"Stalin"

Werke

Band 7

ZU DEN ERGEBNISSEN DER ARBEITEN DER
XIV. KONFERENZ DER KPR(B)

III
DIE NÄCHSTEN AUFGABEN DER
KOMMUNISTISCHEN ELEMENTE DER KOLONIALEN
UND ABHÄNGIGEN LÄNDER

Ich gehe zur dritten Fragengruppe über.

Das Neue auf diesem Gebiet besteht in folgendem:

a) die verstärkte Kapitalausfuhr aus den fortgeschrittenen in die rückständigen Länder, die durch die Stabilisierung des Kapitalismus gefördert wird, hat zur Folge, dass sich der Kapitalismus in den Kolonialländern in schnellem Tempo entwickelt und entwickeln wird, wobei er die alten Formen der sozialpolitischen Verhältnisse sprengt und neue schafft;

b) das Proletariat in diesen Ländern wächst und wird in zunehmendem Tempo wachsen;

c) die revolutionäre Arbeiterbewegung und die revolutionäre Krise in den Kolonien wächst und wird weiter wachsen;

d) im Zusammenhang damit treten bestimmte Schichten der nationalen Bourgeoisie, die reichsten und mächtigsten, hervor und werden verstärkt hervortreten, die eine Revolution im eigenen Lande mehr fürchten als den Imperialismus und darum ein Übereinkommen mit dem Imperialismus der Befreiung ihres Landes vom Imperialismus vorziehen und somit ihre eigene Heimat verraten werden (Indien, Ägypten usw.);

e) infolgedessen kann die Befreiung dieser Länder vom Imperialismus nur im Kampf gegen die paktiererische nationale Bourgeoisie erreicht werden;

f) hieraus folgt aber, dass die Frage des Bündnisses der Arbeiter und Bauern und der Hegemonie des Proletariats in den industriell entwickelten und sich entwickelnden Kolonien zu einer aktuellen Frage werden muss, ebenso wie sie vor der ersten Revolution in Rußland im Jahre 1905 aktuell wurde.

Bisher war es so, dass man vom Osten als von etwas Geschlossenem und Gleichartigem zu sprechen pflegte. Jetzt ist es für jeden klar, dass es einen einheitlichen, gleichartigen Osten nicht mehr gibt, dass es jetzt kapitalistisch entwickelte und sich entwickelnde Kolonien, anderseits aber rückständige und zurückbleibende Kolonien gibt, die nicht mit gleichem Maßstab gemessen werden können.

Bisher stellte man sich die nationale Befreiungsbewegung so vor, dass man sie als eine geschlossene Front aller nationalen Kräfte der kolonialen und abhängigen Länder - von den allerreaktionärsten Bourgeois bis zu den allerrevolutionärsten Proletariern - betrachtete. Jetzt, nach der Spaltung der nationalen Bourgeoisie in einen revolutionären und einen antirevolutionären Flügel, bietet die nationale Bewegung ein etwas anderes Bild. Neben den revolutionären Elementen der nationalen Bewegung gehen aus der Bourgeoisie paktiererische, reaktionäre Elemente hervor, die ein Übereinkommen mit dem Imperialismus der Befreiung ihres Landes vorziehen.

Hieraus ergibt sich für die kommunistischen Elemente der Kolonialländer die Aufgabe, sich mit den revolutionären Elementen der Bourgeoisie und vor allem mit der Bauernschaft gegen den Block des Imperialismus und der paktiererischen Elemente der „eigenen” Bourgeoisie zusammenzuschließen, um, mit dem Proletariat an der Spitze, einen wirklichen revolutionären Kampf für die Befreiung vom Imperialismus zu führen.

Daraus ergibt sich nur die eine Schlussfolgerung: Für eine ganze Reihe von Kolonialländern rückt jetzt ihr Jahr 1905 heran.

Die Aufgabe besteht darin, die fortgeschrittenen Elemente der Arbeiter der Kolonialländer zu einer einheitlichen kommunistischen Partei zusammenzuschließen, die fähig ist, die Führung der heranreifenden Revolution zu übernehmen.

Folgendes sagte Lenin schon im Jahre 1922 über die ansteigende revolutionäre Bewegung in den Kolonialländern:

„Die gegenwärtigen ‚Sieger’ des ersten imperialistischen Gemetzels sind nicht einmal imstande, das winzig kleine Irland zu besiegen, sind nicht einmal imstande, den Wirrwarr, der unter ihnen selbst in Finanz- und Valutafragen entstanden ist, zu überwinden. Und in Indien und China brodelt es. Das sind mehr als 700 Millionen Menschen. Das ist, wenn wir die an sie grenzenden und ihnen ganz ähnlichen asiatischen Länder hinzuzählen, die größere Hälfte der Bevölkerung der Welt. Dort rückt, unaufhaltsam und immer rascher, das Jahr 1905 heran, mit dem wesentlichen und riesengroßen Unterschied, dass im Jahre 1905 die Revolution in Rußland (wenigstens anfangs) sich noch isoliert abspielen konnte, das heißt ohne unverzüglich andere Länder in die Revolution hineinzuziehen. Die in Indien und China heranwachsende Revolution aber wird und ist schon jetzt in den revolutionären Kampf, in die revolutionäre Bewegung, in die internationale Revolution hineingezogen.” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 313, russ.)

Die Kolonialländer stehen vor ihrem Jahr 1905 - das ist die Schlussfolgerung.

Das ist der Sinn der vom erweiterten Plenum der Komintern zur Kolonialfrage angenommenen Resolutionen.

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