"Stalin"

Werke

Band 7

AN ALLE MITGLIEDER DER REDAKTION DER
„KOMSOMOLSKAJA PRAWDA"[33]

Genossen! In Anbetracht der großen Bedeutung, die der „Komsomolskaja Prawda” zukommt, möchte ich Ihnen unsere ersten Eindrücke über einige in dieser Zeitung veröffentlichte Artikel mitteilen.

1. Wir sind der Ansicht, dass einige Stellen in Stezkis Artikeln „Eine neue Etappe der Neuen Ökonomischen Politik” Zweifel hervorrufen. In diesen Artikeln wird, allerdings in milder Form, für die Losung „Bereichert euch!” Stellung genommen. Diese Losung ist nicht unsere Losung, sie ist falsch, sie gibt Anlass zu einer ganzen Reihe von Zweifeln und Missverständnissen und darf in einem richtunggebenden Artikel der „Komsomolskaja Prawda” nicht vorkommen. Unsere Losung ist die sozialistische Akkumulation. Wir beseitigen die administrativen Schranken, die der Hebung des Wohlstands auf dem Lande im Wege stehen. Diese Maßnahme erleichtert zweifellos jegliche Akkumulation, sowohl die privat-kapitalistische als auch die sozialistische. Aber noch niemals hat die Partei gesagt, dass sie die private Akkumulation zu ihrer Losung mache. Wir entfalten die NÖP und lassen die private Akkumulation deshalb zu, weil wir die Verwirklichung unserer Losung, der Losung der sozialistischen Akkumulation im System unserer Volkswirtschaft erleichtern wollen. Es ist möglich, dass einige unserer Genossen diese Frage als strittig ansehen. Aber dann muss man eben sagen, dass die Frage der Losung „Bereichert euch!” eine strittige Frage ist, und die Artikel, die für diese Losung Stellung nehmen, müssen als Diskussionsbeitrag veröffentlicht werden. Anderseits ist es klar, dass die „Komsomolskaja Prawda” kein Diskussionsorganist, sondern vor allem ein positives Organ, das dem Leser die für die Partei allgemeingültigen Losungen und Grundsätze vermittelt.

Mit einem Wort, wie man auch an die Frage herangeht, vorn formalen Standpunkt oder vom grundsätzlichen Standpunkt, Stezkis Artikel muss in diesem Punkt als unbefriedigend angesehen werden. Man sollte in Zukunft vorsichtiger sein.

2. Nicht völlig annehmbar ist auch ein gewisser Punkt in Stezkis Artikeln, der Punkt über die nichtkapitalistische Entwicklung auf dem Lande. Früher konnte man von einem nichtkapitalistischen Entwicklungsweg sprechen. Jetzt, da faktisch der Kampf zwischen den Elementen der sozialistischen und der kapitalistischen Entwicklung begonnen hat und mit voller Schärfe zur Entfaltung kommt, wäre es richtiger, vom sozialistischen Entwicklungsweg zu sprechen. Sonst kann der Eindruck entstehen, dass es außer den zwei Entwicklungswegen, dem kapitalistischen und dem sozialistischen, noch einen dritten Weg gebe, was falsch und keinesfalls stichhaltig ist.

3. Als falsch erscheint mir ferner eine gewisse Stelle in Slepkows Artikel „Über das Lenin sche Erbe”, nämlich, dass Kommunisten und Jungkommunisten in der organisatorisch-politischen Arbeit mit dem parteilosen Aktiv der Bauernschaft werden konkurrieren müssen. Bisher stellten wir die Frage so, dass ein solches Aktiv um die Partei geschaffen und dass es erzogen werden soll, und das galt als richtig. Jetzt wirft Slepkow eine neue Frage auf, die Frage der Konkurrenz der Kommunisten und Jungkommunisten mit dem parteilosen Aktiv, das erst noch geschaffen werden muss. Das ist falsch, und das lässt sich mit unserer ganzen Kampagne nicht vereinbaren, die wir unter der Losung der Belebung der Sowjets durchführen. Nicht konkurrieren muss man mit diesem Aktiv, sondern es schaffen und erziehen.

4. Es wäre gut, eine systematische Herausgabe von Beilagen zur „Komsomolskaja Prawda” in die Wege zu leiten in Form populärer Broschüren der bedeutendsten Theoretiker des Marxismus über den Kommunismus, über die Diktatur des Proletariats, über die Oktoberrevolution sowie über verschiedene Zweige der Wirtschaft und Verwaltung, die direkte Beziehung zur praktischen Arbeit des Aktivs des Kommunistischen Jugendverbands in der Stadt und auf dem Lande haben. Solche Beilagen in Form kleiner Broschüren könnten später eine Art kleiner Bibliothek für die Aktivisten des Kommunistischen Jugendverbands bilden, was unbedingt von größter Bedeutung für die Erziehung des Aktivs des Kommunistischen Jugendverbands wäre.

5. Es wäre gut, den Stil der Artikel in der „Komsomolskaja Prawda” zu vereinfachen, die Mitarbeiter zu verpflichten, einfach, in kurzen Sätzen, möglichst ohne den Gebrauch von Fremdwörtern zu schreiben, so, wie Iljitsch zu schreiben verstand. Im äußersten Fall, wenn man schon nicht ohne Fremdwörter auskommen kann, könnte man, wiederum als Beilage zur „Komsomolskaja Prawda”, ein kleines Fremdwörterbuch bringen oder zumindest im Text der Artikel entsprechende Erläuterungen

geben.

J. Stalin
W. Molotow
A. Andrejew

Moskau, 2. Juni 1925.

Zum erstenmal veröffentlicht.

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