"Stalin"

Werke

Band 7

ÜBER DIE POLITISCHEN AUFGABEN
DER UNIVERSITÄT DER VÖLKER DES OSTENS

Rede in einer Versammlung der Studenten der Kommunistischen Universität
der Werktätigen des Ostens

18. Mai 1925

Genossen! Gestatten Sie zunächst, dass ich Sie zum vierjährigen Bestehen der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens beglückwünsche. Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass ich Ihrer Universität auf dem schwierigen Weg der Heranbildung kommunistischer Kader für den Osten jeglichen Erfolg wünsche.

Doch kommen wir zur Sache.

Analysiert man die Zusammensetzung der Universität der Werktätigen des Ostens, so kann man nicht umhin, eine gewisse Zwiespältigkeit dieser Zusammensetzung festzustellen. Diese Universität umfasst Vertreter von nicht weniger als 50 Nationen und nationalen Gruppen des Ostens. Alle Hörer der Universität sind Söhne des Ostens. Diese Feststellung gibt jedoch noch kein klares und geschlossenes Bild. Die Sache ist nämlich die, dass die Hörerschaft der Universität aus zwei Hauptgruppen besteht, die zwei ganz verschiedene Entwicklungslinien verkörpern. Die erste Gruppe besteht aus Menschen, die aus dem Sowjetosten zu uns gekommen sind, also aus Ländern, wo es keine Herrschaft der Bourgeoisie mehr gibt, wo das imperialistische Joch bereits abgeschüttelt ist und die Arbeiter an der Macht stehen. Die zweite Gruppe der Hörer besteht aus Menschen, die aus kolonialen und abhängigen Ländern zu uns gekommen sind, also aus Ländern, wo immer noch der Kapitalismus herrscht, auf denen das Joch des Imperialismus weiterhin mit seiner ganzen Schwere lastet und wo es erst noch gilt, die Imperialisten hinauszujagen und die Unabhängigkeit zu erkämpfen.

Somit haben wir es mit zwei Osten zu tun, von denen jeder ein anderes Leben führt und sich unter anderen Verhältnissen entwickelt.

Diese Zwiespältigkeit der Zusammensetzung der Hörerschaft muss, das braucht man nicht zu betonen, der Arbeit der Universität der Werktätigen des Ostens natürlich ihren Stempel aufdrücken. Eben dadurch erklärt sich auch die Tatsache, dass diese Universität mit einem Bein auf sowjetischem Boden und mit dem andern auf dem Boden der Kolonien und abhängigen Länder steht.

Hieraus ergeben sich zwei Linien für die Tätigkeit der Universität: Auf der einen Linie sind Kader für die Befriedigung der Bedürfnisse der Sowjetrepubliken des Ostens zu schaffen, auf der anderen Linie sind Kader für die Befriedigung der revolutionären Erfordernisse der werktätigen Massen der kolonialen und abhängigen Länder des Ostens zu schaffen.

Hieraus ergeben sich für die Universität der Werktätigen des Ostens auch zweierlei Aufgaben.

Betrachten wir nun diese Aufgaben der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens, und zwar jede für sich.

I
DIE AUFGABEN DER KOMMUNISTISCHEN
UNIVERSITÄT DER WERKTÄTIGEN DES OSTENS
HINSICHTLICH DER
SOWJETREPUBLIKEN DES OSTENS

Worin bestehen die charakteristischen Besonderheiten, durch die sich diese Länder, diese Republiken, was ihre Existenz und Entwicklung anbelangt, von den kolonialen und abhängigen Ländern unterscheiden?

Erstens darin, dass diese Republiken von imperialistischer Unterdrückung frei sind.

Zweitens darin, dass ihre Entwicklung und Konsolidierung als Nationen nicht unter der Ägide eines bürgerlichen Regimes, sondern unter der Ägide der Sowjetmacht vor sich geht. Das ist eine in der Geschichte einzig dastehende Tatsache, aber es ist dennoch eine Tatsache.

Drittens darin, dass sie, die industriell schwach entwickelt sind, bei ihrer Entwicklung in vollem Umfang die Unterstützung des Industrieproletariats der Sowjetunion in Anspruch nehmen können.

Viertens darin, dass diese von kolonialer Unterdrückung freien, unter dem Schutz der Diktatur des Proletariats stehenden und zur Sowjetunion gehörenden Republiken sich in den sozialistischen Aufbau unseres Landes eingliedern können und müssen.

Die Hauptaufgabe besteht darin, die Einbeziehung der Arbeiter und Bauern dieser Republiken in den Aufbau des Sozialismus in unserem Lande zu erleichtern, die den besonderen Existenzbedingungen dieser Republiken entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen und zu entwickeln, um diese Eingliederung vorwärts zubringen und zu beschleunigen.

Hieraus ergeben sich als nächste Aufgaben für die Funktionäre des Sowjetostens:

1. Industriestätten in den Sowjetrepubliken des Ostens als Basis für den Zusammenschluss der Bauern um die Arbeiterklasse schaffen. Sie wissen, dass dieses Werk bereits in Angriff genommen worden ist, und dass es entsprechend dem wirtschaftlichen Wachstum der Sowjetunion fortschreiten wird. Die Tatsache, dass diese Republiken die verschiedenartigsten Rohstoffe besitzen, bürgt dafür, dass dieses Werk mit der Zeit vollendet werden wird.

2. Die Landwirtschaft heben und vor allem das Bewässerungswesen verbessern. Sie wissen, dass dieses Werk ebenfalls vorwärts gebracht worden ist, wenigstens in Transkaukasien und Turkestan.

3. Den genossenschaftlichen Zusammenschluss der breiten Massen der Bauern und Kleingewerbetreibenden verstärken und fördern, da dies der sicherste Weg zur Eingliederung der Sowjetrepubliken des Ostens in das allgemeine System des sowjetischen Wirtschaftsaufbaus ist.

4. Die Sowjets den Massen näher bringen, erreichen, dass sie sich nach dem nationalen Grundsatz zusammensetzen, und somit ein nationales Sowjetstaatswesen schaffen, das den werktätigen Massen nahe steht und vertraut ist.

5. Die nationale Kultur entwickeln, ein weit verzweigtes Netz von Kursen und Schulen sowohl allgemein bildenden als auch berufstechnischen Charakters schaffen, die in der Muttersprache unterrichten und Sowjet- und Partei-, Gewerkschafts- und Wirtschaftskader aus der einheimischen Bevölkerung heranbilden.

Diese Aufgaben erfüllen heißt eben, den sozialistischen Aufbau in den Sowjetrepubliken des Ostens erleichtern.

Man spricht von Musterrepubliken des Sowjetostens. Was ist aber eine Musterrepublik? Eine Musterrepublik ist eine Republik, die alle diese Aufgaben ehrlich und gewissenhaft erfüllt und dadurch das Streben der Arbeiter und Bauern der benachbarten kolonialen und abhängigen Länder fördert, sich in die Befreiungsbewegung einzureihen.

Ich sprach oben von der Notwendigkeit, die Sowjets den werktätigen Massen der Nationalitäten näher zu bringen, die Sowjets zu nationalisieren. Was heißt das nun, und wie sieht das in der Praxis aus? Ich glaube, als Musterbeispiel einer solchen Annäherung an die Massen könnte man die Festlegung der nationalen Grenzen in Turkestan[30] betrachten, die vor kurzem ihren Abschluss fand. Die bürgerliche Presse erblickt in dieser Festlegung der Grenzen eine „bolschewistische List”. Indes ist klar, dass hier keine „List” zum Ausdruck kam, sondern der zutiefst empfundene Wunsch der Volksmassen Turkmenistans und Usbekistans, eigene Machtorgane zu besitzen, die ihnen nahe stehen und vertraut sind. In der vorrevolutionären Epoche waren diese beiden Länder zerstückelt, sie gehörten zu verschiedenen Khanaten und Staaten und boten somit ein günstiges Feld für das ausbeuterische Treiben der „Machthaber”. Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo sich die Möglichkeit bietet, diese auseinander gerissenen Stücke zu unabhängigen Staaten wiederzuvereinigen, um die werktätigen Massen Usbekistans und Turkmenistans den Machtorganen näher zubringen und sie mit ihnen zusammenzuschweißen. Die Festlegung der Grenzen in Turkestan ist vor allem eine Wiedervereinigung der auseinander gerissenen Teile dieser Länder zu unabhängigen Staaten. Wenn diese Staaten nachher den Willen geäußert haben, der Sowjetunion als gleichberechtigte Mitglieder beizutreten, so zeugt das nur davon, dass die Bolschewiki den Schlüssel zu den tiefsten Bestrebungen der Volksmassen des Ostens gefunden haben und dass die Sowjetunion auf der ganzen Welt die einzige freiwillige Vereinigung der werktätigen Massen der verschiedenen Nationalitäten ist. Um die Einheit Polens wiederherzustellen, brauchte die Bourgeoisie eine ganze Reihe von Kriegen. Um die Einheit Turkmenistans und Usbekistans wiederherzustellen, brauchten die Kommunisten dagegen nur einige Monate Aufklärung und Propaganda.

Das ist die Art und Weise, wie man die Verwaltungsorgane, im gegebenen Fall die Sowjets, den breiten Massen der Werktätigen der verschiedenen Nationalitäten nahe bringen muss.

Das ist ein Beweis dafür, dass die nationale Politik der Bolschewiki die einzig richtige Politik ist.

Ferner sprach ich von der Hebung der nationalen Kultur in den Sowjetrepubliken des Ostens. Was heißt aber nationale Kultur? Wie lässt sie sich mit der proletarischen Kultur vereinbaren? Hat denn nicht Lenin bereits vor dem Krieg gesagt, dass wir zwei Kulturen haben: eine bürgerliche und eine sozialistische, dass die Losung der nationalen Kultur eine reaktionäre Losung der Bourgeoisie ist, die bestrebt ist, das Bewusstsein der Werk-tätigen mit dem Gift des Nationalismus zu verseuchen?[31] Wie lässt sich der Aufbau der nationalen Kultur, die Entwicklung von Schulen und Kursen in der Muttersprache und die Heranbildung von Kadern aus der ein-heimischen Bevölkerung mit dem Aufbau des Sozialismus, dem Aufbau der proletarischen Kultur vereinbaren? Besteht da nicht ein unüberbrückbarer Widerspruch? Natürlich nicht! Wir bauen die proletarische Kultur auf. Das ist vollkommen richtig. Richtig ist aber auch, dass die, ihrem Inhalt nach sozialistische, proletarische Kultur bei den verschiedenen Völkern, die in den sozialistischen Aufbau einbezogen sind, verschiedene Ausdrucksformen und eine unterschiedliche Ausdrucksweise annimmt, je nach den Unterschieden der Sprache, der Lebensweise usw. Proletarisch ihrem Inhalt, national ihrer Form nach - das ist die allgemeinmenschliche Kultur, der der Sozialismus entgegengeht. Die proletarische Kultur hebt die nationale Kultur nicht auf, sie verleiht ihr vielmehr den Inhalt. Und umgekehrt: Die nationale Kultur hebt die proletarische Kultur nicht auf, sie verleiht ihr vielmehr die Form. Die Losung der nationalen Kultur war eine bürgerliche Losung, solange die Bourgeoisie an der Macht war und die Konsolidierung der Nationen unter der Ägide des bürgerlichen Regimes verlief. Die Losung der nationalen Kultur wurde zu einer proletarischen Losung, als das Proletariat an die Macht kam und die Konsolidierung der Nationen sich unter der Ägide der Sowjetmacht zu vollziehen begann. Wer diesen prinzipiellen Unterschied zwischen den zwei verschiedenen Situationen nicht begriffen hat, der wird weder den Lenin ismus noch das Wesen der nationalen Frage je begreifen.

Man redet davon (wie das zum Beispiel Kautsky tut), dass in der Periode des Sozialismus eine allgemeinmenschliche Einheitssprache geschaffen werden wird und alle anderen Sprachen absterben werden. Ich glaube nicht so recht an diese Theorie einer allumfassenden Einheitssprache. Die Erfahrung jedenfalls spricht nicht für, sondern gegen diese Theorie. Bis jetzt ist es so gewesen, dass die sozialistische Revolution die Zahl der Sprachen nicht vermindert, sondern vermehrt hat, denn dadurch, dass sie die tiefsten Tiefen der Menschheit aufrüttelt und auf die politische Arena bringt, erweckt sie eine ganze Reihe neuer, früher gar nicht oder wenig bekannter Nationalitäten zu neuem Leben. Wer hätte gedacht, dass das alte zaristische Rußland nicht weniger als 50 Nationen und nationale Gruppen umfasste? Die Oktoberrevolution hat jedoch dadurch, dass sie die alten Ketten gesprengt und eine ganze Reihe vergessener Völker und Völkerschaften auf den Plan gerufen hat, diese zu neuem Leben erweckt und ihnen neue Entwicklungsmöglichkeiten gegeben. Heute spricht man von Indien als einem einheitlichen Ganzen. Es ist jedoch kaum daran zu zweifeln, dass im Falle einer revolutionären Erschütterung in Indien Dutzende von bis dahin unbekannten Nationalitäten auf den Plan treten werden, die eine eigene Sprache sprechen, eine eigene Kultur besitzen. Und wenn es sich darum handelt, die proletarische Kultur zum Gemeingut der verschiedenen Nationalitäten zu machen, so kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, dass dies in Formen vor sich gehen wird, die der Sprache und Lebensweise dieser Nationalitäten entsprechen.

Vor kurzem erhielt ich einen Brief von burjatischen Genossen, in dem sie bitten, die ernste und schwierige Frage der Wechselbeziehungen zwischen der allgemeinmenschlichen und der nationalen Kultur zu erklären. Hier ist der Brief:

„Wir bitten dringend um Erklärung der folgenden, für uns sehr ernsten und schwierigen Fragen. Das Endziel der kommunistischen Partei ist die einheitliche allgemeinmenschliche Kultur. Wie soll man sich den Obergang von den nationalen Kulturen, die sich bei uns in den einzelnen autonomen Republiken entwickeln, zu der einheitlichen allgemeinmenschlichen Kultur vorstellen? Wie soll die Assimilierung der Besonderheiten der einzelnen nationalen Kulturen (Sprache usw.) vor sich gehen?”

Ich glaube, mit dem oben Gesagten dürfte die Frage beantwortet sein, die die burjatischen Genossen bewegt.

Die burjatischen Genossen stellen die Frage nach der Assimilierung der einzelnen Nationalitäten im Verlauf des Aufbaus der allgemein-menschlichen proletarischen Kultur. Es steht außer Zweifel, dass manche Nationalitäten einen Assimilierungsprozess durchmachen können und wohl bestimmt auch durchmachen werden. Solche Prozesse hat es auch früher gegeben. Die Sache ist jedoch die, dass der Prozess der Assimilierung der einen Nationalitäten den entgegengesetzten Prozess, den Prozess des Erstarkens und der Entwicklung einer ganzen Reihe lebenskräftiger und entwicklungsfähiger Nationen nicht ausschließt, sondern voraussetzt, denn der Teilprozess der Assimilierung einzelner Nationalitäten ist das Ergebnis des Gesamtprozesses der Entwicklung der Nationen. Gerade darum wird durch die eventuelle Assimilierung einiger einzelner Nationalitäten der absolut richtige Grundsatz nicht abgeschwächt, sondern vielmehr bestätigt, dass die proletarische allgemeinmenschliche Kultur die nationale Kultur der Völker nicht ausschließt, sondern voraussetzt und nährt, ebenso wie die nationale Kultur der Völker die allgemeinmenschliche proletarische Kultur nicht aufhebt, sondern ergänzt und bereichert.

Das sind im Großen und Ganzen die nächsten Aufgaben, vor denen die Funktionäre der Sowjetrepubliken des Ostens stehen.

Das sind Charakter und Inhalt dieser Aufgaben.

Man muss die gegenwärtige Periode des verstärkten Wirtschaftsaufbaus und der neuen Zugeständnisse an die Bauernschaft dazu benutzen, um die Erfüllung dieser Aufgaben voranzutreiben und dadurch die Einbeziehung der Sowjetrepubliken des Ostens, die vorwiegend Bauernländer sind, in den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion zu erleichtern.

Man sagt, die neue Politik der Partei gegenüber der Bauernschaft berge gewisse Elemente des Rückzugs in sich, da sie eine Reihe neuer Zugeständnisse (kurzfristige Pacht, Zulassung von Lohnarbeit) macht. Stimmt das? Ja, das stimmt. Aber dies sind Rückzugselemente, die von uns zugelassen werden bei Aufrechterhaltung eines gewaltigen Kräfteübergewichts auf seiten der Partei und der Sowjetmacht. Eine stabile Valuta, eine sich entwickelnde Industrie, ein sich entwickelndes Verkehrswesen, ein sich festigendes Kreditsystem, mit dessen Hilfe man - durch Gewährung von Vorzugskrediten - jede Bevölkerungsschicht nach Belieben ruinieren oder auf eine höhere Stufe heben kann, ohne dabei die geringsten Erschütterungen hervorzurufen - all das sind solche Reserven in den Händen der proletarischen Diktatur, auf Grund deren gewisse Rückzugselemente an einem Frontabschnitt die Vorbereitung des Angriffs an der gesamten Front nur erleichtern können. Eben deshalb werden die einzelnen neuen Zugeständnisse, die die Partei der Bauernschaft gemacht hat, im gegebenen Augenblick die Einbeziehung der Bauernschaft in den sozialistischen Aufbau nicht erschweren, sondern vielmehr erleichtern.

Welche Bedeutung kann dieser Umstand für die Sowjetrepubliken des Ostens haben? Er kann nur die Bedeutung haben, dass damit den Funktionären dieser Republiken eine neue Waffe in die Hände gegeben wird, die die Eingliederung dieser Länder in das allgemeine System der sowjetischen Wirtschaftsentwicklung erleichtert und beschleunigt.

Das ist der Zusammenhang zwischen der Politik der Partei auf dem Lande und den nächsten nationalen Aufgaben, vor denen die Funktionäre des Sowjetostens stehen.

Demzufolge besteht die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der Sowjetrepubliken des Ostens darin, der Erziehung der Kader für diese Republiken eine Richtung zu geben, die die Erfüllung der oben erwähnten nächsten Aufgaben gewährleistet.

Die Universität der Völker des Ostens darf sich nicht dem Leben entfremden. Sie ist keine und kann keine Institution sein, die abseits vom Leben steht. Sie muss mit allen Fasern ihrer Existenz mit dem realen Leben verbunden sein. Sie darf infolgedessen die nächsten Aufgaben nicht ignorieren, vor denen die Sowjetrepubliken des Ostens stehen. Darum besteht die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens darin, bei der Erziehung der entsprechenden Kader für diese Republiken deren nächste Aufgaben in Betracht zu ziehen.

Dabei muss man im Auge haben, dass sich in der Praxis der Funktionäre des Sowjetostens zwei Abweichungen geltend machen, gegen die in dieser Universität ein Kampf geführt werden muss, will man wirkliche Kader und wirkliche Revolutionäre für den Sowjetosten erziehen.

Die erste Abweichung besteht in der Versimpelung, in der Vereinfachung jener Aufgaben, von denen ich oben gesprochen habe, in dem Versuch einer mechanischen Übertragung von Methoden des Wirtschaftsaufbaus, die im Zentrum der Sowjetunion durchaus angebracht und anwendbar, für die Entwicklungsbedingungen in den so genannten Randgebieten aber vollkommen ungeeignet sind. Die Genossen, die sich diese Abweichung zuschulden kommen lassen, begreifen zwei Dinge nicht. Sie begreifen nicht, dass die Bedingungen im Zentrum und die in den „Randgebieten” nicht die gleichen und bei weitem nicht identisch sind. Außerdem begreifen sie nicht, dass die Sowjetrepubliken des Ostens selbst nicht gleichartig sind, dass einige von ihnen, wie zum Beispiel Georgien und Armenien, auf einer höheren Stufe der nationalen Gestaltung stehen, während die anderen, wie zum Beispiel Tschetschnja und Kabarda, auf der untersten Stufe der nationalen Gestaltung stehen, und die dritten, zum Beispiel Kirgisien, eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Extremen einnehmen. Diese Genossen begreifen nicht, dass ohne Anpassung an die lokalen Verhältnisse, ohne sorgfältige Berücksichtigung aller und jeglicher Eigentümlichkeiten eines jeden Landes sich nichts Bedeutsames aufbauen lässt. Die Folge dieser Abweichung ist eine Loslösung von den Massen und die Entartung zu linken Phrasendreschern. Die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens besteht darin, die Kader im Geiste eines unversöhnlichen Kampfes gegen diese Versimpelung zu erziehen.

Die zweite Abweichung besteht umgekehrt in der Überschätzung der lokalen Eigentümlichkeiten, in dem Vergessen jenes Gemeinsamen und Hauptsächlichen, das die Sowjetrepubliken des Ostens mit den Industriegebieten der Sowjetunion verbindet, in dem Verschweigen der sozialistischen Aufgaben, in der Anpassung an die Aufgaben eines engen und beschränkten Nationalismus. Die Genossen, die sich diese Abweichung zuschulden kommen lassen, kümmern sich wenig um den inneren Aufbau ihres Landes, sie ziehen es vor, diese Entwicklung dem natürlichen Lauf der Dinge zu überlassen. Für sie ist nicht der innere Aufbau die Hauptsache, sondern die „Außen“politik, die Erweiterung der Grenzen ihrer Republik, der Rechtsstreit mit den angrenzenden Republiken, die Sucht, ihren Nachbarn ein Stückchen mehr wegzunehmen, um auf diese Weise bei den bürgerlichen Nationalisten ihres Landes Gefallen zu finden. Die Folge dieser Abweichung ist eine Abkehr vom Sozialismus und die Entartung zu gewöhnlichen bürgerlichen Nationalisten. Die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens besteht darin, die Kader im Geiste eines unversöhnlichen Kampfes gegen diesen versteckten Nationalismus zu erziehen.

Das sind die Aufgaben der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der Sowjetrepubliken des Ostens.

II
DIE AUFGABEN DER KOMMUNISTISCHEN
UNIVERSITÄT DER WERKTÄTIGEN DES OSTENS
HINSICHTLICH DER KOLONIALEN UND
ABHÄNGIGEN LÄNDER DES OSTENS

Wir kommen nun zu der zweiten Frage, zur Frage nach den Aufgaben der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens hinsichtlich der kolonialen und abhängigen Länder des Ostens.

Worin bestehen die charakteristischen Besonderheiten, durch die sich diese Länder, was ihre Existenz und Entwicklung anbelangt, von den Sowjetrepubliken des Ostens unterscheiden?

Erstens darin, dass diese Länder unter dem Joch des Imperialismus leben und sich entwickeln.

Zweitens darin, dass durch die doppelte Unterdrückung, die innere Unterdrückung (durch die eigene Bourgeoisie) und die äußere Unterdrückung (durch die fremde, imperialistische Bourgeoisie), die revolutionäre Krise in diesen Ländern verschärft und vertieft wird.

Drittens darin, dass in einigen dieser Länder, zum Beispiel in Indien, der Kapitalismus sich in verstärktem Tempo entwickelt und eine zahlenmäßig mehr oder minder starke Klasse einheimischer Proletarier hervorbringt und heranbildet.

Viertens darin, dass mit dem Anwachsen der revolutionären Bewegung die nationale Bourgeoisie solcher Länder sich in zwei Teile spaltet: in einen revolutionären (Kleinbourgeoisie) und einen paktiererischen (Großbourgeoisie), von denen der erste den revolutionären Kampf weiterführt, der zweite dagegen einen Block mit dem Imperialismus bildet.

Fünftens darin, dass sich in solchen Ländern neben dem imperialistischen Block noch ein anderer Block herausbildet, ein Block der Arbeiter und der revolutionären Kleinbourgeoisie, ein antiimperialistischer Block, der sich die vollständige Befreiung vom Imperialismus zum Ziel setzt.

Sechstens darin, dass in solchen Ländern die Frage der Hegemonie des Proletariats und der Befreiung der Volksmassen von dem Einfluss der paktiererischen nationalen Bourgeoisie einen immer aktuelleren Charakter annimmt.

Siebentens darin, dass durch diesen Umstand der Zusammenschluss der nationalen Befreiungsbewegung solcher Länder mit der proletarischen Bewegung der fortgeschrittenen Länder des Westens bedeutend erleichtert wird.

Daraus ergeben sich zum mindesten drei Schlussfolgerungen:

1. Die Befreiung der kolonialen und abhängigen Länder vom Imperialismus ist ohne eine siegreiche Revolution unmöglich: die Unabhängigkeit fällt einem nicht in den Schoß.

2. Das Vorantreiben der Revolution und die Erkämpfung der vollen Unabhängigkeit der kapitalistisch entwickelten Kolonien und abhängigen Länder ist unmöglich ohne die Isolierung der paktiererischen nationalen Bourgeoisie, ohne die Befreiung der kleinbürgerlichen revolutionären Massen von dem Einfluss dieser Bourgeoisie, ohne die Durchführung der Politik der Hegemonie des Proletariats, ohne die Organisierung der fortgeschrittenen Elemente der Arbeiterklasse in einer selbständigen kommunistischen Partei.

3. Ein dauerhafter Sieg in den kolonialen und abhängigen Ländern ist unmöglich ohne den realen Zusammenschluss der Befreiungsbewegung dieser Länder mit der proletarischen Bewegung der fortgeschrittenen Länder des Westens.

Die Grundaufgabe der Kommunisten der kolonialen und abhängigen Länder besteht darin, diese Schlussfolgerungen zum Ausgangspunkt ihrer revolutionären Arbeit zu machen.

Worin bestehen in Anbetracht dieser Umstände die nächsten Aufgaben der revolutionären Bewegung der Kolonien und abhängigen Länder?

Die Eigenart der Kolonien und abhängigen Länder besteht im gegenwärtigen Moment darin, dass es überhaupt keinen einheitlichen und allumfassenden kolonialen Osten mehr gibt. Früher pflegte man sich den kolonialen Osten als etwas Einheitliches und Gleichartiges vorzustellen. Jetzt entspricht diese Vorstellung nicht mehr der Wirklichkeit. Heute haben wir mindestens drei Kategorien kolonialer und abhängiger Länder. Erstens Länder wie Marokko, die gar kein oder fast gar kein eigenes Proletariat besitzen und in industrieller Hinsicht vollständig unentwickelt sind. Zweitens Länder wie China und Ägypten, die industriell wenig entwickelt sind und ein zahlenmäßig relativ schwaches Proletariat besitzen. Drittens Länder wie Indien, die kapitalistisch mehr oder weniger entwickelt sind und ein zahlenmäßig mehr oder weniger starkes nationales Proletariat besitzen.

Es ist klar, dass man unmöglich alle diese Länder auf eine Stufe stellen kann.

In Ländern wie Marokko, wo die nationale Bourgeoisie noch keine Ursache hat, sich in eine revolutionäre und eine paktiererische Partei zu spalten, besteht die Aufgabe der kommunistischen Elemente darin, alle Maßnahmen zu treffen, um eine nationale Einheitsfront gegen den Imperialismus zu schaffen. Der Zusammenschluss der kommunistischen Elemente zu einer einheitlichen Partei kann in solchen Ländern nur im Verlauf des Kampfes gegen den Imperialismus, besonders aber nach einem siegreichen revolutionären Kampf gegen den Imperialismus, vor sich gehen.

In Ländern wie Ägypten oder China, wo die nationale Bourgeoisie sich bereits in eine revolutionäre und eine paktiererische Partei gespalten hat, wo aber der paktiererische Teil der Bourgeoisie noch keine feste Einheit mit dem Imperialismus bilden kann, können die Kommunisten sich bereits nicht mehr das Ziel setzen, eine nationale Einheitsfront gegen den Imperialismus zu bilden. Von der Politik der nationalen Einheitsfront müssen die Kommunisten solcher Länder zur Politik eines revolutionären Blocks der Arbeiter und der Kleinbourgeoisie übergehen. Dieser Block kann in solchen Ländern die Form einer Einheitspartei, einer Arbeiter- und Bauernpartei annehmen, wobei jedoch diese eigenartige Partei in Wirklichkeit ein Block von zwei Kräften sein muss, ein Block der kommunistischen Partei und der Partei der revolutionären Kleinbourgeoisie. Entlarvung der Halbheit und Inkonsequenz der nationalen Bourgeoisie und entschiedener Kampf gegen den Imperialismus - das sind die Aufgaben dieses Blocks. Eine solche aus zwei Teilen zusammengesetzte Partei ist notwendig und zweckdienlich, wenn sie die kommunistische Partei nicht an Händen und Füßen bindet, wenn sie die Agitations- und Propagandafreiheit der kommunistischen Partei nicht beeinträchtigt, wenn sie den Bemühungen nicht hinderlich ist, die Proletarier um die kommunistische Partei zu scharen, wenn sie die tatsächliche Führung der revolutionären Bewegung durch die kommunistische Partei erleichtert. Eine solche aus zwei Teilen zusammengesetzte Partei ist überflüssig und nicht zweckdienlich, wenn sie nicht allen diesen Bedingungen entspricht, denn dann kann sie nur bewirken, dass die kommunistischen Elemente in den Reihen der Bourgeoisie aufgehen und die kommunistische Partei ihre proletarische Armee verliert.

Etwas anders liegen die Dinge in solchen Ländern wie Indien. Das Grundlegende und Neue in den Existenzbedingungen solcher Kolonien wie Indien besteht nicht nur darin, dass die nationale Bourgeoisie sich in eine revolutionäre und eine paktiererische Partei gespalten hat, sondern vor allem darin, dass der paktiererische Teil dieser Bourgeoisie in der Hauptsache bereits mit dem Imperialismus einig geworden ist. Dieser reichste und einflussreichste Teil der Bourgeoisie, der die Revolution mehr fürchtet als den Imperialismus, der um die Interessen des eigenen Geldsacks mehr besorgt ist als um die Interessen der eigenen Heimat, dieser Teil der Bourgeoisie stellt sich mit beiden Füßen in das Lager der erbitterten Feinde der Revolution, bildet einen Block mit dem Imperialismus gegen die Arbeiter und Bauern des eigenen Landes. Ohne Zerschlagung dieses Blocks ist der Sieg der Revolution nicht zu erringen. Um aber diesen Block zu zerschlagen, muss man das Feuer auf die paktiererische nationale Bourgeoisie konzentrieren, indem man ihren Verrat entlarvt, die werktätigen Massen ihrem Einfluss entreißt und systematisch für die Schaffung der Bedingungen Sorge trägt, die für die Hegemonie des Proletariats unerlässlich sind. Mit anderen Worten, es handelt sich darum, in Kolonien wie Indien das Proletariat für die Führerrolle in der Befreiungsbewegung vorzubereiten und die Bourgeoisie samt ihren Herolden von diesem Ehrenposten Schritt um Schritt zu verdrängen. Schaffung eines revolutionären antiimperialistischen Blocks und Sicherung der Hegemonie des Proletariats in diesem Block - das ist die Aufgabe. Dieser Block kann - was aber nicht immer der Fall zu sein braucht - die Form einer einheitlichen Arbeiter- und Bauernpartei annehmen, die formell durch eine gemeinsame Plattform zusammengehalten wird. Die Selbständigkeit der kommunistischen Partei muss in solchen Ländern die grundlegende Losung der sich zum Kommunismus bekennenden fortgeschrittenen Elemente sein, denn die Hegemonie des Proletariats kann nur von der kommunistischen Partei angebahnt und realisiert werden. Jedoch kann und soll die kommunistische Partei einen offenen Block mit dem revolutionären Flügel der Bourgeoisie bilden, um die paktiererische nationale Bourgeoisie zu isolieren und die Millionenmassen der städtischen und ländlichen Kleinbourgeoisie im Kampf gegen den Imperialismus führen zu können.

Hieraus ergeben sich als nächste Aufgaben für die revolutionäre Bewegung der kapitalistisch entwickelten Kolonien und abhängigen Länder:

1. Gewinnung der besten Elemente der Arbeiterklasse für den Kommunismus und Schaffung selbständiger kommunistischer Parteien.

2. Schaffung eines national-revolutionären Blocks der Arbeiter, Bauern und der revolutionären Intelligenz gegen den Block der paktiererischen nationalen Bourgeoisie und des Imperialismus.

3. Sicherung der Hegemonie des Proletariats in diesem Block.

4. Kampf für die Befreiung der städtischen und ländlichen Kleinbourgeoisie von dem Einfluss der paktiererischen nationalen Bourgeoisie.

5. Sicherung des Zusammenschlusses der Befreiungsbewegung mit der proletarischen Bewegung der fortgeschrittenen Länder.

Das sind die drei Gruppen der nächsten Aufgaben, vor denen die Funktionäre in den kolonialen und abhängigen Ländern des Ostens stehen.

Diese Aufgaben nehmen einen besonders ernsten Charakter an und gewinnen besonders große Bedeutung, wenn man sie im Licht der gegenwärtigen internationalen Lage betrachtet. Die augenblickliche internationale Lage wird dadurch charakterisiert, dass in der revolutionären Bewegung eine Periode der zeitweiligen Stille eingesetzt hat. Was heißt aber Stille, was kann sie im gegenwärtigen Augenblick bedeuten? Sie kann nichts anderes bedeuten als einen verstärkten Druck auf die Arbeiter des Westens, auf die Kolonien des Ostens und vor allem auf die Sowjetunion als den Bannerträger der revolutionären Bewegung aller Länder. Es dürfte kaum zu bezweifeln sein, dass die Vorbereitung zu diesem Druck auf die Sowjetunion in den Reihen der Imperialisten bereits begonnen hat. Die Verleumdungskampagne anlässlich des Aufstands in Estland[32], die abgefeimte Hetze gegen die Sowjetunion im Zusammenhang mit der Explosion in Sofia, der allgemeine Feldzug der bürgerlichen Presse gegen unser Land - all das ist die Vorbereitung zum Angriff. Das ist die artilleristische Vorbereitung der öffentlichen Meinung, darauf berechnet, die Spießbürger an Ausfälle gegen die Sowjetunion zu gewöhnen und die moralischen Voraussetzungen für eine Intervention zu schaffen. Was bei dieser Lügen- und Verleumdungskampagne herauskommen wird, ob die Imperialisten es wagen werden, einen ernsthaften Angriff zu unternehmen - das werden wir noch sehen. Dass aber diese Ausfälle den Kolonien nichts Gutes verheißen, darüber dürfte wohl kein Zweifel bestehen. Darum ist die Vorbereitung eines Gegenschlags der vereinigten Kräfte der Revolution gegen den wahrscheinlichen Schlag seitens des Imperialismus eine nicht zu umgehende Tagesfrage.

Darum ist es gegenwärtig von besonderer Bedeutung, dass die nächsten Aufgaben der revolutionären Bewegung in den Kolonien und abhängigen Ländern unentwegt erfüllt werden.

Worin besteht nun in Anbetracht aller dieser Umstände die Mission der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der kolonialen und abhängigen Länder? Diese Mission besteht darin, allen Besonderheiten der revolutionären Entwicklung dieser Länder Rechnung zu tragen und der Erziehung der aus diesen Ländern stammenden Kader eine Richtung zu geben, die die Erfüllung der oben erwähnten verschiedenartigen nächsten Aufgaben gewährleistet.

In der Universität der Völker des Ostens gibt es ungefähr 10 verschiedene Gruppen von Hörern, die aus den kolonialen und abhängigen Ländern zu uns gekommen sind. Jedermann weiß, dass diese Genossen nach Aufklärung und Wissen dürsten. Die Aufgabe der Universität der Völker des Ostens besteht darin, aus ihnen wirkliche Revolutionäre zu schmieden, die, gewappnet mit der Theorie des Lenin ismus, ausgerüstet mit der praktischen Erfahrung des Lenin ismus, fähig sind, die nächsten Aufgaben der Befreiungsbewegung der Kolonien und abhängigen Länder nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen.

Dabei muss man im Auge haben, dass sich in der Praxis der Funktionäre des kolonialen Ostens zwei Abweichungen geltend machen, gegen die ein Kampf geführt werden muss, will man wirklich revolutionäre Kader erziehen.

Die erste Abweichung besteht in der Unterschätzung der revolutionären Möglichkeiten der Befreiungsbewegung und in der Elberschätzung der Idee der allumfassenden nationalen Einheitsfront in den Kolonien und abhängigen Ländern, ohne Berücksichtigung des Zustands und der Entwicklungsstufe dieser Länder. Das ist eine Abweichung nach rechts, die die Gefahr in sich birgt, dass die revolutionäre Bewegung auf eine tiefere Stufe hinabgedrückt wird und die kommunistischen Elemente in dem allgemeinen Chorus der bürgerlichen Nationalisten aufgehen. Entschiedener Kampf gegen diese Abweichung ist die direkte Pflicht der Universität der Völker des Ostens.

Die zweite Abweichung besteht in der Überschätzung der revolutionären Möglichkeiten der Befreiungsbewegung und in der Unterschätzung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der revolutionären Bourgeoisie gegen den Imperialismus. An dieser Abweichung scheinen die Kommunisten auf Java zu kranken, die unlängst fälschlicherweise die Losung der Sowjetmacht für ihr Land aufgestellt haben. Das ist eine Abweichung nach links, die die Gefahr in sich birgt, dass sich die kommunistische Partei von den Massen loslöst und in eine Sekte verwandelt. Entschiedener Kampf gegen diese Abweichung ist eine unerlässliche Bedingung für die Erziehung wirklich revolutionärer Kader für die Kolonien und abhängigen Länder des Ostens.

Das sind im Großen und Ganzen die politischen Aufgaben der Universität der Völker des Ostens hinsichtlich der Völker des Sowjetostens und des kolonialen Ostens.

Wir wollen hoffen, dass die Universität der Völker des Ostens es verstehen wird, diese Aufgaben in Ehren zu erfüllen.

„Prawda” Nr. 115,
22. Mai 1925.

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