"Stalin"

Werke

Band 7

AN DIE J. M. SWERDLOW-UNIVERSITÄT

Zum Abschluss des zweiten Grundlehrgangs und des Gewerkschaftslehrgangs

Die Swerdlow-Universität ist eins der mächtigsten Instrumente zur Heranbildung der leitenden Kader der Partei, die die Massen führen sollen.

In den Jahren ihres Bestehens vermochte es die Swerdlow-Universität bereits, der Partei ganze Scharen von Funktionären zuzuführen, die an allen Fronten des sozialistischen Aufbaus tätig sind.

Heute führt die Universität der Partei wiederum eine zum größten Teil aus Arbeitern bestehende Schar von 214 Studenten zu.

Damit die künftige Arbeit dieser Gruppe angesichts der komplizierten Aufgaben des Aufbaus, vor denen die Partei steht, fruchtbar sei, muss diese Gruppe einige in unserer Situation aufgetretene neue Umstände berücksichtigen, die gegenwärtig von entscheidender Bedeutung sind.

Was sind das für Umstände?

Das ist erstens die Tatsache, dass die Hauptklassen unseres Landes, das Proletariat und die Bauernschaft, sich in der letzten Zeit wesentlich verändert haben, dass sie sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht aktiver geworden sind und infolgedessen fordern, dass die Partei auf neue Art und Weise an sie herangehe. Eine deklassierte Arbeiterklasse gibt es bei uns bereits nicht mehr - wir haben jetzt eine fest geformte und kraftvolle Klasse der Proletarier, die in kultureller und politischer Hinsicht gewachsen ist und infolgedessen eine elastischere und umsichtigere Führung von seiten der Partei fordert. Dasselbe lässt sich über die Bauernschaft sagen. Das ist schon nicht mehr die alte Bauernschaft, die von den alten Skorpionen gehetzt wurde, die von der Angst, den früheren Gutsbesitzerboden zu verlieren, ergriffen oder durch die Schranken der Ablieferungspflicht beengt war. Das ist eine neue Bauernschaft, die in kultureller Hinsicht gewachsen ist, die den Gutsbesitzer und die Ablieferungspflicht bereits vergessen hat, die billige Waren und hohe Getreidepreise verlangt und die von der Partei herausgegebene Losung der Belebung der Sowjets restlos auszunutzen versteht. Maximale Elastizität gegenüber der heutigen Bauernschaft - das wird jetzt von der Partei gefordert. Die Bauernschaft erneut für das Proletariat zu gewinnen - das ist jetzt die Aufgabe der Partei.

Das ist zweitens der Umstand, dass der Mittelbauer in einer ganzen Reihe von Bezirken einen Block mit dem Kulaken eingegangen ist. Das ist die wesentlichste Tatsache, die man keine Minute lang vergessen darf. Diktatur des Proletariats bedeutet, vom Standpunkt des Bündnisses der Arbeiter und Bauern aus betrachtet, Führung der Bauernschaft durch das Proletariat. Was bedeutet aber, die Bauernschaft führen? Das bedeutet, das Vertrauen der Hauptmasse der Bauernschaft zur Arbeiterklasse und zu ihrer Partei vollständig wiederherstellen. Ohne ein solches Vertrauen gibt es keine proletarische Führung, ohne eine solche Führung gibt es keine Diktatur des Proletariats. Daher ist es die Aufgabe der Partei und der Parteifunktionäre, ihre Arbeit auf die Wiederherstellung des vollen Vertrauens der Hauptmasse der Bauernschaft zur Arbeiterklasse einzustellen.

Das ist drittens der Umstand, dass unsere Parteifunktionäre in letzter Zeit begonnen haben, über der Losung „Das Gesicht dem Dorfe zu” die Arbeiter allmählich zu vergessen, und außer acht ließen, dass wir, wenn wir das Gesicht dem Dorfe zuwenden, der Stadt und vor allem dem Proletariat nicht den Rücken kehren dürfen. Das ist gleichfalls eine neue Tatsache, die man keine Minute lang vergessen darf. Man muss dessen eingedenk sein, dass sich in der Arbeiterklasse in letzter Zeit das Gefühl der Kraft und das Gefühl der eigenen Würde besonders entwickelt und aus-geprägt haben. Das bedeutet, dass sich bei der Klasse, die bei uns die herrschende Klasse ist, das Gefühl, Herr des Landes zu sein, stärker herausgebildet hat. Das, Genossen, ist eine gewaltige Errungenschaft in unserer gesamten Arbeit, denn eine Arbeiterklasse, die sich nicht nur als arbeitende Klasse, sondern auch als regierende Klasse fühlt - eine solche Klasse ist fähig, Wunder zu vollbringen. Das heißt aber, dass derjenige unter den Kommunisten, der bei seiner Arbeit nicht dem Umstand Rechnung trägt, dass sich die Klasse der Proletarier als Herr des Landes fühlt, nichts von der neuen Situation begriffen hat, dass er, strenggenommen, kein Kommunist ist, dass er sich unbedingt den Hals brechen wird. Daher muss man, wenn man über die Losung „Das Gesicht dem Dorfe zu” spricht, zugleich dessen eingedenk sein, dass die Hauptklasse, die berufen ist, diese Losung zu verwirklichen, die Arbeiterklasse ist, dass diese Losung nur insofern verwirklicht werden kann, als die Arbeiterklasse zur wirklich führenden Kraft im Lande wird. Daher besteht die nächste Aufgabe der Partei darin, zu erreichen, dass unsere Parteifunktionäre in den einzelnen Orten endlich begreifen, dass die größte Aufmerksamkeit und das größte Verständnis für ausnahmslos alle Bedürfnisse der Arbeiterklasse, sowohl der materiellen als auch der kulturellen, absolut notwendig sind.

Die Aufgabe Ihrer Absolventengruppe besteht darin, alle diese Umstände bei der Arbeit draußen im Lande zu berücksichtigen.

Ich zweifle nicht daran, dass Sie es verstehen werden, diese Aufgabe zu erfüllen.

Gestatten Sie mir, Ihnen bei der künftigen Arbeit vollen Erfolg zu wünschen.

Mit kommunistischem Gruß

J. Stalin

„Prawda” Nr. 132,
13. Juni 1925.

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