, dass während des Krieges "nicht die Diktatur der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, sondern die Diktatur der sich auf die Bauernschaft stützenden Arbeiterklasse möglich wurde". In Wirklichkeit war die Februarrevolution 1917 die Verwirklichung der Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft in eigenartiger Verflechtung mit der Diktatur der Bourgeoisie.

Es ist nicht wahr, dass die Theorie der "permanenten Revolution", die Radek schamhaft verschweigt, im Jahre 1905 von Rosa Luxemburg und Trotzki vorgebracht wurde. In Wirklichkeit wurde diese Theorie von Parvus und Trotzki vorgebracht. Jetzt, nach zehn Monaten, korrigiert sich Radek und hält es für notwendig, Parvus wegen der "permanenten Revolution" zu schelten. Aber die Gerechtigkeit verlangt von Radek, dass auch der Kompagnon von Parvus, Trotzki, gescholten werde.

Es ist nicht wahr, dass die "permanente Revolution", die durch die Revolution von 1905 über Bord geworfen wurde, sich in der "zweiten Etappe der historischen Entwicklung", das heißt während der Oktoberrevolution, als richtig erwiesen habe. Der ganze Verlauf der Oktoberrevolution, ihre ganze Entwicklung haben den völligen Bankrott der Theorie der "permanenten Revolution", ihre völlige Unvereinbarkeit mit den Grundlagen des Lenin ismus offenbart und bewiesen.

Mit süßlichen Reden und fauler Diplomatie lässt sich der klaffende Abgrund zwischen der Theorie der "permanenten Revolution" und dein Lenin ismus nicht verdecken.

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