"Stalin"

Werke

Band 7

ÜBER DIE TSCHECHOSLOWAKISCHE
KOMMUNISTISCHE PARTEI

Rede in der tschechoslowakischen Kommission des EKKI[21]

27. März 1925

Genossen! Wenn man von einigen Einzelheiten und persönlichen Momenten absieht, die von einigen Genossen angeführt wurden und die nicht zur Sache gehören, könnte man die Meinungsverschiedenheiten in der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei in folgenden 9 Fragen zusammenfassen:

  1. Macht die tschechoslowakische Kommunistische Partei eine Krise durch?
  2. Welches ist die Grundursache der Krise?
  3. Welcher Art ist die Krise, das heißt, von wo droht die Gefahr, von links oder von rechts?
  4. Welche Gefahr ist die ernstere, die linke oder die rechte?
  5. Warum ist die Gefahr von rechts die realste Gefahr?
  6. Wie muss der Kampf gegen die rechte Gefahr geführt werden, damit im Ergebnis des Kampfes eine wirkliche Bolschewisierung erreicht und ein wirklicher Ausweg aus der Krise gefunden wird?
  7. Welches ist die nächste Aufgabe hinsichtlich der Bolschewisierung der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei?
  8. Über die Rechte der Komintern gegenüber den nationalen Sektionen.
  9. Über den Genossen Kreibich und die Drohung mit der Spaltung.

Macht die tschechoslowakische Kommunistische Partei eine Krise durch? Ja, sie macht eine Krise durch. Das wird von beiden Seiten zugegeben. Darüber bestehen zwischen ihnen keine Meinungsverschiedenheiten. Genosse Smeral ist sogar noch weiter gegangen, indem er sagte, dass die Krise tiefer gehe, als es von einigen Genossen gewöhnlich dargestellt wird.

Welches ist die Grundursache der Krise? Genosse Smeral hat vollkommen recht, wenn er behauptet, dass die Grundursache der Krise in den Schwierigkeiten liegt, die mit dem Übergang von der Periode des revolutionären Aufschwungs zur Periode der Stille verknüpft sind. Eine Übergangsperiode, die eine neue Orientierung erforderlich macht, ruft gewöhnlich diese oder jene Krise in der Partei hervor. So liegen die Dinge gegenwärtig auch in der Tschechoslowakei.

Welcher Art ist die Krise, und von wo droht die Gefahr, von links oder von rechts? Auch hier hat Genosse Smeral recht, wenn er behauptet, dass die Gefahr von beiden Seiten droht, sowohl von links als auch von rechts. Es besteht die Gefahr der Überschätzung der Teilforderungen auf Kosten der Grundforderungen, der Überschätzung der parlamentarischen Tätigkeit und der Arbeit in den Gewerkschaften. Das ist eine Gefahr von rechts, denn sie führt zur Anpassung an die Bourgeoisie. Anderseits besteht die Gefahr der Unterschätzung der Teilforderungen, der parlamentarischen Tätigkeit, der Arbeit in den Gewerkschaften usw. Das ist eine Gefahr von links, denn sie führt zur Loslösung von den Massen und zum Sektierertum. Der Wunsch des Genossen Smeral, in diesem Kampf zweier entgegengesetzter Abweichungen eine Position der Mitte einzunehmen, ist durchaus berechtigt. Schlimm ist nur, dass es ihm nicht gelungen ist, sich in dieser Position zu behaupten, und dass er ins Schlepptau der Rechten geraten ist.

Welche von diesen Gefahren ist die ernstere, die linke oder die rechte? Ich glaube, Genosse Smeral ist sich über diese Frage nicht klar geworden. Er richtet seine Kritik hauptsächlich gegen die Linken, in der Annahme, dass hier die Hauptgefahr liege. Die Tatsachen besagen indes, dass die Hauptgefahr von rechts droht, nicht aber von links. Das hat Genosse Smeral nicht begriffen, und darin besteht sein erster Fehler.

Warum ist die Gefahr von rechts gegenwärtig die ernsteste Gefahr? Aus drei Gründen.

Erstens. Der Übergang vom Aufschwung zur Stille vermehrt an und für sich, schon seiner ganzen Natur nach die Chancen der Gefahr von rechts. Wenn der Aufschwung revolutionäre Illusionen erzeugt und als Hauptgefahr die linke Gefahr hervorruft, so erzeugt die Periode der Stille im Gegenteil sozialdemokratische, reformistische Illusionen und ruft als Hauptgefahr die rechte Gefahr hervor. Im Jahre 1920, als die Arbeiterbewegung im Aufschwung begriffen war, verfasste Lenin die Schrift „Der ‚linke Radikalismus’, die Kinderkrankheit”. Warum verfasste Lenin gerade diese Schrift? Weil die linke Gefahr damals die ernsteste Gefahr war. Ich glaube, wenn Lenin noch am Leben wäre, so würde er jetzt eine neue Schrift über „Die rechte Abweichung, die Alterskrankheit” verfassen, denn jetzt, in der Periode der Stille, da die kompromisslerischen Illusionen zwangsläufig zunehmen, ist die rechte Gefahr die ernsteste Gefahr.

Zweitens. Wie Genosse Smeral berichtete, besteht die tschechoslowakische Kommunistische Partei mindestens zu 70 Prozent aus ehemaligen Sozialdemokraten. Es bedarf wohl kaum des Beweises, dass sozial-demokratische Rückfälle in einer solchen Partei nicht nur möglich, sondern sogar unausbleiblich sind. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass dieser Umstand die Gefahr von rechts nur noch verstärken muss.

Drittens. Der tschechoslowakische Staat stellt einen Staat des nationalen Sieges der Tschechen dar. Die Tschechen haben bereits ihren Nationalstaat, in dem sie die herrschende Nation sind, erhalten, den Arbeitern geht es da vorläufig nicht übel: es gibt keine Arbeitslosigkeit, alles schwelgt in der Idee des Nationalstaates. All das muss natürlich Illusionen des nationalen Friedens zwischen den Klassen in der Tschechoslowakei erzeugen. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass dieser Umstand seinerseits zur Entstehung und Verschärfung der Gefahr von rechts führt. Darin ist auch die Ursache dafür zu suchen, dass die Rechten und die Linken auf der nationalen Linie auseinandergingen, dass die Slowaken und die Deutschen (die unterdrückten Nationen) auf den linken Flügel gerieten, die Tschechen aber auf den entgegengesetzten Flügel. Genosse Smeral hat von der Gefährlichkeit einer solchen Scheidung gesprochen. Das ist natürlich richtig. Richtig ist aber auch, dass eine solche Scheidung durchaus verständlich ist, wenn man die oben angeführten nationalen Besonderheiten des tschechoslowakischen Staates und die herrschende Stellung der Tschechen in Betracht zieht.

Das sind die wichtigsten Ursachen, die die Gefahr von rechts in der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei zu einer besonders ernsten Gefahr machen.

Wie muss der Kampf gegen die rechte Gefahr in der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei geführt werden? Diese Frage führt uns zum eigentlichen Kern der Meinungsverschiedenheiten. Man sollte meinen, dass der Kampf gegen diese Gefahr mit größter Entschlossenheit und Unerbittlichkeit geführt werden muss. Aber bei den tschechischen Kommunisten ist das Gegenteil der Fall. Bekämpft Genosse Smeral die Gefahr von rechts? Ja, er bekämpft sie. Aber er bekämpft sie so, dass statt einer Überwindung der Rechten bei ihm letzten Endes eine Kultivierung, eine Unterstützung, eine Verteidigung der Rechten gegen die Schläge der Linken herauskommt. Das ist etwas seltsam, Genossen, aber es ist eine Tatsache. Darin besteht der zweite und grundlegende Fehler des Genossen Smeral.

Urteilen Sie selbst.

1. Es ist eine Tatsache, dass ein Artikel des Genossen Kreibich existiert, in dem er für den Trotzkismus Stellung nimmt. Es ist eine Tatsache, dass dieses Dokument in Parteikreisen bekannt ist und von Hand zu Hand geht. Es wäre notwendig gewesen, dieses Dokument ans Tageslicht zu bringen und seinen Verfasser zu zerschmettern, ideologisch zu zerschmettern, vor den Augen der Arbeiter, um der Partei die Möglichkeit zu geben, sich über die Gefahr des Trotzkismus klar zu werden und ihre Kader im Geiste des Bolschewismus zu erziehen. Denn was ist der Trotzkismus anderes als der rechte Flügel im Kommunismus, als die Gefahr von rechts? Wie aber handelte Genosse Smeral in diesem Fall? Anstatt den Trotzkismus des Genossen Kreibich der ganzen Partei zur Kenntnis zu bringen, hat er die Frage kurzerhand vertuscht und verschleiert, hinter den Kulissen der Partei behandelt und dort in aller Stille „gelöst”, in der gleichen Weise, wie gewöhnliche „Missverständnisse” beigelegt werden. Den Gewinn davon hatten der Trotzkismus und der Genosse Kreibich. Den Verlust hatte die Partei. Anstatt des Kampfes gegen die Rechten ergab sich eine Beschützung der Rechten.

2. Es ist bekannt, dass einige Führer dreier Gewerkschaftsverbände - der Transportarbeiter, der Holzarbeiter und der Bauarbeiter - ein gewisses Dokument herausgegeben haben, in dem die volle Unabhängigkeit der Gewerkschaften von der Partei gefordert wird. Es ist bekannt, dass dieses Dokument von dem Vorhandensein einer ganzen Anzahl rechter Elemente in den Gewerkschaften der Tschechoslowakei zeugt. Es wäre notwendig gewesen, dieses Dokument offen vor der Partei der Kritik zu unterziehen und sie vor der Gefahr einer Loslösung der Gewerkschaften von der Partei zu warnen. Wie handelte Genosse Smeral in diesem Fall? Er vertuschte kurzerhand auch diese Frage, indem er das Dokument einzog und es auf diese Weise vor den Parteimassen verbarg. Und die Rechten blieben unversehrt, und das „Parteiprestige” blieb gewahrt. Das nennt sich Kampf gegen die Rechten!

3. Es ist bekannt, dass es in der kommunistischen Parlamentsfraktion rechte Elemente gibt. Es ist bekannt, dass sich diese Elemente immer wieder der Führung der Partei entziehen und sich dem ZK der Partei gegenüberzustellen suchen. Der Kampf gegen diese Elemente ist dringend notwendig, besonders jetzt, besonders unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Stille. Wie kämpft Genosse Smeral gegen diese Gefahr? Anstatt die rechten Elemente der kommunistischen Fraktion zu entlarven, nimmt er sie in Schutz und rettet sie durch eine Kautschukresolution über die Anerkennung der Parteiführung, die im Ergebnis eines hinter den Kulissen geführten inneren Kampfes im vierten Jahr des Bestehens der Partei angenommen wurde. Wiederum hatten die Rechten den Gewinn, und die Partei hatte den Verlust.

4. Schließlich der Fall Bubnik. Ich muss sagen, Genossen, dass die Periode der Stille keine Periode der absoluten Aktionslosigkeit ist. Die Periode der Stille ist eine Periode der Formierung und Ausbildung der proletarischen Armeen, eine Periode ihrer Vorbereitung zur Revolution. Die Ausbildung der proletarischen Armeen kann aber nur im Verlauf von Aktionen erfolgen. Die Teuerung, die in letzter Zeit in der Tschechoslowakei eingesetzt hat, ist eine günstige Voraussetzung für diese Aktionen. Bekanntlich hat die tschechoslowakische Kommunistische Partei den Augenblick genutzt und kürzlich eine Reihe von Demonstrationen anlässlich der Teuerung durchgeführt. Bekanntlich hat der rechte Kommunist Bubnik, der jetzt aus der Partei ausgeschlossen ist, die Gelegenheit ebenfalls benutzt und die Aktion der Arbeiter zu hintertreiben versucht, indem er der Partei in den Rücken fiel. Was hat Genosse Smeral unternommen, um die Partei davor zu bewahren, dass ihr die Rechten in den Rücken fallen? Anstatt den „Fall” Bubnik zu benutzen und an Hand dieses Falles die ganze Gruppe der Rechten vor der Partei schonungslos zu entlarven, hat Genosse Smeral die prinzipielle Frage, die Frage der Rechten, auf den individuellen Fall Bubnik beschränkt, obgleich die ganze Welt weiß, dass Bubnik nicht allein steht, dass er Anhänger sowohl in den Gewerkschaften als auch in der kommunistischen Parlamentsfraktion und in der Presse hat. Um den Preis eines kleinen Opfers (Ausschluss Bubniks) hat er die Gruppe der Rechten vor der Zertrümmerung bewahrt, zum Schaden der grundlegenden Interessen der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei. Und das nennt sich beim Genossen Smeral Taktik des Kampfes gegen die Rechten!

Genosse Smeral bezeichnet diese Taktik als „feine”, „delikate” Taktik. Mag sein, dass diese Taktik tatsächlich fein ist, aber dass sie mit der bolschewistischen Taktik des unversöhnlichen Kampfes gegen die Rechten nichts gemein hat, daran kann nicht der geringste Zweifel bestehen. Genosse Smeral vergisst das russische Sprichwort: „Die feinsten Fäden reißen am leichtesten.” Er hat vergessen, dass Feinheit keine Garantie gegen ein Fiasko bietet. So ist es bekanntlich auch gekommen; denn diese „feine” Taktik gegenüber den Rechten hat der ersten Probe schon nicht standgehalten und hat Fiasko erlitten, als die mit dieser Taktik großgepäppelte Gruppe Bubnik die Aktion des tschechischen Proletariats, die vor kurzem stattgefunden hat, beinahe zum Scheitern gebracht hätte. Die Stärkung der Rechten und der Verrat Bubniks - das ist das Ergebnis der „;feinen“ Taktik des Genossen Smeral. Deshalb glaube ich, dass die „feine” Taktik des Genossen Smeral eine Taktik der Rettung der Rechten ist, eine Taktik der Vertiefung der Krise, eine Taktik, die den Untergang der Partei nach sich zu ziehen droht.

Woran ist die alte Sozialdemokratie als revolutionäre Partei zugrunde gegangen? Unter anderem daran, dass Kautsky und Konsorten die „feine” Taktik der Beschirmung und der Rettung der Rechten, die „delikate” Taktik der „Einigkeit und des Friedens” mit Ed. Bernstein und Konsorten in der Praxis anwandten. Und was war das Ergebnis davon? Das Ergebnis war, dass im kritischen Augenblick, unmittelbar vor dem Kriege, die rechten Sozialdemokraten die Arbeiter verrieten, dass die „Orthodoxen” in die Gefangenschaft der Rechten geraten waren und dass die Sozialdemokratie als Ganzes ein „lebender Leichnam” geworden war. Ich glaube, dass mit der Kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei im Laufe der Zeit das gleiche geschehen kann, wenn Sie die „feine” Taktik des Genossen Smeral nicht schnell und entschlossen durch die bolschewistische Taktik des schonungslosen Kampfes gegen die rechten Gruppierungen im Kommunismus ersetzen. Damit will ich den Genossen Smeral nicht mit den Sozialdemokraten auf eine Stufe stellen. Keinesfalls. Er ist zweifellos ein Kommunist, und vielleicht sogar ein prächtiger Kommunist. Aber ich will damit sagen, dass er unvermeidlich zum Sozialdemokratismus hinab gleiten wird, wenn er sich von seiner „feinen” Taktik nicht lossagt.

Welches ist die nächste Aufgabe der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei?

Ihre nächste Aufgabe besteht darin, gleichzeitig mit dem Kampf gegen die „ultralinken” Abweichungen einen entschiedenen Kampf gegen die Gefahr von rechts zu führen, um die Rechten völlig zu isolieren und endgültig zu überwinden. Zusammenschluss aller wahrhaft revolutionären Elemente der Partei, um die rechten Gruppierungen völlig zu liquidieren - das ist die Aufgabe der Partei, das ist der Ausweg aus der Krise. Geschieht das nicht, ist an eine Bolschewisierung der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei überhaupt nicht zu denken.

Das bedeutet natürlich noch nicht, dass alle Rechten unbedingt und restlos ausgeschlossen werden müssen. Der Ausschluss ist nicht das entscheidende Mittel im Kampf gegen die Rechten. Das Wesentlichste ist, die rechten Gruppierungen im Verlauf eines prinzipiellen Kampfes ideologisch und moralisch zu zerschlagen, wobei die breiten Parteimassen in diesen Kampf hineingezogen werden müssen. Das ist eins der wesentlichsten und wichtigsten Mittel, um die Partei im Geiste des Bolschewismus zu erziehen. Der Ausschluss muss, wenn er wirklich notwendig ist, das natürliche Ergebnis der ideologischen Zerschmetterung des Gegners sein. In dieser Hinsicht haben die Linken in der Tschechoslowakei einen ernsten Fehler begangen, als sie sich mit dem Ausschluss Bubniks beeilten. Anstatt den „Fall” Bubnik restlos auszunützen und ihn mit der prinzipiellen Stellungnahme der Rechten zur Frage der Massenaktionen zu verknüpfen, um dadurch ihr wahres Gesicht zu enthüllen, beeilten sie sich mit dem Ausschluss und schnitten sich dadurch alle Wege zum weiteren Vorgehen gegen die Rechten auf dieser Grundlage ab.

Was die Rechte der Komintern und ihre Einmischung in die Angelegenheiten der nationalen Parteien betrifft, so bin ich absolut nicht einverstanden mit einigen Genossen, die sich für die Beschneidung dieser Rechte ausgesprochen haben. Man möchte, dass sich die Komintern in eine Organisation verwandle, die über den Sternen thront, auf die Geschehnisse in den einzelnen Parteien gelassen herabsieht und die Vorgänge geduldig registriert. Nein, Genossen, die Komintern kann nicht zu einer Organisation werden, die über den Sternen thront. Die Komintern ist eine Kampforganisation des Proletariats, sie ist mit allen Wurzeln ihres Seins mit der Arbeiterbewegung verwachsen und kann nicht umhin, sich in die Angelegenheiten der einzelnen Parteien einzumischen, um die revolutionären Elemente zu unterstützen und ihre Gegner zu bekämpfen. Natürlich haben die Parteien ihre innere Autonomie, natürlich müssen die Parteitage frei sein, und die Zentralkomitees müssen von den Parteitagen gewählt werden. Daraus aber zu folgern, dass die Komintern nicht das Recht der Leitung und folglich auch der Einmischung habe, heißt den Feinden des Kommunismus in die Hände arbeiten.

Schließlich über Genossen Kreibich. Ich denke, dass seine ganze Rede darauf berechnet war, diesen und jenen durch Drohung mit der Spaltung einzuschüchtern. Rührt die Rechten aus Brünn nicht an, sagte er, sonst geht die Sache schlecht aus, kämpft nicht gegen sie, sonst kommt es zur Spaltung. Nun, wir werden ja sehen. Genosse Kreibich soll nur aufhören, uns zu schrecken, er wird uns sowieso nicht einschüchtern. Es kann ihm nicht unbekannt sein, dass wir genügend Pulver gerochen haben und dass die Drohung mit der Spaltung bei uns nicht verfängt. Und wenn es ihm einfallen sollte, von der Drohung zur Tat überzugehen, dann bin ich so frei, ihm zu versichern, dass nur er der Leidtragende sein wird und sonst niemand.

Ich fasse zusammen. Die Partei macht eine Krise durch. Es besteht kein Zweifel über die Ursachen der Krise. Die Hauptgefahr droht von rechts. Entschiedener und unversöhnlicher Kampf gegen diese Gefahr - das ist die Aufgabe. Zusammenschluss aller revolutionären Elemente der Partei zur völligen Überwindung der Rechten - das ist der Ausweg aus der Krise.

Man muss die Periode der Stille ausnützen, um die Partei zu festigen, sie zu bolschewisieren und dafür zu sorgen dass sie „immer bereit” ist, allen eventuellen „Komplikationen” zu begegnen, denn wir „wissen weder Tag noch Stunde”, da „der Bräutigam kommt” und den Weg für einen neuen revolutionären Aufschwung frei macht.

„Prawda” Nr. 72,
29. März 1925.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis