"Stalin"

Werke

Band 7

ZU DEN ERGEBNISSEN DER ARBEITEN DER
XIV. KONFERENZ DER KPR(B)

I
DIE INTERNATIONALE LAGE

Worin besteht das Neue und Besondere in der internationalen Lage, das im Wesentlichen den Charakter der gegenwärtigen Situation bestimmt?

Das Neue, das in der letzten Periode in Erscheinung getreten ist und der internationalen Lage seinen Stempel aufgedrückt hat, besteht darin, dass in Europa eine Ebbe der Revolution, eine gewisse Stille eingesetzt hat - das, was wir als zeitweilige Stabilisierung des Kapitalismus bezeichnen - bei gleichzeitigem Fortschreiten der wirtschaftlichen Entwicklung und Wachstum der politischen Macht der Sowjetunion.

Was bedeutet Ebbe der Revolution, Stille? Ist das nicht der Anfang vom Ende der Weltrevolution, der Beginn der Liquidierung der proletarischen Weltrevolution? Lenin hat gesagt, dass nach dem Siege des Proletariats in unserem Lande eine neue Epoche begonnen hat, die Epoche der Weltrevolution, eine Epoche voll von Konflikten und Kriegen, Angriffen und Rückzügen, Siegen und Niederlagen, eine Epoche, die zum Siege des Proletariats in den wichtigsten Ländern des Kapitalismus führt. Wenn nun in Europa eine Ebbe der Revolution begonnen hat, bedeutet das nicht, dass die These Lenin s von einer neuen Epoche, der Epoche der Weltrevolution, demnach ihre Gültigkeit verliert? Bedeutet das nicht, dass es demnach mit der proletarischen Revolution im Westen vorbei ist?

Nein, das bedeutet es nicht.

Die Epoche der Weltrevolution ist eine neue Etappe der Revolution, eine ganze strategische Periode, die eine ganze Reihe von Jahren, wahrscheinlich sogar eine Reihe von Jahrzehnten, umfasst. Im Verlauf dieser Periode kann und muss es wiederholt Ebbe und Flut der Revolution geben.

Unsere Revolution hat in ihrer Entwicklung zwei Etappen, zwei strategische Perioden zurückgelegt und ist nach dem Oktober in die dritte Etappe, in die dritte strategische Periode eingetreten. Die erste Etappe (1900-1917) dauerte über 15 Jahre. Sie hatte zum Ziel den Sturz des Zarismus, den Sieg der bürgerlich-demokratischen Revolution. Während dieser Periode hatten wir einen wiederholten Wechsel von Ebbe und Flut der Revolution. Wir hatten eine Flut im Jahre 1905. Diese Flut endete mit einer zeitweiligen Niederlage der Revolution. Sodann hatten wir eine Ebbe, die eine ganze Reihe von Jahren dauerte (1907-1912). Wir hatten ferner eine neue Flut, die mit den Ereignissen an der Lena (1912) einsetzte und sodann von einer neuen Ebbe während des Krieges abgelöst wurde. Das Jahr 1917 (Februar) leitete eine neue Flut ein, die durch den Sieg des Volkes über den Zarismus, durch den Sieg der bürgerlich-demokratischen Revolution gekrönt wurde. Bei jeder Ebbe versicherten die Liquidatoren, dass es mit der Revolution aus sei. Die Revolution führte jedoch nach einem mehrmaligen Wechsel von Ebbe und Flut im Februar 1917 zum Siege.

Die zweite Etappe der Revolution begann mit dem Februar 1917. Sie hatte zum Ziel das Ausscheiden aus dem imperialistischen Krieg, den Sturz der Bourgeoisie und den Sieg der Diktatur des Proletariats. Diese Etappe oder diese strategische Periode dauerte insgesamt 8 Monate. Das waren aber 8 Monate der tiefsten revolutionären Krise, da Krieg und Zerrüttung die Revolution vorwärts trieben, ihren Lauf bis zum äußersten beschleunigten. Eben deshalb können und müssen diese 8 Monate revolutionärer Krise mindestens 8 Jahren normaler konstitutioneller Entwicklung gleichgestellt werden. Diese strategische Periode ist ebenso wie die vorangegangene strategische Periode nicht durch einen stetigen Aufstieg der Revolution in gerader aufsteigender Linie gekennzeichnet, wie sich dies die Spießbürger der Revolution gewöhnlich vorstellen, sondern dadurch, dass es in ihr Zeiten der Ebbe und der Flut gab. Wir hatten in dieser Periode ein gewaltiges Anschwellen der revolutionären Bewegung in den Tagen der Julidemonstration. Wir hatten ferner eine Ebbe der Revolution nach der Juliniederlage der Bolschewiki. Diese Ebbe wurde unmittelbar nach dem Kornilowputsch von einer neuen Flut abgelöst, einer Flut, die mit dem Siege der Oktoberrevolution endete. Die Liquidatoren dieser Periode schwätzten von einer vollständigen Liquidierung der Revolution nach der Juliniederlage. Die Revolution wurde jedoch nach einer Reihe von Prüfungen und mehrmaliger Ebbe bekanntlich durch den Sieg der proletarischen Diktatur gekrönt.

Nach dem Siege des Oktober sind wir in die dritte strategische Periode, in die dritte Etappe der Revolution eingetreten, die die Überwindung der Bourgeoisie im Weltmaßstab zum Ziel hat. Wie lange sich diese Periode hinziehen wird, ist schwer zu sagen. Jedenfalls steht außer Zweifel, dass sie lange dauern wird, ebenso wie auch außer Zweifel steht, dass während dieser Periode Flut und Ebbe wechseln werden. Die internationale revolutionäre Bewegung ist gegenwärtig in eine Phase der Ebbe der Revolution eingetreten, wobei diese Ebbe aus einer Reihe von Gründen, auf die ich noch zu sprechen komme, von einer Flut abgelöst werden muss, die mit dem Siege des Proletariats enden kann; es ist aber auch möglich, dass diese Flut nicht mit einem Siege endet, sondern von einer neuen Ebbe abgelöst wird, die ihrerseits von einer neuen Flut der Revolution abgelöst werden muss. Die Liquidatoren der gegenwärtigen Periode sagen, dass die eingetretene Stille das Ende der Weltrevolution bedeute. Sie irren sich aber ebenso, wie sie sich früher, während der ersten und zweiten Etappe unserer Revolution, geirrt haben, als sie jede Ebbe der revolutionären Bewegung als Zerschlagung der Revolution ansahen.

Das sind die Schwankungen innerhalb einer jeden Etappe der Revolution, innerhalb einer jeden strategischen Periode.

Wovon zeugen diese Schwankungen? Zeugen sie davon, dass die These Lenin s über die neue Epoche der Weltrevolution ihre Bedeutung verloren hat oder verlieren kann? Natürlich nicht! Sie zeugen nur davon, dass sich die Revolution gewöhnlich nicht in einer geraden aufsteigenden Linie entwickelt, in einem ununterbrochenen Ansteigen des Aufschwungs, sondern im Zickzack, durch Angriffe und Rückzüge, durch Flut und Ebbe, die im Laufe der Entwicklung die Kräfte der Revolution stählen und den endgültigen Sieg der Revolution vorbereiten.

Das ist der historische Sinn der eingetretenen Phase der Ebbe der Revolution, der historische Sinn der gegenwärtigen Stille.

Die Ebbe ist aber nur die eine Seite der Sache. Die andere Seite der Sache besteht darin, dass wir neben der Ebbe der Revolution in Europa ein stürmisches Fortschreiten der wirtschaftlichen Entwicklung der Sowjetunion und ein Anwachsen ihrer politischen Macht zu verzeichnen haben.

Mit anderen Worten, wir haben nicht nur eine Stabilisierung des Kapitalismus. Wir haben zugleich eine Stabilisierung der Sowjetordnung. Wir haben somit zwei Stabilisierungen: eine zeitweilige Stabilisierung des Kapitalismus und die Stabilisierung der Sowjetordnung. Die Erreichung eines gewissen zeitweiligen Gleichgewichts zwischen diesen zwei Stabilisierungen - das ist der charakteristische Zug der gegenwärtigen internationalen Lage.

Was bedeutet aber Stabilisierung? Bedeutet das nicht eine Stagnation, und wenn die Stabilisierung eine Stagnation ist, kann dieser Begriff dann auf die Sowjetordnung angewandt werden? Nein. Stabilisierung ist keine Stagnation. Stabilisierung bedeutet Festigung der gegebenen Lage und Weiterentwicklung. Der Weltkapitalismus hat sich nicht nur auf Grund der gegebenen Lage gefestigt. Er schreitet voran und entwickelt sich weiter, erweitert seine Einflusssphäre und vermehrt seinen Reichtum. Es stimmt nicht, dass sich der Kapitalismus nicht entwickeln kann, dass die von Lenin in seinem „Imperialismus“[26] aufgestellte Theorie des Verfaulens des Kapitalismus angeblich eine Entwicklung des Kapitalismus ausschließt. Lenin hat in seiner Schrift über den „Imperialismus” schlagend bewiesen, dass das Wachstum des Kapitalismus das fortschreitende Verfaulen des Kapitalismus nicht ausschließt, sondern voraussetzt und vorbereitet.

Wir haben also zwei Stabilisierungen. Auf dem einen Pol stabilisiert sich der Kapitalismus, der die erreichte Stellung festigt und sich weiterentwickelt. Auf dem anderen Pol stabilisiert sich die Sowjetordnung, die die eroberten Positionen festigt und auf dem Wege zum Sieg vorwärts schreitet.

Wer - wen? - das ist der springende Punkt.

Weshalb verläuft die eine Stabilisierung parallel zur anderen, wieso sind diese zwei Pole entstanden? Weil es in der Welt schon keinen einheitlichen und allumfassenden Kapitalismus mehr gibt. Weil sich die Welt in zwei Lager gespalten hat - in das Lager des Kapitalismus mit dem englisch-amerikanischen Kapital an der Spitze, und in das Lager des Sozialismus mit der Sowjetunion an der Spitze. Weil die internationale Lage immer mehr durch das gegenseitige Kräfteverhältnis dieser beiden Lager bestimmt wird.

Charakteristisch ist also für den gegenwärtigen Moment nicht nur, dass sich der Kapitalismus und die Sowjetordnung stabilisiert haben, sondern auch, dass die Kräfte dieser beiden Lager ein gewisses zeitweiliges Gleichgewicht erreicht haben, mit einem gewissen Plus für das Kapital und folglich mit einem gewissen Minus für die revolutionäre Bewegung, denn die eingetretene Stille bedeutet im Vergleich zum revolutionären Aufschwung zweifelsohne ein, wenn auch nur zeitweiliges, Minus für den Sozialismus. Welcher Art ist der Unterschied zwischen diesen beiden Stabilisierungen? Wohin führt die eine und wohin die andere Stabilisierung? Die Stabilisierung unter den Verhältnissen des Kapitalismus, die das Kapital zeitweilig stärkt, führt zugleich unbedingt zur Verschärfung der Widersprüche des Kapitalismus, der Widersprüche: a) zwischen den imperialistischen Gruppen der verschiedenen Länder; b) zwischen den Arbeitern und Kapitalisten eines jeden Landes; c) zwischen dem Imperialismus und den Kolonialvölkern aller Länder. Die Stabilisierung unter den Verhältnissen der Sowjetordnung hingegen, die den Sozialismus stärkt, führt zugleich unbedingt zur Milderung der Gegensätze und zur Besserung der gegenseitigen Beziehungen: zwischen dem Proletariat und der Bauernschaft unseres Landes; zwischen dem Proletariat und den Kolonialvölkern der unterdrückten Linder; c) zwischen der Diktatur des Proletariats und den Arbeitern aller Länder. Es handelt sich darum, dass sich der Kapitalismus nicht entwickeln kann ohne Verstärkung der Ausbeutung der Arbeiterklasse, ohne die Mehrheit der Werktätigen zu einem Hungerdasein zu verdammen, ohne Verstärkung der Unterdrückung der kolonialen und abhängigen Länder, ohne Konflikte und Zusammenstöße zwischen den verschiedenen imperialistischen Gruppen der Weltbourgeoisie. Die Sowjetordnung und die Diktatur des Proletariats dagegen können sich nur entwickeln bei einer ständigen Hebung des materiellen und kulturellen Niveaus der Arbeiterklasse, bei einer ständigen Besserung der Lage aller Werktätigen des Sowjetlandes, bei einer fortschreitenden Annäherung und Einigung der Arbeiter aller Länder, beim Zusammenschluss der unterdrückten Völker der kolonialen und abhängigen Länder um die revolutionäre Bewegung des Proletariats. Der Weg der Entwicklung des Kapitalismus ist der Weg der Verelendung und des Hungerdaseins der gewaltigen Mehrheit der Werktätigen, wobei eine unbedeutende Oberschicht dieser Werktätigen bestochen und besser gestellt wird. Der Weg der Entwicklung der Diktatur des Proletariats dagegen ist der Weg der stetigen Hebung des Wohlstands der gewaltigen Mehrheit der Werktätigen. Gerade deshalb muss die Entwicklung des Kapitalismus zwangsläufig Verhältnisse erzeugen, die die Widersprüche des Kapitalismus verschärfen. Gerade deshalb ist der Kapitalismus unfähig, diese Widersprüche zu lösen. Gewiss, wenn das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der kapitalistischen Entwicklung, das zu Konflikten und Kriegen zwischen den kapitalistischen Ländern wegen Kolonien führt, nicht bestände; wenn sich der Kapitalismus ohne Kapitalausfuhr in die rückständigen Länder, in die Länder der billigen Rohstoffe und Arbeitskräfte, entwickeln könnte; wenn die Überschüsse der kapitalistischen Akkumulation der „Mutterländer” nicht für die Kapitalausfuhr, sondern für eine ernstliche Entwicklung der Landwirtschaft und für die Besserung der materiellen Lage der Bauernschaft verwandt würden; wenn diese Überschüsse schließlich zur Hebung des Lebensniveaus der gesamten Masse der Arbeiterklasse verwandt würden - dann wäre von einer Verstärkung der Ausbeutung der Arbeiterklasse, von einer Verelendung der Bauernschaft unter den Verhältnissen des Kapitalismus, von einer Verstärkung der Unterdrückung in den kolonialen und abhängigen Ländern, von Konflikten und Kriegen zwischen den Kapitalisten gar keine Rede. Dann wäre aber der Kapitalismus kein Kapitalismus. Das ist es ja eben, dass sich der Kapitalismus nicht entwickeln kann, ohne alle diese Widersprüche zu verschärfen und dadurch in immer größerem Maße die Bedingungen zu schaffen, die letzten Endes den Sturz des Kapitalismus erleichtern.

Das ist es ja eben, dass sich die Diktatur des Proletariats dagegen nicht weiterentwickeln kann, ohne die Bedingungen zu schaffen, die die revolutionäre Bewegung aller Länder auf eine höhere Stufe heben und den endgültigen Sieg des Proletariats vorbereiten.

Das ist der Unterschied zwischen den beiden Stabilisierungen.

Das ist der Grund, warum die Stabilisierung des Kapitalismus weder dauerhaft noch fest sein kann.

Betrachten wir die Frage der Stabilisierung des Kapitalismus konkret. Worin kommt die Stabilisierung des Kapitalismus konkret zum Ausdruck?

Erstens darin, dass es Amerika, England und Frankreich gelungen ist, zeitweilig über die Methoden und über den Umfang der Ausplünderung Deutschlands handelseinig zu werden. Mit anderen Worten, es ist ihnen gelungen, eine Abmachung zu treffen, die sie die Dawesierung Deutschlands nennen. Kann man diese Abmachung als einigermaßen dauerhaft bezeichnen? Nein, das kann man nicht. Erstens, weil die Rechnung ohne den Wirt, das heißt ohne das deutsche Volk gemacht wurde; zweitens, weil diese Abmachung ein doppeltes Joch für das deutsche Volk bedeutet - das Joch der nationalen Bourgeoisie und das Joch der ausländischen Bourgeoisie. Anzunehmen, dass eine kulturell so entwickelte Nation wie die deutsche und ein kulturell so entwickeltes Proletariat wie das deutsche sich ohne eine Reihe ernstlicher Versuche, eine revolutionäre Explosion herbeizuführen, damit abfinden würde, ein doppeltes Joch zu tragen - hieße an Wunder glauben. Selbst eine solche dem Wesen nach reaktionäre Tatsache, wie die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten[27], lässt keinen Zweifel darüber, dass die zeitweilige Abmachung der Entente gegen Deutschland nicht dauerhaft, dass sie lächerlich unbeständig ist.

Zweitens kommt die Stabilisierung des Kapitalismus darin zum Ausdruck, dass es dem englischen, amerikanischen und japanischen Kapital gelungen ist, zeitweilig über die Festlegung der Einflusssphären in China, diesem ausgedehntesten Markt des internationalen Kapitals, über die Methoden seiner Ausplünderung handelseinig zu werden. Kann man diese Abmachung als einigermaßen dauerhaft betrachten? Das kann man ebenfalls nicht. Erstens, weil die Partner dieser Abmachung wegen des Anteils an der Ausplünderung auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen und kämpfen werden; zweitens, weil diese Abmachung hinter dem Rücken des chinesischen Volkes zustande gekommen ist, das sich den Gesetzen der fremdländischen Räuber nicht unterwerfen will und nicht unterwerfen wird. Zeugt denn das Anwachsen der revolutionären Bewegung in China nicht davon, dass die Machenschaften der fremdländischen Imperialisten zum Scheitern verurteilt sind?

Drittens kommt die Stabilisierung des Kapitalismus darin zum Ausdruck, dass es den imperialistischen Gruppen der fortgeschrittenen Länder gelungen ist, zeitweilig über eine gegenseitige Nichteinmischung bei der Ausplünderung und Unterdrückung der „eigenen” Kolonien handelseinig zu werden. Kann man diese Abmachung oder diesen Versuch, handelseinig zu werden, als einigermaßen dauerhaft betrachten? Nein, das kann man nicht. Erstens, weil jede der imperialistischen Gruppen bemüht ist und bemüht sein wird, ein Stückchen der fremden Kolonien zu ihrem Vorteil an sich zu reißen; zweitens, weil der Druck und die Unterjochungspolitik der imperialistischen Gruppen in den Kolonien diese Kolonien nur stählen und revolutionieren, wodurch die revolutionäre Krise verschärft wird. Die Imperialisten versuchen, Indien „zur Ruhe zu bringen”, Ägypten im Zaum zu halten, Marokko zu zähmen, Indochina, Indonesien an Händen und Füßen zu knebeln, und greifen zu allen nur möglichen Schlichen und Machenschaften. Es ist möglich, dass es ihnen gelingen wird, in dieser Hinsicht einige „Resultate” zu erzielen. Aber es lässt sich wohl kaum bezweifeln, dass diese Machenschaften nicht für lange herhalten werden noch herhalten können.

Viertens kann die Stabilisierung des Kapitalismus darin zum Ausdruck kommen, dass die imperialistischen Gruppen der fortgeschrittenen Länder versuchen werden, über eine Einheitsfront gegen die Sowjetunion handelseinig zu werden. Nehmen wir an, es würde gelingen, eine solche Abmachung zuwege zu bringen. Nehmen wir an, es würde ihnen gelingen, mit Hilfe aller nur möglichen Machenschaften, bis zu den schurkischen Fälschungen in Verbindung mit der Sofioter Explosion[28] usw., so etwas wie eine Einheitsfront zustande zu bringen. Gibt es einen Grund zu der Annahme, dass eine Abmachung gegen unser Land oder eine Stabilisierung auf diesem Gebiet einigermaßen dauerhaft, einigermaßen erfolgreich sein kann? Ich glaube, solche Gründe gibt es nicht. Warum? Erstens, weil die Gefahr einer Einheitsfront und eines vereinigten Angriffs der Kapitalisten dazu führen würde, dass sich das ganze Land wie ein gewaltiger Ring fester denn je zuvor um die Sowjetmacht zusammenschließen und sich in eine unbesiegbare Festung verwandeln würde, und das in einem noch größeren Maße, als dies zum Beispiel während der Invasion der „14 Staaten” der Fall war. Denken Sie an die Drohung des sattsam bekannten Churchill mit der Invasion von 14 Staaten. Sie wissen, dass er diese Drohung nur auszusprechen brauchte, und schon schloss sich das ganze Land um die Sowjetmacht gegen die imperialistischen Räuber zusammen. Zweitens, weil ein Feldzug gegen das Sowjetland unbedingt die Kräfte einer ganzen Reihe revolutionärer Knotenpunkte im Hinterland der Gegner entfesseln und die Reihen des Imperialismus zersetzen und demoralisieren würde. Dass sich in der letzten Zeit eine Unmenge solcher Knotenpunkte gebildet hat und dass sie dem Imperialismus nichts Gutes verheißen, daran dürfte es wohl kaum einen Zweifel geben. Drittens, weil unser Land schon nicht mehr allein steht, weil es in den Arbeitern des Westens und in den unterdrückten Völkern des Ostens Verbündete hat. Es lässt sich wohl kaum bezweifeln, dass ein Krieg gegen die Sowjetunion einen Krieg des Imperialismus gegen seine eigenen Arbeiter und Kolonien bedeuten würde. Ich brauche nicht den Beweis zu führen, dass wir, falls man unser Land überfiele, nicht die Hände in den Schoß legen, sondern alle Maßnahmen ergreifen würden, um in allen Ländern der Welt den Löwen der Revolution zu wecken. Den führenden Männern der kapitalistischen Länder kann es nicht unbekannt sein, dass wir diesbezüglich schon einige Erfahrung haben.

Das sind die Tatsachen und Erwägungen, die davon zeugen, dass die Stabilisierung des Kapitalismus nicht dauerhaft sein kann, dass diese Stabilisierung die Schaffung von Bedingungen bedeutet, die zur Niederlage des Kapitalismus führen, dass die Stabilisierung der Sowjetordnung hingegen eine fortwährende Anhäufung von Bedingungen bedeutet, die zur Festigung der Diktatur des Proletariats, zur Steigerung der revolutionären Bewegung aller Länder und zum Sieg des Sozialismus führen.

Dieser prinzipielle Gegensatz zwischen den beiden Stabilisierungen, der kapitalistischen und der sowjetischen, ist der Ausdruck des Gegensatzes zwischen den beiden Wirtschafts- und Regierungssystemen, zwischen dem System des Kapitalismus und dem System des Sozialismus.

Wer diesen Gegensatz nicht begriffen hat, der wird das eigentliche Wesen der gegenwärtigen internationalen Lage nie begreifen.

Das ist das allgemeine Bild der internationalen Lage im gegenwärtigen Moment.

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